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Falls man nach einem Beispiel für eine perfekte Bullenfalle sucht, würde man bei SAP fündig. Was Anfang des Monats mit viel Hoffnung für die Bullen begann, entpuppt sich aktuell als Waterloo. Was auch zeigt, dass optimistische Analysten allein eine Aktie nicht drehen können.
Mit 134,30 Euro erreichte die Aktie des Software-Konzerns SAP gestern ein neues Jahres-Verlaufstief. Zugleich bleiben die Analysten mehrheitlich bullisch: Von 27 die SAP-Aktie regelmäßig einstufenden Experten sind 23 bullisch, der kleine Rest sagt „Halten“. Zum Ausstieg rät niemand … aber die Aktie fällt trotzdem. Und das, obwohl das durchschnittliche Analysten-Kursziel mit knapp 215 Euro meilenweit über dem letzten Kurs liegt.
Darüber hinaus erwartet man für SAP im laufenden Jahr steigende Umsätze und Gewinne. Und auf Basis der Konsens-Gewinnschätzung pro Aktie für dieses Jahr liegt das Kurs-/Gewinn-Verhältnis bei ungewöhnlich niedrigen knapp 20. Dass da immer wieder Anleger den Eindruck bekommen, dass sich hier das „Bottom Fishing“, das Abgreifen einer Aktie auf einem günstigen Kursniveau, lohnt, wundert nicht. Nur funktioniert das bislang einfach nicht – wieso?
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Expertenmeinung: Weil der Trend in der Regel stärker ist als ein „müsste eigentlich“. Das Tagesgeschäft bei einer Aktie wird vor allem durch kurzfristige Trader dominiert, die normalerweise konsequent entlang charttechnischer Vorgaben und damit trendkonform agieren. Dass eine Aktie theoretisch billig ist, irritiert sie dabei nicht, solange sich das nicht im Kurs unmittelbar auswirkt, indem der Abwärtstrend gebrochen wird.
Dass das bei SAP immer noch nicht gelungen ist, dürfte auch an der Ende Januar losgetretenen KI-Angst liegen, d.h. der Ansicht, dass der Siegeszug der KI unter anderem dazu führen wird, dass klassische Software-Unternehmen unter Druck geraten. Dass die, wie z.B. Microsoft, aber auch SAP, KI-Funktionen konsequent in ihre Systeme integrieren, stimmt dabei bislang offenbar wenige um. Auch nicht, dass die Analysten anderer Meinung zu sein scheinen. Man kann immer argumentieren, dass dieser Druck auf Margen und Gewinn schon noch kommen wird – und schon siegt der laufende Abwärtstrend … und „Bottom Fishing“ wird zu einer Hochrisiko-Strategie. Allerdings wäre man, hätte man bei dem jetzt abverkauften Ausbruchsversuch mitgezogen, auch voreilig unterwegs gewesen, denn ja, eine Hürde hatte die SAP-Aktie genommen. Aber es blieb eine weitere … und an der ist sie gescheitert.

Sie sehen im Chart, dass der SAP-Kurs zwar über die markante Widerstandslinie bei knapp 160 Euro hinausgelaufen war und sich damit aus der vorherigen Handelsspanne nach oben absetzen konnte. Aber an der unteren Begrenzung des Anfang 2025 entstandenen, breiten Abwärtstrendkanals wurde der Versuch, sich mit einem Überwinden auch dieser Hürde nennenswerten charttechnischen Spielraum zu verschaffen, entschlossen und effektiv abgewehrt. Und so etwas motiviert die Short-Seller besonders, erneut aktiv zu werden – das Ergebnis sehen wir jetzt: Eine Aktie, die nicht nur in die alte Trading-Range zurückgeworfen, sondern sogar leicht aus ihr nach unten herausgedrückt wurde.
Dass sich das Blatt vielleicht wenden könnte, wenn die heutige Abrechnung an der Terminbörse genug Bären starke Gewinne einbrachte, ist zwar denkbar, aber sicher ist das nicht einmal ansatzweise. Es erneut allein auf Basis optimistischer Analysten auf der Long-Seite zu versuchen, erscheint daher als ziemlich verwegener Gedanke. Zu einem „Bottom Fishing“, das eine taugliche Chance auf Erfolg haben soll, gehören beide Komponenten, sprich Argumente für steigende Kurse seitens der Datenlage und seitens des Chartbilds. Und Letzteres hat SAP derzeit eben noch nicht zu bieten.
Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/SAP.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 18.06.2026 um 22:04 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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