Beim DAX wurde nach schwachem Start am Donnerstag an diesem Tag sowie am Freitag kräftig zugegriffen. Dabei fiel auf, dass Aktien, die zuletzt kaum beachtet wurden, besonders stark liefen, u. a. die Münchener Rück, die dadurch ein bullisches Chartsignal generierte.
Kehren die zuletzt im Schatten des „KI-Hypes“ stehenden Aktien wieder zurück in den Fokus der Anleger? Stellt man fest, dass „konservativ“ in Bezug auf die Branche des jeweiligen Unternehmens womöglich doch nicht dasselbe ist wie „langweilig“? Es wäre nicht das erste Mal in der Börsengeschichte, dass ein zu heiß gelaufener Hype viele Anleger dazu bringt, doch wieder stärker in Bereiche zu investieren, in denen moderate Bewertungen und solide Dividenden positive Fakten liefern. Und die Aktie der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft würde in dieses Schema passen.
Das Kurs-/Gewinn-Verhältnis liegt derzeit bei 10,5, das ist im historischen Vergleich eher günstig. Hinzu kommt, dass der Konzern sukzessive mehr Gewinn erzielt. Aktuell schätzt man für 2026 ein Gewinnplus von etwa zehn Prozent. Mittelfristig rechnen die Analysten mit einem moderaten weiteren Zuwachs. Die Dividendenrendite liegt zudem klar über dem Durchschnitt. Für 2025 zahlte das Unternehmen 24 Euro aus – das ist auch bei weiter steigenden Kursen attraktiv, zumal die Experten mit einer leichten Steigerung der Ausschüttung für das laufende Geschäftsjahr rechnen.
Da kommt der Gedanke auf, dass der charttechnische Befreiungsschlag, der am Donnerstag erfolgte und am Freitag bestätigt werden konnte, womöglich nur der Beginn eines größeren Aufwärtsimpulses sein könnte. Aber ob die Aktie zu einer Art Selbstläufer wird, ist zumindest fraglich, denn es gibt durchaus auch Aspekte, die den Weg nach oben recht steinig gestalten könnten.
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Expertenmeinung: So fällt auf, dass die Analysten trotz der aktuell recht niedrigen Bewertung der Aktie eher skeptisch sind. Von den 17 die Münchener Rück-Aktie aktuell einstufenden Experten sehen nur fünf die Aktie als kaufenswert an, drei werten sogar mit „Untergewichten“ oder „Verkaufen“. Entsprechend mager fällt das durchschnittliche Kursziel aus: Das liegt momentan bei 546 Euro … und wäre jetzt bereits erreicht. Woher rührt diese Zurückhaltung?
Als Rückversicherer unterliegt der Konzern einem hohen Maß an Ungewissheit: Großschadensereignisse können die Gewinnperspektive erheblich negativ beeinflussen. Der derzeitige El-Niño-Effekt lässt Experten aktuell vermutlich vorsichtig werden. Hinzu kommt, dass das angelegte Kapital des Konzerns durch die stark fallenden Anleihekurse unter Druck geraten könnte. Mehr erfährt man hier, wenn die Münchener Rück am 12. November die Bilanz des dritten Quartals vorlegt. Aber diese bisherige Vorsicht, die durch einen charttechnischen Befreiungsschlag erst einmal in den Hintergrund gedrängt scheint, gilt für das rein charttechnische Bild weiterhin, denn:
Hier wäre der Spruch „nach der Charthürde ist vor der Charthürde“ durchaus passend. Denn Sie sehen im Chart, dass sich die Aktie zwar jetzt aus der seit Beginn des zweiten Halbjahres geltenden Seitwärts-Spanne nach oben hinaus absetzen konnte, dadurch aber bereits nahe an die nächste, noch markantere Widerstandszone zwischen 566,00 und 575,60 Euro herangelaufen ist, die zwischen Herbst 2025 und Frühjahr 2026 als „Deckel“ fungierte. Erst wenn auch dieser Widerstandsbereich bezwungen wäre, könnte man sich an einen Anlauf an das im April 2025 bei 615,80 Euro erzielte bisherige Rekordhoch machen.

Fazit: Kurzfristig ist die Münchener Rück-Aktie wieder in den Kreis bullischer DAX-Titel zurückgekehrt, aber die eher skeptischen Experten und die bereits nahe, nächste Widerstandszone erfordern ein vorsichtiges Vorgehen. Long-Trades mit einem Stoppkurs knapp unterhalb der jetzt bezwungenen Widerstandszone 528,20/531,80 Euro abzusichern, wäre auf jeden Fall zu überlegen.
Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/MUV2.DE/analyst-insights/
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