Trading mit Systemen (1): Trendfolge-Indikatoren

In unserem Artikel zu den gefährlichsten Fallsticken, die einen Trader zu Fall bringen können, hatten wir hervorgehoben, dass eine starre Meinung über die Perspektiven des Marktes, Entscheidungen aus dem Bauch heraus oder nach permanent wechselnden Kriterien ebenso fatal wirken, wie die Weigerung, sich selbst zu hinterfragen und Glück mit Cleverness zu verwechseln. Es braucht ein planvolles, diszipliniertes Handeln, sonst wird Trading nicht zum Weg zu einem stattlichen Vermögen, sondern zu einem Groschengrab. Nur … wie ließe sich da vorgehen? Mit einem Handelssystem zum Beispiel!

Ein Handelssystem bietet einem aktiven Anleger immense Vorteile. Es weist klare Signale aus, was den Stressfaktor für den Trader reduziert, der nicht Stunden und Tage vor dem Rechner verbringen muss, um auf eine mögliche Einstiegschance zu warten. Und es liefert darüber hinaus Ankerpunkte für die Absicherung der Positionen. Der Haken: Handelssysteme sind komplizierte, immens verschachtelte Systeme, bei denen kaum jemand durchblickt … oder? Keineswegs!

 Das K.I.S.S.-Prinzip

Das ist zwar der Ruf, den Handelssysteme bei vielen Investoren haben. Aber der ist den sogenannten „computergesteuerten Handelsprogrammen“ geschuldet, die höchst geheimnisvoll daherkommen, wie eine „Black Box“ wirken und manchmal tatsächlich extrem kompliziert sind.

Weil diese Programme gerade bei großen Hedgefonds und anderen großen Trading-Adressen im Einsatz sind, viel Geld kosten und für plötzliche, starke Bewegungen an den Börsen sorgen, haben viele das Gefühl, dass es nur so und nicht anders geht: teuer, kompliziert, geheimnisvoll. Aber das ist Falsch!

Weniger ist hier immer mehr. Warum, ist schnell erklärt:

Kursbewegungen an der Börse, egal, ob am Aktienmarkt, bei Rohstoffen, Währungen oder Anleihen, sind nie sicher prognostizierbar und wiederholen sich nie zu 100 Prozent. Es gibt gewisse Muster, aber die sind eher grob strukturiert.

Versucht man, auf dieser Basis auch die kleinsten Besonderheiten durch ein Handelssystem abzudecken, jede Eventualität zu berücksichtigen, wird ein Handelssystem in der Tat immer komplizierter. Aber es wird eben auch anfälliger für Fehlsignale, eben weil sich diese Muster nur in groben Strukturen wiederholen.

Sie werden keine Woche finden, nicht einmal einen Handelstag, der präzise so abläuft wie ein Tag in der Vergangenheit. Das ist der Grund, warum die besten Handelssysteme einfach aufgebaut sind, nach dem guten, alten „K.I.S.S.“-System, das bei der Entwicklung neuer Techniken immer gilt: „Keep It Simple, Stupid“ … zu Deutsch: „Mach es einfach bzw. überschaubar, Blödmann!“

Es geht nicht um Perfektion. Es geht um Gewinne!

Warum aber gibt es dann viele Systeme, die jahrelang entwickelt werden, deren Programme ausgedruckt meterlange Papierrollen wären und die ein Heidengeld kosten? Weil diejenigen, die sie entwickeln und diejenigen, die sie kaufen, einem der typischen Fallstricke unterliegen, die die Börse bereithält: sie wollen perfekt sein, jede kleinste Trading-Chance nutzen und jeden Cent, den man verdienen könnte, auch verdienen.

Natürlich ist das verlockend, aber wer einen Schritt zurück macht, sich die Börse aus der nötigen Distanz betrachtet, die einen den Wald statt nur die einzelnen Bäume erkennen lässt, bemerkt, was diese Klientel nicht bemerkt: Das geht nun einmal nicht.

Die Börse ist nicht perfekt. Sie ist nicht in feste Regeln zu zwingen, weil die, die die Kurse „machen“, eben keine Maschinen, sondern Menschen sind. Und die handeln oft emotional, abrupt, hektisch … und unüberlegt. Das kann ein Programm nicht erfassen, geschweige denn vorausberechnen. Daher ist es weitaus klüger, zu akzeptieren, dass nicht jeder Trade, nicht jedes Signal eines Systems einen Gewinn bringen kann. Entscheidend ist, dass unter dem Strich ein Plus herausspringt. Und dafür sind die einfachen Systeme mit Abstand die besten, denn wenn ein kompliziertes, komplexes System sich „aufhängt“, dann richtig!

In diesem und zwei folgenden Artikeln möchten wir Ihnen einfache Systeme vorstellen, die eine gute Basis für Ihr Trading sein können und die den Vorteil haben, dass Sie alle dazu nötigen Werkzeuge auf Ihrer LYNX Handelsplattform vorfinden. Sehen Sie sich das einfach mal an, experimentieren Sie mit den Parametern, probieren Sie die verschiedenen Beispiele aus und entscheiden Sie dann, was Ihnen am ehesten liegen würde!

Einfaches Trendfolge-Trading-System mit dem MACD

Aber könnte man, wenn man trendkonform tradet, nicht auch einfach die Charttechnik bemühen? Solange ein Trend vorhält, bleibt man ihm treu – basta? Warum ein System?

Das ist zwar richtig. Aber es ist knifflig, charttechnische Signale zu automatisieren bzw. in ein Handelssystem einzufügen. Was man indes tun kann: Man könnte die Charttechnik als letzte Instanz heranziehen, sprich ein Signal erst dann umsetzen, wenn die Charttechnik dazu passt. Sehen wir uns das mal an einem Beispiel an.

Der MACD (Moving Average Convergence Divergence-Indikator) folgt dem Trend, indem er misst, ob der Abstand zwischen zwei gleitenden Durchschnitten zunimmt und damit Aufwärtsdynamik vorliegt, was ein bullisches Signal wäre oder aber die Dynamik abnimmt, was ein bärisches Signal wäre. Er ist der Klassiker unter den Trendfolge-Indikatoren und einfach zu interpretieren: Läuft der Indikator über die rote Signallinie, wird das als Kaufsignal gewertet, fällt er darunter, wäre das ein Shortsignal. Sehen wir uns das für den DAX an:

Sie sehen, dass der MACD den Aufwärtsschub vom Frühjahr, die Korrektur im Sommer und die Rallye im September durchweg mit korrekten Signalen wiedergegeben hat. Natürlich kann der Indikator die Zukunft nicht vorhersagen, schließlich ist er, wie alle anderen Indikatoren auch, nur eine mathematische Ableitung bereits existierender Kurse. Deswegen kann der MACD nicht gleich am ersten oder zweiten Tag einer Bewegung „sein“ Signal abliefern.

Aber kann man denn realistisch erwarten, dass man immer genau am Tief Long und am Hoch Short gehen könnte? Natürlich nicht, denn egal, welchen Chart Sie sich ansehen, Sie werden feststellen, dass man nach ein, zwei oder drei Tagen auch in der Retrospektive nicht hätte sagen können, ob es sich da um eine Gegenbewegung im Zuge eines Trendimpulses oder um die Basis einer Trendwende handelte. Aber:

Zwischen Mitte Juli und Ende August gab es eine Reihe von Fehlsignalen im MACD, die einen aufs Glatteis geführt hätten. Man hätte im abgebildeten Zeitraum zwar alleine mit dem MACD dennoch unter dem Strich etwas verdient. Aber wäre es möglich, auch nur die Hälfte dieser Fehlsignale zu vermeiden, wäre der Gewinn natürlich größer gewesen. Was ließe sich da tun?

Feineinstellung der MACD-Signale durch die „zweite Meinung“

Wenig sinnvoll wäre es, an den Parametern des Indikators herum zu feilen. Denn ob man den Indikator schneller oder langsamer reagieren ließe: In anderen Situationen käme er dann entweder zu früh oder zu spät. Besser wäre es, diesem einen Signalgeber einen zweiten beizuordnen, sozusagen eine „zweite Meinung“ heranzuziehen und nur dann zu agieren, wenn beide Indikationen eine Long- oder Short-Indikation ausweisen.

Es gibt eine ganze Reihe anderer Trendfolge-Indikatoren, die man hierfür einsetzen könnte. Einer der bekanntesten ist der ADXR, eine doppelte Glättung des Directional Movement Indicators (DMI), welcher die Schwungkraft eines Trends misst.

Liegt der Indikator oberhalb seiner roten Signallinie, wäre dies ein bullisches Signal, unterhalb der roten Signallinie ist seine Aussage bärisch. Nehmen wir beide Indikatoren zusammen. Wir würden nur reagieren, wenn MACD und ADXR beide entweder klar bullisch oder bärisch wären. Wobei man immer dann, wenn der eine Indikator ein Signal generiert, der andere zwar auch im Vorfeld ein solches Signal generiert hat, aber in diesem Moment auf seine Signallinie zuläuft und damit abnehmende Dynamik indiziert, lieber wegbleibt.

In diesem Fall kämen folgende Handelssignale zustande. Ein Stern im folgenden Chart zeigt die Zeitpunkte, an dem die beiden Indikatoren ein gegenläufiges Signal generieren und man daher aussteigen und bis zum nächsten klaren Signal neutral bleiben würde.

Sie sehen, die Zahl der Signale wird kleiner, man hätte neutrale Phasen in unklaren Konstellationen. Der Preis, den man dafür zahlt: Bei starken Impulsen dauert es länger, bis beide Indikatoren zugleich ein klares Signal generieren, man würde also später aktiv werden. Perfekt wäre das also auch nicht, aber um es noch einmal klar zu unterstreichen:

Perfekte Signale werden Sie nicht bekommen … das schaffen auch die teuren computergesteuerten Handelsprogramme nicht. Wichtig ist nur eines: Am Ende muss unter dem Strich ein Gewinn stehen.

Auch so geht es: Der MACD kombiniert mit der Charttechnik

Eine andere Variante wäre die Kombination der MACD-Signale mit der klassischen Charttechnik. Das Ergebnis sehen wir im folgenden Chart:

Auch hier entstehen Signale, die tadellose Resultate gebracht hätten und andere, die im Minus geendet hätten. Bedenken Sie dabei bitte, wenn Sie die Signale im Chart betrachten, dass die entsprechenden Widerstände/Unterstützungen und Trendlinien erst einmal entstehen mussten, bevor sie als zusätzliche Signalgenerierung dienen konnten. Auch hier gilt: Im Zweifelsfall, wenn z.B. der MACD ein Long-Signal generiert, der DAX aber noch in einem Abwärtstrend läuft oder unterhalb einer wichtigen Widerstandslinie verharrt, wie das im August der Fall war, bleibt man neutral.

Fazit: Perfekt kann kein System sein, aber …

Wir sehen: Perfektion kann es nicht geben – aber eine gute Orientierung bieten solche einfachen Systeme allemal. Und wir sind damit noch nicht am Ende … es folgen noch zwei weitere Teile unserer Reihe mit ganz anderen „Signalgebern“ … die sich alle, je nach Lust, Laune und persönlicher Neigung, miteinander kombinieren lassen. Es gibt immens viele verschiedene Möglichkeiten, um Ihr eigenes System zu kreieren und die Erfolgsquote Ihres Tradings zu verbessern.

Handeln über LYNX

Profitieren Sie als Daytrader, Anleger oder Investor von dem ausgezeichneten Angebot von LYNX, denn wir ermöglichen Ihnen den preiswerten Handel von Aktien, ETFs, Futures, Optionen, Forex u.v.m. Nehmen Sie sich die Zeit, unsere Gebühren mit denen der Konkurrenz zu vergleichen und handeln Sie in Zukunft über unsere professionelle Handelsplattform.

Hinweis: Charts mit Trader Workstation erstellt.

Weitere Artikel unserer Serie über einfache Handelssysteme:

Trading mit Systemen (2): Gleitende Durchschnitte

Trading mit System (3): Antizyklisch traden

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

Handeln über LYNX: Ein Depot, viele Vorteile
  • stabile und zuverlässige Handelsplattform
  • kompetenter Service durch Experten
  • niedrige und transparente Gebühren
  • umfangreiches Wissensportal
Mehrfach ausgezeichnet
Contact icon KOSTENFREI ANRUFEN
0800 5969 000
Contact icon SCHREIBEN SIE UNS
SERVICE@LYNXBROKER.DE
Contact icon FREUNDSCHAFTSWERBUNG
KUNDEN EMPFEHLEN LYNX
Contact icon HÄUFIG GESTELLTE
FRAGEN