Airbus‘ Ende April vorgelegte Quartalsbilanz war alles andere als gut. Aber es fanden sich genug Akteure, die trotzdem bei dieser zuvor deutlich zurückgekommenen Aktie zugriffen. Jetzt geht es um die Entscheidung, ob es gelingt, mittelfristig wichtige Hürden zu nehmen.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal sank der Umsatz in den ersten drei Monaten dieses Jahres, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) ging deutlich von 624 auf 300 Millionen Euro zurück. Und von den 870 Flugzeugen, die nach der Planung von Airbus 2026 die Hallen verlassen sollen, wurden gerade einmal 114 ausgeliefert. Trotzdem hält der Konzern an seinem Ziel fest, diese avisierten 870 Flugzeuge auszuliefern und am Ende des Jahres auf ein EBIT von 7,5 Milliarden Euro zu kommen. Das klingt ambitioniert.
Und ist es eigentlich auch. Denn irgendwas war in den letzten Jahren ja immer, das dazu führte, dass man nicht erreichte, was man eigentlich erreichen wollte. Im ersten Quartal waren es verzögerte Auslieferungen wegen Problemen bei Zulieferern und der starke Euro, was den Gewinn schmälerte. Es könnte auch in den kommenden Quartalen zu bremsenden Einflüssen kommen, die man hier und heute noch gar nicht erahnen könnte. Die Frage ist also: Glauben genug Anleger an ein „Ja, aber“ und vertrauen darauf, dass Airbus ab sofort so richtig durchstartet, um der Aktie wieder einen bullischen Status zu verleihen?
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Expertenmeinung: Denn noch ist das nicht gelungen. Auch wenn man auf die Bilanz mit Käufen reagierte und die Aktie danach erst einmal weiter zulegte: Die entscheidende Hürde ist zwar im Verlauf der vergangenen Woche erstmals angegangen, aber noch nicht überwunden worden. Sie sehen im Chart, worum es da geht:

Seit Beginn der zweiten Jahreshälfte 2025 spielte die Linie um 187 Euro immer wieder eine Rolle, mal fungierte sie als Unterstützung, mal als Widerstand. Aktuell wird sie zusammen mit der mittlerweile seitwärts laufenden 200-Tage-Linie bei momentan 190 Euro zu einer mittelfristig relevanten Widerstandszone. An diese Zone war die Aktie Mitte der Vorwoche mit Schwung herangelaufen … und prallte erst einmal an ihr ab.
Damit wird klar, dass die Marktteilnehmer diesen Bereich als entscheidend erkannt haben – und damit würde hier auch eine entsprechend bedeutsame Entscheidung fallen. Sollte es gelingen, nach oben auszubrechen, wäre Airbus dadurch wieder im „Oberhaus“ der aktuellen Handelsspanne und hätte aus rein charttechnischer Sicht die Chance, das im Januar markierte, bisherige Rekordhoch bei 221,25 Euro anzulaufen.
Was dann zwar noch einmal deutlich ambitionierter wäre, wenn man auf das magere erste Quartal zurückblickt. Aber in Phasen, die von Unsicherheit geprägt sind, richten sich deutlich mehr Anleger in Bezug auf ihre Entscheidungen nach vorherrschenden Trends als sonst, indem sie sich denken: ‚Die anderen werden ja wohl wissen, was sie da tun‘. Ob das wirklich so ist oder nicht, spielt dann erst einmal keine entscheidende Rolle, zumal man bis zur nächsten Bilanz, die am 29. Juli das erste Halbjahr insgesamt beleuchtet, noch Zeit hätte. Es bleibt indes derzeit noch bei der reinen Chance: Ob dieser Ausbruch nach oben gelingt oder nicht, ist offen. Vorgreifen sollte man ihm daher auf keinen Fall.


