Der TecDAX zeigt direkt über der 4.000-Punkte-Marke eine Toppbildung. Die 200-Tage-Linie, an der er im Juli nach oben drehte, liegt darunter als wichtige charttechnische Referenz. Aber noch ist die Sache nicht entschieden.
Der Iran-Krieg und der TecDAX sind zwar nur über mehrere Ecken miteinander verbunden. Aber im Augenblick ist diese Kette an Verbindungen hoch aktiv und drückt auf die Kurse. Worum geht es?
Die US-Streitkräfte feuern wieder auf Ziele im Iran, der Iran schießt zurück. Und das, obwohl der US-Präsident seine Strategie auf die wirtschaftliche Ebene umgeleitet hat. Zugleich drohen beide Seiten damit, die Intensität der Attacken massiv zu erhöhen, wenn die Gegenseite es wagen sollte, Gegenschläge auszuführen. Das klingt, als stünde alles wieder am Anfang … und der Ölpreis reagiert, steht, was Brent Crude Oil angeht, nur noch knapp unter dem Zwischenhoch aus dem Juli.
Das wiederum bringt natürlich die Inflationserwartung nach oben. Eine weitere Leitzinserhöhung der EZB und die erste der US-Notenbank scheinen jetzt wahrscheinlich. Die Anleihemärkte reagieren bereits, die Rendite der US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit überschritt am Dienstag mit einem Tageshoch von 4,80 Prozent die als kritisch angesehene Marke von 4,75 Prozent. Und das bildet die Verbindung zum TecDAX und, vor allem, zum „großen Bruder“ in den USA, dem technologielastigen Nasdaq 100.
Denn der große KI-Boom basiert auf immensen Krediten, die für die Investitionen aufgewendet werden. Je teurer diese Kredite werden, desto problematischer werden sie für die Gewinnperspektive der investierenden Konzerne. Zugleich könnte das die Investitionsbereitschaft dämpfen und macht den Ausbau von Produktionskapazitäten im Halbleiter-Sektor teurer. Und das drückt auf die Indizes, in denen solche Unternehmen vornehmlich gelistet sind, auf den Nasdaq 100, aber auch auf den TecDAX. Das Problem dabei ist:
Expertenmeinung: Das beschränkt sich nicht auf den KI/Halbleiter-Sektor. Zwar wären Unternehmen aus Bereichen wie Telekommunikation, Healthcare oder Software nicht so unmittelbar von dieser Problematik betroffen. Aber da anziehende Inflationsraten die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit ausbremsen, würde das durch noch zurückhaltender agierende Verbraucher am Ende alle Unternehmen treffen. Damit erklärt sich der Abgabedruck seit Wochenbeginn. Aber ob aus einem per Dienstagabend noch nicht vollendeten, eher kleinen Topp eine echte Abwärtswende wird, ist damit noch nicht entschieden.
Wer auf der bullischen Seite ausharrt, hofft darauf, dass sich die Lage zeitnah beruhigen und die Ölpreise nebst Anleiherenditen zügig wieder fallen werden. Sollte das bis Ende dieser Woche ausbleiben, könnte der Abgabedruck indes stärker werden, dieses kleine Topp durch das Unterschreiten von dessen Nackenlinien-Zone im Bereich 4.005/4.030 Punkte vollendet werden und dies grundsätzlich den Weg nach unten freigeben. Aber das wäre dann erst einmal nur ein bärisches Signal auf kurzfristiger Ebene. Für ein mittelfristig abwärts weisendes Signal im Chart müsste deutlich mehr passieren.

Denn Sie sehen in den Charts auf Tages- und Wochenbasis, dass diese Nackenlinien-Zone des kleinen Topps mit der langfristig relevanten Supportzone 3.951/4.010 Punkte aus den Jahren 2021/2022 korrespondiert. Und auch unter dieser Zone würden sich bis hinunter zur 200-Tage-Linie bei derzeit 3.753 Punkten mehrere Auffanglinien in den Weg stellen.

Aber einen massiv wirkenden Supportbereich mit „Sicherheit“ gleichzusetzen, wäre hoch riskant. Das Risiko, dass sich die negativen Einflussfaktoren wie Ölpreis und Anleiherenditen weiter verschärfen, ist vorhanden. Ob es so kommt, wird sich zeigen, aber wenn, müssen auch sehr robust wirkende charttechnische Unterstützungen nicht halten. Denn sollten diejenigen, die dort dann die Hand aufhalten müssten, zu dem Schluss kommen, dass das keine gute Idee wäre, kann ein Index durch solche Supportlinien hindurchgehen wie Butter. Daher reicht auch dieses kleine, noch nicht vollendete Topp im TecDAX bereits aus, um erhöhte Wachsamkeit und konsequente Stoppkurse einzufordern.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 01.09.2026 um 22:29 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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