Börsenblick

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Aktuelle Analyse:
Antizyklische Aktien für den Crash: Kraft Heinz

Kraft Heinz gehört weltweit zu den größten Nahrungsmittel- und Getränkeunternehmen und ist aus der Fusion von Kraft Foods und H.J. Heinz Co hervorgegangen.

Zur Produktpalette zählen Fertiggerichte, Erfrischungsgetränke, Kaffee, Käse und weitere Lebensmittel zahlreicher Marken. Darunter die Flagschiffe Kraft und Heinz sowie Capri-Sonne, Philadelphia oder Kool-Aid, um nur einige zu nennen.

Die Analyse erscheint im Zuge einer Artikelreihe zum Thema: „Antizyklische Aktien für den Crash“.
Zuvor wurden bereits Brown-Forman, Danone, Mondelez, 3M und Talanx vorgestellt.

Sind die Kursverluste gerechtfertigt oder ist das die Gelegenheit zum Einstieg?

Contra

Die Bären haben durchaus gute Argumente. Seit dem Zusammenschluss scheint das Unternehmen vor allem mit sich selbst beschäftigt zu sein.

Die Neuordnung des Geschäfts nimmt mehr Zeit in Anspruch als man erwartet hat und die Synergien lassen bisher auf sich warten. Nachdem erste Erfolge erzielt wurden, waren Umsatz und Profitabilität zuletzt wieder rückläufig.

Das löste bei den Anlegern natürlich keine Freude aus. Noch größere Probleme werden mit Blick auf die Bilanz sichtbar.

Durch die Fusion sind die langfristigen Schulden sprunghaft von 13,36 auf 25,15 Mrd. USD angestiegen. Das ist wenig überraschend, doch eigentlich wollte man den Berg anschließend abtragen. Doch auch hier: Nach ersten Erfolgen, sind die Verpflichtungen zuletzt wieder spürbar gestiegen.
Inzwischen summieren sich die langfristigen Schulden auf 31,0 Mrd. USD.

Die Richtung stimmt also nicht.

Das müssen Sie über Schulden wissen

Die Schuldensumme sollte aber unbedingt in die Bewertung mit einfließen. Das Fremdkapital muss schließlich bedient und im besten Fall zurückgezahlt werden. Die dafür verwendeten Mittel können dann aber nicht mehr für die Investitionen genutzt oder an die Eigentümer ausgeschüttet werden. Das sollte offensichtlich sein.

Doch oft wird das Verhältnis Debt / Equity als Maßstab der Verschuldung herangezogen, doch ist das wirklich sinnvoll?

Im Fall von Kraft Heinz liegt der Wert für Debt / Equity bei 0,5. Das bedeutet, dass doppelt so viel Vermögenswerte wie Schulden vorhanden sind. Für viele Anleger hat sich das Thema damit erledigt: Es besteht scheinbar keine Gefahr.

Sinnvoller ist aber eine Betrachtung von Schulden im Verhältnis zum Umsatz und Gewinn. Es dürfte sofort offensichtlich sein warum. Schließlich werden Schulden nicht durch Betriebsvermögen wie Fabrikhallen zurückgezahlt, sondern aus den laufenden Einnahmen.

Debt/Equity?

Warum Debt/Equity überhaupt so große Beachtung findet, hat sich mir noch nie erschlossen.

Bei Kraft Heinz bedeutet das nämlich vor allem eins: Kraft benötigt ein sehr hohes Betriebsvermögen, um das Geschäft zu betreiben und dazu waren enorme Investitionen in Produktionsstandorte, Immobilien, Maschinen usw. notwendig.

Doch verbessert dieser Umstand die Schuldenlage? Keineswegs. Ein Unternehmen, welches stetig hohe Investitionen stemmen muss, hat erst recht kein Geld, um die Schulden zu begleichen.

Ein Gegenbeispiel sollte die Sache klarer machen:
Nehmen wir das fiktive Softwareunternehmen „Softcorp“ mit 1,0 Mrd. Umsatz, 100 Mio. Gewinn und einem Betriebsvermögen von nur 20 Mio. USD.
Man besitzt nicht viel mehr als ein paar Computer und Büros, denn man benötigt keine teuren Maschinen oder Werkshallen.

Die Schulden von Softcorp belaufen sich auf 100 Mio. USD und dementsprechend läge der Wert für Debt/Equity bei 5.

Nach dieser Kennzahl wäre man also hoch verschuldet. In Wirklichkeit sind die Schulden aber nur so hoch wie ein Jahresgewinn. Ist das ein Problem? Sicherlich nicht

Bei Kraft Heinz belaufen sich die Schulden hingegen auf das achtfache des Jahresgewinns. Das ist schon eher ein Problem.

Pro

Die Bullen haben aber natürlich auch Argumente auf ihrer Seite.

Die Verschuldung ist im Branchenvergleich eher normal. Kraft Heinz kommt mit seinen Markenprodukten auf besonders hohe Margen und kann sich die Schulden daher auch leisten.

Das hohe Betriebsvermögen ist darüber hinaus auch positiv. Schließlich haben Land, Werkshallen und Maschinen auch ein Wert. Sie können jederzeit veräußert werden, um die Schulden abzutragen. Außerdem kann auch die direkte Konkurrenz nicht ohne diese Anlagen produzieren.

Das Unternehmen verfügt über eine starke Markenmacht. Es werden sich wenige Haushalte finden, die noch nie Jacobs Kaffee, Philadelphia, Oreo, Milka, Toblerone oder Heinz Ketchup gekauft hätten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Doch seit der Mega-Fusion von Kraft und Heinz und dem Börsengang geht es mit der Aktie quasi stetig abwärts. Vom Hoch hat sich der Kurs halbiert.

Das ist bei einem Weltkonzern in diesem Sektor sehr außergewöhnlich. Denn die Lebensmittelbranche ist alles andere als zyklisch, gegessen wird schließlich immer.

Dieser Umstand sollte die Aktie in unruhigen Zeiten also eher stützen. Wo bleiben also die Käufer?

Ausblick und fundamentale Bewertung

In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres legte der Umsatz um knapp 2% auf 19,37 Mrd. USD zu.
Das Ergebnis entwickelte sich ähnlich verhalten und kletterte von 2,65 auf 2,67 USD je Aktie.

Im Gesamtjahr soll der Gewinn von 3,55 auf 3,62 USD steigen und 2019 werden 3,71 USD je Aktie erwartet.

Kraft Heinz kommt dementsprechend auf eine P/E von 12,4 und eine forward P/E von 12,1.

In einem defensiven Sektor ist diese Bewertung auch bei geringem Wachstum ohne Probleme vertretbar. Größere Konkurrenten wie zum Beispiel Nestle oder Unilever kommen allesamt auf Werte von über 20.
Selbst inklusive Schulden liegt die P/E von Kraft bei 18 und somit unter Branchenschnitt.

Die Dividendenrendite ist mit 5,5% die höchste der Peergroup.

Charttechnik

Darüber hinaus dürfte das Abwärtspotenzial nach der Kurshalbierung langsam erschöpft sein. Es wird nicht ewig abwärtsgehen können, bei Kraft Heinz handelt es sich schließlich nicht um ein Fantasiegebilde. Das Unternehmen nimmt 75 Mio. USD ein, wohlgemerkt am Tag.

Derzeit zeichnet sich noch keine Bodenbildung ab, doch sobald das der Fall ist, könnte sich das Sentiment hier schlagartig ändern.

Kurzfristig dürfte die untere Abwärtstrendlinie stützend wirken. Eine technische Gegenbewegung ist jederzeit möglich, zum Beispiel bis 50 USD.

Chart vom 20.12.2018 Kurs: 44,88 Kürzel: KHC - Wochenkerzen | LYNX Online Broker

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