Parship IPO - Börsengang der Partnervermittlung | LYNX

Die Digitalisierung macht auch vor der Liebe nicht halt. Zwar lernen sich nach wie vor die meisten Paare über Freunde kennen, aber das Internet nimmt bei den Kennenlern-Optionen bereits den zweiten Platz ein. Umfragen zufolge hat fast jeder dritte Deutsche Online Dating schon mal ausprobiert und bei jedem zweiten kam es tatsächlich zu einer festen Beziehung oder zumindest zu einer Affäre. Marktführer in Deutschland ist die Parship Meet Group. Das Unternehmen strebt einen Börsengang noch im ersten Halbjahr 2022 an und treibt die Vorbereitungen für das Listing in Frankfurt voran. Optimistische Marktexperten halten laut Handelsblatt eine Bewertung von bis zu fünf Mrd. EUR für möglich. Werfen wir also einen Blick auf den Online Dating Markt und das geplante Parship Meet Group IPO.

IPO der Parship Meet Group im Frühjahr 2022 erwartet

Der Online Dating Spezialist Parship Meet Group gehört mehrheitlich zum Medienunternehmen ProSieben Sat1. Die Sendergruppe hält 53 % am Unternehmen, möchte auch nach dem Börsengang Mehrheitseigner bleiben und dürfte daher kaum Anteile abgeben. Die Beteiligungsgesellschaft General Atlantic hingegen, die 43 % an Parship Meet hält, möchte sich von Anteilen trennen. Mit der Durchführung des IPOs hat die Parship Meet Group kürzlich die beiden Banken Morgan Stanley und BNP Paribas betraut. Der Umfang und exakte Zeitpunkt des Börsenganges sollen von den Marktgegebenheiten abhängig gemacht werden, eingeplant ist das 2. Quartal 2022. Bis dahin soll das „Einhorn“, wie milliardenschwere Startups à la Parship Meet Group vor dem Börsengang genannt werden, für den Börsengang aufpoliert werden.

Milliardenmarkt Online Dating: Stetiges Wachstum und harter Wettbewerb

Die Paarship Meet Group bewegt sich in einem seit Jahren stetig wachsenden, attraktiven Markt. Von 6,5 Mrd. USD im Jahr 2019 soll der internationale Dating Markt bis zum Jahr 2025 ein Volumen von 8,9 Mrd. USD erreichen. Gleichzeitig soll die Zahl der aktiven Nutzer von derzeit ca. 370 Mio. auf 490 Mio. ansteigen. In Deutschland geben die Nutzer laut dem IT-Researchhaus Bitkom pro Monat im Schnitt ca. 38 Euro aus, wobei rund zwei Drittel der Online Dating Nutzer männlich sind. Die meisten Dating-Aktivitäten spielen sich bereits auf dem Smartphone ab und dieser Trend dürfte auch in den kommenden Jahren weiter anhalten. Mehr als 60 % der Nutzer sind auf mehr als einer Plattform angemeldet. Der Markt für Online Dating ist hart umkämpft, mehr als 1.500 Kennenlern-Webseiten und -Apps werben um Nutzer und Nutzerinnen. Doch nur wenige Apps sind wirklich erfolgreich, selbst Facebook ist mit einer Flirtfunktion mehr oder weniger gescheitert. Neueste Trends der Branche sind Videoclips statt Profilbilder, Videochats und Echtzeit-Dates via Livestreaming.

Boom bei Swipe-Apps und Freemium Geschäftsmodellen

Der Markt teilt sich in zwei unterschiedliche Segmente auf: Die Suche nach möglichst langfristigen, ernsten Beziehungen und schnelle Abenteuer mit oberflächlichen Kontakten. Bei der „seriösen“ Partnervermittlung werden mittels wissenschaftlich fundierter Fragebögen gemeinsame Interessen für solide Beziehungen ausgelotet. Das lassen sich die Nutzer etwas kosten, die Angebote kosten im Monat bis zu 80 Euro. Dagegen helfen die sogenannten Swipe-Apps (swipe = wischen) wie beispielsweise Tinder, Bumble oder Lovoo dabei schnelle und unkomplizierte Kontakte herzustellen. Nutzer und Nutzerinnen blättern wie in einem Katalog durch Fotos von in der Nähe befindlichen Singles und „wischen“ mal nach links und mal nach rechts – je nachdem, ob einem das Gegenüber zusagt oder nicht. Haben beide nach rechts gewischt, so spricht man von einem „Match“. Die Mitglieder können nun miteinander in Kontakt treten und sich gegebenenfalls verabreden. Während der Markt für die vor allem bei Akademikern beliebte fragebogenbasierte Online-Partnervermittlung zwar stetig aber moderat wächst, gibt es einen regelrechten Boom bei Swipe-Apps, so dass heute selbst Jugendliche Geld für die Partnersuche ausgeben.

Die meisten App-Anbieter betreiben ihr Geschäft mit dem sogenannten Freemium-Modell. Dabei ist eine App kostenfrei nur eingeschränkt nutzbar d.h. es lässt sich pro Tag beispielsweise nur eine begrenzte Zahl an Nutzerprofilen anschauen. Gegen Zahlung einer monatlichen Abo-Gebühr gibt es dann Zugang zu einer uneingeschränkten Anzahl an Nutzerprofilen. Außerdem werden weitere exklusive Optionen angeboten, beispielsweise um eine getroffene Wahl zurückzunehmen, um auf einen Blick zu sehen, wer einen bereits „mag“ oder um den Standort manuell festzulegen (z.B. um für einen Trip in eine andere Stadt Dates zu verabreden).

Match Group klarer Weltmarktführer vor Bumble

Eindeutiger Weltmarktführer in Sachen Online Dating ist die Match Group, die von sich behauptet, für mehr als 60 % der im Internet entstandenen Beziehungen verantwortlich zu sein. Neben klassischen Dating-Portalen ist der Haupt-Umsatztreiber die Swipe-App Tinder, die mittlerweile fast zwei Drittel des Konzernumsatzes generiert. Bei einem erwarteten 2021er Umsatz in Höhe von 3 Mrd. USD kommt die Match Group derzeit auf einen Börsenwert von ca. 42 Mrd. USD (Aktienkurs 148 USD). Die Match Group Aktie wird in unserem Artikel Die besten Internetaktien näher vorgestellt.

Kursentwicklung Match Group Aktie von November 2020 bis November 2021 | Online Broker LYNX

An Nummer zwei liegt die von der ehemaligen Match Group Mitarbeiterin Whitney Wolfe Herd gegründete Firma Bumble, die neben der gleichnamigen Swipe-App auch die App Badoo betreibt, die mit mehr als 400 Mio. Downloads weltweit die am öftesten heruntergeladene Dating-App ist. Bei der namensgebenden Bumble App wird den Frauen der erste Schritt überlassen, was beim weiblichen Geschlecht offenbar gut ankommt. Mit 46 % Frauenanteil ist das Geschlechterverhältnis nahezu ausgeglichen – eine Seltenheit auf dem Online-Dating-Markt. Bumble kommt bei einem erwarteten 2021er Umsatz von ca. 767 Mio. USD aktuell auf einen Börsenwert von knapp 6,7 Mrd. USD (Aktienkurs 37 USD).

Kursentwicklung Bumble Aktie von Februar 2021 bis November 2021 | Online Broker LYNX

Parship übernimmt Meet Group: Einstieg in den Markt für Dating-Apps

In der Liga von Match Group und Bumble möchte auch die Parship Meet Group mitspielen. Um einen international starken Player zu schaffen, wurde im Jahr 2020 für 467 Mio. USD die amerikanische Meet Group übernommen. Zuvor war Parship vor allem bei der fragebogenbasierten Partnervermittlung stark. Mit Kennenlern-Portalen wie Parship oder Elite Partner gelang es im deutschsprachigen Raum eine klare Marktführerschaft aufzubauen und mit eHarmony wurde bereits eine erste internationale Marke integriert. Allerdings hat das Partnervermittlungsgeschäft zwar hohe Gewinnspannen, aber wächst deutlich langsamer als das Geschäft mit dynamischen Kennenlern-Apps à la Tinder oder Bumble. Der Zukauf der Meet Group soll genau diesen Bereich stärken, denn The Meet Group betreibt unter anderem die Kennenlern-Apps MeetMe, hi5, Tagged, Skout, Lovoo und GROWLr. Die Apps legen einen starken Fokus auf Videochats und Livestreaming und sind damit am Puls der Zeit. Auf den ersten Blick ergänzen sich die beiden Partner mit Ihren Dating-Angeboten damit hervorragend und die Angebote machen sich untereinander kaum Konkurrenz.

Ziel der Parship Meet Group: Aufstieg zum Global Player

Vor ihrer Übernahme durch Parship verzeichnete die Meet Group allerdings an der Börse eine unterdurchschnittliche Kursentwicklung. Im Jahr 2011 zu 12 USD an der Börse platziert, unterschritt die Aktie der Meet Group schon im Jahr darauf erstmals die Marke von 2 USD. Nach einem Zwischenhoch von 8 USD im Jahr 2016 gab es bis zum Übernahmeangebot in Höhe von 6,30 USD je Aktie eine volatile Seitwärtsbewegung auf niedrigem Kursniveau. Auch wenn die Apps der Meet Group zuletzt ein stetiges User-Wachstum verzeichneten und in einigen Regionen sogar marktdominierend sind, gelang bislang mit keiner der Marken aus dem Portfolio der große, internationale Durchbruch. Durch die Integration in den Parship-Konzern soll sich dies nun ändern. Durch die gesteigerte Finanzkraft, Synergieeffekte und die Bündelung der Aktivitäten unter einem Dach soll – offensichtlich nach dem Vorbild der Match Group – ein Global Player geschaffen werden, der im Konzert der Großen mitspielen kann. Dieses Unterfangen dürfte sich angesichts des harten Wettbewerbs für die von Marc Schachtel und Geoff Cook geführte Parship Meet Group jedoch nicht unbedingt als einfach erweisen. Wenn selbst Internetgrößen wie Facebook die Segel streichen, dann verdeutlicht dies, dass sich vor allem bei Dating-Apps Erfolge nicht erzwingen lassen, sondern dass am Ende die Nutzer entscheiden auf welcher Plattform geflirtet wird.

Dennoch laufen die Geschäfte der Parship Meet Group hervorragend. In den zwölf Monaten bis Mitte 2020 kommt der neu geschaffene Konzern pro-forma auf einen Umsatz von 451 Mio. EUR und ein EBITDA-Ergebnis in Höhe von 95 Mio. EUR. In den ersten 6 Monaten des laufenden Geschäftsjahres wurden Medienberichten zufolge bereits 280 Mio. EUR Umsatz erlöst. Für das kommende Jahr 2022 erwartet das Unternehmen einen EBITDA-Gewinn in Höhe von ca. 120 Mio. EUR. Ein milliardenschwerer Börsengang lässt sich damit auf alle Fälle rechtfertigen.

Fazit: Parship-Aktie nach dem Börsengang kaufen?

Ob die Aktie für Anleger attraktiv ist, hängt in erster Linie davon ab, welche Bewertung die am Börsengang beteiligten Banken für das Parship IPO ansetzen. Zu berücksichtigen ist, dass weiterhin ein Großteil der Gewinne aus dem relativ unspektakulären aber gewinnträchtigen Fragebogen-Onlinedating mit moderaten Wachstumsaussichten stammen dürfte. Das App Geschäft hingegen müsste erst noch richtig abheben, um Bewertungs-Dimensionen à la Match Group oder Bumble zu rechtfertigen. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich der „ganz große Wurf“ trotz vielversprechender Tendenzen bei den integrierten Videochat und Livestreaming-Angeboten noch nicht absehen. Deshalb besteht die Gefahr, dass die Apps der Parship Meet Group global gesehen im Vergleich zu den Wettbewerbern eher Nischen besetzten und ansonsten nur die zweite oder dritte Geige spielen. Aus diesen Gründen beurteilen wir eine Bewertung im Bereich von 4 bis 5 Mrd. EUR als zu ambitioniert und würden den fairen Wert eher im Bereich von maximal 3 bis 4 Mrd. EUR sehen. Wird bei der Festlegung der Aktien-Preisspanne also nicht zu sehr auf die hohen Bewertungen von Match Group und Bumble geschielt, so könnte sich die Teilnahme am Parship-Börsengang für Anleger lohnen. Und auch nach dem IPO könnte die Parship-Aktie dann zu einem attraktiven, langfristigen Investment werden.

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