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Zu Wochenbeginn führte der Wafer-Hersteller Siltronic eine Kapitalerhöhung durch, die zehn Prozent des Grundkapitals ausmachte. Diese überraschende Maßnahme hat zweifellos einen positiven Aspekt … nur gibt es auch einen, den man als Warnsignal verstehen könnte.
Oft werden Kapitalerhöhungen vorgenommen, weil das betreffende Unternehmen dringend Geld braucht. Das geht dann mit einer schwierigen Lage einher, die den Aktienkurs normalerweise bereits erfasst hat, so dass man die neuen Aktien für eher wenig Geld ausgeben muss – aber Hauptsache, es kommt Geld in die Kasse. Bei Siltronic sieht das aber anders aus. Zumindest, falls es nicht irgendwelche, bislang nicht allgemein bekannten Probleme geben sollte, war diese Ausgabe von drei Millionen neuer Aktien nicht zwingend.
Dass man davon wenig bis gar nicht mitbekommen hat, lag daran, dass Siltronic diese Ausgabe neuer Aktien im sogenannten „beschleunigten Bookbuilding-Verfahren“ vorgenommen hat, bei der Privatanleger nicht berücksichtigt werden, sondern nur Großinvestoren. Die bekamen dann einen schönen „Mengenrabatt“, denn die neuen Aktien wurden zu 91 Euro das Stück verkauft. Der Schlusskurs des Vortags, sprich des Montags, hatte im Xetra-Handel bei 97,70 Euro gelegen.
Bemerkenswert war, dass sich dieser Abschlag kaum im Kurs des Dienstags niederschlug. Der Kurs lag die ganze Zeit über diesen 91 Euro und hatte kurzzeitig sogar den Vortagsschluss übertroffen. Zwar blieb unter dem Strich dann trotzdem ein Minus. Aber die Aktie schloss klar über 91 Euro … und das, obwohl sich der Gewinn pro Aktie jetzt auf 10 Prozent mehr Aktien aufteilt. Es wirkt, als würde man seitens der gestrigen Käufer den Daumen heben und sich sagen: Das ist eine gute Sache, denn so hat Siltronic mehr Geld unmittelbar bei der Hand, wenn es um kommende Investitionen geht. So kann man das sehen. Doch die Sache hat auch eine andere Seite:
Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Siltronic Aktie finden Sie hier.
Expertenmeinung: Wenn man kein Geld über die Ausgabe neuer Aktien beschaffen muss und es trotzdem tut, wann würde man das tun? Ein Beispiel: Angenommen, Sie haben eine ganze Garage voller Oldtimer, aber trotzdem reichlich Bares auf dem Konto: Wann würden Sie trotzdem eines dieser Fahrzeuge verkaufen? Wenn sie keiner haben will … oder dann, wenn Sie davon ausgehen, einen hervorragenden Preis zu erhalten, den Sie vielleicht so nicht wiedersehen werden? Eben.
Hinzu kommt ja, dass es gerade einmal drei Wochen her ist, dass Wacker Chemie als „Mutter“ von Siltronic seinen Anteil am Unternehmen um sieben Prozent des Grundkapitals reduzierte, indem man dort ebenfalls reichlich Aktien, konkret waren das 2,1 Millionen, verkaufte – die gingen am 26.5. ebenfalls mit „Rabatt“ zu 89,35 Euro weg. Auch da kommt einem der Gedanke, dass diejenigen, die es wissen dürften, den aktuellen Börsenkurs als perfekte Chance sahen, Kasse zu machen.
Ist es in dieser Situation dann weise einzusteigen, wo die bisherigen Anteilseigner aussteigen? Die Antwort kann man sich leicht selbst geben. Hinzu kommt, dass die Analysten die Meinung, dass man da zu perfekt hohen Kursen Aktien ausgegeben hat, teilen dürften. Denn von zehn die Aktie einstufenden Experten sehen sie gerade einmal zwei als „Kauf“. Und das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt mit 74 Euro weit unter dem aktuellen Kurs.
Dass Siltronic die Chance hat und sie auch nutzen will, sich vom durch KI losgetretenen Halbleiter-Boom ein Stück des Kuchens zu sichern, ist schon richtig. Aber das wissen die Analysten auch … und sehen die Aktie trotzdem mehrheitlich niedriger, zumal: Derzeit operiert Siltronic auf Nettobasis in den roten Zahlen, hier wird also seitens der Trader gerade eine sehr optimistisch gesehene Zukunft gekauft … während die Unternehmenmutter und das Unternehmen selbst Aktien an Großinvestoren verkaufen.
Achten Sie auf die jüngsten beiden Zwischentiefs bei 83,30 und 84,75 Euro: Würden die unterboten, wird es charttechnisch ungemütlich, das kann auf eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation hinauslaufen. Da sollte man wirklich ein Auge drauf haben. Denn in Bezug auf eine negative Reaktion auf die Schattenseite dieser Aktienverkäufe sollte man besser den Spruch im Hinterkopf haben: Was nicht ist, könnte allemal noch werden.

Quellenangaben: Analysten-Kursziele: https://finance.yahoo.com/quote/WAF.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 16.06.2026 um 20:50 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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