Wenn man sich ansieht, wie deutlich der Dow Jones auf den „Zoll-Schock“ im Frühjahr 2025 reagierte oder wie erheblich die Verluste im Jahr 2022 als Reaktion auf starke Inflation und höhere Leitzinsen ausfielen, wirkt er aktuell verblüffend stabil. Aber ist das automatisch gut?

„Good News“ finden sich dieser Tage für die Wall Street-Bullen eher selten. Gerade erst gestern überraschten die US-Erzeugerpreise des Februars unangenehm. Die Veränderung zum Vormonat fiel weit höher aus als gedacht. Und mit einer Jahresveränderung von 3,4 Prozent in der Gesamt- und von 3,9 Prozent in der Kernrate kommt man um den Eindruck, dass die Inflation wieder ein akutes Thema wird, nicht herum. Vor allem, weil die deutlich gestiegenen Energiepreise für die Februar-Daten noch gar keine Rolle spielen konnten, deren Anstieg begann ja erst Anfang März.
Und auch die US-Notenbank hilft derzeit nicht, wobei der Umstand, dass die „Fed“ gestern den Leitzins nicht senkte, nicht unerwartet kam und auch nicht das Problem ist. Das Problem ist die Lage an sich. Zwar präsentierten sich die aktualisierten Prognosen zu Wachstum (Prognose +2,4 Prozent für 2026 nach +2,3 Prozent in der Prognose vom Dezember), Inflation (für 2026 +2,7 nach zuvor +2,4 Prozent) und Arbeitslosenrate (4,4 Prozent, zum Dezember unverändert) nicht unbedingt negativ. Aber die Projektion des Leitzinses für Ende 2026 blieb bei 3,1 Prozent, was weiterhin nur eine kleine Senkung um ein Viertelprozent avisiert. Und das ist in Sachen Wachstum unerfreulich … und damit letzten Endes auch für den Aktienmarkt ein Klotz am Bein.
Denn der schwächer werdende Arbeitsmarkt und ein im vierten Quartal viel geringer als gedacht ausgefallenes Wachstum der Wirtschaft könnten niedrigere Zinsen durchaus gut gebrauchen. Aber das geht eben nicht so einfach, weil man andererseits eine zu hohe Inflation mit Potenzial auf noch höhere Levels hat. Eine Zwickmühle, die man beim Dow Jones nicht wirklich sehen kann, denn was der bislang zeigt, ist nur eine relativ normal wirkende Korrektur. Ein gutes Omen?

Expertenmeinung: Nein, ein Risikofaktor. Denn wenn sehr viele Marktteilnehmer so tun, als wäre nichts, deutet das an, dass sie darauf hoffen, dass sich die Negativ-Faktoren, die derzeit auf den Markt einwirken, schnell in Wohlgefallen auflösen. Wenn es wirklich so kommen sollte, könnte das die Bullen noch bestärken und erhebliche, neue Käufe auslösen, die durchaus imstande sein könnten, das bisherige Rekordhoch, im Februar bei 50.513 Punkten markiert, zu überwinden. Aber dieses „wenn“ sollte man besser dick rot unterstreichen, denn:
Bislang zeichnet sich das ja nicht ab. Im Gegenteil könnte einen der Eindruck beschleichen, dass man im Weißen Haus beginnt, sich fürchterlich zu verzetteln, indem man immer neue Dinge beginnt, ohne sie zu Ende zu führen. Diese Konzeptionslosigkeit führt zu fehlender Planungssicherheit …für Im- und Exporteure, Hersteller und Privathaushalte gleichermaßen. Und das ist, mit diesen bislang weiter steigenden, Lieferketten gefährdenden und inflationstreibenden Energiepreisen kombiniert, ein absolut toxischer Cocktail.
Damit müsste man konstatieren: Diese scheinbare Gelassenheit am Aktienmarkt ist eine auf Abruf. Ob und wann den ersten die Nerven durchgehen und sie sich sagen: „Wer als erster aussteigt, bekommt noch die besten Preise“, kann niemand absehen, schließlich bewegen wir uns da auf dem spiegelglatten Parkett der Emotionen. Aber die Zeit läuft und die Chance, dass bullische Fakten die derzeit kritische Gemengelage ablösen, ist überschaubar.
Hinzu kommt, dass bei diesem so geordnet wirkenden Rückzug des Dow Jones auffällig ist, dass sich zwar der Abgabedruck bislang eher im Rahmen hält, die Käufer aber auffallend unsichtbar sind. Seit dem Rekordhoch gab es nur zwei kurze Gegenangriffe der Bullen. Und beide wurden humorlos abverkauft. Damit hängen wir, so „friedlich“ sich das Bild derzeit noch präsentiert, mit einem Bein über einem Abgrund.
Am gestrigen Mittwoch fiel die wichtige 200-Tage-Linie. Und das ohne Gegenwehr. Nicht gut. Wirklich wichtig ist zwar erst die breite Supportzone zwischen 45.000 und 45.700 Punkten. Erst, wenn das US-Index-Flaggschiff dort durchrutscht, brennt auch auf mittelfristiger Ebene der Baum. Doch so wirklich weit entfernt ist diese Zone nicht mehr, daher: Vorsicht, diese relative Stabilität muss zwar nicht, könnte aber jederzeit zu Staub zerfallen!
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 18.03.2026 um 21:16 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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