EUR.GBP aktuell Euro/Britisches Pfund: Es scheint, man unterschätzt die Gefahr

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Sonntag sollte der letzte Verhandlungstag sein. Wenn es dann nichts würde mit einer Einigung zwischen den Briten und der EU, dann würde man die „australische Lösung“ anstreben, wie Premier Johnson erklärte. Ja, das klingt nach einer Alternative, immerhin benutzte er dabei das Wort „Lösung“. Doch wahr ist: Australien hat mit der EU gar kein Handelsabkommen, d.h. das hätte „No Deal“ bedeutet, nur verbal mit dem Weg „Lösung“ so garniert, dass Unbeteiligte glauben könnten, Boris Johnson hätte eine solche gefunden. Dieser Sonntag ist vorbei, denn da ging es um den 13. Dezember. Und?

Natürlich wird weiterverhandelt, es war zu erwarten. Bei diesem Possenspiel sind bereits derart viele angebliche letzte Termine verstrichen, dass es darauf auch nicht mehr ankommt. Doch verbessert das die Chance auf eine Einigung? Wohl kaum, denn was all die Jahre nicht gelöst wurde, löst auch Zeitdruck nicht, das haben wir ja in den letzten Jahren gelernt. Wobei man sich beim Blick auf die Relation des Britischen Pfunds zum Euro fragen darf, ob das wirklich alle so sehen. Denn obwohl das Risiko, dass Großbritannien ohne Handelsabkommen aus der EU-Zollunion ausscheidet, immer größer wird, zieht der Euro zum Pfund nicht davon.

Euro/Britisches Pfund: Tages-Chart vom 15.12.2020, Kurs 0,9053 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX

Die Charts zeigen, dass sich der Kurs weiter in der seit Sommer 2017 bestehenden, breiten Handelsspanne hält. Zuletzt gab das Pfund zwar in Richtung dieser jetzt ignorierten Deadline des 13. Dezember nach, der Preis, den man für einen Euro in britischen Pfund zahlen muss, stieg (die Charts zeigen genau das, d.h. den Preis für einen Euro in britischen Pfund). Aber nachdem am Sonntagabend mitgeteilt wurde, die Verhandlungen würden doch noch weitergehen, kam der Kurs des Euro schon wieder zurück, wobei Euro/Pfund dadurch auch noch an der mittelfristigen Abwärtstrendlinie nach unten drehte. Was hieße:

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.GBP und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Es wäre sogar denkbar, dass die seit Monaten verteidigte Unterstützung 0,8863/0,8865 Pfund pro Euro fiele, d.h. der Euro dann sogar deutlicher abwertet, das Pfund aufwertet. Aber wie ist das möglich? Ein größerer Abwärtsimpuls der Euro/Pfund-Relation wäre dann nachvollziehbar, wenn es zu einem für beide Seiten tauglichen „Deal“ käme. Nur dann könnte man unterstellen, dass die britische Wirtschaft nicht immens schwierigen Zeiten entgegensehen würde und die Währung nicht Hand in Hand mit dem Renditeniveau der britischen Anleihen und dem britischen Wachstum unter Druck geriete. So relativ stabil, wie sich das Pfund derzeit präsentiert wirkt es im Gegenteil, als würden die Akteure stur daran glauben, dass zu guter Letzt doch noch ein „Last Minute-Deal“ zustande kommt oder wenigstens der nächste Aufschub gelingt. Aber das ist eine riskante Vermutung.

Momentan wirkt es, als würden die Briten nicht bereit sein, in den Kern-Streitpunkten Kompromisse einzugehen, obgleich sie es sind, die am meisten zu verlieren haben. Und die Wirtschaft der Eurozone braucht eine klare Entscheidung, vor allem jetzt, da die Pandemie-Beschränkungen die Lage ohnehin schwierig machen. Brüssel müsste einer Verschiebung des Austrittstermins zustimmen, der von Boris Johnson auf den 31. Dezember gelegt wurde (obwohl der Termin von den Regularien her später hätte liegen können). Und man gewinnt den Eindruck, dass einigen Mitgliedsstaaten längst der Geduldsfaden gerissen ist.

Es scheint, als würde man dieses Risiko am Devisenmarkt unterschätzen. Denn wenn die Briten in 15 Tagen ohne Abkommen aus der Zollunion ausscheiden sollten, wäre der Wert des Pfunds klar in Gefahr, d.h. die hier abgebildete Relation Pfund pro Euro könnte kräftig zulegen. Das bisherige Jahres-Verlaufshoch vom März bei 0,95 Pfund pro Euro wäre da womöglich nur ein erstes Kursziel. Denn ohne „Deal“ würde es zu einem Worst Case-Szenario kommen, dem man Ende 2016, als die Akteure bereits fürchteten, die Briten könnten mit dem Austritt wirtschaftlich auf dem Bauch landen, schon einen Abstieg bis 0,9738 Pfund pro Euro zugebilligt hatte. Und damals hätte man sich nicht träumen lassen, zu welche einem Drama sich diese Entscheidung vom Juni 2016 auswachsen würde.

Euro/Britisches Pfund: Tages-Chart vom 15.12.2020, Kurs 0,9053 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen von EUR.GBP

Es sind nur noch zweieinhalb Monate, dann ist die Zeit Großbritanniens im EU-Binnenmarkt und der Zollunion abgelaufen. Das ist extrem knapp und eigentlich zu wenig, um noch ein umfassendes Abkommen über die zukünftigen Beziehungen der Briten zur EU zu erreichen. Es gehe immer noch nicht wirklich vorwärts, hört man aus Brüssel. Und EU-Staatsminister Roth erklärte, dass es langsam Zeit sei, dass die EU ihre Notfallpläne aus der Schublade holt. So seltsam es wirkt: Die britische Regierung unter Boris Johnson wirkt nicht, als wolle sie eine Vereinbarung erreichen. Johnson erklärte zuletzt auch, dass er allemal besser damit leben könne, keine Vereinbarung zu erzielen als eine schlechte.

Das sieht die Börse anders. Der Londoner Leitindex FTSE 100 startete zwar im März ebenfalls eine Gegenreaktion auf den Corona-Crash, doch während DAX oder Euro Stoxx 50 ab Juni auf hohem Niveau in einen Seitwärtstrend übergingen, bröckelt der FTSE 100 sukzessive ab. Die Investoren scheuen Investments in Großbritannien, weil sie mutmaßen, dass die Realität Johnsons „wir schaffen das“ einholen wird, insbesondere, weil die Pandemie das UK besonders hart getroffen hat und die britische Wirtschaft schwerer unter Druck geraten ist als die meisten Volkswirtschaften der EU. In einem solchen Umfeld ohne klare Vereinbarungen mit der EU als dem wichtigsten Handelspartner ins neue Jahr zu gehen, erscheint wie ein Horror-Szenario. Das immer näher rückt … und sich auch auf das britische Pfund auswirkt.

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Expertenmeinung: Unser Chart zeigt die Relation Euro/Pfund seit dem Referendum im Juni 2016 auf Wochenbasis. Je höher hier der Kurs steigt, desto höher ist der Wert des Euro im Verhältnis zum Britischen Pfund, d.h. ein steigender Kurs bedeutet, dass die Briten mehr Pfund für einen Euro zahlen müssen. Diese Schwächung der Währung hat zwar den Vorteil, beim Export mehr Rendite zu erzielen. Aber was hilft das, wenn höherer logistischer Aufwand und Zölle solche Vorteile auffressen? Zumal diese Schwäche ihre Gründe hat. Die Trader setzen beim Pfund auf Baisse, weil ein Großbritannien ohne EU-Vertrag erheblich in Not geraten dürfte. Investoren würden weniger im UK investieren, ggf. dort investiertes Geld abziehen. Die Bank of England müsste die Zinsen noch tiefer setzen, noch mehr am britischen Anleihemarkt intervenieren. Alles Perspektiven, die die Nachfrage nach dem Pfund drücken würden. Aber noch ist der Deckel nicht gesprengt, der Euro nicht nach oben ausgebrochen.

Immer wieder kam es zu Schwächeanfällen des Pfundes, die Euro/Pfund deutlich nach oben trieben, zuletzt Anfang September, als man in Brüssel begann, wegen der ablaufenden Zeit für eine Einigung Alarm zu schlagen. Aber an der seit drei 2017 bestehenden Widerstandszone 0,9292/9306 Pfund pro Euro kam man bislang nicht nachhaltig vorbei. Nach dem letzten, abgewiesenen Angriff zogen sich die Euro-Bullen sukzessiv zurück, wie wir im Chart sehen. Aber so, wie sich die Lage derzeit zwischen Brüssel und London präsentiert, dürfte das eher ein Sammeln vor der nächsten Attacke sein. Die Uhr tickt zu Gunsten der Euro-Bullen. Je näher dieser von Johnson auch noch ohne Not bereits auf den 31.12. gelegte Stichtag rückt, desto besser werden die Chancen, dass die Euro/Pfund-Relation durch die Widerstandszone 0,9292/9306 Pfund hindurch an das bisherige „BrExit-Hoch“ bei 0,9737 Pfund läuft. Das, wenn sich die Vision der Skeptiker bewahrheitet und die Briten ohne einen Vertrag schnell unter zusätzlichen konjunkturellen Druck geraten, aus mittelfristiger Sicht keineswegs das Hoch einer Euro-Rallye bzw. einer Pfund-Baisse sein müsste.

Chart vom 13.10.2020, Kurs 0,9075 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX

Der Euro nimmt zum Britischen Pfund wieder Fahrt auf. Es geht um die Jahreshochs 2017 und 2019 bei 0,9306/0,9324 Pfund pro Euro. Dort klopft der Euro derzeit an. Im März war der Kurs zwar kurzzeitig über diese Hürde gestiegen, wie unser Chart auf Wochenbasis zeigt. Aber das war im Zuge der Chaos-Phase im März, als man in allen Märkten wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen agierte. Wenn der Euro jetzt über diesen markanten Widerstandsbereich hinausgeht, dann mit Überlegung. Und die Chance, dass der Ausbruch dann nachhaltiger sein würde, Euro/Pfund dann an den Peak der Euro-Rallye nach der BrExit-Entscheidung 2016 bei 0,9727 Pfund pro Euro steigen würde, wäre gut.

Womöglich wäre dann sogar noch mehr drin. Denn es zeichnet sich immer mehr ab, dass das, was man Ende 2016 als „Worst Case“ angenommen und bald darauf als überzogene Schwarzmalerei verworfen hatte, doch noch eintreten könnte: ein harter BrExit. Denn das, was zur Jahreswende, nach dreieinhalb Jahren fruchtlosem Hin und Her, dann doch noch unterschrieben wurde, war ja nur eine Übergangsregelung. Wie die EU und die Briten nach dieser Übergangszeit miteinander umgehen wollen, wird derzeit verhandelt. Wenn man das verhandeln nennen kann.

Expertenmeinung: Dass Boris Johnson derzeit versucht, eine Neuregelung des Binnenmarktgesetzes durch das Unterhaus zu pressen, die die Chance auf eine Einigung mit Brüssel deutlich reduzieren bis unmöglich machen würde, stößt nicht nur in der Rest-EU, sondern auch in der eigenen Partei auf Unverständnis. Es wirkt, als würde ein Kind die Bauklötze umtreten, die andere mühselig aufgeschichtet haben. Zumal Boris Johnson zu oft auf das Austrittsdatum 31.12.2020 gepocht hat um den Austrittszeitpunkt nach hinten schieben zu können, obwohl die Regularien den Briten mehr Zeit einräumen würden. Frist verkürzen, den Weg zur Einigung verbauen … die Trader am Devisenmarkt sehen mit Unbehagen, was sich da in London tut … und drücken auf das Britische Pfund.

Denn ein Großbritannien, das ohne einen umfassenden Vertrag mit der EU aus derselben austritt, würde ernsthafte Probleme bekommen. Unsichere Verhältnisse mögen Unternehmen und Investoren gleichermaßen nicht. Kapital würde aus Großbritannien abwandern, zugleich dürfte die Bank of England die Eisdusche, die Johnson seiner Wirtschaft zu verpassen droht, mit noch tieferen Zinsen und einer intensivierten Stützung des UK-Anleihemarkts beantworten müssen. Alles Faktoren, die gegen das Pfund sprechen. Dass der Euro zum Britischen Pfund dadurch einen erneuten Aufwärtsschub sah, ist daher folgerichtig. Und würde es in den kommenden zwei, drei Wochen nicht zu einem Einlenken des Herrn in Downing Street No 10 kommen, wäre ein Ausbruch über diese wichtige Widerstandszone 0,9306/0,9324 Pfund pro Euro sehr wahrscheinlich.

Chart vom 22.09.2020, Kurs 0,9196 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX

Seit letzter Woche bricht der Kurs des Britischen Pfunds zum Euro heftig ein. Unser Chart auf Wochenbasis zeigt, dass man einen Euro am Freitag vor zwei Wochen noch für 0,8647 Pfund bekam, gestern Abend musste man schon 0,9274 Pfund bezahlen. Das ist ein Absturz des Pfundes bzw. eine Aufwertung des Euro, die bereits eine Dimension angenommen hat wie die erste Verkaufswelle der britischen Währung nach dem EU-Referendum im Juni 2016. Aber was steckt dahinter? Als erstes muss man da prüfen, welche der beiden Währungen sich da markant bewegt. Und beim Blick auf die Crossrates sehen wir: Auch zum US-Dollar und anderen größeren Währungen ist es das Britische Pfund, dass den stärkeren Impuls zeigt und abwertet. Es ist also eine Ursache, die vor allem in Großbritannien selbst zu suchen wäre. Und ja, da wird man auch fündig. Mit ein Grund ist, dass auch die Bank of England jetzt außerordentliche Maßnahmen trifft, außerhalb der regulären Sitzungen am Donnerstag eine erneute Leitzinssenkung vornahm und das Volumen der Anleihe-Käufe um fast 50 Prozent ausweitete. Was aber wohl schwerer wiegt ist die Sorge, dass die Briten aufgrund der Virus-Pandemie am Ende des Jahres alleine dastehen würden. Denn die Verhandlungen über die zukünftigen Beziehungen zur EU, die von Premier Johnson ohne Not ohnehin zu knapp terminiert wurden, sind jetzt erst einmal ausgesetzt. Auch hinsichtlich eines Handelsabkommens mit den USA geht erst einmal nichts voran. Und da die Briten in beiden Fällen die kleinere Volkswirtschaft sind, gehen die Trader davon aus, dass Großbritannien so weitaus heftiger in die Krise rutscht, als dies der Eurozone oder den USA ins Haus stünde. Hieße das, der Anstieg des Euro zum Pfund geht weiter? Expertenmeinung: Das ist zwar die für Investoren entscheidende Frage. Aber es ist zugleich auch die, auf die sich momentan die unsicherste Antwort geben ließe. Denn ja, grundsätzlich dürfte das Argument für ein schwaches Pfund auf Basis der momentanen Gemengelage in nächster Zeit erhalten bleiben. Aber da völlig offen bleibt, ob sich diese Befürchtungen bewahrheiten und wie groß dann der Schaden für Großbritannien sein wird, ist nicht einzugrenzen, auf welchem Level die Euro/Pfund-Relation in etwa korrekt bewertet wäre. Zugleich sind die Bewegungen weitreichend und abrupt, so dass man sich hier am Devisenmarkt mittlerweile auf ähnlich unsicherem Boden bewegt wie am Aktienmarkt. Aus charttechnischer Sicht wäre es eine wichtige Bestätigung der Euro-bullischen Tendenz, wenn die Hochs der Jahre 2017 und 2019 bei 0,9325 Pfund auf Wochenschlusskursbasis überboten würden. Am Mittwochabend war dieser Sprung bereits gelungen, am Donnerstag wurde der Kurs aber erst einmal abgefangen und schloss unterhalb dieser Hürde. Gelingt es heute, diese 0,9325 Pfund zum Wochenschluss zurück zu erobern, wäre ein Run in Richtung des Panik-Hochs vom Oktober 2016 bei 0,9737 Pfund durchaus möglich. Aber man sollte dabei die aufgrund dieser emotionalen Märkte geringe Prognosequalität der Charttechnik im Hinterkopf behalten: Unerwartete Nachrichten können hier binnen Minuten allerhand auf den Kopf stellen. Euro /Britisches Pfund Chart vom 19.03.2020, Kurs 0,9274 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX  

Man könnte eigentlich davon ausgehen, dass das Britische Pfund nach und nach immer schwächer wird, weil außer Boris Johnson kaum jemand davon ausgeht, dass es ihm gelingen wird, alle Beziehungen zur EU bis zu seinem Stichtag am 31.12.2020 neu zu definieren und all das beiderseits in Gesetzesform gegossen werden kann. Und gelingt das nicht, würde der „harte BrExit“ aufgrund Johnsons Drängen, die eigentlich geltende Frist von zwei Jahren bis zu einer umfassenden Neuregelung und des damit verbundenen Ablaufs des seit 31. Januar geltenden Übergangsregelung zu verkürzen, doch noch kommen. Was hieße: Druck auf die britische Wirtschaft, sinkende Zinsen in Großbritannien und der Abzug größerer Summen ausländischen Kapitals. Was die perfekte Mixtur für eine schwächere Währung darstellt. Aber Sie sehen im Chart der Euro/Pfund-Relation, die abbildet, wie viel Britische Pfund für einen Euro zu zahlen sind, dass es nicht das Pfund ist, das fällt, sondern der Euro. Aktuell ist der Preis für einen Euro von in der Spitze 0,9317 Pfund pro Euro im vergangenen August auf jetzt 0,8327 Pfund gefallen. Der Euro wird also immer „billiger“. Aber wieso? Expertenmeinung: Das dürfte zwei Gründe haben. Zum einen sagen sich die Devisentrader womöglich, dass die bisherigen Erfahrungen mit dem britischen Premier lehren, dass solche zackigen Sprüche wie der eines Austritts an Silvester, ob mit oder ohne neuen Verträgen, nicht unbedingt für bare Münze genommen werden müssen. Johnson hat schon mehrfach spontan seine Meinung geändert und die Sachzwänge dürften da siegen: Es wäre schlicht närrisch, unnötig aufs Tempo zu drücken und dadurch ein unnötiges Vakuum in den Beziehungen zur EU zu hinterlassen. Zum anderen setzen die Akteure wohl darauf, dass es in der Tat zügig zu einem Handelsabkommen zwischen Großbritannien und den USA kommen wird, das den Briten eventuell sogar eine insgesamt bessere Stellung verleiht als zuvor im Kreis der EU. Kommt es wirklich so? Das ist in keiner Weise absehbar. Dass Johnson einlenkt, ist möglich. Dass die USA den Briten einen für Großbritannien äußerst vorteilhaften Deal präsentieren, bei dem Trumps Regierung das eine oder andere Zugeständnis macht, könnte ein wenig in die Richtung des Wunschdenkens gehen. Nur sind das Perspektiven, die auch in einigen Wochen und Monaten offenbleiben dürften. Was hieße: Die Euro-Bären könnten unter diesem Banner noch einige Zeit auf den Kurs drücken … und damit eine große Toppbildung vollenden. Sie sehen im Chart, dass Euro/Pfund jetzt an eine Unterstützung in Form mehrerer markanter Zwischentiefs gerutscht ist, die nach dem ersten Kurssprung des Euro zum Pfund als Reaktion auf das Referendum im Juni 2016 entstanden. Diese Zone liegt im Bereich 0,8277/0,8313 Pfund pro Euro. Fiele sie, wäre der Weg frei, die gesamte Pfund-Schwäche seit dem 2016er-Referendum zurück zu nehmen, d.h. der Kurs könnte bis 0,76 Pfund durchgereicht werden. Ob das aus ökonomischer Sicht gerechtfertigt wäre, ist zwar fraglich. Aber wenn die Trader am Devisenmarkt sich erst einmal in einen Trend verbissen haben, kann der äußerst hartnäckig fortgeführt werden! Euro/Britisches Pfund Chart vom 17.02.2020, Kurs 0,8327 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX  

Wenn man sich die Euro/Pfund-Relation im Wochenchart ansieht, könnte man denken, dass hier nichts anderes als pure Charttechnik regiert. Denn nach der für die Tories erfolgreichen Wahl vergangene Woche stieg das Pfund erwartungsgemäß an, der Euro fiel zurück, so dass diese Darstellung, die abbildet, wie viel Pfund für einen Euro zu zahlen sind, abwärts tendierte: Der Euro wurde schwächer, des Pfund stärker. Dabei wurde die Unterstützungszone bei 0,8472/0,8490 Pfund pro Euro klar unterboten, die massivere Unterstützung in Form der Tiefs vom Herbst 2016 und Frühjahr 2017 bei 0,8305 Pfund touchiert – und schon drehte der Euro aufwärts, das Pfund gab nach. In der Tat, das sieht aus wie Charttechnik nach dem Lehrbuch. Und das setzt sich im kurzfristigen Zeitraster auf Tagesbasis fort. Dort sehen Sie, dass der Abstieg des Euro genau auf Höhe der unteren Begrenzung eines im August etablierten Abwärtstrendkanals endete und es dort bei überverkauften markttechnischen Indikatoren zu einer Rallye kam. Derzeit ist das Währungspaar wieder im Bereich der Zone 0,8472/0,8490 Pfund unterwegs, die jetzt als Widerstand fungiert. Man könnte davon erwarten, dass der Kurs dort entweder abdreht oder aber weiter bis zur oberen Begrenzung des Abwärtstrendkanals bei aktuell 0,8660 Pfund läuft, um dann dort nach unten einzuschwenken und den Trendkanal so aufrechtzuerhalten. Das wäre auch in der Tat eine glaubwürdige Perspektive, wenn es hier um die Chart- und Markttechnik allein gehen würde. Aber das Gegenteil ist richtig: Auch, wenn sich die Trader natürlich an solchen charttechnischen Ankerpunkten orientieren, die Grundmotivation, im Euro/Pfund-Verhältnis Long oder Short zu gehen, liegt in den politischen Perspektiven. Ob der Euro/Pfund-Kurs von hier aus noch deutlich zulegt oder die wichtige Supportlinie 0,8305 Pfund in einem zweiten Anlauf klar unterboten wird, liegt in der Beurteilung der BrExit-Perspektive. Denn dieses Thema ist noch keineswegs vom Tisch, wie das viele womöglich nach der Wahl in Großbritannien vor einer Woche angenommen haben. Und dass Euro/Pfund in den letzten Tagen wieder zulegte, lag daran, dass Zweifel aufkommen, dass das alles jetzt so rund laufen wird wie zunächst gedacht. Chart auf Wochenbasis vom 18.12.2019, Kurs 0,8497 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX Aktienempfehlungen Viele unterlagen dem Irrtum, dass mit dem jetzt sehr wahrscheinlichen O.K. zum von Johnson ausgehandelten Vertrag mit Brüssel der Ausstieg der Briten erledigt sei. Aber dieser Vertrag regelt nur die Beziehungen für eine Übergangszeit von zwei Jahren, in der das Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU konkretisiert und mit den nötigen Vereinbarungen unterfüttert werden soll. Und als Mr. Johnson zuletzt verkündete, dass er keine Lust habe, weitere zwei Jahre hin und her zu verhandeln und den Schlussstrich bereits Silvester 2020, elf Monate nach dem jetzt geltenden, spätesten Austrittstermin des 31. Januar 2020, ziehen wolle, bekam das Pfund einen Schluckauf. Der Euro stieg, das Pfund gab nach, denn: Diese Aussagen klingen bedenklich, weil man eigentlich davon ausgehen sollte, dass auch Boris Johnson um die Komplexität dieser Verhandlungen weiß. Elf Monate reichen nie und nimmer, wie man auch seitens der EU betonte. Was hat Mr. Johnson vor? Droht den Briten doch noch Ungemach, womöglich ein harter BrExit durch unvollständige Neuregelungen? Dann könnte doch noch eintreten, was man zunächst als vom Tisch ansah: Zinssenkungen der Bank of England, Stützungskäufe am Anleihemarkt, der Abfluss internationalen Kapitals, alles Aspekte, die das Pfund drücken würden. Damit wird deutlich: Ob der Euro/Pfund-Kurs weiter zulegt oder doch wieder nach unten eindreht, hängt mehr von den kommenden Nachrichten zum Thema BrExit ab als von der Charttechnik. Wer hier also konsequent entlang charttechnischer Rahmenbedingungen agiert, sollte im Hinterkopf haben, dass eine Aussage von Mr. Johnson binnen Minuten alles auf den Kopf stellen könnte. Chart auf Tagesbasis vom 18.12.2019, Kurs 0,8497 Pfund, Kürzel EUR.GBP | Online Broker LYNX Aktienempfehlungen