Der Goldpreis ist seit dem Jahreshoch in der Spitze um 400 USD eingebrochen. Ausgehend von einem neuen Jahrestief bei 1.678 USD konnte sich das gelbe Edelmetall in den letzten Wochen bis auf 1.800 USD erholen. Ist damit die Trendwende geschafft, oder war das nur eine Bärenmarktrallye? Eine Antwort erhalten Sie anhand einer attraktiven Trade-Idee in dieser Gold-Analyse.

Rückblick: Dynamische Kurserholung nach neuem Jahrestief

Die letzten Monate waren für Goldanleger nicht einfach. Wer sich mit Gold gegen die globalen Unsicherheiten abgesichert hat, musste mit ansehen, wie der Goldpreis erst auf 1.900 USD, danach auf 1.800 USD und dann sogar unter 1.700 USD fiel. Doch seit zwei Wochen schöpfen die Goldanleger neue Hoffnung, denn der Goldpreis konnte sich recht impulsiv vom bisherigen Jahrestief entfernen.

Maßgeblich dazu beigetragen hat die Kaufwelle seit dem 21. Juli. Käufer haben den Goldpreis in der Spitze um 6,38 Prozent nach oben getrieben. Denn im Hoch dieser Handelswoche wurden für eine Unze Gold am Spotmarkt im Hoch 1.788 USD gezahlt. Das sind 107 USD mehr als noch vor zwei Wochen (vgl. Chart unten).

Chart vom 04.08.2022 Kurs: 1774,9 USD Kürzel: XAUUSD Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Nach dieser Kurserholung fragt man sich, ob der Goldpreis sich im Umfeld steigender Zinsen weiter erholen kann oder schon bald die nächste Verkaufswelle zu befürchten ist.

Um eine Antwort zu finden, zoomen wir ein wenig heraus und schauen uns an, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das große fundamentale und technische Bild einfügt.

Überblick: Gold stabilisiert sich nach Kursanstieg auf hohem Niveau

Chart vom 04.08.2022 Kurs: 1.774 USD Kürzel: XAUUSD Monatskerzen | Online Broker LYNX

Gold kann die Seitwärtsrange halten

Mit einem Blick auf den Monatschart (logarithmische Darstellung) des Rohstoffes Gold (Kürzel: XAUUSD) erkennen Sie, dass der Goldpreis von 2018 bis 2020 in der Spitze um 78 Prozent oder 914 USD angestiegen ist. Dabei formte der Kursverlauf einen Aufwärtstrend, welcher sein bisheriges Hoch bei 2.075 USD markiert hat.

Im Chart erkennen Sie den Aufwärtstrend anhand der grün markierten Abfolge von höheren Verlaufshochs und höheren Verlaufstiefs. Dieser Trend hat in den letzten 22 Monaten jedoch deutlich an Dynamik verloren und ist in eine Konsolidierung übergegangen. Dabei bilden der Widerstand bei 2.075 USD und die Unterstützung bei 1.680 USD den Rahmen einer seitwärts gerichteten Range (vgl. graue Zone im Chart oben).

Genau diese horizontale Unterstützung im Bereich von 1.680 USD zog im Juli, wie schon einige Male zuvor, Käufer in den Goldmarkt. Anschlusskäufe sorgten dafür, dass die Bullen ein großes Verkaufssignal abwenden konnten. Denn sollte das Kursniveau von 1.680 USD nachhaltig brechen, verliert für die Trendhändler das übergeordnete bullishe Szenario seine Gültigkeit. In dem Fall könnte der Goldpreis schnell in Richtung 1.550 USD abrutschen.

Für eine übergeordnete Trendfortsetzung, muss zunächst der Widerstand bei 2.075 USD überwunden werden. Nächste Kursziele auf der Oberseite sind bei 2.158 USD und danach bei 2.346 USD auszumachen.

Die technische Großwetterlage ist somit noch als „bullish“ zu bewerten. Prinzipiell ist es daher als in Investor sinnvoller, Kursschwäche zu kaufen als Kursstärke zu verkaufen.

Passt das auch zu den fundamentalen Rahmenbedingungen?

Geldpolitik im Fokus – Aufwärtstrend im US-Dollar intakt

Die Fed drückt im aktuellen Zinszyklus mächtig aufs Gas und nimmt dafür einen wirtschaftlichen Abschwung in Kauf. Das Ziel ist klar – die Preisstabilität soll mit allen Mitteln wieder erreicht werden. Dafür hat die amerikanische Notenbank in der letzten Sitzung Ende Juli den US-Leitzzins um weitere 75 Basispunkte auf 2,25 – 2,5 Prozent erhöht. Für die Fed-Sitzung am 21. September erwartet der Markt derzeit nur mit einer 42-prozentigen Wahrscheinlichkeit einen weiteren Zinsschritt in dieser Größenordnung. Sollte sich der amerikanische Arbeitsmarkt wider Erwarten robuster zeigen, könnte die Fed weiter in großen Zinsschritten voranschreiten. Das hätte Konsequenzen für den US-Dollar.

Steigende Zinsen stärken tendenziell die US-Leitwährung. Messen kann man die Stärke des US-Dollars mit dem Dollar-Index (DX). Zur Erklärung: Der DX ist eine Kennzahl, die den Wert des USD gegenüber einem ausgewählten Währungskorb aus sechs Währungen (EUR, JPY, GBP, CAD, SEK, CHF) misst. Im Chart unten erkennen Sie den rasanten Anstieg der Leitwährung anhand des intakten Aufwärtstrends im Tageschart.

Chart vom 04.08.2022 Kurs: 106,28 Kürzel: DX Monatskerzen | Online Broker LYNX

Der starke US-Dollar drückt dabei auf den Goldpreis. Denn gewinnt der USD im Vergleich zu anderen Währungen an Wert, müssen Goldanleger außerhalb des Dollarraums für den Kauf einer Unze Gold tiefer in die Tasche greifen. Edelmetalle werden, wie die meisten Rohstoffe, in USD gehandelt.

Charttechnisch befindet sich der DX aktuell in einer Korrektur im laufenden Aufwärtstrend. Vom letzten Verlaufshoch bei 109 hat der Dollar-Index bis auf 105 korrigiert. Hier prallte der DX auf dem 50-Tage-Durchschnitt nach oben ab. Sollte es im weiteren Verlauf im Rahmen einer weiteren Bewegungswelle zu einem neuen Verlaufshoch kommen, könnte das den Goldpreis wieder nach unten drücken.

Spannungen zwischen USA und China treiben Anleger derzeit in sichere Häfen

Während die Zinsdifferenz und damit die Dollarstärke sehr wichtige Faktoren für den Goldpreis sind, darf auch die geopolitische Unsicherheit nicht unterschätzt werden. Vor allem wenn neben dem Krieg in der Ukraine weitere Konflikte wie in Taiwan dazukommen. Sollten sich die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China verschärfen, könnte das die Anleger weiter in den sicheren Hafen Gold treiben. Aktuell erhöht der Taiwankonflikt, insbesondere die chinesischen Militärübungen rund um die Insel, den Spannungsbogen. Entspannt sich die Lage dort wieder, könnte das wiederum den Goldpreis belasten.

Kurzum, solange die Fed aggressiv die Zinsen erhöht und damit den US-Dollar stärkt, wird es für die Gold-Bullen schwer werden eine Trendwende herbeizuführen. Zwischenzeitliche Erholungen beim Goldpreis können aufgrund des fundamentalen Gegenwinds entsprechend zum Verkauf genutzt werden. Wo könnte für Trader also ein gutes Einstiegsniveau mit einem attraktiven Chance-Risiko Verhältnis für einen Short-Trade sein?

Ausblick: Widerstand als Short-Einstieg in den untergeordneten Abwärtstrend nutzen?

Werfen wir nun einen Blick auf den Tageschart, um zu sehen, wie sich die fundamentalen Rahmenbedingungen zuletzt auf den Preis ausgewirkt haben. Dort erkennen wir, dass der Goldpreis am Spotmarkt seit dem Jahreshoch im März bei 2.070 USD in der Spitze um 18,8 Prozent gefallen ist. Dabei formte der Kursverlauf einen untergeordneten Abwärtstrend in Form von tieferen Hochs und tieferen Tiefs (vgl. rote Rechtecke im Chart unten).

Chart vom 04.08.2022 Kurs: 1.777 USD Kürzel: XAUUSD Tageskerzen | Online Broker LYNX

Untergeordneter Abwärtstrend kurz vor neuer Bewegungswelle?

Mit dem Kursrutsch unter die Unterstützung bei 1.782 USD wurde ein übergeordneter Trendbruch vollzogen. Verantwortlich dafür ist ein dynamischer Abwärtstrend in einer Trendebene darunter. Diesen erkennen Sie im Chart oben an den mit roten Quadraten markierten tieferen Verlaufshochs und tieferen Verlaufstiefs. Dieser Abwärtstrend ist von hoher Qualität, denn die neuen Verlaufshochs liegen deutlich tiefer und überschneiden sich nicht mit den vorherigen Verlaufstiefs.

Mit den bestätigten Abwärtstrends notiert Gold durch den Kurssturz unter den fallenden Trendindikatoren, dem 50-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt (vgl. blaue und rote Linie). Solange die Abwärtstrends intakt sind, sind weitere Kursverluste wahrscheinlicher. Das schließt aber eine zwischenzeitliche Kurserholung, wie wir sie in den letzten Tagen gesehen haben, nicht aus.

Dabei wurde mit dem 50 Prozent Retracement bereits ein wichtiges Korrekturziel erreicht. Falls der Abwärtstrend von hier fortgesetzt wird, dann liegt das erste Kursziel bei 1.680 USD – die untere Unterstützung der oben aufgezeigten Seitwärts-Range. Sollte der Markt diese Unterstützung bei einem weiteren Test brechen, würde das mögliche Kursziele bei 1.644 USD, 1.600 USD und danach 1.550 USD aktivieren.

Erst im Falle eines nachhaltigen Anstiegs über die Kursmarke von 1.883 USD, würde das untergeordnet bearishe Szenario seine Gültigkeit verlieren. Der Trendbruch würde dann Anstiegspotenzial bis 1.920 und darüber 2.000 USD freisetzen.

Bevor diese Kursmarken erreicht werden können, müssen die Bullen jedoch zunächst den Kreuzwiderstand im Bereich von 1.800 USD durchbrechen. Bis dahin haben die Bären das Ruder in der Hand.

Unterstützung könnten die Bullen durch ein saisonales Muster bekommen. Ein Blick auf die Saisonalität zeigt, dass im August tendenziell mit steigenden Preisen gerechnet werden kann.

Goldpreis erreicht saisonal starke Phase

Saisonale Muster sind an den Rohstoffmärkten keine Seltenheit und können durchaus lukrativ sein (vgl. Grafik unten).

Chart vom 04.08.2022 Saisonalität im Gold | Online Broker LYNX

Die Grafik oben zeigt eine statistische Auswertung des Goldpreises für die vergangenen 54 Jahre in Abhängigkeit der Jahreszeit. Was fällt auf?

In der Zeit von Anfang August bis Anfang Oktober ist tendenziell mit steigenden Goldpreisen zu rechnen. Preistreiber sind hierfür saisonal bedingt größtenteils die Schmuckhändler.

Schmuckhändler könnten die Goldnachfrage antreiben

Hinter der Saisonalität im Gold steckt die im Herbst beginnende Hochzeitssaison in Indien. Dort wird traditionell Goldschmuck verschenkt. Entsprechend decken sich Schmuckhändler vor den Feiertagen mit Gold ein. Das treibt die Nachfrage und damit auch tendenziell den Preis nach oben. Was nicht verwunderlich ist, denn schließlich werden generell bis zu zwei Drittel der jährlichen Goldproduktion für die Schmuckherstellung verwendet.

Diese technischen Verkaufssignale sollten Sie auf dem Radar haben

Der Goldpreis befindet sich, wie oben dargestellt, übergeordnet in einem Trendbruch und untergeordnet in einem intakten Abwärtstrend. Solange dieser Trend nicht gebrochen wird, sind weitere Kursverluste wahrscheinlicher.

Das Sentiment im Gold ist weiter bearish. Der Goldpreis befindet sich sowohl unter dem 50-Tage und 200-Tage-Durchschnitt. Beide einfachen gleitenden Durchschnitte fallen, was von vielen Marktteilnehmern als bearish interpretiert wird.

Sollte der untergeordnete Abwärtstrend fortgesetzt werden, könnte das von dem möglichen technischen Widerstand im Bereich von 1.800 USD geschehen. Hier formt eine Kombination aus einem horizontalen Widerstand und der oberen Begrenzung des Abwärtstrendkanals, einen Kreuzwiderstand. Gleichzeitig könnte der fallende 50-Tage-Durchschnitt bei 1.790 USD dafür sorgen, dass vermehrt Verkaufsorders in den Markt kommen. Zudem verläuft bei 1.804 USD als wichtiges Korrekturziel das 61,8er Fibonacci Retracement der letzten dynamischen Abwärtswelle.

Einblick: Attraktive Trade-Idee mit einem CRV von 2,0 für einen Short-Einstieg in den Gold-Future

Ein Test der oben beschriebenen Widerstandszone könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Short-Trade in Gold liefern. Damit würden Sie von einer möglichen Abwärtsbewegung im Gold profitieren (vgl. Chart unten).

Chart vom 04.08.2022 Kurs: 1.798 USD Kürzel: GC Takeskerzen | Online Broker LYNX

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterherzurennen.

Sollten Sie sich für einen Short-Trade entscheiden, können Sie bei 1.804 USD einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order bei 1.864 USD absichern. Damit berücksichtigen Sie auch die aktuelle Schwankungsbreite des Goldpreises.

Ein erstes mögliches Gewinnziel könnte bei 1.684 USD liegen. Daraus ergibt sich für die Trade-Idee ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2,0. Natürlich können Sie bei einem hohen Momentum auch versuchen die Gewinne weiterlaufen zu lassen. Das nächste Ziel wäre bei 1.644 USD.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 1.756 USD erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Damit wird das Restrisiko für den Trade auf null reduziert.

Fazit der Gold-Analyse:

Die aktuelle Gold-Analyse zeigt: Mittel- bis kurzfristig ist aufgrund des intakten Abwärtstrends mit weiteren Kursverlusten zu rechnen. Die aktuelle Erholung im Goldpreis eröffnet uns eine attraktive Chance für einen Short-Trade. Ein möglicher Umkehrpunkt im Chart könnte im Bereich von 1.805 USD liegen.

Falls es im Gold-Future von dort weg zu einer weiteren Abwärtsbewegung kommt, könnten Sie als Leser dieser Analyse von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 2,0 Euro zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen. Ein aktives Risiko- und Trademanagement sind daher ebenfalls sehr wichtig.

Risiken für die Trade-Idee bestehen vor allem darin, dass der US-Dollar weiter schwächelt oder der Goldpreis im Rahmen weniger schnell steigender Zinsen und damit niedrigerer Renditen für US-Bonds weiter zulegen kann.

Am einfachsten und vor allem kostengünstigsten können Sie die vorgestellte-Trade-Idee mit Futures umsetzen. Je nach Kontogröße und Risikoeinstellung können Sie z.B. den Dezember 2022 Kontrakt des Gold-Futures (Symbol: GCZ2), oder den kleineren Micro-Future (Symbol: MGCZ2) dafür einsetzen. Der Kontrakt mit dieser Laufzeit  hat derzeit das größte Handelsvolumen. Bitte denken Sie daran, falls der Trade länger laufen sollte, den Future rechtzeitig zu rollen.

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