Eigentlich läuft es derzeit ja gut für den Biokraftstoffe-Hersteller VERBIO. Aber die Aktie reflektiert das nicht. Seit das Unternehmen seine Prognose für den operativen Gewinn Ende Mai angehoben hatte, ist der Kurs sogar gefallen. Das Problem: Ein ständiges „Ja, aber“.
Ende Mai hatte VERBIO seinen Ausblick für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zum zweiten Mal im mittlerweile am 30. Juni beendeten Geschäftsjahr angehoben. Die Analysten korrigierten ihre Prognosen daraufhin entsprechend der jetzt aufgerufenen 160 bis 180 Millionen nach oben, ansonsten tat sich wenig. Am Tag der Prognose-Anhebung schloss die Aktie nach volatilem Auf und Ab sogar leicht im Minus. Danach gab es zwar ein zaghaftes Aufbäumen, aber Sie sehen im Chart: Das führte zu nichts.

Der Kurs lief an das obere Ende der seit April bestehenden Seitwärtsrange, wurde dort abgewiesen und rutschte danach aus dieser Handelsspanne nach unten hinaus, wodurch auch noch die mittelfristige Aufwärtstrendlinie gebrochen wurde. Was indes nicht zu einem weitreichenden Abverkauf führte:
VERBIO fing sich schnell wieder und läuft aktuell erneut seitwärts, mit der unteren Begrenzungszone der vorherigen Handelsspanne zwischen 32,92 und 35,36 Euro als Widerstand und der durch die 200-Tage-Linie verstärkten Zone 26,22/27,30 Euro als Unterstützung. Langweilig? Derzeit ja, aber das muss nicht so bleiben.
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Expertenmeinung: Das Problem, das die Anleger mit dieser Aktie haben, ist die so gut wie gar nicht vorhersagbare Entwicklung von Umsatz und Marge. VERBIO mag durchaus mehr produzieren können, die Frage ist nur, wer ihnen die Biokraftstoffe dann zu welchen Preisen abnimmt.
Als Ende Februar der Iran-Krieg begann, beschleunigte sich der vorbestehende Aufwärtstrend deutlich, weil man davon ausging, dass massiv höhere Ölpreise und ein verknapptes Angebot schnell zu einer deutlich höheren Nachfrage an Biokraftstoffen führen würde, was laut VERBIO auch durchaus der Fall war. Doch diese letzte Phase des Kursanstiegs war zeitweise, Ende Juni, nahezu komplett zurückgenommen worden, bevor sich der Kurs wieder nach oben orientierte, ohne dabei Dynamik zu entwickeln.
Der Grund dafür liegt in der offenen, weder von VERBIO noch den Anlegern oder den Analysten beantwortbaren Frage, wie sich die Versorgung und das Preisbild bei Rohöl und Gas weiter entwickeln werden. Zugleich weiß niemand, wie sich die Förderungen für Biokraftstoffe entwickeln und ob es gelingt, Importe, die als „Bio“ vor allem aus Asien kommen, es aber offenbar meist nicht sind, effektiv in die Schranken zu weisen. Kurz:
Bei VERBIO tastet man sich in Sachen Perspektive durch dichten Nebel. Das macht die Sache schwieriger, aber auch spannend. Aber wie ließe es sich bei Sichtweite null sinnvoll „navigieren“?
Indem man sich innerhalb dieses aktuellen Seitwärtstrends konsequent zurückhält und dann in Ausbruchsrichtung agiert, wenn ein solcher Ausbruch auch einen glaubwürdigen Hintergrund in der Nachrichtenlage hat. Eine Eskalation in Nahost, verbunden mit einer erneuten Ölpreis-Rallye, dürften viele derzeit eher nicht erwarten, sonst wäre VERBIO weiter im Aufwärtstrend geblieben. Eine solche Entwicklung könnte also nicht nur den Ölpreis, sondern auch diese Aktie über die Widerstandszone 32,92 bis 35,36 Euro nach oben in Marsch setzen.
Im Gegenzug wäre es keine Überraschung, wenn die Bullen VERBIO fallen lassen und sich der Kurs mit einem Bruch der Supportzone 26,22/27,30 Euro nach unten verabschiedet, wenn sich die Lage in Bezug auf die Ölversorgung glaubwürdig stabilisiert.
In beiden Fällen hätte die Aktie das Potenzial zu einem durchaus ansehnlichen Trendimpuls. Aber solange weder Kurs noch Nachrichtenlage ein „Go“ liefern, sollte man sich hier besser noch bedeckt halten!
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.07.2026 um 22:21 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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