GBP.USD aktuell Britisches Pfund/US-Dollar: Bei „Cable“ wird es jetzt spannend!

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Unsere beiden Charts auf Tages- und Wochenbasis zeigen, wie viel US-Dollar man für ein Britisches Pfund zu zahlen hätte. Im Chart auf Wochenbasis ist gut zu sehen, dass das britische Pfund in den letzten Jahren zwei massive Tiefschläge hinnehmen musste. Einmal, als die Briten sich im Juni 2016 gegen den Verbleib in der EU entschieden, das andere Mal, als man erkannte, dass Großbritannien von der Corona-Pandemie besonders brutal getroffen wurde. Und Sie sehen in diesem langfristigen Chartbild ebenso, dass das Pfund in einem übergeordneten Abwärtstrend verläuft.

Britisches Pfund/US-Dollar: Tages-Chart vom 23.10.2020, Kurs 1,3030 US-Dollar, Kürzel GBP.USD | Online Broker LYNX

Anfang September wurde versucht, diesen Deckel zu sprengen, doch dieser Anlauf scheiterte. Dieses September-Hoch bei 1,3482 US-Dollar korrespondiert mit dem im Dezember 2019 markierten Zwischenhoch bei 1,3515 US-Dollar. Das ist die entscheidende Hürde, hier verläuft jetzt auch die übergeordnete Abwärtstrendlinie. Nachdem es Ende September gelang, das Pfund zu stabilisieren und auf Höhe der wichtigen Kreuzunterstützung aus 200-Tage-Linie (im Chart auf Tagesbasis dick schwarz hervorgehoben) und der Mai-Aufwärtstrendlinie wieder zu drehen, wirkt es, als würde „Cable“, wie man dieses Währungspaar im Forex-Jargon nennt, gute Chancen haben, den Ausbruch nach oben in diesem Anlauf zu schaffen. Aber noch ist das offen, denn davor stehen zwei politische Entscheidungen, die Weichen stellen dürften:

Zum einen ist es die Entscheidung über die zukünftigen Beziehungen der EU zu den Briten, die – kaum mehr als zwei Monate vor der von UK-Premier Johnson ohne Not vor den eigentlich möglichen Zeitpunkt auf dieses Silvester gelegten Deadline – weiterhin unklar sind. Und es ist zum anderen das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in den USA.

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars GBP.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.

US-Präsident Trump hatte den Briten ja avisiert, dass man mit ihnen zügig ein Handelsabkommen machen werde, so „great“, dass die Briten die EU gar nicht vermissen würden. Das mag manchen beruhigt haben, denn wenn Großbritannien ab 1.1.2021 nicht mehr zum EU-Binnenmarkt gehört, wird der Im- und Export mit der EU zu einem großen und letztlich teuren Problem. Aber dieses Handelsabkommen mit den USA ist nichts weiter als eine Planung. Bis Mitte 2021 soll da etwas stehen, aber Handfestes sucht man da bislang vergebens. Und da Boris Johnson mit Brüssel und Corona bereits alle Hände voll zu tun hat und Donald Trump im Wahlkampf steckt, geht da auf höherer Ebene auch vorerst nichts voran.

Man muss sich vorstellen, was mit der britischen Wirtschaft passiert, wenn es keine Einigung mit Brüssel gibt … was immer wahrscheinlicher wird … und der Präsident, mit dem die Briten dann in Washington verhandeln müssten, nicht Trump, sondern Biden heißt und damit Trumps Zusagen erst einmal dahin sind. Ein solches Szenario wäre die ideale Basis für den dritten, massiven Tiefschlag für das dann mit der UK-Wirtschaft in die Tiefe gerissene Pfund in Richtung 1,15 US-Dollar … und womöglich sogar darunter.

Natürlich kann für London alles gutgehen, die Briten bis Silvester doch noch einen Deal mit der EU hinbekommen und Donald Trump weiter Präsident bleiben, so dass wirklich bis zum kommenden Sommer ein neues Handelsabkommen stünde. Dann wäre dieser Deckel im Bereich 1,3482/1,3515 US-Dollar wohl in der Tat schnell weggesprengt. Aber kommt es anders, wäre der Bruch der Kreuzunterstützung aus Mai-Aufwärtstrend und 200-Tage-Linie, aktuell bei 1,2710/1,2760 US-Dollar, das Startsignal für einen sehr spannenden Baisseschub!

Britisches Pfund/US-Dollar: Wochen-Chart vom 23.10.2020, Kurs 1,3030 US-Dollar, Kürzel GBP.USD | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen von GBP.USD

In nur sieben Handelstagen brach das Britische Pfund in seiner Relation zum US-Dollar in einer Dimension ein, die die Handelsspanne des ganzen Jahres 2019 übertraf. Dafür gab es zwei Gründe. Zum einen kam es da zu einer nahezu panischen „Repatriierung“ von US-Auslandsinvestments. Die wurden in großer Zahl aufgelöst und das Geld „nach Hause geholt“. Dazu musste man den Erlös aus der ausländischen Währung in US-Dollars tauschen, was zu einer kurzzeitig massiv steigenden US-Dollar-Nachfrage führte. Doch dieser Abwärts-Impuls des Pfunds im Vergleich zum Greenback basierte auch auf einer „hausgemachten“ Pfund-Schwäche, weil die Investoren sahen, dass Großbritannien die Risiken der Pandemie nicht besonders ernst nahm und so zu Recht befürchtet wurde, dass deren wirtschaftliche Folgen das Land umso härter treffen würden. Was zu besonders massiven Stützungsmaßnahmen der Bank of England führen und zugleich das UK für ausländische Investoren weniger attraktiv machen würde. Der Greenback stieg, das Pfund fiel … Cable, wie man die Relation dieser beiden Währungen nennt, stürzte ab. Doch jetzt scheint sich das Bild umzukehren. Etwa zwei Drittel des vorherigen Ausverkaufs sind aufgeholt, das Pfund hat sich bereits wieder bis an die wichtige 200-Tage-Linie vorangekämpft. Wieso? Expertenmeinung: Weil beide, den Kurs zuvor drückenden Aspekte so nicht mehr gelten. Zum einen ist diese Repatriierungswelle von US-Investments jetzt abgeebbt. Zum anderen hat Großbritannien in den vergangenen Wochen versucht, vorherige Versäumnisse in Sachen Pandemie zu korrigieren. Jetzt sind es eher die USA, für die man einen wirtschaftlichen Absturz vermutet, weil sich gezeigt hat, dass Washington nicht imstande war zu verhindern, dass die Vereinigten Staaten das Land mit den mit Abstand meisten Infektionen und Todesfällen wurden und man zugleich schon daran arbeitet, die Eindämmungsmaßnahmen aufzuweichen oder sogar aufzuheben. Sollte das schiefgehen, wäre für die US-Wirtschaft auf der Unterseite kaum etwas ausgeschlossen … und damit auch der Ruf des US-Dollars als sicherer Hafen massiv beschädigt. Diese „Karte“ spielen die Devisentrader derzeit. Würde diese neue Sichtweise durch weiterhin fatale US-Konjunkturdaten bestätigt, so, wie sie am Mittwoch bereits auf den Tisch kamen, kann sich der Weg des Pfundes nach oben, hin zu alter Stärke, fortsetzen. Entscheidende Hürden, die es dafür zu bezwingen gälte, wären zum einen die bereits angelaufene 200-Tage-Linie bei 1,2650 US-Dollar, zum anderen das Zwischentief von Ende Februar bei 1,2725 US-Dollar. Britisches Pfund / US-Dollar Chart vom 15.04.2020, Kurs 1,2530 US-Dollar, Kürzel GBP.USD | Online Broker LYNX

Unsere Charts zeigen, wie viel ein Britisches Pfund in US-Dollar wert ist. Sie sehen: Es ging vor allem in den letzten zwei Wochen dramatisch abwärts mit dem Britischen Pfund. Und es geht dabei, das zeigt der längerfristige Chart auf Wochenbasis, um Rekordtiefs. Im Oktober 2016, im Zuge der zweiten Schock- und Abwertungswelle des Britischen Pfunds nach dem gegen den EU-Verbleib ausgefallenen Referendum im Juni 2016, wurde mit einem Kurs von 1,1476 US-Dollar pro Pfund ein Rekordtief markiert. Dieser Ankerpunkt wurde in der vergangenen Woche sogar mit einem Tief bei 1,1411 US-Dollar leicht unterboten. Und der Druck blieb, nachdem am Freitag ein Erholungsversuch großenteils wieder abverkauft wurde, auch zum Wochenstart erhalten. Was ist da los? Wieso steht „Cable“, wie man dieses Währungspaar unter Forex-Tradern auch nennt, so massiv unter Druck? Das liegt daran, dass hier momentan zwei Aspekte zugleich wirken. Einer, der den US-Dollar stärkt, ein anderer, der das Britische Pfund schwächt. Zum einen sehen wir derzeit eine fast panisch wirkende „Repatriierungswelle“ von US-Kapital. US-Investoren und wohl auch nicht wenige US-Unternehmen liquidieren Auslandsbeteiligungen, um so schnell wie möglich Barreserven zusammen zu bekommen. Die Virus-Pandemie scheint diese Reaktion ausgelöst zu haben. Und dass Bedarf an Barem besteht, lässt sich alleine daraus ablesen, dass die US-Notenbank den Markt mit immer neuen Aktionen mit Geld flutet und die Verkäufe am Aktienmarkt trotzdem weitergehen. Es wirkt, als würden viele US-Investoren nicht glauben, dass es gelingen wird, einen wirtschaftlichen Einbruch in den USA auf diesem Weg zu verhindern und versuchen Vermögenswerte, die bei einer tiefen Rezession massive Verluste einbringen würden, schnell abzustoßen. Durch die Notwendigkeit, solche in ausländischen Währungen erlöste Summen in US-Dollars zu tauschen, steigen dessen Nachfrage und damit der Kurs momentan zu den meisten anderen Währungen. Britisches Pfund/US-Dollar Chart auf Monatsbasis vom 23.03.2020, Kurs 1,1540 US-Dollar, Kürzel GBP.USD | Online Broker LYNX Dass das Pfund derzeit aber besonders unter Druck steht, liegt auch an der Situation der Briten selbst. Zunächst, weil man fürchtet, dass die in Relation zu Donald Trump noch zögerlicher wirkende Haltung des britischen Premiers Johnson hinsichtlich umfassender Gegenmaßnahmen dazu führen wird, dass Großbritannien von der Pandemie wirtschaftlich schwerer getroffen wird als andere Länder. Und weil die Briten derzeit ja ohne echte Handelsverträge dastehen: Durch die momentanen Probleme liegen die Gespräche mit der EU ebenso auf Eis wie mit den Amerikanern. Ob es tatsächlich so dicke für Großbritannien kommt oder nicht, kann man jetzt natürlich noch nicht absehen. Aber die Devisentrader preisen dieses Szenario derzeit ein … und sollte es gelingen, diesen Boden in Form des alten 2016er-Tiefs zu durchschlagen, ist es wahrscheinlich, dass man diesen Abwärtstrend weiterführen wird, zumal die massiven Maßnahmen der Bank of England ein schwaches Pfund ohnehin rechtfertigen würden und die Briten derzeit nicht imstande wären, einen Abstieg ihrer Währung aktiv aufzuhalten. Ein Kursziel zu nennen wäre, da es da dann um Rekordtiefs bei „Cable“ ginge, nicht realistisch. Aber sollte die Pfund/Dollar-Relation unter dem bisherigen Rekord-Verlaufstief vom Freitag bei 1,1411 US-Dollar schließen, wäre der Weg nach unten zumindest aus charttechnischer Sicht erst einmal frei. Britisches Pfund/US-Dollar Chart auf Tagesbasis vom 23.03.2020, Kurs 1,1540 US-Dollar, Kürzel GBP.USD | Online Broker LYNX

Nicht nur in Politik und Wirtschaft bereitet man sich auf einen „No Deal-BrExit“ vor, auch am Devisenmarkt rechnet man derzeit damit, dass die Briten am 31. Oktober ohne eine Vereinbarung mit der EU aus derselben austreten. Kein Wunder, denn der neue Premier Johnson agiert zwar mit härteren Bandagen, will die Rebellen in der eigenen Partei und die Opposition mit allen denkbaren Winkelzügen kaltstellen, um seine Vorstellung des BrExit durchzusetzen. Aber diese Vorstellung ist nicht die der EU … und die schaltet auf stur. Das Problem als solches bleibt also erhalten. Und die Konsequenz eines Ausstiegs ohne Vertrag? Unbekannt. Denn die wirtschaftlichen Zusammenhänge sind komplexer als ein Spinnennetz. Niemand kann absehen, wie sehr die britische Wirtschaft unter Druck kommen würde, ob Gegenmaßnahmen von Regierung und Notenbank helfen und wie schnell Zinssenkungen, Stützungskäufe am Anleihemarkt oder Konjunkturprogramme wirken könnten. Man ahnt nur eines: Harmlos würde die Phase nach einem solchen „No Deal-BrExit“ nicht, entsprechend gerät das Britische Pfund unter Druck. Nicht nur zum Euro, auch zum US-Dollar. Diese Relation, bei den Devisentradern „Cable“ genannt, zeigen wir in diesen Charts aus Sicht des US-Dollars, d.h. hier wird abgebildet, wie viel US-Dollar man für ein Britisches Pfund zu zahlen hat. Fällt der Kurs, wird das Pfund somit schwächer. Und ja, der Kurs fällt in der Tat. Das langfristige Chartbild auf Wochenbasis reicht bis ins Jahr 2014 zurück und zeigt, wie scharf das Pfund, zum US-Dollar damals ohnehin schon im Vorfeld im Abwärtstrend, Ende Juni 2016 einbrach, als klar wurde, dass passiert war, womit die Meinungsforscher im Vorfeld nicht gerechnet hatten: Die Briten werden die EU verlassen. Danach begann eine Phase der Hoffnung. Das Pfund erholte sich, drehte im Herbst 2016 nach oben, weil man damals noch dachte, die angesetzten zwei Jahre bis zum Austritt würden reichen, um eine für beide Seiten positive Lösung zu finden. Das Pfund lief sogar im Frühjahr 2018 fast in den Bereich von 1,45 US-Dollar pro Pfund, wo die Währung vor diesem Volksentscheid im Juni 2016 notierte. Doch dann wurde immer deutlicher: Der Karren steckt fest. Eine Lösung wurde immer unwahrscheinlicher. Und mit der Erwartung deswegen sinkender Zinsen in Großbritannien und einem Abzug ausländischer Investoren von der Insel fiel der Wert der britischen Währung sukzessive. Der kurzfristige Chart auf Tagesbasis zeigt: Dass Boris Johnson Theresa May ablöste, änderte am Abwärtstrend des Pfunds gar nichts. Johnson wurde am 24. Juli zum neuen Premier. Das Pfund, zum US-Dollar seit Anfang Mai wieder in einem Abwärtstrendkanal unterwegs, drehte daraufhin an dessen oberer Begrenzung nach unten. Ein erneuter Versuch, sich aus diesem Abwärtstrendkanal zu befreien, der derzeit bei 1,2260 US-Dollar verläuft, scheiterte Ende August. Derzeit rutscht der Kurs in Richtung der unteren Begrenzung des Trendkanals bei 1,1830 US-Dollar. Chart auf Wochenbasis vom 03.09.2019, Kurs 1,2090 US-Dollar, Kürzel GBP.USD | Online Broker Aktienempfehlungen Dieser Bereich läge, wie der Blick auf den Wochenchart zeigt, schon leicht unterhalb einer Supportzone, die bis in den Herbst 2016 zurück reicht. Die nächste Unterstützung wäre dann das Tief vom Oktober 2016 bei 1,1476 US-Dollar. Aber sollte Boris Johnson so weitermachen … und darauf setzt man derzeit am Devisenmarkt … und damit alle Beteiligten noch mehr gegen sich aufbringen, wäre der „No Deal-BrExit“ bereits weit vor dem 31. Oktober nahezu gesichert. Und dann wäre es keine Überraschung, wenn „Cable“ auch dieses Rekordtief von 1,1476 US-Dollar unterschreiten würde. Chart auf Tagesbasis vom 03.09.2019, Kurs 1,2090 US-Dollar, Kürzel GBP.USD | Online Broker Aktienempfehlungen