Als der MDAX im Januar das 2025er-Hoch überwand, wirkte das wie ein Befreiungsschlag. Doch der Schwung war schnell dahin, seither scheiterten mehrere Versuche, an dem Januar-Hoch vorbei zu kommen … bis auf den letzten. Ist der Weg nach oben jetzt endlich frei?
Nein, ist er nicht … um das gleich vorwegzunehmen. Zwar sieht es im Chart auf Tagesbasis so aus, als hieße es jetzt „the sky is the limit“, zumal dem am Montag gelungenen Ausbruch über das Januar-Hoch bei 32.384 Punkten mehrere Tage mit Anschlusskäufen folgten. Doch wirft man einen Blick auf den Chart auf Wochenbasis, stellt man fest: Ein Widerstand ist überboten, aber der nächste ist bereits erreicht. Und der ist eher noch massiver als das, was der MDAX jetzt unter sich gelassen hat.

Denn da geht es um die Nackenlinien-Zone der großen Toppbildung, die sich im zweiten Halbjahr 2021 etabliert hatte und deren Vollendung das Baisse-Jahr 2022 eingeläutet hatte. Diese Zone liegt zwischen 33.159 und 33.411 Punkten und wäre bereits erreicht. Aber der Spruch „rankommen ist leicht, vorbeikommen nicht“ könnte hier zutreffend sein, denn eines fällt ja sofort ins Auge:
Expertenmeinung: Der DAX ist an diesem 2021er-Hoch längst weit vorbeigezogen. Und der TecDAX hat sein 2021er-Hoch gerade ebenfalls bezwungen. Und beim MDAX reden wir nicht einmal vom Hoch dieses Jahres, sondern erst einmal nur von dem „Boden“, der sich damals unter den Zwischenhochs des Jahres 2021 gebildet hatte. Man ist also, was die Performance angeht, deutlich im Hintertreffen – und das hat Gründe.
Der MDAX hatte zuletzt für eine stärkere Hausse einfach die falsche Zusammensetzung. Hier sind Immobilientitel stark vertreten, die nicht laufen. Hier haben wir viel Software, die derzeit im Abwärtstrend unterwegs ist, dazu Chemie und Maschinenbauer, denen es großenteils nicht besser ergeht. Energieversorger und Hardware sind hier schwach vertreten … und zuletzt ist auch der 2025 so stark den Markt ziehende Rüstungssektor, wo der MDAX mit Hensoldt, RENK, TKMS und thyssenkrupp durchaus gut besetzt wäre, unter Druck geraten. Damit ist an ein „the sky ist he limit“ hier nicht zu denken, es sei denn …
… dass sich ein Umfeld ergeben würde, das die gedrückten Branchen zu neuem Leben erwecken würde. Ein glaubwürdiges Ende des Iran-Krieges, mehr Zuversicht bei den Verbrauchern, keine Zinserhöhungen, sondern ein Rückgang der Inflation und eine Belebung des chinesischen Markts als wichtiges Exportziel der Chemie und Maschinenbauer, all das zusammen könnte dem MDAX seine jahrelange, frühere Rolle als besonders starker Index des deutschen Markts wiedergeben. Nur ist das aus aktueller Sicht nicht gerade allzu wahrscheinlich, daher:

Ein Überwinden der jetzt erreichen Widerstandszone 33.159 zu 33.411 Punkte ist möglich, sich dann aber darauf zu verlassen, dass in der Folge auch automatisch das 2021er-Hoch bei 36.429 Punkten „abgeräumt“ würde, wäre äußerst verwegen. Besser wäre es, sich hier im Fall von Long-Trades dagegen abzusichern, dass der MDAX unversehens die Treppe wieder herunterfällt. Aktuell unterhalb der jetzt als Unterstützung fungierenden Zone 31.647/32.384 Punkte liegende Stoppkurse umgehend knapp unter die gerade angegangene Zone nachzuziehen, sollte es gelingen, darüber hinaus zu kommen, wäre dringend zu überlegen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.05.2026 um 22:46 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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