Faktor Terminbörse: Wie der Terminmarkt die Märkte beeinflusst

In den Medien wird der Terminmarkt so gut wie nie erwähnt. Es scheint ihn gar nicht zu geben. Und wenn er mal angesprochen wird, sprechend nahezu alle Moderatoren abschätzig von irgendwelchen „Wetten“, die da gerade auslaufen. Sind Optionen und Futures, also das, was an den Terminbörsen gehandelt wird, wirklich irrelevant? Und nur etwas für „Zocker“? Keineswegs. Diese Darstellung in den Medien ist falsch. Aber wieso?

Ist die Terminbörse unwichtig?

Seit Jahrzehnten scheint man sich an den Terminbörsen zu sorgen, dass die Anleger den Eindruck erhalten, die Kurse würden von Elementen beeinflusst, die sie nicht kennen bzw. handeln. Man hat Angst, dass die Privatanleger glauben, große Adressen würden die Trends dominieren und womöglich auch die Ziele dieser großen Akteure die Kurse bewegen anstatt die täglichen Nachrichten, Bilanz- und Konjunkturdaten. Die Folge:

Diejenigen, die um die Macht und Funktion der Terminbörse wissen, wenden sich oft bei an den Haaren herbeigezogenen Begründungen mit Grausen ab, die im Internet oder im Fernsehen für starke Kursbewegungen abgeliefert werden. Und diejenigen, denen die Terminbörse tatsächlich wegen dieser sie stur ignorierenden Berichterstattung fremd ist, glauben an falsche Gründe für Bewegungen – was leicht auf falsche Fährten führt und Anleger teuer zu stehen kommt.

Das Schlimme dabei ist, dass wohl so gut wie niemand entsetzt wäre, würde er verstehen, was am Terminmarkt geschieht. Denn ja, dort lässt es sich Ziele leichter verfolgen. Ziele, die da lauten: Trends intensivieren, Trends ausbremsen oder umkehren und, vor allem: Geld verdienen. Denn es gilt, für den Terminmarkt ebenso wie für alle anderen Segmente der Börse:

Wer imstande ist, mit den größeren Summen anzutreten, gewinnt den Kampf um die kurzfristige Tendenz. Wenn eine große Adresse mit hohem Volumen auf der Käuferseite antritt, verschiebt sich die Angebot/Nachfrage-Lage zu Gunsten der Nachfrage und die Kurse steigen. Logisch. Am Terminmarkt ist das nicht anders. Und welcher Anleger hätte nicht gerne Summen zur Verfügung, mit denen er den Markt vor sich hertreiben, mit seinen Aktionen also wirklich etwas bewegen könnte? Jeder würde ein solches Ziel verfolgen, wenn er es nur könnte. Dass die großen Adressen am Terminmarkt, z.B. große Hedgefonds, genau das tun, weil sie mit gewaltigen Summen agieren können, kann ihnen daher wohl niemand vorwerfen.

Die Angst, die Anleger könnten sich verunsichert von der Börse abwenden und die Werbekunden der Finanzindustrie deswegen verärgert ihre Werbegelder abziehen, wenn man einmal klar erklären würde, wie die Terminbörse funktioniert und wie sichtig sie ist, dürfte also unbegründet sein.

Wobei durchaus das Problem besteht, dass das Thema Terminmarkt komplex ist. Das in einem Artikel oder einer zwei, drei Minuten dauernden Schaltung im Fernsehen erklären zu wollen, ist utopisch. Und auch wir können die Thematik hier nur in sehr groben Zügen darlegen. Wobei es dazu durchaus genug Literatur gibt. Was wir hier zeigen möchten ist, wie groß der Einfluss der angeblich irrelevanten Terminmärkte in Wirklichkeit ist.

Eigentlich war das früher anders gedacht …

Der Ursprung der Terminmärkte lag eigentlich nicht darin, mit einem größeren Hebel auf den Gesamtmarkt zu spekulieren. Terminmärkte dienten nur dazu, sich heute einen Preis zu sichern, zu dem man in ein paar Wochen oder Monaten kaufen oder verkaufen möchte. Das war vor allem im Bereich der Rohstoffe wichtig (und ist es heute noch). Ein Beispiel:

Wer Ernteausfälle bei Weizen fürchtet und jetzt einen günstigen Preis sieht, den Weizen aber erst in drei Monaten braucht und bezahlen will, geht in Futures oder Optionen auf Weizen Long. Damit sichert er sich den heutigen Preis. Steigt der Weizenpreis wie befürchtet wegen einer schwachen Ernte, hat man das Recht, den Weizen beim Laufzeitende der Futures und Optionen in dem heute georderten Volumen zu beziehen. Umgekehrt würde man als Weizenproduzent Short gehen, wenn man eine Super-Ernte und einen dadurch verursachten Überschuss beim Angebot fürchtet, der den Preis drücken würde. So sichert man sich einen vernünftigen Preis auch dann, wenn der Marktpreis später niedriger wäre.

Aber das Gros des Handels bei Futures und Derivaten basiert heute in der Tat auf Spekulation, auf dem Ziel der reinen Gewinnerzielung, indem man Futures und Optionen kauft und dann nach Möglichkeit mit Gewinn wieder verkauft. Wobei die Sache bei Optionen komplizierter ist, eine genaue Erklärung würde aber den Rahmen diese Artikels bei weitem sprengen. Die Frage steht im Raum:

Terminmarkt und „Kassa-Markt“: Über Arbitrage untrennbar verbunden

Was soll das die Börsen an sich betreffen, wenn Spekulanten am Terminmarkt kaufen oder verkaufen? Wenn jemand in rauen Mengen DAX Futures kauft, bewegt das den DAX ja nicht automatisch. Denn der DAX ist das rechnerische Ergebnis aus den Kursen der 30 in ihm gelisteten Aktien. Eine Bayer oder eine Daimler steigt oder fällt doch keinen Cent, weil jemand am Terminmarkt DAX Futures kauft oder verkauft … oder?

Nicht zwingend, das stimmt. Aber was passiert denn, wenn der DAX Future um 100 Punkte steigt, der DAX aber nicht? Dann wäre es ja ein grandioses Geschäft, den DAX über einen Korb seiner 30 Aktien zu kaufen und zur selben Zeit den viel teureren DAX Future zu verkaufen (oder, wenn man nicht Long ist, Short zu gehen), um diese Differenz auszunutzen! Und ja, diese Differenzen werden auch permanent ausgeglichen, und zwar über die sogenannte „Arbitrage“. Dabei nutzten große Adressen, heutzutage blitzschnell über computergesteuerte Systeme, diese Differenzen aus. Und damit werden die Terminmärkte und die Basispreise, auf welche die Terminkontrakte lauten, untrennbar miteinander verwoben. Wenn der Future bei Gold rasant steigt, steigt der eigentliche Goldpreis, der sogenannte „Kassamarkt“, mit. Und wenn der Future fällt, fällt auch der eigentliche Goldpreis.

Die Terminmärkte sind meist das eigentliche Zugpferd

Nun könnte man immer noch sagen: Na und? Warum sollten die Bewegungen bei den Futures und Optionen anders sein als im Kassamarkt? Warum sollte es z.B. beim DAX Future mehr Bullen geben als im DAX selbst und so eine nennenswerte Diskrepanz entstehen? Das ist im Prinzip ein richtiges Argument. Aber:

Am Terminmarkt agiert man mit einem sogenannten Hebel. Wer hier 10.000 Euro in die Hand nimmt und im DAX Future Long geht, bewegt eigentlich ein vielfach höheres Volumen, weil man bei Optionen und Futures nur einen Teil des eigentlichen Wertes bezahlt. Wenn große Adressen den Markt also bewegen wollen, agieren sie mit ihrem Kapital über den Future, bei dem sie z.B. den DAX Future mit einer Summe von, sagen wir einer Million Euro weitaus deutlicher nach oben ziehen können, als würden sie dieses Geld in die 30 DAX-Aktien investieren. Und über die vorgenannte Arbitrage läuft der DAX selbst diesen Impulsen im beweglicheren DAX Future dann einfach hinterher. Das heißt:

Meist sind es die Futures, die Bewegungen am Markt auslösen, intensivieren oder umkehren. Das mag man jetzt zur Kenntnis nehmen und weiter nichts damit anfangen. Aber nein, dieser Terminmarkt ist etwas, worauf man achten muss, denn oft kann man kurz vor sogenannten Verfallterminen von diesem Wissen profitieren.

Verfalltermine an der Terminbörse sind entscheidende Phasen für alle Trader!

An solchen Terminen laufen Futures und Optionen aus. Aber bleiben wir bei den Futures, um es nicht zu kompliziert zu machen. Diese laufen viermal im Jahr aus, d.h. da enden bestimmte Laufzeiten. Diese Termine sind (für den Aktienmarkt) jeweils der dritte Freitag des dritten Monats eines Quartals, also März, Juni, September und Dezember (für Optionen gelten monatliche Verfalltermine, auch am jeweils 3. Freitag). Für die großen Akteure am Terminmarkt sind diese sogenannten „großen Verfalltermine“ Schlüsseltermine. Große Spekulationen gehen dann entweder auf oder daneben und neue Positionierungen werden eingegangen. Früher waren solche Verfalltermine dadurch oft Wendemarken im Trend, weil sich viele große Adressen dann neu orientieren, während sie vorher ihre Ausrichtung konsequent durchgezogen hatten. Ist das heute auch noch so?

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Verfalltermine beim S&P500

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Der vorstehende Chart zeigt, mit blauen Vierecken gekennzeichnet, die großen Verfalltermine beim US-Index Standard & Poor’s 500 (S&P 500). Sie sehen: Nein, dass diese Verfalltermine Wendepunkte wären, ließe sich nicht behaupten. Aber etwas anderes ist hochinteressant, sehen Sie sich dazu den nächsten Chart an:

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DAX-Future Verfalltermine zwischen 2014 und 2016

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Wir sehen hier den DAX in der spannenden Phase zwischen Herbst 2014 und Anfang 2016. Und da erkennen wir etwas Interessantes. Die blauen Rechtecke kennzeichnen jeweils die Zeit zwischen einem Futures-Verfalltermin am Terminmarkt bis zum nächsten. Und wir sehen: An einem solchen Verfalltermin tendiert der DAX dazu, an einem Extrempunkt der Handelsspanne seit dem letzten Verfalltermin zu stehen. Das ist nicht immer der Fall, denn natürlich kann die Nachrichtenlage die Kurse so bewegen, dass es unmöglich wird, die Abrechnung der Futures „ganz oben“ oder „ganz unten“ im Verhältnis zur Handelsspanne der drei Monate zuvor zu erreichen. Aber wenn es machbar ist – wird es gemacht.

Das wiederum hängt mit der Zielsetzung der großen Akteure am Terminmarkt zusammen: Gewinnoptimierung. Das bedeutet, solange der Basiswert nicht in einem Seitwärtstrend läuft, muss man versuchen, solche Extrempunkte zu erreichen – und da ziehen dann die meisten Akteure an einem Strang, so dass das auch oft gelingt.

Das ist ein Aspekt, den man als Investor im Hinterkopf behalten sollte. Denn bisweilen müssten Kurse entsprechend der allgemeinen Rahmenbedingungen eigentlich steigen oder fallen, tun aber genau das Gegenteil. In diesen Fällen steckt oft die Terminbörse dahinter die, wenn der Gegenwind nicht allzu groß wird, über den „Hebel“ des Terminmarkts imstande ist, die Kurse dorthin zu ziehen oder zu drücken, wo sie hin sollen.

Die Umsätze belegen es: Die Terminbörse ist einer der wichtigsten Taktgeber

Dass diese Verfalltermine immense Bedeutung haben, ob man das in den Medien nun zugibt oder nicht, zeigen auch die Umsätze beim DAX. Wir haben dem vorherigen DAX-Chart hier die Umsätze (untere Leiste) hinzugefügt und die „großen“ Verfalltermine an der Terminbörse durch grüne, vertikale Balken hervorgehoben. Sie sehen: Die meisten der Tage mit ungewöhnlich hohen Umsätzen waren genau diese Verfalltermine. Das hat vor allem mit Umschichtungen im Optionsbereich zu tun, macht aber auch klar: Diese Tage haben eine nicht unerhebliche Relevanz. Aber eigentlich sind die Handelstage vor einem solchen großen Verfalltermin noch deutlich wichtiger. Warum?

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Umsätze im DAX an den Verfallterminen

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Weil da unter den Terminbörsen-Akteuren „ausgefochten“ wird, wo diese Abrechnung stattfinden soll. Nicht immer wollen dort alle großen Akteure eine Abrechnung am oberen oder unteren Extrempunkt der vorherigen Handelsspanne. Manche werden da auf dem falschen Fuß erwischt und versuchen, das Ruder noch zu ihren Gunsten herumzureißen, indem sie gegen den Trend agieren. Andere wiederum wollen ihre Gewinne noch vergrößern, indem sie den bestehenden Trend durch fortwährende Aktivitäten in Trendrichtung immer mehr intensivieren. Der folgende Chart zeigt den Future auf den Dax, nicht den DAX-Index. Hier sehen Sie anhand der auch hier unten eingeblendeten Umsätze, dass die Volumina vor allem vor einem solchen Abrechnungstermin (blaue Balken) ansteigen. Das sind die Spuren dieser Versuche, vor dem Verfall der Futures noch das Optimum herauszuholen.

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Umsätze im DAX-Future vor den Verfallterminen

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Das ist die Phase, in der, wie man sagt, die „Hexen tanzen“ und es bei DAX, Dow Jones, Gold, Rohöl und allen anderen Basiswerten oft zu starken Kursbewegungen kommt, die auf diese Aktivitäten am Terminmarkt vor einem Verfalltermin zurückgehen und die für die Anleger bedeuten: Wundern sie sich über nichts – wenn seltsame Kursbewegungen auftreten, kommen die meist von eben solchen Aktivitäten an der Terminbörse. Und oft hat man da als kurzfristiger, risikofreudiger Trader die Möglichkeit, in intensive Bewegungen hinein kurz auf den Zug mit aufzuspringen und mit zu verdienen.

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Hinweis: Charts mit MarketMaker und tradesignalonline erstellt

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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