Der Zinseszins: Die magische Geldvermehrung

„Zinseszins“ … eine komisch klingende Bezeichnung für einen Effekt, der aber ganz und gar nicht komisch ist. Denn er bedeutet für Investoren bei konsequenter Umsetzung einen immensen Unterschied. Den zwischen Gewinn und weit, weit mehr Gewinn. Hier wird eine scheinbare Winzigkeit beschrieben, die in Wahrheit sehr viel ausmacht: Der Zins, den der Zins selbst abwirft. Was genau bedeutet das?

Zinseszins – eine Definition

Der Zinseszins ist, wie vorstehend erwähnt, der zusätzliche Zins, der durch die eigentliche Verzinsung erwirtschaftet wird, sofern man diese reinvestiert.

Das beschränkt sich aber nicht alleine auf die Zinsen bei Anleihen oder aber, wenn man ein Darlehen aufnimmt, auf den Kredit, bei dem der Gläubiger dann vom Zinseszins profitiert. Es kann auch um die Dividende bei Aktien gehen oder die bei Aktien oder anderen Investments erzielten Gewinne. Es geht beim Zinseszins-Effekt letztlich immer um den Ertrag eines Investments und die Frage: Welchen Unterschied macht es, wenn ich diesen Ertrag nicht herausnehme, sondern umgehend wieder einsetze, sprich reinvestiere?

Grundsätzlich ist das ein mathematischer Faktor, der natürlich in einer Formel darstellbar ist:

Die Berechnung des Zinseszinses in einer Formel

Verzinstes Kapital durch den Zinseszins = Anfangskapital x (1+ Zinssatz ./. 100)n

Wobei n für die Anzahl der Jahre steht, die das Investment läuft. Sehen wir uns das einmal an einem konkreten Beispiel an:

Ein Beispiel für den Zinseszins-Effekt

Nehmen wir an, Sie hätten eine Anleihe erworben, die zwanzig Jahre läuft und pro Jahr drei Prozent Zinsen abwirft. Sie haben 50.000 Euro investiert und betrachten diese Anleihe als Fundament Ihres Vermögensaufbaus.

Sie fragen sich jetzt, ob es klug wäre, die ausgeschütteten drei Prozent Zins umgehend wieder zu investieren oder aber ob sich das nicht lohnt und Sie den Zins daher lieber für Anschaffungen nutzen. Immerhin erlösen Sie pro Jahr 1.500 Euro an Zinsen, mit denen sich schon so einiges kaufen ließe. Wenn Sie diese Rahmendaten in die Zinseszins-Formel eingeben, wird Ihnen die Entscheidung leichtfallen. Rechnen wir das mal aus:

Würden Sie die Zinsen immer entnehmen und nicht wieder investieren, hätten Sie über die 20 Jahre 20 x 1.500 Euro und somit 30.000 Euro als Zinsertrag. Aus 50.000 Euro wurden also nach 20 Jahren 80.000 Euro.

Wenn Sie für diese 1.500 Euro aber jedes Mal ihre Anleihe-Position aufstocken, sprich dafür weitere Anleihen mit drei Prozent Verzinsung kaufen, sieht es am Ende so aus:

Zunächst noch einmal die „blanke“ Formel:

Verzinstes Kapital durch Zinseszins = Anfangskapital x (1+ Zinssatz ./. 100)n

Hier setzen wir jetzt unsere Daten ein:

Verzinstes Kapital durch den Zinseszins = 50.000 x (1+ 3,0 ./. 100)20 = 90.305,56

Ergebnis: Nach 20 Jahren hätten Sie auf diese Weise 90.305,56 Euro.

Nur durch das reinvestieren des Zinses und den dadurch entstehenden Zinseszins-Effekt, also die zusätzliche Verzinsung des wieder investierten Zinsertrags, liegt ihre Rendite nach diesen 20 Jahren um über ein Drittel höher, bei 40.305 statt 30.000 Euro. Das ist ein Wort! Zumal:

Die große Bedeutung des Zinseszins-Effekts

Dieser Effekt wächst exponentiell, je höher der Zins bzw. die Dividenden oder Kursgewinne sind, die Sie reinvestieren und je länger Sie das tun. Nehmen wir doch nur einmal unser vorheriges Beispiel und setzen nicht 20, sondern 30 Jahre als Laufzeit der Anleihe an. Dann bekommen wir folgendes Ergebnis:

Ohne das Reinvestieren der Zinsen und damit ohne das Nutzen des Zinseszins-Effekts würden Sie nach 30 Jahren mit jeweils drei Prozent (=1.500 Euro pro Jahr) 45.000 Euro Zinsertrag aus Ihrem Anleihe-Investment von 50.000 Euro erzielen. Das klingt tadellos, aber jetzt rechnen wir das aus, wenn Sie den Zins wieder einsetzen, sprich reinvestieren würden:

Verzinstes Kapital durch den Zinseszins = 50.000 x (1+ 3,0 ./. 100)30 = 121.363,12 Euro.

Statt 95.000 Euro (Basiskapital 50.000 + 45.000 Zins) hätten Sie 121.363,12 Euro oder anders formuliert 26.363 Euro und damit 58% (!) mehr erzielt, als hätten Sie auf diesen Zinseszins-Effekt verzichtet.

Das ist auch etwas, das Sie bei der Aufnahme von Krediten berücksichtigen sollten: Auch, wenn der zu zahlende Zins niedrig wirkt: Je länger Sie die Laufzeit des Kredites oder der Hypothek wählen, desto stärker wirkt sich dieser Zinseszins-Effekt aus – aber dann, als Kreditnehmer, zu Gunsten des Gläubigers und zu Ihren Ungunsten!

Der DAX und der Zinseszins-Effekt

Wie eingangs schon erwähnt beschränkt sich dieser Effekt nicht nur auf den Zins an sich, sondern gilt auch für Dividenden, die man ja als „Verzinsung“ eines Aktieninvestments ansehen kann.

Ein ganz eklatantes Beispiel dafür, wie immens der Unterschied ist, den der Zinseszins ausmacht, haben wir täglich vor Augen, aber vielen ist das gar nicht bewusst: den DAX. Wieso? Weil der DAX so, wie er üblicherweise veröffentlicht wird, ein sogenannter Performanceindex ist. Das bedeutet, dass die von den im DAX gelisteten Unternehmen ausgeschütteten Dividenden bei der Berechnung des DAX-Index wie Kursgewinne berechnet und darüber hinaus sofort reinvestiert werden.

Das kann doch nicht so viel ausmachen, mag manch einer denken, vor allem, wenn man sich die Entwicklung der durchschnittlichen Dividendenrendite der deutschen, börsennotierten Unternehmen ansieht, die wir in dem folgenden Chart sehen:

Aber das täuscht, tatsächlich ist der Unterschied immens! Sehen Sie sich hier einmal den Unterschied an, den das Reinvestieren der Dividenden ausmacht. Wir haben hier dem üblichen DAX als Performanceindex den DAX Kursindex gegenübergestellt. Auch der wird regelmäßig berechnet, wird aber in den Medien normalerweise nicht abgebildet. Bei diesem Kursindex werden die Dividenden NICHT berücksichtigt, hier werden ausschließlich die Kursveränderungen der Aktien für die Indexberechnung herangezogen. Sie sehen:

Der Unterschied ist extrem. In den letzten 30 Jahren hätte man durch den Zinseszins-Effekt des Reinvestierens der Dividenden ein Plus von knapp 700 Prozent erwirtschaftet. Hätte man die Dividenden aber jedes Mal entnommen, wären es, das zeigt der DAX Kursindex, nur 280 Prozent gewesen! Und mit jedem Jahr, den der Zinseszins-Effekt wirken kann, wird dessen Auswirkung auf das Wachstum der Gewinne größer

Zinseszins und Altersvorsorge

Auf ganz kurzfristiger Ebene ist der Zinseszins-Effekt klein. Wer sein Geld nur kurze Zeit „parkt“, um es dann für eine Investition zu verwenden, wird davon nicht viel spüren. Aber wenn es darum geht, in noch relativ jungen Jahren zu beginnen, für das Alter vorzusorgen und es um 20, 30 oder mehr Jahre geht, in denen Kapital angespart werden soll, ist das Nutzen des Zinseszinses durch das Reinvestieren der Erträge der entscheidende Unterschied dahingehend, ob man am Ende über ein kleines Vermögen verfügt … oder ein großes.

Das sollte dazu führen, dass man sich als Investor genau überlegt, ob man erwirtschaftete Zinsen, Dividenden oder auch reine Kursgewinne für andere Zwecke entnimmt oder sie doch besser durch den Zinseszins-Effekt für sich arbeiten lässt: Es lohnt sich!

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.
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