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Booking liefert dreimal in Folge bessere Zahlen als erwartet und erzielt das beste Ergebnis seiner Geschichte. Dennoch stürzt die Aktie ab.
Kursziel von 6.500 auf 5.000 USD gesenkt
Was passiert, wenn die wohl profitabelste und weltweit führende Online-Plattform für Reisebuchungen dreimal in Folge die Erwartungen übertrifft und ein Rekordergebnis einfährt?
Richtig – der Kurs fällt von 5.815 auf unter 3.871 USD. Das ist jedenfalls die aktuelle Lage bei Booking.

Nachdem die Aktie im Juli vergangenen Jahres ein neues Allzeithoch markiert hat, hat das Unternehmen dreimal Quartalszahlen vorgelegt und in allen drei Fällen die Erwartungen übertroffen.
Dem Kurs hat das allerdings nichts genützt.
In diesem Zusammenhang ist es auch immer wieder sehr spannend, die Reaktionen auf der Analystenseite zu beobachten.
Booking übertrifft die Erwartungen, doch unmittelbar danach werden Ratings und Kursziele gesenkt. Wer noch nach Belegen gesucht hat, dass die Ratings den Kursen folgen und nicht umgekehrt, dürfte mal wieder fündig geworden sein.
Teilweise ist es geradezu abstrus, was an dieser Front vor sich geht. Susquehanna hat das Kursziel für Booking beispielsweise von 6.500 auf 5.000 USD gesenkt – also in einem Umfang, der nur durch eine massive Verfehlung zu rechtfertigen wäre.
Wieder neue Rekorde
Der Gewinn von Booking lag im vierten Quartal mit 48,80 USD je Aktie jedoch über den Erwartungen von 48,20 USD. Mit einem Umsatz von 6,30 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 6,10 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Abgesehen davon, dass arbiträre Schätzungen erfüllt wurden, die aus derselben geistreichen Feder stammen, wie die Ratings, waren die Zahlen auch im absoluten Maßstab gut.
Der Umsatz konnte auf Jahressicht um 16 % gesteigert werden und der Gewinn um 17 %. Der freie Cashflow hat sich von 0,64 auf 1,42 Mrd. USD sogar mehr als verdoppelt.
Die Zahl der gebuchten Nächte konnte im vierten Quartal um 9 % auf 285 Millionen gesteigert werden. Der Wert der Buchungen kletterte sogar um 16 % auf 43,0 Mrd. USD.
Damit ist das Schlussquartal noch etwas besser ausgefallen als das gesamte Geschäftsjahr, was für eine zunehmende oder mindestens gegen eine abnehmende Dynamik spricht.
Der Umsatz konnte im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr um 13 % und der Gewinn um 22 % auf 228,06 USD je Aktie gesteigert werden.
Selbstverständlich handelt es sich dabei um das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte.
Ausblick und Bewertung
Booking kommt demnach auf eine P/E von 17,9. Sollte der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr wie erwartet um 17 % auf 268 USD je Aktie steigen, würde die P/E im Gegenzug auf 15,2 sinken.
Langjährig pendelt die P/E um einen Wert von 25.
Das Unternehmen selbst stellt für 2026 einen Anstieg des Buchungsvolumens und der Umsätze im niedrigen zweistelligen Prozentbereich in Aussicht. Gleichzeitig soll die Profitabilität leicht steigen. Der Gewinn soll demnach etwas schneller steigen als der Umsatz.
Hinzu kommen die laufenden Aktienrückkäufe, wofür noch weitere 21,8 Mrd. USD zur Verfügung stehen – rund 17 % des Börsenwerts.
Dabei handelt es sich nicht nur um bloße Ankündigungen. In den letzten 12 Monaten wurden für 6,44 Mrd. USD eigene Papiere eingezogen, wodurch die Zahl der ausstehenden Aktien von 33,4 auf 32,3 Millionen Stück reduziert wurde.
Gleichzeitig wurde die Dividende von 9,60 auf 10,50 USD je Aktie erhöht. Zahlbar Ende März.
In Kürze wird die Zahl der Aktien um den Faktor 25 steigen, denn es wurde ein Aktienplit im Verhältnis 1 zu 25 beschlossen. Die bisherigen Aktionäre erhalten demnach für jede bisher gehaltene Aktie 25 neue Aktien.
Dadurch soll der Preis optisch gesenkt werden. Der Split erfolgt am 2. April.
Geschäftsmodell
Booking Holdings ist mehr als nur ein Reiseportal. Der Konzern ist eine globale Distributionsmaschine mit enormer Preissetzungsmacht. Wer in Europa ein Hotel bucht, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einer Plattform aus dem Booking-Universum.
Einer Studie von Hotrec zufolge liegt der Marktanteil im OTA-Geschäft (Online-Travel-Agency) in Europa bei über 70 %.
Im Kern vermittelt Booking zwischen Reisenden und Anbietern von Unterkünften, Mietwagen, Restaurants und weiteren Reisedienstleistungen. Das Unternehmen kassiert Provisionen auf Buchungen, betreibt im Merchant-Modell den Weiterverkauf von Kontingenten und monetarisiert Reichweite über Werbung sowie Zusatzservices.
Zum Konzern gehören neben Booking.com auch Priceline, Agoda, Kayak, Rentalcars.com und OpenTable. Diese Marken decken nahezu die gesamte Wertschöpfungskette der Reise ab. Hotels, Flüge, Mietwagen, Restaurantreservierungen – alles greift ineinander.
Das schafft Daten, Cross-Selling-Potenzial und Marktmacht – aber vor allem positive Netzwerkeffekte. Je mehr Reisende die Plattform nutzen, desto attraktiver wird sie für Hotels. Je mehr Hotels gelistet sind, desto größer der Anreiz für Reisende.
Für viele Hotels und ganze Ketten ist Booking heute kein optionaler Vertriebskanal mehr, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.
Darüber hinaus handelt es sich um ein gut skalierbares Geschäftsmodell mit geringem Kapitalbedarf. Booking besitzt keine Hotels, keine Flugzeuge, keine Fahrzeugflotten.
Die Grenzkosten für jedes weitere Hotel und jeden weiteren Nutzer tendieren gegen Null.
Inzwischen wächst das Unternehmen auch abseits vom Kerngeschäft mit Hotels. Wie bereits angerissen, gehören Flüge, Mietwagen, Transfers und Erlebnisse längst zum Angebotsspektrum.
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