Kursrückgang trotz Rekordergebnis: Gibt es dieses außergewöhnliche Geschäftsmodell jetzt zum Schnäppchenpreis?
Das Geschäftsmodell lebt von den Fehlern anderer
Ollie’s Bargain Outlet ist kein gewöhnlicher Discounter. Während Händler wie Walmart oder Target ihre Regale mit planbaren Sortimenten füllen, sucht Ollie’s gezielt nach Ausnahmesituationen. Das Unternehmen kauft Restposten, Überproduktionen, Verpackungsänderungen, Lagerüberhänge und Waren aus Insolvenzen großer Markenhersteller auf und verkauft sie mit hohen Rabatten weiter.
Dieses Geschäftsmodell macht das Unternehmen ungewöhnlich widerstandsfähig. Je mehr Hersteller zu viel produzieren oder Händler in Schwierigkeiten geraten, desto größer wird das Angebot attraktiver Waren. Wirtschaftlich schwierige Zeiten können sich für Ollie’s daher sogar als Vorteil erweisen, weil das Unternehmen dann besonders günstig einkaufen kann.
Hinzu kommt ein Einkaufserlebnis, das sich deutlich von klassischen Einzelhändlern unterscheidet. Das Sortiment wechselt ständig und viele Artikel sind nur einmal verfügbar. Kunden wissen nie genau, welche Schnäppchen sie beim nächsten Besuch erwarten. Dieses sogenannte Treasure-Hunt-Konzept sorgt dafür, dass viele Käufer regelmäßig in die Filialen zurückkehren und spontan einkaufen.
Der Burggraben entsteht beim Einkauf
Ein weiterer Wettbewerbsvorteil liegt auf der Einkaufsseite. Zahlreiche Händler konkurrieren über niedrige Preise, doch nur wenige verfügen über ein ähnlich enges Netzwerk zu Herstellern und Liquidatoren.
Große Marken verkaufen überschüssige Waren bevorzugt an Partner, die komplette Lagerbestände abnehmen können. Dazu sind die meisten potenziellen Kunden im Gegensatz zu Ollie’s nicht in der Lage.
Diese über Jahre aufgebauten Beziehungen und die Größe von Ollie’s sind kaum zu kopieren und bilden einen Teil des Burggrabens.
Wie wertvoll dieses Netzwerk sein kann, zeigte zuletzt die Insolvenz von Big Lots. Ollie’s konnte nicht nur attraktive Restbestände erwerben, sondern auch zahlreiche ehemalige Filialstandorte übernehmen. Dadurch beschleunigt sich sowohl die Expansion als auch die Versorgung mit günstiger Ware – eine Kombination, die nur wenigen Wettbewerbern offensteht.
Dabei steckt das Unternehmen trotz jahrelangen Wachstums noch immer in einer frühen Expansionsphase. Ende des ersten Quartals 2026 betrieb Ollie’s 672 Filialen in 35 Bundesstaaten. Das Management sieht langfristig Potenzial für mehr als 1.300 Standorte in den USA. Damit dürfte erst etwa die Hälfte des möglichen Filialnetzes erschlossen sein.
Auch die Wirtschaftlichkeit neuer Standorte überzeugt. Ollie’s eröffnet überwiegend einfache Lagerhallen statt teurer Einkaufszentren, benötigt vergleichsweise wenig Personal und verzichtet auf kostspielige Ladeneinrichtungen. Gleichzeitig sorgt der schnelle Warenumschlag für eine effiziente Kapitalnutzung. Das Ergebnis sind hohe Kapitalrenditen und ein stetiger Cashflow.
Operativ läuft das Geschäft weiter auf Hochtouren
Seit dem Börsengang im Jahr 2015 hat das Unternehmen eine beeindruckende Expansion vollzogen.
Der Umsatz hat sich von 638 Mio. auf 2,65 Mrd. USD mehr als vervierfacht. Gleichzeitig hat sich die Profitabilität verbessert und seit einigen Jahren ist auch die Zahl der ausstehenden Aktien rückläufig.
Das Ergebnis ist in dieser Zeit von 0,55 auf 3,86 USD je Aktie gestiegen.
Ollie’s ist es gelungen, die Expansion aus dem laufenden Cashflow zu finanzieren. Größere Kapitalerhöhungen hat es nicht gegeben, nennenswerte Schulden hat man nicht.
Das war und ist nur möglich, da sich neue Stores vergleichsweise schnell wieder amortisieren. Wenn Sie die Bildersuche im Internet bemühen, wird schnell klar, warum das so ist.
Die Läden sind „minimalistisch“ eingerichtet und geradezu mit Ware vollgestopft. Die Kunden scheint das nicht zu stören, der Erfolg spricht für sich.
All diese Faktoren haben dazu geführt, dass sich die Aktie seit dem Börsengang vervielfacht hat.
Umso überraschender wirkt der starke Kursrückgang der Aktie in den letzten Monaten. Als Gründe dafür werden ein schwacher Ausblick und eine enttäuschende Entwicklung bei den Same Store Sales genannt. Darüber hinaus war die Bewertung vor dem Absturz mit einer P/E von etwa 37 ambitioniert.
Warum die Börse plötzlich kalte Füße bekommen hat
All diese Argumente sind valide. In Wirklichkeit scheint der Abverkauf aber vor allem technisch getrieben zu sein.
Sinkende Kurse drücken auf das Sentiment und jede gerissene Unterstützung führt zu einem sich selbst verstärkenden Abwärtstrend. Hinzu kommen Downgrades, die den Druck zusätzlich verstärken.
Die UBS hat das Kursziel für Ollie‘s nach den letzten Quartalszahlen von 125 auf 87 USD gesenkt, obwohl die Gewinnerwartungen übertroffen wurden.
Der Gewinn lag in Q1 mit 0,91 USD je Aktie über den Prognosen von 0,86 USD. Mit einem Umsatz von 659 Mio. USD wurden die Analystenschätzungen von 665 Mio. USD jedoch knapp verfehlt.
Man kann gerne bemängeln, dass der Umsatz hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, das ändert aber nichts daran, dass der Umsatz auf Jahressicht um 14 % gesteigert werden konnte.
Die Konsensschätzungen sind jedoch nur Erwartungen und nicht mit der wirtschaftlichen Realität gleichzusetzen. Steigende Umsätze sind jedoch wirtschaftliche Realität.
Dasselbe gilt für den Gewinn, der auf Jahressicht um 21 % gestiegen ist.
Unterdessen setzt sich die Expansion von Ollie’s weiter fort. Im letzten Quartal wurden 27 neue Niederlassungen eröffnet, wodurch das Filialnetz auf 672 Standorte in 35 US-Bundesstaaten erweitert wurde.
Im laufenden Geschäftsjahr sollen 75 neue Niederlassungen entstehen.
Darüber hinaus wurde die Umsatzprognose von 2,98 – 3,00 auf 2,99 – 3,01 Mrd. USD und die Gewinnerwartung von 4,40 – 4,50 auf 4,45 – 4,55 USD je Aktie leicht erhöht.
Die geplanten Aktienrückkäufe wurden von 100 auf 125 Mio. USD aufgestockt.
Das Ergebnis dürfte im laufenden Geschäftsjahr also um etwa 17 % zulegen und ein neues Rekordniveau erreichen.
Durch den Kurssturz der letzten Monate ist die forward P/E auf 14,7 gesunken – das ist der niedrigste Wert seit dem Börsengang vor mehr als zehn Jahren. Ollie’s war selbst am Crash-Tief von 2020 höher bewertet als derzeit.

Ollie’s ist zum mehrjährigen Aufwärtstrend zurückgekehrt und im ersten Anlauf daran abgeprallt.
Gelingt jetzt ein Anstieg über 70 USD, kommt es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 80 und 84 – 87 USD.
Fällt die Aktie jedoch unter den Aufwärtstrend, muss mit weiteren Kursverlusten gerechnet werden.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 22.07.2026 um 10:42 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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