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Am Mittwochmorgen überraschte RWE die Anleger mit der Vorlage vorläufiger Ergebnisse zum ersten Halbjahr. Die von RWE ermittelten Analystenerwartungen wurden übertroffen, die 2026er-Prognose angehoben. Das klang perfekt … aber die Aktie reagierte nicht, wie sie sollte.
Standard ist es nicht, dass Energiekonzerne wie RWE mit Vorab-Zahlen aufwarten. Daher dürften einige überrascht gewesen sein, dass der Essener Energieversorger zwei Wochen vor der eigentlichen, am 13. August anstehenden Halbjahresbilanz vorläufige Ergebnisse auf den Tisch legte. Aber wenn die Zahlen stark ausfallen, tun Unternehmen das schon mal gerne. Und das war hier der Fall.
Der Umsatz wurde gestern nicht gemeldet, dafür aber die Gewinnentwicklung – und die ist für die Investoren letztlich auch interessanter. Im ersten Halbjahr gelang RWE ein Anstieg beim um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf 3,0 Milliarden Euro, der Nettogewinn kam auf knapp 1,3 Milliarden. Für den Gewinn pro Aktie bedeutete das 1,77 Euro.
Auf Basis dieser laut RWE über dem Prognoseschnitt liegenden Zahlen wurde die Prognose für das Gesamtjahr in Bezug auf den Nettogewinn von bislang 1,55 bis 2,05 Milliarden auf 1,95 bis 2,45 Milliarden angehoben. Den Gewinn pro Aktie sieht der Konzern bei etwa 2,95 Euro, bislang war man von 2,55 Euro ausgegangen. Auch für 2027 ging es mit dem Ausblick höher, hier wird dann ein Gewinn pro Aktie von 3,15 Euro angepeilt.
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Expertenmeinung: Starke Zahlen, die aber keinen Befreiungsschlag für die Aktie nach sich zogen. Was hielt die Akteure davon ab, auf diese vorläufigen Ergebnisse hin beherzt zuzugreifen?
Eine wirklich stichhaltige, rational unterfütterte Erklärung dafür findet sich nicht. Die Aktie ist, gerade mit Blick auf die durch die höhere Gewinnprognose niedrigere Bewertung über das Kurs-Gewinn-Verhältnis, nicht zu teuer. Die Analysten sind großenteils bullisch, 15 von 18 Experten stufen RWE mit „Kaufen“ ein. Und deren durchschnittliches Kursziel liegt mit 65,80 Euro noch deutlich über dem derzeitigen Kursniveau. Hinzu kommt, dass die Aktie alles andere als markttechnisch heiß gelaufen ist. Immerhin geht es mit dem Kurs bereits seit März seitwärts.
Es könnte durchaus reine Marktpsychologie sein, die dazu führte, dass am Ende nur noch ein mickriges Plus von 0,11 Prozent übrig blieb, nachdem der RWE-Kurs anfangs immerhin gut 4,4 Prozent in die Gewinnzone gelaufen war. Das nervöse Marktumfeld könnte dazu geführt haben, dass zu viele in diese kleinen Gewinne am Morgen hinein bereits Kasse machten und dies andere Akteure irritierte, nach dem Motto: „Wenn da so wenige kaufen, lasse ich es besser auch.“ Belastbar sind solche Überlegungen natürlich nie, schließlich sind die Motive der Akteure vielfältig und nie sicher bestimmbar, aber:
Was faktisch greifbar ist, ist eine Aktie, die mit dem Rückenwind dieser vorläufigen Bilanzzahlen den Befreiungsschlag aus der monatelangen Topbildung hätte vollziehen können, es aber nicht geschafft hat. Damit sollte der Blick weiter vor allem auf der Unterseite der Handelsspanne ruhen:
Würde RWE die Nackenlinienzone dieses Tops zwischen 53,70 und 54,96 Euro unterschreiten und darüber hinaus die aktuell bei 52,08 Euro verlaufende 200-Tage-Linie brechen, wäre das aus rein charttechnischer Sicht ein mittelfristig bärisches Signal. Und wenn man weiß, dass sich die Kurse sehr oft nicht rational bewegen und diese Aktie vor 2025 jahrelang trotz durchweg bullischer Analystenkursziele vor sich hin vegetierte, sollte man die Vollendung dieses Tops trotz starker Bilanzzahlen besser nicht ausschließen.

Quellenangaben:
Vorläufige Ergebnisse zum 1. Halbjahr 2026, 28.07.2026: https://www.rwe.com/investor-relations/finanzkalender-und-veroeffentlichungen/news-und-ad-hoc-mitteilungen/news/news-2026-07-28/
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/RWE.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.07.2026 um 20:31 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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