Börsengang von LEVI’s: Lohnt sich dieser IPO?

Levi Strauss, der Erfinder der Jeans ist wieder an der Wall Street zu haben: ein Kauf?

Am 21. März kehrte ein Unternehmen an die US-Börse zurück, dass zu den traditionsreichsten der USA gehört und eine weltweit bekannte Marke darstellt: Levi Strauss & Co, kurz LEVI’s (Symbol LEVI, ISIN US52736R1023).

LEVI’s hat die Jeans erfunden und genießt daher als Marke Kultstatus. Bereits 1971 war das Unternehmen an die US-Börse gegangen, damals war das mit 50 Millionen US-Dollar ein gewaltiger Börsengang. Doch als die Gewinne abbröckelten, legten die Hauptanteilseigner, die Nachkommen der Neffen von Levi Strauss, zusammen und privatisierten die Aktie wieder. Jetzt ist sie zurück – sollte man sie im Depot haben?

Neuemissionen oder neudeutsch IPOs (initial public offering) haben ihren Reiz, aber keineswegs alle führen dazu, dass diejenigen, die da zugreifen, nach ein, zwei Jahren ein Lächeln im Gesicht haben. Man muss schon genau hinsehen, wenn es darum geht, ob man eine solche neue Aktie kaufen sollte oder nicht. Bei LEVI’s ist diese Frage indes nicht so schwer zu beantworten wie bei Startups, die keine Bilanzhistorie vorweisen können. Hier haben wir Zahlen. Und anhand dieser Fakten lässt sich ein Urteil abgeben.

Die Frage muss man sich immer stellen: Warum geht Levi Strauss an die Börse?

Zunächst sollte sich aber jeder potenzielle Anleger folgende Fragen stellen: Warum wird dieses IPO durchgeführt, was will das Unternehmen mit diesem eingenommenen Geld tun? Diese Frage muss eine befriedigende Antwort erhalten, ansonsten wäre der beste Rat: Finger weg. Also, was hat LEVI’s mit dem Geld vor?

Zunächst einmal sollte man eines wissen: LEVI’s hat nicht das gesamte Unternehmen an der Börse „verkauft“, sondern nur etwa zehn Prozent der Anteile, konkret knapp 37 Millionen Aktien. Da der Ausgabepreis der Aktien bei 17 US-Dollar lag, wurde so der Wert des Unternehmens errechnet und auf über sechs Milliarden US-Dollar beziffert. Ist LEVI’s das wirklich wert?

Das kann man am Ausgabepreis nicht erkennen, denn das ist ja nur eine Zahl, die durch den auf Basis der Nachfrage nach der Aktie festgelegten Preis, hochgerechnet auch auf die 90 Prozent der im Unternehmen verbleibenden Anteile, ermittelt wurde. Das ist eine „Luft-Zahl“, mehr nicht. Fakt ist:

Die Nachfrage nach der Aktie war immens. Im Zuge der Zeichnungsfrist kam es zu zehnmal so vielen Zeichnungsorders als Aktien zur Verfügung standen. Daraufhin hat LEVI’s, die eigentlich für den Ausgabepreis eine Spanne zwischen 14 und 16 US-Dollar angepeilt hatten, die Gunst der Stunde genutzt, um den Ausgabepreis mit 17 US-Dollar über diese Spanne zu heben. Warum nicht die Gelegenheit nutzen, wenn einem die Anleger die Türen einrennen?

Aber ob die Marktteilnehmer damit weise gehandelt haben, ist aus diesem Umstand nicht zu ermitteln, denn derzeit kehrt ja gerade eine gewisse Euphorie an den Markt zurück, man ist bereit, wieder mehr Risiken einzugehen. Und dass die US-Aktienmärkte im ersten Quartal die Verluste des schwachen vierten Quartals 2018 fast komplett wettgemacht hatten, trug dazu bei, dass man bei LEVI‘s fleißig zugriff. Das ist aber mehr durch die Stimmung getragen als durch rationale Überlegungen. Der höhere Ausgabepreis ist keine Indikation für eine bullische Zukunft der Aktie. Was auch für den Umstand gilt, dass der Kurs an der Börse gleich noch deutlich höher stieg. Dazu gleich mehr, zurück zum Motiv:

Was will LEVI’s mit dem eingenommenen Geld tun?

Es fällt auf, dass in nahezu keinem Bericht über dieses IPO erwähnt wurde, was LEVI’s mit diesem Geld eigentlich vorhat, sprich warum man überhaupt an die Börse zurückkehrt. Das ist, mit Verlaub, ein wenig verdächtig. Ich fand diese Thematik letztendlich in einem Interview des „GQ-Magazine“ mit LEVI’s Marketing-Vorstand Jennifer Sey:

Die naheliegende Antwort, so Sey, ist: Kapital schaffen, um es ins Geschäft investieren zu können. Es gelte, in neue Fertigungstechnologien zu investieren. Gut. Aber, und um diesen Aspekt kommt man nicht herum: Von den gut 36 Millionen Aktien kommen drei Viertel von der Eigentümerfamilie. Warum? Jennifer Sey dazu:

Das IPO gibt der Familie Haas, den Nachkommen des Gründers Levi Strauss, die Möglichkeit, einen Teil ihres Firmenanteils in Geld zu verwandeln. Sicher, das ist nachvollziehbar. Es mag schön sein, Mitinhaber eines milliardenschweren Unternehmens zu sein. Aber eine solche Beteiligung kann man nicht „essen“. Nicht, solange sie nicht als Aktie existiert und damit auch veräußerbar ist. Aber das heißt: Nur ein eher moderater Teil der Einnahmen von 624 Millionen US-Dollar (Ausgabepreis 17 US-Dollar x 36,7 Millionen Aktien) wird damit unmittelbar ins Geschäft investiert. Ist das nicht trotzdem eine Menge Geld? Nicht unbedingt, das sehen wir im Folgenden.

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Eine entscheidende Frage: Investiere ich in eine Zukunftsbranche?

Die nächsten beiden Fragen sollten tunlichst mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden:

  1. Hat die Branche Zukunft, ist mit steigenden Umsätzen und Gewinnen zu rechnen?
  2. Kann das beim IPO eingenommene Geld das Unternehmen entscheidend voranbringen?

Drei Viertel der IPO-Einnahme kommt der Eigentümerfamilie zugute. Ob sie dieses Geld wieder reinvestieren, ist ihre Sache. Geht man davon aus, dass es nicht so wäre, geht es um grob 160 Millionen US-Dollar, die zusätzlich ins Unternehmen fließen und für Investitionen genutzt werden könnten. Bei einem Gewinn von 283 Millionen US-Dollar nach Steuern, die LEVI’s 2018 erzielt hat (siehe die folgende Tabelle), eine nette Summe, aber keine Größenordnung, die revolutionäre Veränderungen bewirken könnte.

Man sollte daher besser mal davon ausgehen, dass das eingenommene Kapital keine entscheidende Veränderung beim Unternehmen bewirkt. Es stellt sich für den potenziellen Aktionär damit die Frage: Wäre LEVI’s denn auch ohne den Börsengang ein Unternehmen, bei dem die Umsatz- und Gewinnkurve in den kommenden Jahren aufwärts weisen wird? So deutlich aufwärts, dass nicht der Ausgabepreis für die relativ wenigen, die das Glück hatten, die Aktie über die  Erstzeichnung zu 17 US-Dollar zu bekommen, sondern der aktuelle Börsenkurs, der weit höher liegt (siehe der Chart ganz unten), als günstig zu werten wäre?

Das muss man mit einem dicken Fragezeichen versehen. LEVI’s agiert in der Textilbranche, die in den letzten Jahrzehnten nicht zu den Wachstumsbranchen gehörte. Dass die Marke Kult ist, ist eine Sache, aber es handelt sich eben auch um Produkte, die man, wenn man diesen Preis nicht zahlen will oder kann, auch billiger bekäme. Ebenso wie alle bekannten Marken ist LEVI’s daher sehr davon abhängig, dass die Konsumenten weltweit imstande und willens sind, sich eine LEVI’s etwas kosten zu lassen. Das war 2018 der Fall, auch angespornt durch das Gefühl vieler US-Konsumenten, dass Donald Trump starkes und nachhaltiges Wachstum auf Jahre hinaus sichern würde. Aktuell sieht das aber schon ganz anders aus.

Dass die Branche an sich nicht gerade auf Rosen gebettet ist, kann man im Fall von LEVI’s sogar an einem Aktienkurs sehen. Denn die Kernmarke ist zwar gerade erst an die Börse zurückgekehrt, aber von LEVI’s Asien-Sektion kann man schon lange Aktien kaufen. Sehen Sie sich dazu den folgenden Chart der Levi Strauss Japan-Aktie an (Notierung in Yen):

Das ist nicht gerade eine Erfolgsstory. Aber wie auch: Das Wachstum ist hier wie in der Textilbranche insgesamt nicht umwerfend. Wenn man sich noch einmal obenstehende Tabelle ansieht:

Der Umsatz von LEVI’s ist in den vergangenen sechs Jahren, zwischen 2013 und 2018 einschließlich, um 19, der Gewinn nach Steuern um 23 Prozent gestiegen. Insgesamt, nicht pro Jahr. Üppig ist das beileibe nicht, zumal das Jahre mit solidem Wachstum der Weltwirtschaft waren. Und ob dieses weltweite Wachstum sich hält, ist derzeit zweifelhaft.

LEVI’s Kurs/Gewinn-Verhältnis mahnt zur Vorsicht

Wenn, sollte daher die Bewertung günstig sein, der Kurs im Verhältnis zum Gewinn an oder nicht viel über der durchschnittlichen jährlichen Gewinn-Wachstumsrate von etwa sechs Prozent liegen. Diese Wachstumsrate könnte zwar steigen, muss es aber keineswegs, denn wie erwähnt: Eine Revolution dürften die Einnahmen aus dem IPO im Unternehmen nicht auslösen.

Aber „billig“ ist LEVI’s eben nicht. Nach Steuern, darauf kommt es an, verdiente LEVI’s 2018 283 Millionen US-Dollar. Diesen Gewinn muss man durch die Zahl der insgesamt vorhandenen Anteile teilen, also nicht durch diese knapp 37 Millionen Aktien, die am 21. März ausgegeben wurden, sondern durch alle. Da kann man mit etwa 380 Millionen Anteilen kalkulieren, was hieße, pro Aktie wurde ein Gewinn um die 0,75 US-Dollar erzielt.

Daraus errechnet sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis auf Basis des Ausgabepreises (17 US-Dollar) von 22,7. Das ist schon nicht ohne. Aber auf Basis des Börsenkurses von 22,50 US-Dollar, der im Handelsverlauf des 28. März, als dieser Beitrag erstellt wurde, markiert wurde, kommen wir da schon auf ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 30, Und ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 30 ist für ein durchschnittliches Gewinnwachstum von sechs Prozent, erzielt in einer weltweiten Wachstumsphase, für ein konjunktursensibles Unternehmen eindeutig zu hoch.

Wer jetzt kauft, sollte die Aktie eher als Liebhaberstück sehen

Ich rate daher zur Vorsicht, zumal im nachfolgenden Chart der Aktie, so kurz ihr „Börsenleben“ bislang auch ist, etwas auffällig ist, das ebenfalls dazu anhält, diesem zum Start des regulären Handels am 21. März entstandenen Kurssprung besser nicht hinterherzulaufen. Sehen Sie sich dazu mal die im unteren Bereich des Charts abgebildeten Umsätze an:

Am ersten Handelstag lag der Umsatz der Aktie bei über 43 Millionen, genauer bei 43.433.720 Aktien. Ausgegeben wurden aber nur knapp 37 Millionen. Das heißt, dass jede Aktie, die emittiert wurde, gleich am ersten Tag im Schnitt 1,2 Mal gehandelt wurde. Das deutet an, dass viele, die die Aktie zu 17 US-Dollar bekommen hatten, diesen durch den Kurssprung von 5,22 US-Dollar auf den ersten börsengehandelten Kurs von 22,22 US-Dollar entstandenen Gewinn umgehend mitgenommen haben. Das tut man nicht, wenn man die Aktie dann immer noch als günstig ansehen würde.

Die, die da eingestiegen sind, warten jetzt auf neue Käufer, die ihre Aktien aus der bisherigen Handelsspanne zwischen 21,37 und 23,24 US-Dollar nach oben hinaus, in die Gewinnzone, tragen. Bis dato warten sie noch vergebens.

Auf diesem Kursniveau ist LEVI’s teuer und damit sehr spekulativ. Wer jetzt kauft, müsste über Geduld verfügen und/oder die Aktie einfach als Liebhaberstück sehen, ein Investment mit einer günstigen Bewertung ist sie auf dem aktuellen Kursniveau nicht.

Die Trailing Stop-Order: Gewinne sichern, Verluste begrenzen.

Die Trailing-Stop Verkaufsorder ist eine abgewandelte Stop-Order. Hierbei wird der Stop-Preis in einem festgelegten Folgeabstand (Trailing-Wert) an den Kurs gekoppelt. Wenn dieser Wert steigt und somit der Abstand größer als der Trailing-Wert ist, wird der Stop-Preis nach oben angepasst.

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