Die italienische UniCredit hält seit Längerem knapp 30 Prozent der Commerzbank-Aktien. Und genauso lang fragte man sich: Was kommt als Nächstes? Gestern kam scheinbar die Antwort… Und eine Kursreaktion, die darauf hindeutet, dass der Markt hier einen Trick vermutet.
Irgendwie beschlich einen das Gefühl, dass diese Meldung der UniCredit nicht wirklich Sinn ergibt. Man avisierte, etwa Anfang Mai ein offizielles, freiwilliges Übernahmeangebot zu starten, mit dem man den jetzt bei knapp 30 Prozent liegenden, eigenen Anteil erhöht, ohne aber die Kontrolle über die Commerzbank erlangen zu wollen. Zugleich avisierte man, dass das Angebot nach Prüfung durch die deutsche BaFin voraussichtlich 0,485 UniCredit-Aktien für eine Commerzbank-Aktie betragen würde. Was auf Basis der der Meldung zugrundeliegenden Schlusskurse beider Aktien am vergangenen Freitag einem keineswegs attraktiven Aufschlag von um die vier Prozent für diejenigen bedeuten würde, die der UniCredit ihre Commerzbank-Aktien andienen würden.
Man hätte denken können, dass sich die Commerzbank-Aktie angesichts dieses Vorschlags (siehe dazu auch die heutige Analyse von UniCredit) umgehend an diese 48,5 Prozent des UniCredit-Kurses ankoppeln würde. Aber das war nicht der Fall. Die UniCredit stieg am Montag nur geringfügig, während die Commerzbank-Aktie mit +8,62 Prozent zum Tagessieger wurde. Wodurch dieser avisierte „Umtauschkurs“ überboten wurde. Sprich jetzt würde man, wenn die UniCredit-Aktie nicht nachzieht, sogar einen Abschlag hinnehmen müssen. Erwartet man, dass die UniCredit ihr Angebot noch hochschraubt, wenn man ihr nicht genug Aktien andient?
Das wäre eine mögliche Erklärung, es könnte aber auch eine andere geben. Das Problem der UniCredit ist, dass die italienische Großbank zu einem Pflicht-Übernahmeangebot gezwungen würde, wenn sie ihren Anteil aktiv über 30 Prozent erhöht. Wenn ihr aber Anleger die CoBank-Aktien über eben dieses avisierte „freiwillige Übernahmeangebot“ freiwillig andienen, wäre man um diese Klippe herum und könnte selbst weitere Aktien am Markt aufkaufen, wie man das bereits mit einem Gutteil des bestehenden Anteils tat. Aber anders als damals hätte die Sache einen Haken:
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Expertenmeinung: Das ergäbe nur dann einen Sinn, wenn der Preis, den man dann für Käufe über den Aktienmarkt bezahlt, nicht absurd hoch wäre. Immerhin hatte die UniCredit ihre bisherige Beteiligung zu einem drastisch niedrigeren Kurs erworben. Wird die Commerzbank-Aktie zu teuer, würde dieser Kniff also auf diesem Weg ausgehebelt. Und da sich die Commerzbank selbst über diesen Schritt nicht gerade erfreut äußerte und der Bund als Anteilseigner von zwölf Prozent der Commerzbank klarmachte, dass er weder seine Anteile verkaufen wolle noch die Übernahme gutheiße, wäre es durchaus nicht auszuschließen, dass Marktteilnehmer auf diesem Weg versuchen, die Aktie für die UniCredit zu teuer zu machen …
… oder aber versuchen, die italienische Bank zu zwingen, doch mit einem Pflichtangebot deutlich mehr zu bieten, zumal es dann um eine Barabfindung ginge und nicht um einen Aktientausch. Da Letzteres zudem grundsätzlich das Ziel unterstellt, die Mehrheit der Anteile zu erlangen, könnte das wiederum am Ende an den dafür nötigen Genehmigungen scheitern. Aber was bedeutet das für die Aktie?
Könnte man hier eine lukrative Gemengelage vor sich haben, in welcher die Aktie so gezielt immer höher geschraubt wird, dass die UniCredit das Vorhaben aufgibt? Ausgeschlossen ist das zwar nicht, aber hier käme schon der nächste Haken, denn:
Wie eingangs erwähnt hatte die UniCredit ihre Anteile zu weit niedrigeren Kursen aufgebaut. Angenommen, man sieht hier keine Perspektive mehr, was läge dann näher, als die jetzigen knapp 30 Prozent mit einem gewaltigen Gewinn zu verkaufen? Und käme es dazu, würde das den Kurs massiv unter Druck setzen. So gesehen ist hier Vorsicht angebracht.
Wenn, dann sollte man sich hier konsequent entlang charttechnischer Vorgaben bewegen und sich unbedingt über Stop-Loss-Verkaufsorders gegen unerfreuliche Überraschungen absichern. Und wenn man stur nach Charttechnik vorgeht, würde man jetzt, trotz des kräftigen Anstiegs am Montag, noch kein Einstiegsargument vorfinden, denn:

Es gelang am Montag zwar, die Auffangzone 29,01 bis 30,74 Euro zu verlassen. Aber damit lief der Commerzbank-Kurs erst einmal nur von unten an die 200-Tage-Linie heran. Und über dieser Charthürde würden dann noch diverse, weitere potenzielle Widerstände warten. Erst wenn es gelingen sollte, mit Schlusskursen über 37,24 Euro die zahlreichen bisherigen Zwischenhochs seit Jahresbeginn zu überwinden, wäre die Aktie wieder explizit bullisch. Und in einer Gemengelage wie dieser, die zwar an Spannung, nicht aber an Klarheit gewonnen hat, könnte das ein steiniger Weg werden.
Quellenangaben:
Statement zur UniCredit-Mitteilung über ein Übernahmeangebot, 16.03.2026:
https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/statement-uebernahmevorstoss-unicredit.html


