An der Börse passieren immer wieder seltsame Dinge, doch die aktuelle Phase hat eine andere Dimension. Kommt es jetzt bei Moody’s zu einem Reversal?
Der Irrsinn regiert
Dass an der Börse die verrücktesten Dinge passieren, ist nichts Neues. Was jedoch derzeit vor sich geht, hat eine ganz neue Dimension.
Die Häufigkeit vollständig sinnbefreiter Kursbewegungen war wohl nie höher – zumindest nicht in meinen knapp zwei Dekaden an der Börse.
Aktien brechen plötzlich und ohne ersichtlichen Grund ein und umgekehrt. Moody’s ist sicherlich kein extremes Beispiel, die Vorgänge sind jedoch bezeichnend.
Die Aktie tendierte über Monate hinweg unter geringer Volatilität seitwärts. Die letzten Quartalszahlen wurden im Oktober veröffentlicht, bedeutende Neuigkeiten gab es seitdem nicht mehr.
Daher war die Seitwärtsbewegung gut nachvollziehbar, vor allem mit Blick auf die großen Indizes. Der S&P500 notiert heute noch auf demselben Niveau wie im Oktober des vergangenen Jahres und hat sich zwischenzeitlich kaum bewegt. Teilweise stand der Index wochenlang faktisch still.
Daher scheinen sich Trader blindlinks auf jede Aktie zu stürzen, die sich bewegt. Hauptsache, man kann einen beliebigen Trend spielen. Die Richtung scheint dabei vollkommen egal zu sein.
The trend is your friend
So war es auch bei Moody’s der Fall. Mitte Januar bröckelten langsam die Kurse und Anfang Februar ging die Aktie dann zeitweise in den freien Fall über. Innerhalb von kürzester Zeit sackte der Kurs von 546 auf 402 USD ab.
Fünfundzwanzig Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf.
Natürlich findet man dafür Gründe, wenn man sie sucht. Die Konkurrenz hat schlechte Zahlen vorgelegt oder einen enttäuschenden Ausblick. Und außerdem gibt’s ja auch noch KI. Damit hat man immer ein Argument für alles.
Und natürlich dürfen die Banken und Researchhäuser auch nicht fehlen. Von Moody’s gab es zwar keinerlei Neuigkeiten oder gar Quartalszahlen, aber wenn S&P ein schwaches Quartal hat und der Kurs von Moody’s ohnehin schon gesunken ist, dann schiebt man selbstverständlich auch ein Downgrade hinterher.
Blöd nur, wenn dann Moody’s um die Ecke kommt und die Prognosen deutlich übertrifft.
Überraschung
Wie wir seit einigen Stunden wissen, lag der Gewinn im vierten Quartal mit 3,64 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 3,46 USD. Mit einem Umsatz von 1,90 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 1,88 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 13 % und einem Gewinnsprung um 39 %.
Das wäre jetzt aber eine peinliche Angelegenheit, wenn man Moody’s letzte Woche grundlos abgestuft und das Kursziel von 574 auf 471 USD gesenkt hätte. Zum Glück hat das keiner getan, oder etwa doch?
Das gilt umso mehr, da die Wachstumsdynamik von Moody’s zuletzt zugenommen hat. Denn im gesamten Geschäftsjahr lag das Umsatzwachstum bei 9 %, im dritten Quartal allerdings bei 11 % und im Schlussquartal bei 13 %.
Hätte das Unternehmen wirklich Probleme, müsste das anders aussehen.
Schaut man sich die Sache ein wenig kleinteiliger an, verstärkt sich dieses Bild. Auf den Seiten 3 und 4 des Quartalsberichts (Link) sind die acht einzelnen Segmente des Konzerns im Detail aufgeschlüsselt.
Tatsächlich haben 8 von 8 Konzernbereichen im letzten Geschäftsjahr und auch im Schlussquartal ein Wachstum verzeichnet.
Ausblick und Bewertung
Unter dem Strich konnte Moody’s den Gewinn im Geschäftsjahr 2025 um 20 % auf 14,94 USD je Aktie steigern.
Darüber hinaus blickt das Unternehmen auch optimistisch in die Zukunft. Die Kosten sollen im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen und somit langsamer als der Umsatz, der im hohen einstelligen Prozentbereich zulegen soll.
Im Klartext bedeutet das, dass die Profitabilität steigen wird.
Das Ergebnis soll von 14,94 auf 16,40 – 17,00 USD je Aktie steigen und der freie Cashflow von 2,57 Mrd. USD auf 2,80 – 3,00 Mrd. USD.
Davon sollen wiederum 2,00 Mrd. USD in Aktienrückkäufe gesteckt werden, und der Rest dürfte größtenteils als Dividende ausgeschüttet werden.
Moody’s kommt demnach auf eine forward P/E von 25,3. Das ist in Anbetracht von zweistelligen Wachstumsraten, den hohen Gewinnspannen und der weltweiten Stellung des Unternehmens vertretbar.
Langjährig pendelt die P/E um einen Wert von 28,8. In den letzten fünf Jahren lag die P/E im Durchschnitt bei 34,2.

Die überraschend starken Quartalszahlen und der Ausblick könnten jetzt eine Erholung in Richtung 450 USD einleiten. Klar positive Signale ergeben sich jedoch erst über 450 USD.
Fällt Moody’s jedoch unter 425 USD, müssen erneute Kursverluste in Richtung 400 USD eingeplant werden. Darunter würde sich das Chartbild weiter eintrüben, was Abwärtspotenzial bis 378 oder 368 USD nach sich ziehen könnte.
Geschäftsmodell
Das Geschäft gliedert sich in zwei Kernbereiche: Moody’s Investors Service bewertet die Kreditwürdigkeit von Staaten, Unternehmen und Finanzinstrumenten, während Moody’s Analytics Daten, Software und Modelle liefert, die Finanzakteuren helfen, Risiken zu verstehen und zu steuern.
Die beiden Bereiche gliedern sich wiederum in acht Sparten, die alle auf unterschiedliche Weise mit Analyse, Daten und Risiko zu tun haben.
Dazu gehören neben den klassischen Rating-Services auch Risikomanagement-Software, ökonomische Forschung, regulatorische Lösungen für Banken und Versicherer, Finanzmarktdaten, Training und Beratung.
Darüber hinaus Dienstleistungen zur Portfoliosteuerung sowie Tools zur Bewertung komplexer Finanzprodukte.
Jede Sparte liefert einen Baustein, damit Investoren fundierte Entscheidungen treffen und Risiken effizient managen können.
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