Manche Menschen neigen dazu, Dinge nur „auf den letzten Drücker“ zu erledigen. Aber sollte die Gelassenheit gegenüber dem Risiko, am Ende zu spät dran zu sein, der Grund sein, warum der Euro Stoxx 50 charttechnisch jetzt kritisch aussieht, sollten sich die Bullen wirklich sputen.
Für ein Plus im August hat es beim europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 am Ende zwar noch gereicht, aber der Monatschart zeigt: Der Index hat einen nicht unwesentlichen Teil seines Gewinns zum Monatsultimo wieder abgegeben. Auf mittel- und langfristiger Zeitebene ist das noch in keiner Weise problematisch. Aber ein Blick auf den Index auf Tagesbasis zeigt: „Wehret den Anfängen“ wäre ein Spruch, der hier keineswegs deplatziert wäre.

In diesem kurzfristigen Zeitraster sehen wir, dass der Euro Stoxx 50 Anfang August zwar das vorherige Rekordhoch vom Juli mit Schwung überboten hatte, den Bullen das Momentum aber danach auffallend schnell abhandenkam. Ein paar Tage mit steigenden Kursen, aber ungewöhnlich kleinen Tagesspannen, abgelöst von Wassertreten auf Rekordniveau … und jetzt der Rücksetzer. Was grundsätzlich als „Anlauf nehmen“ für einen neuen Aufwärtsimpuls, der das bisherige Rekordhoch von 6.577,20 Punkten überwindet, angesehen werden könnte … würden sich die Käufer nicht verdächtig viel Zeit lassen damit, das Chartbild bullisch zu halten.

Expertenmeinung: Die für den kurzfristigen Trend entscheidende Kreuzunterstützung zwischen 6.407 und 6.450 Punkten, die unter anderem das Juli-Hoch und die März-Aufwärtstrendlinie einschließt, ist bereits angegangen worden. Doch die Bullen werden bislang nicht aktiv, obwohl ein solcher Test eine ideale Basis wäre, um dem Trend neue Dynamik zu verleihen. Wir sehen auch, dass der Index in den vergangenen Tagen einfach nicht an der 20-Tage-Linie vorbeikommt. Das deutet auf aktives Verkaufen an dieser Linie und damit auf erste, gezielt agierende Bären hin. Wo liegt das Problem?
Es fehlt im Moment an neuen Zugpferden. Viele Aktien, die den europäischen Leitindex in der ersten Jahreshälfte entscheidend nach oben getragen haben, laufen aktuell eher abwärts, beispielhaft seien da Air Liquide, die ASML Holding, die Pariser Großbank BNP, Infineon oder Total Energies genannt. Natürlich finden sich unter den 50 hier gelisteten Aktien auch welche mit intakten, kurzfristigen Aufwärtstrends. Aber sie reichen derzeit nicht aus, um den gesamten Index wieder in Schwung zu bringen.
Hinzu kommt natürlich das problematische Umfeld. Zu hohe Inflation, zu hohe Anleihe-Renditen, eine magere Konsumneigung und schwache Unternehmensinvestitionen, dazu der Nonstop-Unsicherheitsfaktor USA. All das ließe sich zwar in den Hintergrund drängen, wenn der Euro Stoxx 50 dynamisch nach oben läuft, denn an der Börse greift sehr oft die Faustregel „Trend schlägt Fakten“. Aber noch ist das eben nicht der Fall. Wo liegen die charttechnischen Ankerpunkte, die man jetzt im Auge behalten müsste?
Auf der Oberseite wäre der Index bereits dann aus dem Gröbsten heraus, wenn er mit Schlusskursen klar über 6.500 Punkten die derzeit einen „Deckel“ bildende 20-Tage-Linie unter sich lassen würde. Was eigentlich ein Katzensprung wäre, es aber nicht ist, solange sich die Käufer derart rarmachen.
Auf der Unterseite würde es zu einem kurzfristig bärischen Signal kommen, wenn der Euro Stoxx 50 unter 6.400 Zählern schließen sollte. Das nächste Kursziel aus charttechnischer Sicht wäre dann das Februar-Hoch bei 6.200 Punkten. Will man das verhindern, sollte man aber zeitnah aktiv werden, denn je länger ein Aufwärts-Ruck ausbleibt, desto mehr Trader dürften sich finden, die dann sicherheitshalber Positionen abbauen und damit dem bärischen Lager ungewollt in die Karten spielen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 31.08.2026 um 20:45 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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