Kaum eine Branche vereint so hohe Eintrittsbarrieren, planbare Erträge und attraktive Margen wie die Luft- und Raumfahrt. Gibt es noch vergleichsweise günstig bewertete Aktien?
Warum Spitzenunternehmen dieser Branche selten günstig sind
In der Regel sind die meisten Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie höher bewertet als der S&P 500.
Dafür gibt es mehrere strukturelle Gründe. Kaum eine Branche hat höhere Eintrittsbarrieren. Neue Wettbewerber müssen Milliarden investieren, jahrelange Entwicklungszyklen finanzieren und strenge Zulassungsverfahren durchlaufen. Hinzu kommen Zertifizierungen, Sicherheitsanforderungen und langjährige Kundenbeziehungen. Das schützt etablierte Unternehmen vor neuer Konkurrenz und führt oft zu hohen Kapitalrenditen.
Darüber hinaus gibt es in vielen Bereichen nur wenige Anbieter, oft handelt es sich demnach um Oligopole. Bei Verkehrsflugzeugen dominieren beispielsweise Airbus und Boeing.
Unternehmen wie GE Aerospace, Rolls-Royce Holdings und RTX (Pratt & Whitney) teilen sich beispielsweise den Markt für Flugzeugtriebwerke. Avionik oder Satellitentechnik werden ebenfalls von wenigen großen Anbietern dominiert.
Da die Zyklen in der Branche außergewöhnlich lange sind, ist die zukünftige Entwicklung oft sehr gut vorhersehbar. Viele Unternehmen verfügen über Auftragsbestände, die fünf bis zehn Jahre oder sogar länger reichen.
Hohe Eintrittsbarrieren, hohe Planbarkeit
Ein Flugzeughersteller oder Flugzeugzulieferer weiß in der Regel heute schon in etwa, wie hoch der Umsatz in einem oder drei Jahren sein wird. Diese hohe Planbarkeit reduziert das Risiko und wird mit höheren Bewertungen honoriert.
Der Verkauf eines Flugzeugs oder einzelner Teilen ist längst nicht das Ende der Wertschöpfung, sondern oft der Beginn eines jahrzehntelangen Geschäfts. Flugzeuge müssen regelmäßig gewartet werden, benötigen Ersatzteile und werden kontinuierlich modernisiert. Gerade diese Service- und Wartungsverträge sind für viele Unternehmen besonders attraktiv, weil sie planbare Umsätze mit hohen Margen ermöglichen.
Hinzu kommt das strukturelle Wachstum des Marktes. Der weltweite Flugverkehr wächst langfristig, getrieben durch steigenden Wohlstand, eine wachsende Mittelschicht in Schwellenländern und die zunehmende globale Vernetzung.
Gleichzeitig müssen ältere Flugzeugflotten ersetzt werden, weil neue Modelle effizienter und umweltfreundlicher sind. Davon profitieren nicht nur die großen Flugzeugbauer, sondern auch zahlreiche Zulieferer und Technologiekonzerne entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Rolle der Verteidigung. Viele Luft- und Raumfahrtunternehmen sind gleichzeitig stark im Rüstungsbereich aktiv. Dieser Bereich ist weniger abhängig vom Konjunkturzyklus, da Staaten ihre Verteidigungsbudgets langfristig planen. Angesichts geopolitischer Spannungen investieren viele Länder zunehmend in moderne Flugzeuge, Satelliten, Raketenabwehr und digitale Verteidigungssysteme.
Ein Spezialist
Nachdem ich eigentlich nur kurz auf die Branche als Ganzes eingehen wollte, kommen wir jetzt wieder zurück zu Dassault Aviation.
Dassault Aviation ist einer der weltweit renommiertesten Hersteller von Militärflugzeugen und Businessjets. Das Unternehmen entwickelt und produziert unter anderem das Mehrzweckkampfflugzeug Rafale sowie die Falcon-Businessjets. Anders als viele große Rüstungskonzerne konzentriert sich Dassault Aviation auf vergleichsweise wenige Produkte.
Das Geschäft besteht im Wesentlichen aus zwei Säulen. Die Sparte Defense entwickelt und produziert das Rafale-Kampfflugzeug, das sich in den vergangenen Jahren zu einem der erfolgreichsten Exportkampfflugzeuge der Welt entwickelt hat.
Großaufträge aus Ländern wie Indien, Ägypten, Indonesien, Griechenland oder den Vereinigten Arabischen Emiraten haben den Auftragsbestand auf Rekordniveau steigen lassen. Hinzu kommen langfristige Einnahmen aus Wartung, Modernisierung und Ersatzteilen, die über Jahrzehnte stabile Umsätze generieren. Im zivilen Bereich gehört die Falcon-Familie zu den angesehensten Businessjets der Welt und konkurriert mit Modellen von Gulfstream und Bombardier.
Ein besonderes Merkmal von Dassault Aviation ist die starke Bilanz. Das Unternehmen verfügt traditionell über hohe Liquiditätsreserven und hat nahezu keine Schulden.
Ausblick und Bewertung
Im Gegensatz zu den meisten Luft- und Raumfahrtaktien wird Dassault Aviation nicht mit einem KGV von 30 oder mehr gehandelt. Die Bewertung ist deutlich niedriger als bei den meisten Unternehmen im Sektor.
Darüber hinaus sind die Wachstumsraten vergleichsweise hoch. Im laufenden Geschäftsjahr dürfte der Gewinn um 16 % auf 14,40 Euro je Aktie steigen. Dassault Aviation kommt demnach auf ein KGVe von 21,2.
Das ist in Anbetracht der vorliegenden Wachstumsraten vergleichsweise wenig, selbst wenn man den Sektor nicht in die Überlegung einbezieht.
Das gilt umso mehr, da sich die Dynamik weiter beschleunigen soll. Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis im kommenden Jahr um 22 % auf 18,12 Euro je Aktie steigen.
Dadurch würde das KGV auf 16,9 sinken.

Dass der Gewinn weiter steigen dürfte, ist wahrscheinlich, denn zuletzt lag der Auftragsbestand von Dassault Aviation bei 45,4 Mrd. Euro, was mehr als dem sechsfachen Jahresumsatz entspricht.
Gleichzeitig hält Dassault Aviation eine bedeutende Beteiligung am französischen Technologiekonzern Thales in Höhe von 26,59 %, wodurch die Gesellschaft zusätzlich vom Erfolg eines der führenden europäischen Rüstungs- und Elektronikkonzerne profitieren kann.
Die Beteiligung ist nach der Equity-Methode bilanziert und hat aktuell einen Wert von etwa 13,7 Mrd. Euro. Das entspricht mehr als der Hälfte des Börsenwerts von Dassault Aviation.
Man könnte also problemlos argumentieren, dass das operative Geschäft von Dassault noch wesentlich niedriger bewertet ist als es oberflächlich betrachtet ohnehin schon der Fall ist. Wenngleich der anteilige Nettogewinn von Thales auch in die Gewinn- und Verlustrechnung einfließt.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.07.2026 um 11:00 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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