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„LORU“ ist die Abkürzung für „von links oben nach rechts unten“ und bezeichnet einen Kursverlauf, bei dem es von Handelsbeginn an stur abwärts geht. Genau das ist dem Nasdaq 100 am Freitag widerfahren. Die Fragen müssen lauten: Warum … und wie gefährlich ist das?
Verluste in dieser Größenordnung hatte der Nasdaq 100 zuletzt im Zuge von Trumps „Zoll-Schock“ im April 2025 erlebt. Natürlich sorgt ein Handelstag wie dieser dementsprechend für Verunsicherung, zumal man sich fragt:
Was ist denn da jetzt los? Wo liegt der Grund für diesen Abriss des Index für Halbleiter-Aktien mit teilweisen Abschlägen über zehn Prozent an nur einem Tag? Beim Blick auf den Nachrichtenticker wird man erst einmal nicht klüger, denn auf der Nachrichtenseite findet sich nichts, das diesen Selloff wirklich hätte begründen können. Überraschungen gab es am Freitag nicht, auch nicht in Sachen Iran. Und die kurz vor Handelsstart veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten für den Mai waren eigentlich undramatisch. Also, was war da passiert?
Etwas, das in einem Umfeld, in dem eine größere Gruppe von Aktien extrem nach oben gezogen wurde, jederzeit passieren kann: eine „Margin-Lawine“, ausgelöst durch ein Problem in Bezug auf die „Mechanik der Märkte“:
Expertenmeinung: Irgendwann kommt im Zuge einer derart wilden Kaufwelle, die längst den Level faktisch fundierter Spekulation verlassen hat, ein Moment, in dem deutlich mehr Trader ihre Gewinne mitnehmen wollen als Käufer die Hand aufhalten. Es entsteht also ein Übergewicht auf der Angebotsseite, das die Kurse nach unten befördert. Normalerweise führt das zu einem schwächeren Handelstag, auch mal zu zweien oder dreien, aber dann sind die Kurse der gefallenen Aktien aus Sicht der Spekulanten schon wieder so günstig, dass die Nachfrage steigt und das Interesse zu verkaufen zugleich sinkt. Dann können die Kurse also wieder zulegen. Es sei denn …
… zu viele Trader haben so extrem „gezockt“, dass sie es gewagt haben, ihre Positionen zu „pyramidisieren“. Was bedeutet, dass sie die durch den Gewinn ihrer Trades aufgelaufenen Buchgewinne genutzt haben, um noch mehr Aktien oder Derivate zu kaufen. Dadurch intensiviert man zwar seinen Hebel bei der Spekulation, verdient also noch schneller Geld. Aber nur, solange die Kurse steigen … und das permanent. Denn der Haken beim „Pyramidisieren“ ist, dass man keine ausreichende Barreserve hat, um bei Derivate-Positionen die geforderten Nachschüsse der Broker zu leisten, wenn die Kurse zu weit in die falsche Richtung laufen. Machen das ein paar wenige so, passiert am Gesamtmarkt nichts. Machen das aber zu viele, geht die Lawine ab:
Bei fallenden Kursen müssen solche Trader ihre Position verkleinern, weil sie ja keine ausreichende Barreserve halten, um Nachforderungen bei den Sicherheitsleistungen, den „Margins“, bezahlen zu können. Das aber sorgt für weiteren Verkaufsdruck, so dass die Margin-Forderungen immer wieder kommen und immer weitere Verkäufe erzwingen, die darauf basieren, dass die Kurse der Aktien nachgeben, eben weil zu viele zu viel gewagt hatten und jetzt ihre Positionen reduzieren müssen. Das wird zu einem Selbstläufer, intensiviert durch ausgelöste Stop Loss-Verkaufsorders anderer Akteure. Und wie bei Lawinen üblich, kann so etwas theoretisch immer weitergehen.

Und was sagt das Chartbild? Diese massiven Verluste beim Nasdaq 100 machen sich im Vergleich zu dessen Hausse in den Wochen zuvor im Wochenchart noch eher harmlos aus.

Im Tageschart sehen wir aber, dass diese Mega-Hausse seit Ende März dazu geführt hat, dass sich keine Wendemarken als potenzielle Supportlinien ausbilden konnten; richtig massiv wird es in Sachen Unterstützungen erst wieder zwischen 25.828 und 26.182 Punkten. Rein charttechnisch hätte diese Abwärtsbewegung also noch Luft nach unten. Und dass es keinen zwingenden Auslöser gab, kann Verunsicherung unter den normalen Anlegern schüren – von der zuvor keine Spur zu sehen war – und Anschlussverkäufe auslösen, aber:
Das muss nicht passieren. Alleine, weil den erfahrenen Tradern durchaus klar sein dürfte, dass es sich hier um eine Margin-Lawine handelte und dieser „LORU“-Kursverlauf nur deswegen entstand, weil der Markt in einer solchen Situation einfach nicht bremsen kann. Im Jahr 2000 war eine solche Gemengelage der Anfang vom Ende, das mag schon sein. Jetzt darauf zu wetten, dass es erneut so kommen muss, wäre indes genauso riskant, wie es die Hausse der Halbleiter zuletzt war. Höchste Vorsicht wäre jetzt angebracht, mit „Hurra“ auf die Short-Seite zu wechseln, aber (noch?) nicht.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 05.06.2026 um 23:04 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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