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Es ist keine drei Wochen her, da sah es so aus, als würde der DAX mit Schwung über das bisherige Verlaufshoch hinauslaufen. Doch gestern landete er, für viele vermutlich unverhofft, auf der 200-Tage-Linie. Die wurde zuletzt zweimal verteidigt – gelingt das auch ein drittes Mal?
„Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt“, schrieb Wilhelm Busch einst. Was man beim Blick auf den DAX auf Tagesbasis nicht bestreiten kann. Ende Mai war der Index in den Bereich der Hochs vom Januar und Februar bei 25.406/25.508 Punkten vorgedrungen. Ende Februar wurde der Versuch, den Verlaufsrekord des Januars zu überbieten, nur abgebrochen, weil da der Iran-Krieg begann. Letzterer sorgte zwar für massiven Abgabedruck. Aber schon Ende März kamen die Käufer zurück … und zwei Monate später hätte diese bisherige Bestmarke endlich überboten werden können. Immerhin hatten S&P 500 und Nasdaq 100 in den USA längst neue Rekorde erreicht. Warum also nicht auch der DAX?

Aber es klappte wieder nicht … und jetzt ringt der deutsche Leitindex auf einmal wieder mit seiner 200-Tage-Linie, im Chart auf Tagesbasis dick schwarz hervorgehoben. Im April und Mai war diese Linie ebenfalls umkämpft. Wir sehen, dass es da in beiden Fällen nach einigen Tagen Hin und Her zu langen, grünen Kerzen kam, die die Sache eindrucksvoll zu Gunsten der Bullen entschieden. So etwas bräuchte man jetzt also auch. Aber zwischen „wollen“ und „bekommen“ liegt in diesem Fall „tun“:
Expertenmeinung: Das bullische Lager müsste ein solches, klares Signal dahingehend, dass die Oberseite favorisiert bleibt, eben erst einmal „erschaffen“, sprich aktiv und entschlossen Kapital einsetzen, um einen Aufwärtsschwenk zu generieren. Und das zu tun, wäre jetzt nicht selbstverständlich.
Nach der erstmaligen Rückeroberung dieses wichtigen, gleitenden Durchschnitts Mitte April kam der DAX zweimal auf diese Linie zurück. Jedes Mal lag das darauffolgende Hoch ein wenig über dem vorherigen. Was grundsätzlich ermutigend gewesen wäre, wenn die Zwischentiefs, die im Zuge der Verteidigung der 200-Tage-Linie entstanden, vergleichbar deutlich über den vorherigen gelegen hätten. So aber ist die Distanz, die der Index von den Zwischenhochs nach unten zurücklegte, größer geworden … und das dürfte einige dazu bringen, jetzt weniger beherzt an dieser Linie zuzugreifen als bisher, aber:
Dass die Ausgangslage nicht so günstig ist wie in den beiden vorherigen „Verteidigungsfällen“ heißt nicht, dass man sicher sein könnte, dass der DAX diesmal nach unten durchgehen muss. Wenn in den kommenden Tagen Argumente für die Bullen aus dem Bereich der Rahmenbedingungen kommen würden, wäre die jetzt zu vermutende, vorsichtige Zurückhaltung wohl schnell vom Tisch.
Das könnten deutlich nach oben drehende US-Indizes sein, ein deutlich nachgebender Ölpreis, echte, glaubwürdige Fortschritte bei den Verhandlungen USA/Iran oder vielleicht sogar nur positiv aufgenommene Kommentare von Christine Lagarde im Anschluss an die heutige EZB-Entscheidung. Für den Moment gilt:
Noch ist die Sache in der Schwebe, wenngleich mit einem leichten Vorteil für die Bären. Entscheidende Marken wären auf der Unterseite diese beiden Zwischentiefs von Ende April und Mitte Mai bei 23.716 und 23.797 Punkten, auf der Oberseite die 20-Tage-Linie und das bisherige Wochen-Verlaufshoch bei 24.760 und 24.821 Punkten.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 10.06.2026 um 22:25 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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