Der Euro hat in den letzten vier Wochen bis zu sechs Prozent gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren. Bei 1,0805 notierte der Kurs so tief wie zuletzt im Mai 2020. Welche Gründe stecken hinter diesem Absturz? Kann sich der Fall des Euros sogar noch in Richtung Parität beschleunigen? Eine Antwort erhalten Sie anhand einer Trade-Idee in dieser EUR/USD-Analyse.

Rückblick: Der Euro unter Druck

Seit dem Hoch am 10. Februar bei 1,1494 kennt der Kurs im EUR/USD nur eine Richtung, nämlich nach unten. Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine hat sich der Kursrutsch noch einmal beschleunigt.

Am Montag dieser Handelswoche wurde ein Verlaufstief bei 1,0805 markiert. Gerechnet vom Verlaufshoch im Februar ist das eine Abwertung des Euros von 688 Pips oder 5,99 Prozent gegenüber dem US-Dollar (vgl. Chart unten).

Chart vom 10.03.2022 Kurs 1,1046 Kürzel: EUR.USD 4-Stundenkerzen | Online Broker LYNX 

Im Vorfeld der EZB-Sitzung am Donnerstag, konnte sich die Gemeinschaftswährung stabilisieren und auf knapp unter 1,1100 ansteigen.

Wie könnte es nun weitergehen? Folgt nach einer Verschnaufpause ein neuer Kursrutsch in Richtung Parität oder kann der Euro seine Erholungsrallye fortsetzen?

Um die Lage besser einschätzen zu können, zoomen wir ein wenig heraus und schauen uns an, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das große technische und fundamentale Bild einfügt.

Überblick: Euro zurück im langfristigen Abwärtstrend

Chart vom 10.03.2022 Kurs 1,1058 Kürzel: EUR.USD Monatskerzen | Online Broker LYNX 

Fehlausbruch führt zu Abwärtstrend

Ein Blick auf den Monatschart (Logarithmische Darstellung) des EUR/USD (Kürzel: EUR.USD) oben zeigt einen übergeordnet intakten Abwärtstrend. Einerseits befindet sich der Kurs nach einem Fehlausbruch wieder im Abwärtstrendkanal. Andererseits signalisiert eine Abfolge von tieferen Verlaufshochs und tieferen Verlaufstiefs (im Chart oben rot markiert), dass mit weiter fallend Kursen gerechnet werden darf.

Eine zwischenzeitliche Kurserholung ist auch in einem Abwärtstrend jederzeit denkbar. Vor allem wenn der Kurs, wie im Chart oben grün markiert, auf einer möglichen charttechnischen Unterstützung aufsetzt. Ein erstes mögliches Korrekturziel des übergeordneten Abwärtstrends ist der mögliche Widerstand im Bereich von 1,1200 bis 1,1300. Von hier aus könnte dann die nächste Bewegung im Abwärtstrend starten. Falls der Abwärtstrend fortgesetzt wird, liegen die nächsten Kursziele bei 1,0636 und danach bei 1,0340.

Ändern würde sich das bearishe Szenario erst, wenn der Markt aus dem Abwärtstrendkanal nach oben ausbricht und auf Monatsbasis über 1,2270 schließt. Bis dahin ist die technische Großwetterlage im EUR/USD bearish zu bewerten. Daher ist es sinnvoller Kursstärke zu verkaufen, als Kursschwäche zu kaufen.

Passt das auch zu den fundamentalen Rahmenbedingungen?

EZB in der Zwickmühle

Am Donnerstag dieser Woche tagt die Europäische Notenbank. Die EZB steckt in der Zwickmühle. Will die Notenbank die Inflation bremsen oder mit einer lockeren Geldpolitik die Wirtschaft stabilisieren?

Die Inflation im Euro-Raum steigt weiter an und scheint ihren Höhepunkt noch nicht erreicht zu haben. Die Werte für die Preissteigerung lagen in den vergangenen Monaten regelmäßig über den Marktprognosen und sind inzwischen bei 5,8 Prozent angekommen, Tendenz steigend. In Deutschland liegt die Inflation derzeit bei 5,1 Prozent. So hoch wie zuletzt Anfang der 1990er Jahre.

Preistreiber sind vor allem die explodierenden Energie- und Rohstoffpreise. Der Krieg in der Ukraine hat die Situation noch weiter verschärft. Seit Jahresbeginn haben die Preise für Brent Crude Oil und für das amerikanische WTI Crude Oil in der Spitze um über 70 Prozent zugelegt. Das spüren nicht nur die Autofahrer an der Tankstelle, sondern auch die Unternehmen. Das teure Öl drückt kurzfristig erheblich auf die Gewinnspannen von Energie-lastigen Unternehmen. Denn nicht alle Unternehmen können in dem Tempo und in dem Ausmaß die höheren Rohstoffkosten über Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben. Wenn jetzt noch die Gewerkschaften bei den nächsten Verhandlungen deutlich höhere Löhne als Ausgleich für die gestiegenen Preise fordern, könnte das zusätzlich den Wachstumsmotor ins Stottern bringen.

Damit steht die EZB vor einem fast unlösbaren Problem. Reagiert die EZB zu schnell mit einem Ende der Anleihenkäufe und einer möglichen Zinserhöhung, könnte sie den Konjunkturmotor komplett abwürgen. Reagiert die Europäische Notenbank zu spät, könnte es richtig teuer werden, die Inflation zu stoppen. Ein Impulsgeber für den Kurs des EUR/USD dürfte daher die Sitzung der EZB am Donnerstag sein.  

Gründe für die Euro-Schwäche

Ein weiterer Preistreiber im EUR/USD war und ist der Krieg in der Ukraine. Dabei ist der wirtschaftliche Schaden durch den Krieg für Europa deutlich größer als für die USA. Einerseits ist das Handelsvolumen der EU mit Russland deutlich größer. Andererseits ist die EU viel abhängiger von russischen Energie- und Rohstofflieferungen. All das schürt die Wachstumssorgen und drückt auf den Kurs der Gemeinschaftswährung. Denn aufgrund der geänderten Rahmenbedingung könnte sich die EZB mit einer Normalisierung der Geldpolitik deutlich mehr Zeit lassen. Das Risiko: Noch mehr Inflation. Da die Preise für Öl und andere wichtige Rohstoffe in Dollar abgerechnet werden, verstärkt ein schwacher Euro zusätzlich die Inflation.

Der US-Dollar ist deutlich stärker

Die amerikanische Notenbank ist beim Kampf gegen die Inflation deutlich entschlossener. Fed-Chef Powell hat zuletzt signalisiert, dass die Fed im März die Zinsen um 25 Basispunkte anheben wird. Eine robuste US-Wirtschaft und der rasante Fortschritt in Richtung Vollbeschäftigung ebnen, laut Powell, den Weg zu Zinserhöhungen. Diese entschlossene Vorgehensweise stärkt dem Greenback den Rücken. Die Amerikaner haben es da im Vergleich zur EU auch deutlich leichter. Zum einen sind die USA, im Gegensatz zu Europa, weniger stark über den Handel an Russland gebunden. Zum anderen ist Amerika in der Lage seinen Energiebedarf weitgehend selbst zu decken.

Die Unsicherheit durch den Krieg in der Ukraine treibt die Marktteilnehmer vermehrt in die sicheren Häfen. Der US-Dollar ist als wichtigste globale Transaktionswährung dafür prädestiniert. Ein weiterer sicherer Hafen, in dem Anleger in stürmischen Zeiten Zuflucht suchen, sind Edelmetalle. Da Gold und Silber in USD gehandelt werden, stärkt eine steigende Nachfrage nach diesen Metallen tendenziell den US-Dollar.

Die Zinsdifferenz als fundamentaler Preistreiber

Die technische Großwetterlage signalisiert weitere Kursverluste im EUR/USD. Während die Zinsen in Europa noch länger auf dem aktuellen Niveau bleiben könnten, ist nächste Woche mit einer Zinserhöhung der FED zu rechnen. Das Ergebnis: Die Zinsdifferenz zwischen dem Euro und dem US-Dollar steigt. Das führt tendenziell zu einem schwächeren Euro und zu einem stärkeren US-Dollar.

Wie könnte man als Anleger nun von möglichen Kursverlusten im EUR/USD profitieren?

Ausblick: Widerstand zum Einstieg nutzen?

Zoomen wir anhand eines Tagescharts des EUR/USD weiter in das aktuelle Marktgeschehen hinein. Der Kurs des Devisenpaars notiert derzeit bei 1,1042 und damit über 10 Prozent unter dem letztjährigen Verlaufshoch bei 1,2349. Bevor dieses Kursniveau wieder erreicht werden kann, müssen die Euro-Bullen einige, im Chart rot markierte, Widerstandszonen überwinden.

Chart vom 10.03.2022 Kurs 1,1042 Kürzel: EUR.USD Tageskerzen | Online Broker LYNX 

Trendampel steht auf rot

Der übergeordnete Abwärtstrend hat mit dem Kriegsbeginn in der Ukraine nochmal an Dynamik gewonnen. Mit dem Bruch der Unterstützung bei 1,1700 wurde die nächste Bewegungswelle bestätigt. Dazu beigetragen hat ein untergeordneter Abwärtstrend, welcher im Chart oben mit roten Quadraten markiert wurde. Eine Abfolge von stetig tieferen Verlaufstiefs und Verlaufshochs seit letztem Mai hat den EUR/USD-Kurs in der Spitze auf ein neues Jahrestief bei 1,0805 geführt.

Technische Gegenreaktion möglich

Der Kursrückgang hat sich in der letzten Handelswoche noch einmal beschleunigt. Über drei Prozent verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar. Entsprechend weit hat sich mittlerweile der Kurs von den gleitenden Durchschnitten entfernt. Aufgrund dieser Überhitzung wird eine technische Gegenreaktion immer wahrscheinlicher.

Eine Kurserholung könnte den Kurs des Hauptwährungspaars zunächst in Richtung 1,1120 führen. Dort verläuft ein möglicher Widerstand bestehend aus den beiden Verlaufstiefs vom Januar und Februar. Falls der Markt diesen Widerstand bricht, würde das weiteres Erholungspotenzial bis 1,1230 bis 1,1280 freisetzen.

Erst wenn die 1,1500 von den Bullen nachhaltig genommen werden kann, verliert das kurzfristige bearishe Szenario seinen Vorteil.

Wo könnte man also am besten einen Short-Trade im Euro eröffnen?

Diese technischen Verkaufssignale sollten Sie auf dem Radar haben

Die Trendampel steht auf Rot. Das EUR/USD Devisenpaar befindet sich, wie oben dargestellt, auf allen Trendebenen in einem intakten Abwärtstrend. So lange der untergeordnete Abwärtstrend nicht mit Schlusskursen über 1,1495 gebrochen wird, sind weitere Kursverluste wahrscheinlicher. Kursanstiege bis auf dieses Level sind nur als Korrektur zu werten.

Das Sentiment ist äußerst bearish. Der aktuelle Wechselkurs im EUR/USD befindet sich sowohl unter dem 50-Tage- als auch unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Beide einfachen gleitenden Durchschnitte fallen, was von vielen Marktteilnehmern als bearish gesehen wird.

Sollte die Erholung im EUR/USD noch etwas weiterlaufen, könnte der Preisbereich zwischen 1,1230 und 1,1285 für Widerstand sorgen. Einerseits verläuft bei 1,1231 das 61,8er-Fibonacci-Retracement der letzten Bewegungswelle des untergeordneten Abwärtstrends. Andererseits befindet sich bei 1,1285 sowohl der 50-Tage-Durchschnitt als auch eine ehemalige Unterstützung. Durch einen Rollentausch könnte diese zum Widerstand werden.

Einblick: Trade-Idee mit einem CRV von 2,16 für einen Short-Einstieg im EUR/USD

Ein Test der oben beschriebenen Widerstandszone im Bereich könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Short-Trade liefern. Damit könnten Sie von einer weiteren Abwärtsbewegung im Euro profitieren (vgl. Chart unten).

Chart vom 10.03.2022 Kurs 1,1085 Kürzel: EUR.USD 4-Stundenkerzen | Online Broker LYNX 

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterherzurennen.

Sollten Sie sich für einen Short-Trade entscheiden, können Sie bei 1,1250 einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order bei 1,1435 absichern. Damit würde auch die aktuelle Volatilität im Euro berücksichtigt werden.

Ein erstes mögliches Gewinnziel könnte bei 1,0850 liegen. Daraus ergibt sich für die Trade-Idee ein Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) von 2,16. Natürlich können Sie bei einem starken Momentum die Gewinne weiterlaufen lassen und den Stopp-Loss Schritt für Schritt nachziehen.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 1,1080 erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Damit wird das Restrisiko auf null reduziert.

Fazit der EUR/USD-Analyse

Die aktuelle EUR/USD-Analyse zeigt: Der Euro befindet sich nach dem Kursrutsch der letzten Wochen in einem dynamischen Abwärtstrend. Eine mögliche Korrektur im Abwärtstrend könnte eine attraktive Chance für einen Short-Trade eröffnen.

Ein Einstieg in diese Spekulation könnte bei 1,1250 mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis erfolgen.

Falls es im EUR/USD von dort weg zu einer neuen Bewegungswelle nach unten kommt, könnten Sie von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 2,16 Euro zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen.

Risiken für die Trade-Idee bestehen in erster Linie darin, dass sich der Euro im Rahmen von Verhandlungen oder sogar einem Kriegsende in der Ukraine deutlich erholen könnte.

Die vorgestellte Trade-Idee können Sie mit unterschiedlichen Finanzinstrumenten umsetzen. Je nach Kontogröße und Risikoeinstellungen können Sie z.B. den Juni Kontrakt des Euro-FX-Future (Symbol: 6EM2) oder den kleineren E-mini Euro-FX-Future (Symbol: E7M2) dafür einsetzen. Alternativ können Sie das Währungspaar auch mit dem Kürzel EUR.USD handeln und Ihre Positionsgröße optimal anpassen. Bitte beachten Sie, dass die Futures-Preise derzeit ca. 25 Pips oder ca. 0,3 Prozent über den hier in der Analyse verwendeten Spotpreisen liegen. Sollte der Trade längen laufen, vergessen Sie nicht den Future rechtzeitig zu rollen.

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