Nach einer Jahresperformance von 57 Prozent im Jahr 2021 konnte der Ölpreis seit Jahresbeginn in der Spitze nochmal um 20 Prozent zulegen. Bei knapp 90 USD ist ein Barrel aktuell so teuer wie zuletzt 2014. Sind wir jetzt am Ende der Fahnenstange angelangt, oder knacken wir schon bald die Marke von 100 USD? Eine Antwort erhalten Sie anhand einer attraktiven Trade-Idee in dieser Ölpreis-Analyse.

Rückblick: Rallye läuft wie am Schnürchen gezogen

Der Ölpreis kennt seit Jahresbeginn nur eine Richtung und die ist aufwärts. Erst wurde die Marke von 80,00 USD zurückerobert. Dann folgte ein kleiner Rücksetzer und mittlerweile hat der Preis für einen Öl-Kontrakt mit Laufzeit März 2022 (Kürzel: CLH2) ein neues Jahreshoch bei 89,70 USD erreicht. Gerechnet vom Jahrestief bei 74,26 USD ist das ein Preisaufschlag von 14,44 USD oder 20,79 Prozent (vgl. Chart unten).

Chart vom 03.02.2022 Kurs 87,48 Kürzel: CL 4-Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Jetzt fragt man sich…

ist nach dem enormen Kursanstieg eine Korrektur überfällig, oder folgt schon bald der nächste Rallye-Schub?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, zoomen wir erst ein wenig heraus und schauen, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das große fundamentale und technische Bild einfügt.

Überblick: Ölpreis mit 7-Jahres-Hoch

Chart vom 03.02.2022 Kurs: 87,30 Kürzel: CL∞ Monatskerzen | Online Broker LYNX

Übergeordneter Aufwärtstrend signalisiert steigende Preise

Mit einem neuen Jahreshoch bei 89,72 USD hat WTI Crude Oil den seit April 2020 laufenden Aufwärtstrend fortgeführt. Verdeutlicht wird das durch eine Abfolge von höheren Hochs und höheren Tiefs auf der Kurs-Achse, welche im Chart oben grün markiert sind. Daran änderte auch der jüngste Kursrutsch im November nichts. Dieser fiel zwar heftig aus (lange rote Monatskerze im Chart oben), war jedoch nur eine Korrektur im laufenden Trend.

Dank des intakten Aufwärtstrends ist die technische Großwetterlage als bullisch zu bewerten. Gebrochen wäre der übergeordnete Aufwärtstrend, wenn wir im Chart einen Schlusskurs auf Monatsbasis unter der Marke von 62,43 USD bekämen. Bis dahin ist es aus Chance-Risiko-Gesichtspunkten sinnvoller Kursschwäche zu kaufen, als Kursstärke zu verkaufen.

Jetzt stellt sich die Frage: Passt das technische Bild auch zu den fundamentalen Rahmenbedingungen?

Opec hält Ölangebot künstlich knapp

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hält das Ölangebot weiter knapp. Am Mittwoch wurde beschlossen, dass die bisherige Förderpolitik auch 2022 fortgesetzt werden soll. D.h. die Ölproduktion soll nur um 400.000 Barrel pro Tag angehoben werden. Bei einer Nachfrage von durchschnittlich 100 Millionen Barrel pro Tag ist das nicht viel und sorgt für eine künstliche Verknappung auf dem Ölmarkt. Das dürfte sich in den kommenden sechs Monaten auch nicht ändern, denn erst dann laufen die 2020 beschlossenen Förderbeschränkungen aus. Diese hat sich die Opec aufgrund des Ölpreiscrashs selbst auferlegt.

Opec kann Lieferzusagen nicht erfüllen

Ein weiterer Preistreiber dürfte derzeit auch die Angst vor einem möglichen Lieferengpass sein. Selbst die bescheidene Steigerung von 400.000 Barrel pro Tag kann von der Opec derzeit nicht erfüllt werden. Laut Bloomberg sind mangelnde Investitionen in Nigeria und Milizunruhen in Libyen dafür verantwortlich, dass Opec-Mitglieder hinter ihren Förderverpflichtungen zurückbleiben. Laut einer Bloomberg-Umfrage steigerten die 13 Nationen der OPEC die Produktion im Januar nur um 50.000 Barrel pro Tag, da leichte Gewinne in der gesamten Organisation durch einen Rückgang um 140.000 Barrel pro Tag in Libyen zunichte gemacht wurden. Daten der Internationalen Energieagentur zufolge produziert die Allianz rund 800.000 Barrel Öl weniger als angekündigt. Die Frage ist jetzt, ob Länder mit freien Kapazitäten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate dieses Defizit ausgleichen wollen. Denn bisher profitieren die Opec-Staaten massiv von den stark gestiegenen Ölpreisen. Russland ist beispielsweise in der Lage seine Devisenreserven aufzufüllen und ist dadurch besser gegen mögliche Sanktionen der USA gerüstet.

Terminkurve belegt große Ölnachfrage

Im Rahmen einer Angebotsverknappung treibt die hohe Nachfrage den Preis weiter nach oben. Deutlich wird das, wenn wir einen Blick auf die Terminkurve der Sorte WTI werfen. Öl-Kontrakte werden an der Terminbörse mit unterschiedlichen Laufzeiten gehandelt. Aufgrund der Lagerkosten kommt es in der Regel zu einem Preisaufschlag bei späteren Lieferterminen. Fehlen diese Preisaufschläge, dann befindet sich die Terminkurve in einer „Backwardation“. Hier muss, im Gegensatz zu den Haltekosten in einem Contango, eine Verfügbarkeitsprämie gezahlt werden (vgl. Grafik unten).

Chart vom 03.02.2022 Terminkurve WTI Crude Oil | Online Broker LYNX

Wie knapp Öl derzeit ist, zeigt sich an der oben dargestellten Terminkurve. Der Terminkontrakt mit Laufzeit März 2022 wird mit einem deutlichen Aufpreis gegenüber Öl zur Lieferung in drei Monaten gehandelt. Ein deutliches Zeichen für den kurzfristigen Nachfrageüberhang und dafür, dass die Preisrally weitergehen dürfte.

Lagerbestände gehen weiter zurück und heizen Nachfrage an

Trotz der Ölpreisrallye in den letzten Wochen bleibt die Nachfrage hoch und die Lagerbestände gehen aufgrund des künstlich niedrig gehaltenen Angebots weiter zurück (vgl. Grafik unten).

Chart vom 03.02.2022 Entwicklung Lagerbestände im WTI Crude Oil | Online Broker LYNX

Wie schon im Dezember sind die US-Rohölbestände auch in der letzten Woche wieder gefallen. Die Ölvorräte in den Vereinigten Staaten fielen um 1.046 Millionen Barrel. Ein klares Zeichen, dass die kurzfristige Nachfrage über dem Angebot liegt. Mögliche Nachfragespitzen bei sinkenden Lagerbeständen, könnten dann im Ölpreis zum nächsten Rallyeschub führen.

Machen wir uns also auf die Suche nach einem Einstiegsniveau mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis für einen Long-Trade.

Ausblick: Einfach kaufen, oder auf eine Kurskorrektur warten?

Wenn wir anhand eines Tagescharts weiter in das aktuelle Marktgeschehen hineinzoomen, dann sehen wir, dass der Kurs derzeit bei 87,18 USD notiert. Also knapp unter dem Jahreshoch bei 89,72 USD (vgl. Chart unten).

Chart vom 03.02.2022 Kurs: 87,18 Kürzel: CL∞ Tageskerzen | Online Broker LYNX

Aufwärtstrends ebnen den Weg für weitere Kursanstiege

Nachdem die Bullen das Verlaufshoch vom Oktober letzten Jahres bei 85,41 USD durchbrochen haben, steht die Trendampel auf allen Trendebenen auf grün. Der im Chart oben mit grünen Quadraten markierte Aufwärtstrend aus höheren Verlaufshochs und höheren Verlaufstiefs ist intakt. Dieser untergeordnete Aufwärtstrend hat mit einer neuen Bewegungswelle den eine Ebene darüber liegenden Aufwärtstrends fortgeführt (vgl. grüne Kreise im Chart oben). Wie weit diese Preisrallye läuft, bleibt abzuwarten, denn…

Seit Anfang Dezember letzten Jahres ist der Ölpreis um über 43 Prozent nach oben geschossen. Nach so einer Kursrallye kommt es gut und gerne auch mal zu Gewinnmitnahmen. D.h. Händler mit dicken Buchgewinnen wechseln auf die Verkäuferseite und sorgen für ein zusätzliches Angebot. Das könnten die Bären dann für eine Attacke nutzen. Eine Kurskorrektur wäre die logische Konsequenz.

Aufhalten könnte den möglichen Preisverfall die charttechnische Unterstützung bei 83,00 USD. Auf diesem Kursniveau deckten sich Ende Januar Käufer mit Öl-Kontrakten ein.

Sollte diese Kursmarke nicht halten, könnten Käufer im Bereich von 77,00 USD zuschlagen. Hier verläuft derzeit der 50-Tage-Durchschnitt.

Saisonal starker Ölpreis

Saisonale Muster sind an den Rohstoffmärkten keine Seltenheit und können durchaus lukrativ sein (vgl. Grafik unten).

Chart vom 03.02.2022 Saisonalität im Ölpreis | Online Broker LYNX

Die Grafik oben zeigt eine statistische Auswertung des WTI Crude Oils für die vergangenen 22 Jahre. Als Zeitraum wurde der 07. Februar bis 07. März gewählt. Was fällt auf?

In 15 von 22 Jahren stieg der Ölpreis in diesen vier Wochen. Oder anders ausgedrückt, Anleger, die in den letzten 22 Jahren ab dem 07. Februar auf einen steigenden Kurs im WTI Crude Oil gesetzt haben, lagen in 68 Prozent der Fälle richtig. Die Wahrscheinlichkeit für steigende Kurse im Öl ist damit in den kommenden vier Wochen deutlich höher als für fallende Kurse. Gepaart mit der Tatsache, dass die durchschnittlichen Kursgewinne mit 12,1 Prozent deutlich höher als die durchschnittlichen Kursverluste mit 9,5 Prozent in dieser Periode waren, führt das zu einem positiven Erwartungswert.

Schnäppchenjäger, die für ihren Öl-Einstieg ein gutes Timing suchen, sollten das im Hinterkopf behalten.

Diese technische Kaufsignale sollten Sie auf dem Radar haben

Der Ölpreis befindet sich, wie oben dargestellt, auf allen Trendebenen in einem intakten Aufwärtstrend. Solange der übergeordnete Trend nicht mit Schlusskursen unter 62,43 USD gebrochen wird, sind weitere Kursanstiege wahrscheinlicher.

Darüber hinaus befindet sich der aktuelle Preis für einen Terminkontrakt sowohl über dem 50-Tage- als auch dem 200-Tage-Durchschnitt. Beide einfachen gleitenden Durchschnitte steigen an, was von vielen Marktteilnehmern als bullish gesehen wird.

Sollte es zu einem Kursrücksetzer im Öl kommen, könnte der Preisbereich bei 83,50 USD, wie schon im Januar, für Unterstützung sorgen. Einerseits verläuft knapp oberhalb dieser Marke das 78,6er-Fibonacci-Retracement des untergeordneten Aufwärtstrends. Andererseits befindet sich bei 83,37 USD der Volumengewichtete Durchschnittskurs (VWAP) aller seit dem Verlaufstief bei 74,27 USD vom 3. Januar 2022 gehandelten Futures-Kontrakte. Da institutionelle Händler oft am VWAP gemessen werden, fungiert dieser volumenbasierte Preis oft als Unterstützung bzw. Widerstand im Preischart.

Einblick: Trade-Idee mit einem CRV von 2,92 für einen Long-Einstieg in den Öl-Future

Ein möglicher Test der oben aufgezeigten Unterstützungszone im Bereich von 83,50 USD, könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Long-Trade liefern. Damit könnten Sie von einer weiteren Aufwärtsbewegung im Öl-Future profitieren (vgl. Chart unten).

Chart vom 06.01.2022 Kurs: 86,91 Kürzel: CL Stundenkerzen | Online Broker LYNX

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterherzurennen.

Sollten Sie sich für einen Long-Trade entscheiden, können Sie bei 83,60 USD einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order bei 80,90 USD, also unter dem letzten Verlaufstief absichern. Damit berücksichtigen wir auch die aktuelle Volatilität im ÖL-Future.

Ein mögliches Gewinnziel wäre bei 91,50 USD. Daraus ergibt sich für die Trade-Idee ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2,92. Natürlich können Sie bei einem hohen Momentum auch versuchen die Gewinne weiterlaufen zu lassen. Ein weiteres Ziel wäre bei ca. 94,70 USD.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 86,60 USD erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Das Restrisiko wird damit auf null reduziert.

Fazit der WTI Crude Oil-Analyse:

Die aktuelle Analyse des Öl-Futures zeigt: Eine mögliche Korrektur im intakten Aufwärtstrend eröffnet eine attraktive Chance für einen Long-Trade. Ein möglicher Umkehrpunkt im Chart könnte im Bereich von 83,50 USD liegen.

Falls es im WTI Crude Oil Future von dort zu einer weiteren Aufwärtsbewegung kommt, könnten Sie als Leser dieser Analyse von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 2,92 Euro zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen. Ein aktives Risiko- und Trademanagement sind daher ebenfalls sehr wichtig.

Am einfachsten und vor allem kostengünstigsten können Sie die vorgestellte-Trade-Idee mit Futures umsetzen. Je nach Kontogröße und Risikoeinstellung können Sie z.B. den CL-Future (Symbol: CLH2), den kleineren QM-Future (Symbol: QMH2) oder den relativ neuen Mikro-Future (Symbol: MCLH2) mit Laufzeit März 2022 dafür einsetzen. Der Kontrakt mit dieser Laufzeit hat derzeit ein ausreichend großes Handelsvolumen und steht nicht vor dem First Notice Day.

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