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Börsengänge können immense Chancen eröffnen oder in einem totalen Fiasko enden. Je größer der Hype, desto größer die Gefahr.
An der Börse kommt es immer wieder dazu, dass die am stärksten gehypten Börsengänge in den größten Katastrophen enden.
Ist die Euphorie im Vorfeld groß genug, können enorme Bewertungen aufgerufen werden. Für Anleger wird der Börsengang dann weniger zur Chance als vielmehr zum Risiko.
Wenn der erste Handelstag schon der Höhepunkt ist
Ein prominentes Beispiel ist Snowflake. Das Cloud-Software-Unternehmen feierte im September 2020 einen der spektakulärsten Börsengänge der vergangenen Jahre. Die Nachfrage war enorm, der Ausgabepreis wurde mehrfach angehoben und die Aktie schoss am ersten Handelstag zeitweise um mehr als 100 Prozent in die Höhe.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Börsengang dadurch, dass Berkshire Hathaway unter der Führung von Warren Buffett bereits vor dem Börsendebüt investierte. Ein ungewöhnlicher Schritt für das sonst eher zurückhaltende Investmenthaus.
Das wirkte wie ein Ritterschlag und zog eine Gruppe von Anlegern an, die sonst wohl eher die Finger von gehypten Börsenneulingen lässt – und damit wären sie gut beraten gewesen.
Die erste Euphorie hielt nicht lange an und die Kurse purzelten. Langsam setzte sich die Einsicht durch, dass die Bewertung mit einem KUV von über 100 schlichtweg zu hoch war.
Auf operativer Ebene hat Snowflake seitdem abgeliefert. Der Umsatz hat sich seit dem Börsengang mehr als verzehnfacht. Der freie Cashflow ist seit 2022 positiv und hat sich seitdem mehr als verzehnfacht.
Ein wiederkehrendes Muster
Doch all das hat nicht ausgereicht. Der Kurs liegt heute noch in etwa auf demselben Niveau wie zum Börsengang. Zeitweise hatte er sich mehr als halbiert. Das zeigt, welche Gefahren IPOs bergen können.
Snowflake ist kein Einzelfall. Immer wieder werden Unternehmen in Phasen großer Begeisterung zu Bewertungen an die Börse gebracht, die kaum noch Spielraum für Enttäuschungen lassen. Investmentbanken und Altaktionäre nutzen das positive Marktumfeld, um ihre Anteile zu attraktiven Preisen zu platzieren. Für Privatanleger bedeutet das häufig, dass sie erst dann einsteigen, wenn der größte Teil der Kursfantasie bereits eingepreist ist.
Die Geschichte zeigt deshalb eine einfache Lehre: Je größer der Hype rund um einen Börsengang, desto kritischer sollten Anleger die Bewertung hinterfragen. An der Börse entscheidet langfristig nicht nur die Qualität eines Unternehmens, sondern vor allem der Preis, den Investoren dafür bezahlen.
Jetzt wird es ruppig
Und wer weiß, vielleicht gibt es auch ein aktuelles Beispiel, auf das das zutreffen könnte. Sie wissen sicher schon, über welches Unternehmen ich spreche. Richtig, Cerebras.
Mit seinem Börsengang am 14. Mai 2026 hat sich Cerebras Systems schlagartig in die erste Reihe der KI-Industrie katapultiert. Das Unternehmen sammelte 6,4 Milliarden Dollar ein. Mit einem Börsenwert von 60 Milliarden Dollar war es der bislang größte Tech-IPO des Jahres.
Cerebras Systems steht exemplarisch für eine neue Welle im KI-Hardwaremarkt, in der nicht mehr nur inkrementelle Verbesserungen im Vordergrund stehen, sondern radikale Architekturbrüche. Das Unternehmen entwickelt spezialisierte Hochleistungsrechner für künstliche Intelligenz und verfolgt dabei eine klare Nischenstrategie: maximale Performance in einem eng definierten Anwendungsfeld statt universeller Einsetzbarkeit.
Herzstück der Strategie ist der Wafer-Scale-Engine 3, kurz WSE-3. Der Chip gilt als größter kommerziell verfügbarer KI-Prozessor der Welt. Während klassische GPUs aus mehreren kleineren Chips bestehen, verfolgt Cerebras einen radikal anderen Ansatz: Das Unternehmen nutzt einen kompletten Silizium-Wafer als einzelnen Prozessor.
Cerebras liefert operativ ab
Dadurch entfallen viele Engpässe bei Datenübertragung und Speicherzugriff, die herkömmliche Systeme ausbremsen. Laut Unternehmensangaben ist der WSE-3 bei Inferenzaufgaben bis zu 15-mal schneller als GPU-basierte Lösungen und benötigt gleichzeitig deutlich weniger Energie.

Bisher hat das den Aktionären allerdings wenig geholfen. Cerebras wird seit dem Börsengang konsequent abverkauft und hat bereits die Hälfte an Wert verloren, obwohl das Unternehmen operativ abgeliefert hat.
Im letzten Quartal konnte der Umsatz von 99,5 auf 191,3 Mio. USD verdoppelt werden. Gleichzeitig ist der Verlust von -0,46 auf -0,22 USD je Aktie deutlich gesunken.
Die Entwicklung zeigt eindeutig in die richtige Richtung: Stark steigende Umsätze bei einer gleichzeitigen Verbesserung der Profitabilität.
Diesen Zusammenhang sollte man bei Wachstumsaktien immer im Blick behalten. Steigt der Verlust ebenso stark wie der Umsatz, und das über längere Zeit, ist das ein ernstzunehmendes Warnzeichen.
Das war auch eines der zentralen Argumente gegen Unternehmen wie Nikola, Plug Power und Konsorten.
Bei Cerebras sieht das deutlich besser aus. Die Bruttomarge liegt bereits bei über 40 %. Damit ist das Unternehmen in einer guten Ausgangslage, um zeitnah auch auf Konzernebene schwarze Zahlen zu erreichen.
Tatsächlich ist das Kerngeschäft nicht mehr weit entfernt davon. Im letzten Quartal lag der Verlust bei 2,5 Mio. USD.
Für die kommenden Quartale stellt der Vorstand eine Beschleunigung des Wachstums in Aussicht. Der Umsatz soll im laufenden Geschäftsjahr auf 855–865 Mio. USD steigen, was im Mittel einem Plus von 69 % entspricht.
Wenn man davon ausgeht, dass OpenAI seinen Verpflichtungen auch nachkommen wird, sollte die Nachfrageseite vorerst kein Problem mehr sein, denn der Konzern hinter ChatGPT hat bei Cerebras einen Großauftrag mit einem Wert von 20 Mrd. USD platziert.
Großaufträge, Partnerschaften und die neue KI-Infrastruktur
Darüber hinaus wurde eine mehrjährige Partnerschaft mit Amazon Web Services (AWS) geschlossen.
Ohne zu tief in die technischen Details einzusteigen zu wollen: Im Kern der Zusammenarbeit steht eine Entwicklung, die sich in der gesamten Branche abzeichnet – eine immer stärkere Arbeitsteilung bei der Rechenleistung.
In diesem Modell übernehmen AWS Trainium-3 Chips die initiale Verarbeitung und Kontextaufnahme großer Sprachmodelle („Prefill“). Anschließend übernimmt das Cerebras CS-3 System die eigentliche Inferenz, die besonders hohe Anforderungen an die Rechenleistung und Geschwindigkeit stellt.
Die Kombination aus AWS-Hardware und Cerebras-Systemen zielt darauf ab, KI-Anwendungen global skalierbar zu machen und gleichzeitig die Latenz deutlich zu reduzieren.
Für Cerebras ist diese Kooperation von enormer Tragweite. Es winken nicht nur Milliardenumsätze. Sollte sich das System als Erfolg herausstellen, könnten die Hyperscaler ebenfalls an die Tür klopfen.
Cerebras streckt längst die Fühler in diese Richtung aus. Dem Unternehmen zufolge läuft die Google-KI Gemma auf den Systemen von Cerebras sehr viel schneller („Gemma 4 31B, flagship of Google DeepMind’s open-weight Gemma family, runs an order of magnitude faster on Cerebras based on scores on the Artificial Analysis Intelligence Index“).
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 26.06.2026 um 15:33 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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