Der Ölpreis ist im Juli in der Spitze um über 14 Prozent eingebrochen. Verbirgt sich hinter dem Preisabschlag eine attraktive Kaufchance, oder sollten Käufer einen „Griff ins fallende Messer“ fürchten? Eine Antwort erhalten Sie anhand einer attraktiven Trade-Idee in dieser ÖL-Analyse.

Rückblick: Glückwunsch! Gewinnziele erreicht.

In meiner letzten Öl-Analyse vom 09. Juli hatte ich Ihnen eine aussichtreiche Trade-Idee im WTI Crude-Oil vorgestellt. Die Chance auf einen fallenden Ölpreis zu setzten, hat sich für entschlossene Leser ausgezahlt. Denn am Ende der letzten Handelswoche wurde das erste Gewinnziel bei 71,10 USD erreicht. Und das bei gefühlt keinem Risiko. Denn mit dem Einstieg bei 74,79 USD wurde der Umkehrpunkt im Chart bei 74,90 USD fast punktgenau getroffen.

Mit dem Einsatz eines Öl-Futures (Symbol CLU1) hätte theoretisch ein Gewinn von ca. 3.690 USD erzielt werden können. Selbst mit dem kleineren Öl-Future (QMU1), hätten immer noch ca. 1.845 USD Gewinn verbucht werden können. Entspannte Trader, die ihre Position bis hin zum zweiten genannten Gewinnziel bei 68 USD haben laufen lassen, konnten 6.790 USD bzw. 3.395 USD Gewinn erzielen.

Maßgeblich dazu beigetragen hat der Kursrutsch der letzten Tage. So hat der Ölpreis seit dem Verlaufshoch von letzter Woche bei 74,90 USD in der Spitze fast 10 USD oder 13,20 Prozent verloren. Denn am Dienstag wurden für einen Öl-Kontrakt mit Laufzeit September 2021 (Kürzel: CLU1) nur noch 65,01 USD gezahlt (vgl. Chart unten).

Chart vom 22.07.2021 Kurs 70,76 Kürzel: CLU1 4-Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Im Verlauf dieser Handelswoche konnte sich der Ölpreis im Bereich von 66 USD stabilisieren, bevor die Käufer dann die Überhand gewannen. Das Ergebnis: Ein schneller Kursanstieg auf 70,76 USD bzw. um 9,1 Prozent.

Jetzt fragt man sich…

War das schon das Ende der Korrektur, oder müssen die Bullen vor einem weiteren Kursrutsch Angst haben?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, zoomen wir erst ein wenig heraus und schauen, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das große fundamentale und technische Bild einfügt.

Überblick: Aufwärtstrend trotz Korrektur intakt

Chart vom 22.07.2021 Kurs: 71,01 Kürzel: CL∞ Wochenkerzen | Online Broker LYNX

Übergeordneter Aufwärtstrend prallt an Widerstand ab

Mit dem neuen Jahreshoch bei knapp unter 77 USD, hat WTI Crude Oil den seit April letzten Jahres laufenden Aufwärtstrend fortgeführt. (vgl. Chart oben). Verdeutlicht wird das einerseits durch eine Abfolge von höheren Hochs und höheren Tiefs auf der Kurs-Achse. Andererseits notiert der aktuelle Kurs derzeit über dem einfachen gleitenden Durchschnitt (SMA) der letzten 50 und 200 Handelstage. Wobei sowohl der 50er SMA (blaue Linie im Chart oben), wie auch der 200er SMA (rote Linie im Chart oben) durch die Korrektur nur noch leicht ansteigen.

Trotz der Korrektur ist die technische Großwetterlage im ÖL weiter bullisch zu bewerten.

Ändern würde sich das erst, wenn wir im Chart einen Schlusskurs auf Wochenbasis unter der Marke von 57,25 USD bekämen. Dann wäre der Aufwärtstrend gebrochen.

Bis dahin ist es aus Chance-Risiko-Gesichtspunkten wieder sinnvoller Kursschwäche zu kaufen, als Kursstärke zu verkaufen. Denn gerade das Kaufinteresse der Bullen in den letzten Handelstagen zeigt, dass das Korrekturtief des oben beschriebenen Aufwärtstrends bereits drin sein könnte.

Jetzt stellt sich die Frage: Passt das technische Bild auch zu den fundamentalen Rahmenbedingungen?

Opec-Kompromiss schafft Klarheit

Lange hat es gedauert. Am Sonntag haben sich die Länder der Opec Plus doch noch geeinigt. Aufgrund der Erholung der Weltkonjunktur hat man sich auf eine Erhöhung der Ölproduktion verständigt. Ab August wird die monatliche Fördermenge um 400.000 Barrel gesteigert. Darüber hinaus soll die bestehende Produktionsverkürzung, wenn es die Marktbedingungen zulassen, im September 2022 enden.

Auch wenn die Ausweitung des Öl-Angebots den Ölpreis erstmal belastet hat, schafft die Entscheidung doch Klarheit und damit mehr Sicherheit bei den Marktteilnehmern. Bevor neue Jahreshochs erzielt werden können, muss der weltweite Konjunkturmotor erstmal zeigen, dass er das zusätzliche Öl auch benötigt. Ein Blick auf die Terminkurve im Öl zeigt uns, dass die Öl-Nachfrage derzeit weiterhin hoch ist.

Terminkurve zeigt die große Öl-Nachfrage

Öl-Kontrakte werden an der Terminbörse mit unterschiedlichen Laufzeiten gehandelt. Aufgrund der Lagerkosten kommt es in der Regel zu einem Preisaufschlag bei späteren Lieferterminen. Fehlen diese Preisaufschläge, dann befindet sich die Terminkurve in einer „Backwardation“. Hier muss, im Gegensatz zu den Haltekosten in einem Contango, eine Verfügbarkeitsprämie gezahlt werden. Genau das ist die aktuelle Situation im Öl-Future und verdeutlicht die starke Nachfrage nach dem schwarzen Gold. (vgl. Grafik unten).

Chart vom 22.07.2021 Terminkurve WTI Crude Oil | Online Broker LYNX

Jetzt stellt sich die Frage: Wo ist ein gutes Einstiegsniveau mit einem attraktiven Chance-Risiko Verhältnis für einen Long-Trade?

Ausblick: Ist die Korrektur schon abgeschlossen?

Wenn wir anhand eines 4-Stundencharts weiter in das aktuelle Marktgeschehen hineinzoomen, dann sehen wir, dass der Kurs derzeit bei 70,77 USD notiert. Also deutlich unter dem mehrjährigen Hoch (vgl. Chart unten).

Chart vom 22.07.2021 Kurs: 70,77 Kürzel: CLU1 4-Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Untergeordneter Abwärtstrend gibt den Verkäufern noch Rückenwind

Verantwortlich hierfür war der Kursrutsch der letzten Handelswochen. Dieser deutliche Preisverfall führte mit einem tieferen Verlaufstief zunächst zu einem Trendbruch in einem untergeordneten Aufwärtstrend. Als das neu entstandene Verlaufstief nach einem tieferen Verlaufshoch unterboten wurde, war die Trendumkehr perfekt. Die Folge…

Durch den jetzt bestätigten Abwärtstrend haben Verkaufssignale die Anleger veranlasst ihre Long-Positionen zu schließen oder neue Short-Positionen aufzubauen. Beides führte dazu, dass das Angebot deutlich über der Nachfrage lag. Ein rasanter Kursrutsch (vgl. lange rote Kerzen im Chart) war die logische Konsequenz.

Aufhalten konnte den Preisverfall erst die Preiszone zwischen 65 und 66 USD. War das Preislevel im Mai noch ein hartnäckiger Widerstand, zog es in dieser Woche genügend Käufer an. Diese schafften es nicht nur den Preisverfall zu stoppen, sondern trieben durch Anschlusskäufe den Ölpreis wieder über die 70 USD Marke.

Diese rasche Kurserholung ist erstmal als bullisches Zeichen zu interpretieren. Wenngleich erst ein Schlusskurs über der Marke von 75 USD den Bruch des Abwärtstrends perfekt macht. Bis dahin sind weitere Kursverluste wahrscheinlich. Ob diese jedoch ausreichen, um ein neues Verlaufstief unterhalb von 65 USD zu erzwingen, bleibt abzuwarten. Denn aktuell sind die Käufer am Drücker und könnten einen Test des letzten Verlaufstiefs nutzen, um ihre Long-Positionen weiter auszubauen.

Diese technischen Kaufsignale sollten Sie auf dem Radar haben

Trotz der Korrektur steigen der 50-Tage-Durchschnitt (69,73 USD) und der 200-Tage-Durschnitt (56,62 USD) weiter an. Das ist bullisch. Gerade wenn man bedenkt, wie dynamisch sich der Ölpreis in den letzten Tagen erholt hat.

Zweitens befindet sich im Bereich 65 bis 66 USD eine untergeordnete Unterstützungszone. Ein Test könnte Käufern die Chance geben nochmals günstiger zu kaufen. Der daraus entstehende Nachfrageüberhang könnte dann erneut zu steigenden Preisen führen.

Drittens befindet sich der Volumengewichtete Durchschnittskurs (VWAP) aller seit dem Jahrestief gehandelten Futures-Kontrakte derzeit bei 64,74 USD. Da institutionelle Händler oft am VWAP gemessen werden, fungiert dieser volumenbasierte Preis hier als Unterstützung im Preischart.

Einblick: Trade-Idee mit einem CRV von 1,77 für einen Long-Einstieg in den Öl-Future

Ein möglicher Test der oben aufgezeigten Widerstandszone im Bereich 66 USD, könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Long-Trade liefern. Damit könnten Sie von einer weiteren Aufwärtsbewegung im Öl-Future profitieren (vgl. Chart unten).

Chart vom 22.07.2021 Kurs: 70,75 Kürzel: CLU1 4-Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterher zu rennen.

Sollten Sie sich für einen Long-Trade entscheiden, können Sie bei 67 USD einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order bei 64,69 USD, also unter dem letzten Verlaufstief, absichern. Damit berücksichtigen wir auch die aktuelle Volatilität im ÖL-Future.

Ein mögliches Gewinnziel wäre bei 71,10 USD. Daraus ergibt sich für die Trade-Idee ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1,77. Natürlich können Sie bei einem hohen Momentum auch versuchen die Gewinne weiterlaufen zu lassen. Ein weiteres Ziel wäre das letzte Verlaufshoch im Bereich von 75 USD.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 68,59 USD erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Das Restrisiko wird damit auf null reduziert.

Fazit der WTI Crude Oil-Analyse:

Die aktuelle Analyse des Öl-Futures zeigt: Eine mögliche Fortsetzung des übergeordnet laufenden Aufwärtstrends, eröffnet eine attraktive Chance für einen Long-Trade. Ein möglicher Umkehrpunkt im Chart könnte im Bereich von 67 USD liegen.

Falls es im WTI Crude Oil Future zu einer weiteren Aufwärtsbewegung kommt, könnten Sie als Leser dieser Analyse von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 1,77 Euro zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen. Ein aktives Risiko- und Trademanagement sind daher ebenfalls sehr wichtig.

Am einfachsten und vor allem kostengünstigsten können Sie die vorgestellte-Trade-Idee mit Futures umsetzen. Je nach Kontogröße und Risikoeinstellung können Sie z.B. den CL-Future (Symbol: CLU1) oder den kleineren QM-Future (Symbol: QMU1) mit Laufzeit September 2021 dafür einsetzen. Der Kontrakt mit dieser Laufzeit, hat derzeit ein ausreichend großes Handelsvolumen und steht nicht kurz vor der Fälligkeit. Bitte denken Sie daran, falls der Trade länger laufen sollte, den Future rechtzeitig zu rollen.

Alternativ können Sie auch in Öl-Aktien investieren, um von einem steigenden Ölpreis zu profitieren. Hier finden Sie eine spannende Auswahl: Die besten Öl Aktien

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