Der US-Dollar hat in den letzten drei Wochen fast zwei Prozent gegenüber dem Euro zugelegt. Führt die Dollar-Stärke zu einem großen Kursrutsch oder schaffen es die Euro-Bullen sich aus dem „Charttechnischen Schwitzkasten“ zu befreien? Eine Antwort erhalten Sie anhand einer Trade-Idee in dieser EUR/USD-Analyse.

Rückblick: Konnten Sie von der Dollar-Stärke profitieren?

Zunächst Glückwunsch an alle entschlossenen Leser, die sich von meiner letzten Trade-Idee im Euro-Future haben inspirieren lassen. Diese hatte ich Ihnen in der EUR/USD-Analyse vom 03. September vorgestellt. Die Short-Chance hat sich ausgezahlt. Denn nach dem Short-Einstieg am Tag der Veröffentlichung bei 1,1908 wurde am 20. September das Gewinnziel bei 1,1717 erreicht. Und das bei gefühlt keinem Risiko, denn mit dem Einstieg bei 1,1908 wurde der Umkehrpunkt im Chart bei 1,1909 punktgenau getroffen.

Mit dem Einsatz eines Euro-FX-Future (Symbol 6EZ1) hätte theoretisch ein Gewinn von ca. 2.387 USD erzielt werden können. Selbst mit dem kleineren Emini Euro-FX-Future (E7Z1), hätten immer noch ca. 1.193 USD Gewinn verbucht werden können.

Maßgeblich dazu beigetragen hat die Stärke der US-Leitwährung der letzten Handelswochen. Seit dem Verlaufshoch vom 03.September bei 1,1909 rauschte der Kurs in der Spitze über 225 Pips oder fast zwei Prozent in die Tiefe (vgl. Chart unten).

Chart vom 23.09.2021 Kurs 1,1715 Kürzel: EUR.USD 4-Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Jetzt fragt man sich, wie dieser Kursrutsch zu bewerten ist. Ist es der Anfang einer längeren Dollar-Rallye oder folgt die nächste Erholungs-Rallye?

Um die Lage besser einschätzen zu können, zoomen wir ein wenig heraus und schauen uns an, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das große technische und fundamentale Bild einfügt.

Überblick: EUR/USD noch in der Konsolidierung

Chart vom 23.09.2021 Kurs 1,1718 Kürzel: EUR.USD Monatskerzen | Online Broker LYNX

Übergeordneter Aufwärtstrend noch intakt

Ein Blick auf den Monatschart (Logarithmische Darstellung) des EUR/USD (Kürzel: EUR.USD) oben, zeigt eine Abfolge von höhere Verlaufshochs und höheren Verlaufstiefs. Grundbestandteile eines übergeordnet intakten Aufwärtstrends.

Daran ändert auch die laufende Konsolidierung noch nichts. Impulsive Kursanstiege wie hier im EUR/USD seit März 2020 von über 16 Prozent, werden generell entweder über den Preis oder die Zeit konsolidiert. Nur so können genügend Käufer für den nächsten Kursschub gefunden werden. Sollte dieser aber nicht erfolgen, kann es ganz schnell in die andere Richtung laufen. In dem Fall nach unten.

Zwar ist der übergeordnete Aufwärtstrend auf Monats Basis weiter intakt. Jedoch zeigen die starken Rücksetzer in den Bereich der letzten Verlaufstiefs (im Chart oben grün markiert), dass die Aufwärtsdynamik stark nachgelassen hat. Der typische Übergang in eine Seitwärts-Range. Ob es sich dabei um eine Reakkumulation (bullish) oder um eine Distribution (bearish) handelt, wird der Ausbruch nach oben oder der Durchbruch nach unten zeigen. Ein erster Abwärtsimpuls erfolgte im Rahmen der Fed-Sitzung am 22. September.

Charttechnisch richtungsweisend wird der Monatsschlusskurs vom September sein. Sollte dieser unter dem März-Tief bei 1,1704 liegen, würde zu einem Trendbruch führen. Solange das nicht passiert, ist die technische Großwetterlage im EUR/USD leicht bullisch bis neutral.

Passt das auch zu den fundamentalen Rahmenbedingungen?

US-Notenbank senkt Wachstumsprognose für dieses Jahr

Die rasche Ausbreitung der Delta-Variante ging auch an der US-Wirtschaft nicht spurlos vorbei. Ist die Fed im Juni noch von einem Wachstum der US-Wirtschaft von 7 Prozent ausgegangen, werden jetzt nur noch 5,9 Prozent erwartet. Für das kommende Jahre schraubte die US-Notenbank die Wachstumsprognosen jedoch von 3,3 Prozent auf 3,8 Prozent nach oben.

Gleichzeitig hat die Fed ihre Inflationsprognose für 2021 angepasst. Ging man im Juni noch von einer US-Inflation von 3,4 Prozent aus, werden jetzt 4,2 Prozent Preissteigerung für das laufende Jahr erwartet. Eine höher als erwartete Inflation gepaart mit einem robusten Arbeitsmarkt zwingt die Fed zu handeln.

Mögliches Tapering der Fed im November

Fed Chef Powell kündigte deshalb im Rahmen der Fed-Sitzung diese Woche ein mögliches Herunterfahren der monatlichen Anleihenkäufe (Tapering) im November an. Gleichzeitig beließ die US-Zentralbank den Leitzins bei null bis 0,25 Prozent, stellte aber schon für 2022 – nicht mehr wie bisher für 2023 – eine Zinserhöhung in Aussicht. Steigen die Zinsen, macht das die Leitwährung relativ gesehen attraktiver. Das könnte Druck auf den Wechselkurs des EUR/USD ausüben.

Auch wenn die technische Großwetterlage noch leicht bullish bis neutral ist, gibt es fundamental einige Argumente, die für einen weiteren Kursrutsch im EUR/USD sprechen.

Wo könnte man also am besten einen Short-Trade im Euro eröffnen, um davon zu profitieren?

Ausblick: Wo sind risikoarme Einstiegspunkte?

Wenn wir anhand eines Tagescharts des EUR/USD weiter in das aktuelle Marktgeschehen hineinzoomen, dann sehen wir, dass der Kurs derzeit bei 1,1715 notiert. Also weit unter dem Jahreshoch von 1,2349. Bevor dieses erneut erreicht werden kann, müssen einige Widerstände aus dem Weg geräumt werden (vgl. Chart unten).

Chart vom 23.09.2021 Kurs 1,1715 Kürzel: EUR.USD Tageskerzen | Online Broker LYNX

Untergeordneter Abwärtstrend: Verkäufer sind weiter am Drücker

Nach der Kursrallye von 1,1700 auf fast 1,2300 im April und Mai, war das Jahreshoch vom Januar in greifbarer Nähe. Doch dieser Angriff der Bullen blieb erfolglos. Denn…

Die Kursverluste der letzten Monate haben dazu geführt, dass sich ein untergeordneter Abwärtstrend gebildet hat. Das signalisiert uns einerseits die Abfolge von tieferen Hochs und tieferen Tiefs, welche im Chart oben rot markiert sind. Andererseits wurde im Rahmen des laufenden Abwärtstrends der 50-Tage-Durchschnitt und der 200-Tage-Durchschnitt durchbrochen.

Aufhalten konnte den Preisverfall erst die Unterstützung zwischen 1,1663 bis 1,1683. Wie schon im August, zog das Preislevel auch im September neue Käufer im Euro an. Doch bevor der Markt weiter ansteigen kann, müssen ein paar hartnäckige Widerstände aus dem Weg geräumt werden.

Schon im Bereich von 1,1900 könnten erneut neue Verkäufer in den Markt kommen und den Kurs drücken. Sollte deren Angebot aber nicht die Nachfrage überbieten, könnten die Unterstützung knapp unter 1,1700 erneut getestet werden.

Sollte der Kurs über 1,1900 ansteigen, wäre der kurzfristige Abwärtstrend gebrochen. Dann wäre Platz bis zum nächsten horizontalen Widerstand (vgl. Chart oben). Erst wenn die Zone zwischen 1,1980 bis 1,2000 von den Bullen nachhaltig genommen werden kann, ist der Weg bis 1,2200 frei.

Mit Schlusskursen über 1,2270 USD wäre auch der übergeordnete Abwärtstrend gebrochen. Dann könnte der EUR/USD schnell in Richtung 1,2350 marschieren und das Jahreshoch testen.

Bis dahin ist es ein weiter Weg. Denn neben einem intakten Abwärtstrend gibt es weitere technische Verkaufssignale, die auf Kursverluste hindeuten.

Das Saisonale Muster im EUR/USD

Ein nüchterner Blick auf die historischen Kursverläufe im EUR/USD unten macht klar…

Chart vom 23.09.2021 Saisonaler Verlauf Kürzel: EUR.USD | Online Broker LYNX

Die Wahrscheinlichkeit für einen fallenden EUR/USD ist aktuell höher als für steigende Kurse. Wenn wir uns den durchschnittlichen Kursverlauf der letzten 15 Jahre in der Grafik oben näher anschauen, dann sehen wir, dass im Hauptwährungspaar statistisch gesehen von Ende September bis Mitte November eher mit fallenden Kursen gerechnet werden kann. So verlor der EUR/USD in diesem Zeitraum durchschnittlich ca. 1,7 Prozent.

Diese technischen Verkaufssignale sollten Sie auf dem Radar haben

Der Wechselkurs des EUR/USD notiert derzeit unter dem einfachen 50-Tage-Durchschnitt. Bedingt durch die Kursverluste der letzten Wochen, fällt dieser weiterhin.

Gleichzeitig ist der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt groß. Dieser notiert aktuell bei 1,1980, also deutlich über dem aktuellen Kurs von 1,1715 und fällt leicht. Diese Tatsache wird von vielen Markteilnehmern als bearish interpretiert.

Darüber hinaus befindet sich im Bereich 1,1800 eine Widerstandszone. Denn an dieser runden Kursmarke drehte der Kurs bereits im August nach unten ab. Zudem befindet sich in dieser Zone, genau bei 1,1793, das 50er-Retracement der letzten Abwärtsbewegung. Dieses startete am 03. September bei 1,1909. Zusätzlich verläuft der Ein Test könnte Verkäufern die Chance geben nochmals höher zu verkaufen. Der daraus entstehende Angebotsüberhang könnte dann erneut zu fallenden Kursen führen.

Zudem liegt der Point of Control (POC), seit dem Verlaufshoch im Mai, im Euro-Future bei umgerechnet 1,1805. Der POC ist das Kursniveau mit dem höchsten gehandelten Volumen an Euro-Futures in einem bestimmten Zeitraum. Dieser volumenbasierte Preis könnte zukünftig als Widerstand fungieren.

Ebenfalls in dieser Zone, genau bei 1,1791, verläuft der Volumengewichtete Durchschnittskurs (VWAP) aller seit dem Verlaufshoch von Anfang September gehandelten Futures-Kontrakte. Da institutionelle Händler oft am VWAP gemessen werden, fungiert dieser volumenbasierte Preis oft als Unterstützung bzw. Widerstand im Preischart.

Einblick: Nutzen Sie eine Trade-Idee mit einem CRV von 1,76 für einen Short-Einstieg im EUR/USD

Ein Test eines möglichen Widerstands im Bereich von 1,1800 könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Short-Trade liefern. Damit könnten Sie von einer weiteren Abwärtsbewegung im Euro profitieren (vgl. Chart unten).

Chart vom 23.09.2021 Kurs 1,1718 Kürzel: EUR.USD 4-Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterher zu rennen.

Sollten Sie sich für einen Short-Trade entscheiden, können Sie bei 1,1805 einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order bei 1,1938 absichern. Damit würde auch die aktuelle Volatilität im Euro berücksichtigt werden.

Ein erstes mögliches Gewinnziel könnte bei 1,1610 liegen. Natürlich können Sie bei einem starken Momentum auch die Gewinne weiterlaufen lassen und den Stopp-Loss Schritt für Schritt nachziehen.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 1,1731 erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Damit wird das Restrisiko auf null reduziert.

Fazit der EUR/USD-Analyse

Die aktuelle EUR/USD-Analyse zeigt: Der Euro könnte nach einer Erholung vor einer weiteren Abwärtsbewegung in die untergeordnete Trendrichtung stehen.

Ein Einstieg in diesen Trend könnte bei 1,1805 mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis erfolgen.

Falls es im EUR/USD von dort weg zu einer neuen Bewegungswelle nach unten kommt, könnten Sie von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 1,46 Euro zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen.

Risiken für die Trade-Idee besteht in erster Linie darin, dass die Fed eine mögliche Drosselung der Anleihenkäufe nach hinten verschiebt oder die Anleihenkäufe aufgrund enttäuschender Arbeitsmarktdaten geringer als erwartet ausfallen. Das könnte den USD schwächen und somit den Wechselkurs des EUR/USD stärken.

Die vorgestellte Trade-Idee können Sie mit unterschiedlichen Finanzinstrumenten umsetzen. Je nach Kontogröße und Risikoeinstellungen können Sie z.B. den Dezember Kontrakt des Euro-FX-Future (Symbol: 6EZ1) oder den kleineren E-mini Euro-FX-Future (Symbol: E7Z1) dafür einsetzen. Alternativ können Sie das Währungspaar auch mit dem Kürzel EUR.USD handeln und Ihre Positionsgröße optimal anpassen. Bitte beachten Sie, dass die Futures-Preise derzeit ca. 20 Pips über den hier in der Analyse verwendeten Spotpreisen liegen.

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