Am Tagestief lag Aixtron am Donnerstag 10,5 Prozent im Minus. Das Tageshoch hingegen lag 8,1 Prozent über dem Vortag, der Schlusskurs 5,5 Prozent darüber. Eine Schwankungsbreite, die man beileibe nicht oft sieht, mit positivem Ausgang für die Bullen. Aber ist das von Dauer?
Wenn eine Aktie als Reaktion auf die Vorlage einer Bilanz nebst Ausblick erst drastisch wegrutscht, dann aber am selben Tag dreht und deutlich zulegt, muss irgendetwas nach der Vorlage der Zahlen passiert sein, das die Meinung der Trader auf den Kopf gestellt hat. Die Frage ist: Was war das und ist das tragfähig?
An der Bilanz und dem Ausblick selbst lag es definitiv nicht, denn beides war unerfreulich, wenngleich nicht wirklich überraschend. Der für die Halbleiterbranche fertigende Anlagenbauer musste 2025 Umsatzeinbußen in Höhe von 12 Prozent hinnehmen, die Marge auf EBIT-Basis fiel von 21 auf 18 Prozent. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank um 24, der Nettogewinn um 20 Prozent.
Dass auch der Blick auf das angelaufene Geschäftsjahr trübe ausfiel, dürfte das entscheidende Element gewesen sein, das die Aktie anfangs erheblich drückte. Aixtron plant für 2026 mit einem vermutlich unter Vorjahr liegenden Umsatz und einer EBIT-Marge von 16 bis 19 Prozent. Was hieße: Eine nennenswerte Steigerung des Gewinns sieht man für 2026 noch nicht, es könnte sogar unter dem Strich erneut etwas weniger werden. Doch dann wurde ein „ja, aber“ herumgereicht, basierend auf einer in der Pressemeldung vom Aixtron-Vorstand getätigten Aussage:
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Expertenmeinung: In der Stromversorgung für KI-Rechenzentren setzen sich Galliumnitrid (GaN) und Siliziumkarbid (SiK) als neue Materialien für Leistungshalbleiter durch, so der Aixtron-CEO. Zahlreiche Kunden hätten konkrete Projekte in diesen neuen Anwendungen avisiert. Und Aixtron baut Anlagen für die Produktion solcher GaN- und SiK-Chips. Die Schlussfolgerung derer, die in die gedrückten Kurse hinein kräftig zugriffen:

2026 wird nur eine kurze Hängepartie, bevor womöglich noch im zweiten Halbjahr eine Welle neuer, großer Aufträge hereinkommt. Was zwar denkbar ist, zumal Aixtron den eher mageren 2026er-Ausblick als „vorsichtig“ beschrieb. Aber sicher ist in diesem Umfeld nun einmal nichts, daher ist diese Kaufwelle, die den Aixtron-Kurs, gerechnet vom Tagestief, in der Spitze um 20,8 Prozent nach oben katapultierte, nicht auf Stein gebaut, sondern auf Hoffnungen. Und das ist ein Unterbau, den man mit Vorsicht genießen sollte.
Dass die Aktie am Tagestief genau auf Höhe der durch die 20-Tage-Linie verstärkten Supportzone 21,54/21,75 Euro nach oben drehte, könnte die Intensität des Anstiegs durch darauf unmittelbar reagierende, charttechnisch orientierte Trader verstärkt haben. Das wäre eine möglicherweise kurzlebige Intensivierung der Käufe. Zugleich sehen wir im mittelfristigen Chartbild auf Wochenbasis, dass die Aktie damit in die auf das Jahr 2023 zurückgehende Widerstandszone 24,40 bis 25,86 Euro gelaufen ist.

Und ein Blick auf die Meinungen der Analysten zeigt, dass das durchschnittliche Kursziel bei knapp 20,50 Euro deutlich überboten ist und der Kurs bereits nahe am höchsten, derzeitigen Kursziel von 27 Euro notiert. Es wäre daher sicherlich kein Fehler, sich einen Neueinstieg auf diesem Kursniveau eher zweimal zu überlegen und bestehende Positionen für den Fall, dass der „Faktor Hoffnung“ nicht trägt, mit einem Stoppkurs leicht unter dem gestrigen Tagestief abzusichern.
Quellenangaben:
Ergebnis des Geschäftsjahres 2025, Ausblick auf 2026, 26.02.2026:
https://www.aixtron.com/de/presse/presseinformationen/AIXTRON%20mit%20robustem%20Ergebnis%20in%20herausforderndem%20Marktumfeld_n13896
Analysten-Einschätzungen:
https://finance.yahoo.com/quote/AIXA.DE/analyst-insights/


