Vom Börsenliebling zum KI-Verlierer. Steckt SAP wirklich in der Krise? Was sagen die Zahlen und wie sieht die Prognose aus?
Vom Börsenstar zum Sorgenkind
SAP hat einen in der Firmengeschichte nahezu beispiellosen Kurssturz hinter sich. Innerhalb kürzester Zeit ist der Kurs von über 280 auf 140 Euro kollabiert.
Gerade wurde die Aktie noch gefeiert, da die Umstellung auf die Cloud erfolgreich gemeistert und der Cashflow stark gestiegen war. Doch plötzlich drehte das Sentiment und SAP wurde als KI-Verlierer abgestempelt.
Ob das wirklich der Realität entspricht, wird wohl erst die Zukunft sicher zeigen. Doch es gibt eine ganze Reihe von Argumenten, die dagegen sprechen.
SAP sitzt auf den Kerndaten von Unternehmen wie Finanzen, Lieferketten, HR, Produktion. KI braucht Daten. Wer die Daten hat und versteht, hat einen deutlichen Vorteil gegenüber KI-Wettbewerbern, die auf diese Unternehmensdaten keinen Zugriff haben.
Darüber hinaus sind die Wechselkosten außerordentlich hoch. SAP-Migrationen können Jahre dauern und Unsummen verschlingen. Selbst wenn ein KI-Konkurrent theoretisch bessere Lösungen bietet, werden Unternehmen nicht einfach wechseln.
KI-Debatte: Bedrohung oder Chance?
Ein weiterer Punkt sind Regulierung und Compliance. Gerade in Deutschland und Europa müssen ERP-Systeme strenge Compliance-Anforderungen erfüllen (GoBD, DSGVO, Steuerrecht etc.). Das macht es für neue KI-Anbieter sehr schwer, SAP einfach zu ersetzen.
Auf Kundenseite steht man immer vor der Frage, ob bei einem möglichen Wechsel alle Vorschriften erfüllt werden.
Mit Joule (dem eigenen KI-Copiloten) und der Integration von Partnern wie Microsoft/OpenAI baut SAP KI direkt in seine Produkte ein. KI agiert, egal ob die eigene oder von Wettbewerbern, also vor allem auf der Basis von SAP-Produkten und nicht als Ersatz.
Neue KI-Features wie automatisierte Buchhaltungsprozesse, prädiktive Lieferkette oder autonome Einkaufsentscheidungen kann SAP als Premium-Module verkaufen. Daher könnte man ebenso gut argumentieren, dass SAP ein KI-Gewinner sein wird, da sich dadurch Upselling-Chancen ergeben.
Die Bärenseite wird ebenfalls ihre Argumente haben. Bisher schlagen sich die Theorien zum Untergang von SAP jedoch nicht in den Zahlen nieder. Das haben die heutigen Quartalszahlen erneut belegt.
Auftragsbestand steigt
Der Umsatz konnte um 6 % auf 9,56 Mrd. Euro gesteigert werden. Ohne negative Währungseffekte hätte das Plus bei 12 % gelegen.
Gleichzeitig hat sich die operative Marge von 27,2 auf 30,0 % erheblich verbessert, was zu einem Anstieg des Betriebsergebnisses um 17 % auf 2,87 Mrd. Euro geführt hat. Ohne negative Währungseffekte wäre der Gewinn sogar um 24 % gestiegen.
Das Nachsteuerergebnis kletterte um 19 % auf 2,00 Mrd. Euro und der Gewinn je Aktie um 20 % auf 1,72 Euro je Aktie.
Die wichtigste Neuigkeit dürfte aber sein, dass der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft („current cloud backlog“) um 25 % auf 21,9 Mrd. Euro gestiegen ist.
Dabei handelt es sich um den aus Cloudverträgen in den nächsten 12 Monaten zu erwartenden Umsatz. Das gibt dem Unternehmen und Investoren eine hohe Sichtbarkeit und Planbarkeit.
Erstaunlicherweise wurde die Prognose nach den überraschend starken Quartalszahlen und dem hohen Auftragsstand nur bestätigt. Das scheint derzeit bei den meisten Unternehmen die Herangehensweise zu sein.
Selbst wenn die Erwartungen deutlich übertroffen wurden, hält man sich zurück – vermutlich aufgrund der geopolitischen Lage und der schwer vorhersehbaren makroökonomischen Bedingungen.
Ausblick und Bewertung
Der Ausblick von SAP kann sich dennoch sehen lassen. Die Cloud- und Softwareerlöse sollen im laufenden Geschäftsjahr um 12 – 13 % auf 36,3 – 36,8 Mrd. Euro steigen.
Das Cloudgeschäft soll ein währungsbereinigtes Wachstum zwischen 23 und 25 % und einen Umsatz von 25,8 – 26,2 Mrd. Euro erzielen.
Das Betriebsergebnis soll um 14 – 18 % auf 11,9 – 12,3 Mrd. Euro steigen und der freie Cashflow um 21 % auf 10 Mrd. Euro klettern.
Den Konsensschätzungen zufolge wird das Ergebnis um 14 % auf 6,98 Euro je Aktie steigen und ein neues Rekordniveau erreichen.
SAP kommt demnach auf ein KGVe von 21,3. In der Vergangenheit lag das KGV meist bei mehr als 30.
Auf FCF-Basis liegt der Multiplikator aktuell bei 17 und im langjährigen Durchschnitt bei 31.

Gelingt jetzt eine nachhaltige Rückkehr über 149 Euro, entspannt sich die Lage aus charttechnischer Sicht und es wäre eine Erholung in Richtung 160 oder 165 Euro denkbar.
Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal.
Fällt die Aktie jedoch unter 137 Euro, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.
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