Derzeit ist der Blick nach vorne bei vielen Branchen ungewöhnlich schwierig, das gilt auch für den Verteidigungssektor. Die Frage, auf welchem Niveau eine Aktie wie Hensoldt günstig oder im Gegenzug zu teuer ist, ist schwer zu beantworten. Umso wichtiger wird da die Charttechnik.
Grundsätzlich bietet der Auftragseingang ja einen recht soliden Blick auf das, was da an Wachstum in Sachen Umsatz kommen könnte. Und dieser Blick ist bei Hensoldt grandios: Der Auftragseingang hat sich im ersten Halbjahr mit 2,8 Milliarden Euro zum Vorjahreszeitraum glattweg verdoppelt. Doch einhellige Begeisterung kam bei der Ende Juli vorgelegten Halbjahresbilanz trotzdem nicht auf. Die Aktie sackte erst einmal durch, bevor sie dann zum darauffolgenden Aufwärtsimpuls ansetzte. Wo lag der Haken?
Der Haken lag darin, dass der Umsatz im ersten Halbjahr „nur“ um 23,6 Prozent stieg, der operative Gewinn legte um 28 Prozent zu. Damit wurde deutlich, dass diese Auftragsflut nicht kurzfristig zu explodierenden Unternehmensgewinnen führen kann. Produktionskapazitäten können nicht über Nacht drastisch hochgefahren werden, schon gar nicht in einem hochspezialisierten Hightech-Bereich wie dem, in dem Hensoldt operiert. Und damit stellten sich vermutlich nicht wenige Marktteilnehmer berechtigte Fragen.
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Expertenmeinung: Fragen wie: Was ist mittelfristig an Wachstum bei Hensoldt möglich? Welche Bewertung wäre jetzt angemessen? Wie lange wird der Auftragsboom vorhalten, könnte er auf Jahre hinaus stark bleiben oder wird man in ein, zwei Jahren in eine Art „Auftragsloch“ fallen, wie das bei zyklischen Branchen oft auftritt?
Auf den ersten Blick belegt der Umstand, dass es gelungen ist, die Widerstandszone 82,98 zu 85,35 Euro zu überwinden, die die Aktie bis auf einen kurzen, gescheiterten Ausbruchsversuch im Mai seit Anfang Februar nach oben gedeckelt hatte, dass genug Anleger ihre Zweifel beiseitegeschoben haben, um einen neuen Aufwärtstrend zu starten. Aber dass der Kurs auf den Cent genau am bisherigen Jahreshoch der Aktie, das im Januar bei 96,70 Euro markiert wurde, erst einmal wieder nach unten abdrehte, lässt offen, ob wirklich so viele Marktteilnehmer überzeugt sind, dass bei Hensoldt kurzfristig noch viel Luft nach oben wäre.

Ein Blick auf die Meinungen der Analysten kann da nicht schaden … hilft hier aber nicht weiter. Denn dort sind die Lager, die für „Kaufen“ und „Halten“ plädieren, in etwa gleich groß. Und das durchschnittliche Kursziel bewegt sich mit derzeit 92,60 Euro genau in der jetzt charttechnisch umkämpften Region. Wobei sich die Kursziel-Spanne mit einem niedrigsten Ziel von 62 und dem höchsten bei 105 Euro sehr weit darstellt, was unterstreicht: Der Blick nach vorne ist für alle knifflig … und so etwas endet meist damit, dass man sich entweder eine feste Meinung „zulegt“ und die dann stur beibehält oder sich, was meist die klügere Entscheidung ist, am Chartbild orientiert.
Und da muss jetzt eine Wegweisung erfolgen. Dass die Aktie am Jahreshoch abgedreht hat, muss kein Scheitern der Bullen bedeuten. Zumindest so lange nicht, wie die durch die kurzfristige Aufwärtstrendlinie zur Kreuzunterstützung aufgestiegene, ehemalige Widerstandszone 82,98 zu 85,35 Euro hält.
Gelingt es, den Kurs dort nach oben zu drehen und das letzte Zwischenhoch zu überwinden, würde der laufende Rücksetzer zu einem trendbestätigenden Pullback an den Ausbruchslevel werden und dadurch das bullische Chartbild zementieren. Reißt die Aktie diese Supportzone jedoch, wäre der Anstieg über 82,98/85,35 Euro zur Bullenfalle geworden, was grundsätzlich weiteres Abwärtspotenzial eröffnen würde. Die Sache ist spannend und noch völlig offen: Für aktive Trader sicherlich etwas, was man im Auge behalten sollte!
Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/HAG.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.08.2026 um 21:46 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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