TRATON IPO – Ist der schwache Börsenstart eine Einstiegschance?

Seit dem 28. Juni wird TRATON an der Börse gehandelt. Wer bitte? Vielen Investoren mag dieser Name nichts sagen, was daran liegt, dass es TRATON (ISIN: DE000TRAT0N7 – Symbol 8TRA – Währung: EUR) erst seit zehn Monaten gibt. Aber jeder kennt das, was TRATON früher war: Die Bus- und Lkw-Sparte des Volkswagen-Konzerns. Was wiederum heißt: TRATON besteht vor allem aus MAN und Scania, zwei der absoluten Traditions- und Top-Marken im Nutzfahrzeugbereich. Das klingt äußerst interessant. Und um es vorweg zu nehmen: Das ist es auch.

Doch der Börsengang war erst einmal ernüchternd, dazu gleich mehr. Wir werden in diesem Beitrag abwägen, ob das derzeit geringe Interesse an dieser Volkswagen-Tochter mit ihrem renommierten „Inhalt“ in Form von MAN und Scania nicht womöglich eine gute Chance ist, eine mittel- und langfristig äußerst lukrative Aktie zu einem günstigen Kurs einzusammeln.

Der TRATON Börsengang wurde zum Flop

Der Börsengang bzw. IPO (IPO = initial public offering) stand von vornherein nicht unter einem allzu guten Stern. Im März hatte der VW-Konzern den IPO zunächst kurzfristig abgesagt, ihn im Juni aber dann doch vollzogen. Das allein machte eines deutlich: Man war sich im Vorstand offenbar nicht so recht schlüssig, ob man diesen Schritt jetzt bzw. ob man ihn womöglich überhaupt durchführen soll.

Im Vorfeld wurde eine Bookbuilding-Spanne von 27 bis 33 Euro angesetzt. Das heißt, die interessierten Anleger konnten die Aktien innerhalb dieser Preisspanne zeichnen, sprich „bestellen“. In einer allgemein bullischen Marktphase mit starkem Interesse an dem Unternehmen hätte man da den höchsten Preis, also 33 Euro, ansetzen müssen, um zum Zug zu kommen.

Aber der VW-Konzern gab am 27. Juni, dem Vorabend des Börsengangs, bekannt, dass die TRATON-Aktie zu 27 Euro, sprich zum niedrigsten Preis der Bookbuilding-Spanne, ausgegeben wird. Das schien kein gutes Omen zu sein, auch, wenn der „Greenshoe“ ausgelöst wurde, d.h. die Aktien-Reserve, die VW dann freigeben wollte, wenn das Interesse deutlich über die vorgesehene Zahl von 50 Millionen Aktien, die man an die Börse bringen wollte, hinausgeht.

So wurden 57,5 Millionen Aktien an der Börse platziert. Das sind 11,5 Prozent der insgesamt vorhandenen Aktien. Die restlichen 88,5 Prozent bleiben vorerst vollständig im Besitz des VW-Konzerns. Wenn man bedenkt, dass Experten vor der Bekanntgabe der Bookbuilding-Spanne Ausgabepreise von bis zu 50 Euro pro Aktie für möglich gehalten hatten, stellte sich den Anlegern die Frage: Ist die Aktie womöglich einfach nicht mehr wert?

Ein am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne liegender Ausgabepreis ist ein Indiz dafür, wenngleich absolut kein Beweis, dazu gleich mehr. Was aber daraufhin an der Börse geschah, was fast folgerichtig: Niemand stürzte sich auf die Aktie, also zog sie nicht wie viele IPOs gleich zu Beginn ihres Börsendaseins davon, sondern fiel. Der folgende Chart zeigt den bisherigen Handel in der TRATON-Aktie, beginnend mit dem Ausgabetag am 28. Juni bis zum 4. Juli auf 60-Minuten-Basis:

TRATON startete zum Ausgabepreis von 27,00 Euro, fiel dann aber gleich zurück und erreichte im weiteren Verlauf des Tages ein Tief bei 26,35 Euro. Das war zwar kein dramatisches Minus, aber letztlich doch ein Flop.

Die Lücken zwischen den Kursbalken zeigen, dass der Handel in der Aktie bislang alles anderes als rege ist: Auch nicht gerade ein Indiz dafür, dass TRATON in Kürze massiv durchstarten könnte. Aber immerhin hat sich die Aktie in den folgenden Tagen wieder leicht über ihren Ausgabepreis gekämpft. Jetzt stellt sich die Frage:

Ist das ein Kursniveau, auf dem man sich den Einstieg überlegen könnte? Dazu ein Blick auf die Rahmenbedingungen und die aktuellsten Ergebnisse von TRATON:

Die Automobilindustrie steht unter Druck … aber TRATON wächst

Die letzten Absatzzahlen des Volkswagen-Konzerns für den Mai ließen aufhorchen: Bei den Pkw lief es, wie schon in den Monaten zuvor, nicht gut. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat der VW-Konzern zwischen Januar und Mai insgesamt 3,7 Prozent weniger Fahrzeuge ausgeliefert. Aber bei MAN und Scania, sprich bei TRATON, ging es voran:

Für das erste Quartal lief es allemal gut, TRATONs Umsatz lag zwischen Januar und März um sechs Prozent höher, die Gewinnmarge bzw. operative Rendite stieg von 6,4 auf 7,3 Prozent. Das ist stark, vor allem in einer für den Automobilsektor insgesamt sehr schwierigen Phase. Bedenken muss man dennoch, dass die Automobilbranche äußerst sensibel auf konjunkturelle Veränderungen reagiert und dass gerade Investitionen in Fahrzeuge wie Busse und Lkw im Fall einer Abkühlung der Konjunktur von Unternehmen, die ja hier das Gros der Kundschaft stellen, schnell aufgeschoben oder sogar storniert werden.

Wollte man also die kurzfristigen Umsatz- und Gewinnperspektiven einschätzen, würde das Risiko einer weiteren Abkühlung des globalen Wachstums schwer wiegen. Mittelfristig jedoch dürfte das anders aussehen. Der Umstand, dass man sich hier die beiden weltbekannten, renommierten Traditionsmarken MAN und Scania ins Depot legt, die zusammen wiederum unter dem Dach eines finanz- und ressourcenstarken Superkonzerns agieren, ist ein Pluspunkt, der mittel- und langfristig schwer wiegt.

Und was sagen die Analysten zu der Aktie? Bislang noch gar nichts – und das kann nicht überraschen. Es gibt Schätzungen, dass TRATONS Umsatz im laufenden Jahr 2019 zwischen vier und fünf Prozent zulegen wird. Aber da stützt man sich auf die hausinternen Projektionen von Volkswagen. Und was den Gewinn angeht, ist noch nichts konkret absehbar. Was daran liegt, dass TRATON bis Sommer 2018 ein fester Teil von VW war und keine eigenständige „Branch“, wie das jetzt der Fall ist. Kauft man mit TRATON also die Katze im Sack?

Die Rolle der „Mutter“ VW könnte für Anleger vorteilhaft sein

Das nun auch wieder nicht. Die 2018er-Zahlen gibt es. Wobei die ein Argument sind, um zu konstatieren:

Die TRATON Aktie ist interessant, aber man sollte sie mittel- und langfristig sehen und über eine Einstiegsposition nachdenken, die man ggf. bei günstigeren Kursen noch ausbaut.

Denn auf Basis der 2018er-Zahlen ergibt sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 9,4/9,5. Das ist zwar im Verhältnis zum Gesamtmarkt günstig, aber nicht im Vergleich zu den Kurs/Gewinn-Verhältnissen von Automobilkonzernen.

Natürlich würde sich dieses KGV deutlich verringern, die Aktie also aus dieser Warte heraus billiger werden, wenn nicht der Kurs, sondern der Gewinn zügig steigt. Was mittelfristig allemal möglich wäre, aber kurzfristig steht die Automobilindustrie und mit ihr auf der Lkw-Bereich vor schwierigeren Zeiten. Und als Anleger möchte man natürlich, dass der Gewinn und der Aktienkurs steigen!

Aber da wäre noch die Rolle des VW-Konzerns. Und die würde dafür sprechen, sich eine solche Aktie als Beimischung ins Depot zu legen, aus folgender Argumentation heraus:

TRATON ist eine Art „Testballon“ für den Volkswagen-Konzern. Grundsätzlich hat man im Auge, einzelne Sparten des riesigen Konzerns über eigenständige, börsennotierte Bereiche klarer zu segmentieren um das mittlerweile unübersichtlich wirkende Konglomerat aus Marken und Produktionsbereichen einerseits für die eigene Steuerung, andererseits für den Investor besser erfassbar zu machen. Auch mit dem Ziel, den Konzern durch eine solche Struktur in klar abgeteilte „Branches“ aufzuwerten.

Daher ist der am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne gelegene Ausgabepreis von 27 Euro kein Eingeständnis, dass TRATON mehr nicht wert wäre. VW geht es zuvorderst darum, dass dieser erste Börsengang einer VW-Branch gut verläuft, um darauf aufzubauen. Um das zu erreichen, nimmt man einen relativ günstigen Preis gerne in Kauf. Was natürlich nicht heißen kann, dass die Aktie deshalb zwingend umgehend steigt, wie gesagt: Als Anleger bewegt man sich dennoch in einer Branche, die konjunktursensibel und damit volatil ist, was die Aktienkurse angeht.

Aber man darf folgern: Die Sorge, dass VW TRATON als „Melkkuh“ ansieht, mit der verbleibenden Aktienmehrheit nur im Sinne des Gesamtkonzerns handelt und TRATON eher behindert als voranbringt, ist zwar verständlich, aber das ist weniger wahrscheinlich. VW will in diese Struktur börsennotierter „Säulen“ des Konzerns hinein kommen. Da wäre es äußerst unklug, mit TRATON so umzugehen, dass Investoren bei weiteren Börsengängen, z.B. des Sportwagenbereichs mit Bugatti und Lamborghini, abwinken würden! Man darf daher vermuten, dass die „Mutter“ ihr „Erstgeborenes“ gut behandeln wird.

Könnte die Platzierung weiterer TRATON-Aktien ein Problem werden?

Ein Aspekt, den viele im Hinterkopf haben ist, dass der VW-Konzern betont, dass man sich grundsätzlich weiterhin offen hält, bis zu 24,9 Prozent des Unternehmens an der Börse zu platzieren. Was hieße: Läuft dieses IPO gut, könnten weitere Aktien angeboten werden. Aber würde das den Kurs nicht drücken?

Nein, denn insgesamt gibt es ja bereits 500 Millionen TRATON-Aktien, nur bleiben derzeit 88,5 Prozent im Besitz des VW-Konzerns. Aber würden weitere Aktien ausgegeben, würde das deshalb nicht über eine Kapitalerhöhung erfolgen, die den Wert der vorhandenen Aktien verwässern würde, die Aktien wären bereits vorhanden, kämen aus dem Bestand des VW-Konzerns. Die Ausgabe weiterer Aktien würde an der Summe des Werts der Aktien insgesamt also nichts ändern.

Und auch die immer wichtige Frage, ob da nur jemand „Kasse“ machen will, sprich der bisherige Eigentümer einen Teil des Unternehmens zu Geld machen und dieses in die eigene Tasche stecken will, ist hier mit „nein“ zu beantworten. Der Erlös des Börsengangs soll bei TRATON selbst verbleiben und der Stärkung des Unternehmens und seiner Perspektive dienen. Würde VW anders handeln, würde sich der Konzern den weiteren Weg hin zu einer „Säulen-Struktur“ mit einzelnen, börsennotierten Branches durch ein solches Verhalten ja selbst verbauen.

Fazit: Ein „Fuß in der Tür“ wäre zu überlegen

Das Unternehmen als solches ist spannend. SCANIA und MAN, dazu das lateinamerikanische Caminhoes e Onibus und die Logistik-Plattform RIO, das ist TRATON … und definitiv eine Bereicherung für den Kurszettel der Börse.

Der Vorteil ist: Hier ist kein Anfänger an den Start gegangen, kein kleines Startup ohne wirtschaftliche Historie, sondern ein solider Teil eines Weltkonzerns. Das bietet einen wichtigen Rückhalt. Nichtsdestotrotz bewegt man sich als Investor hier in einem volatilen Umfeld. Die Automobilbranche ist – ob es da um Pkw oder Lkw geht, macht wenig Unterschied – äußerst konjunktursensibel.

Man sollte sich also darauf einstellen, mit TRATON eine volatile Aktie im Depot zu haben, auch, wenn die ersten Handelstage das noch nicht andeuten. Eine kleine Einstiegsposition als „Fuß in der Tür“, die man ggf. bei einem günstigen Umfeld in Korrekturen hinein noch einmal günstiger ausbauen könnte, wäre eine Überlegung wert. Wir werden TRATON selbstverständlich für sie immer mal wieder in unseren täglich aktuellen Börsennews im LYNX Börsenblick unter die Lupe nehmen!

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.
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