Der Preis für ein Barrel der Rohöl-Sorte Brent Crude nähert sich der 100 US-Dollar-Marke … und es hat nicht den Anschein, als würde es seitens der Entscheider im Iran-Krieg ernsthafte Bemühungen geben, den Kurs nach unten zu bekommen. Zugleich drängt jetzt die Zeit.
Brent Crude Oil ist am Dienstag über das Juli-Hoch bei 93,66 US-Dollar gelaufen, an dem der Kurs vor knapp zwei Wochen noch nach unten abgedreht hatte, und hielt sich am Mittwoch darüber. Der vorangegangene, kurze Rücksetzer wurde von den gleitenden Durchschnitten der letzten 10, 20 und 100 Handelstage aufgefangen Die Anfang Juli etablierte, kurzfristige Aufwärtstrendlinie wurde dadurch gar nicht erst getestet. Damit ist das Chartbild ohne Wenn und Aber bullisch.

Die nächsten charttechnischen Kursziele auf der Oberseite wären die bisherigen Peaks des Jahres: das März-Hoch bei 100,63 US-Dollar (immer bezogen auf den hier abgebildeten Futures-Kontrakt mit Liefertermin November), das Zwischenhoch von Mitte Mai bei 103,34 US-Dollar und letztlich das Jahresverlaufshoch, das Brent Crude am 4. Mai bei 104,92 US-Dollar markiert hatte. Für die Weltwirtschaft ist das eine erhebliche Gefahr, denn:
Expertenmeinung: Auf der Nordhalbkugel beginnt jetzt langsam die Heizperiode. Und die verknappten Ölreserven können, wenn nicht schlagartig ein ungefährdeter Seetransport von Öl von der arabischen Halbinsel sichergestellt würde, zu Panik-Käufen führen, bei Unternehmen ebenso wie bei Privathaushalten. Und neben einem inflationstreibenden Preisanstieg wäre auch ein realer Mangel an Öl nicht auszuschließen. Und das hieße: Auf der Oberseite wäre bei Brent Crude Oil dann nichts unmöglich.
Ob es wirklich so weit kommt, ist absolut nicht vorhersagbar, immerhin hängt da alles an Entscheidungen, die für sich genommen nicht berechenbar sind. Aber wenn die OPEC am Wochenende das Thema Fördermengenkürzungen aufgrund des auch da klar gesehenen Nachfrage-Überhangs gar nicht erst diskutieren wird und der Vorstandschef der deutschen Reederei Hapag-Lloyd erklärt, dass die Annahme durchaus ihre Berechtigung habe, dass die Straße von Hormus auf absehbare Zeit blockiert bleiben könnte, sollte man das als Warnsignal werten.
Das Problem ist, dass sich die USA mit ihrer Nonstop-Behauptung, die Meerenge sei sicher befahrbar und unter US-Kontrolle, selbst eine Grube gegraben haben. Der Iran sitzt damit am längeren Hebel, was den Umgang mit US-Forderungen angeht und kann darauf setzen, dass die USA ihnen erheblich entgegenkommen könnten, wenn die Ölpreise noch weiter steigen. Ein Entgegenkommen, das man in den USA mit aller Macht vermeiden will.
Die moralische Frage, ob man bei Nahrungsmitteln und Energie auf steigende Kurse spekulieren sollte, ist kein Thema, das in eine Lage-Analyse wie diese gehört. Klar ist aber, dass man, wollte man auf der Short-Seite aktiv werden, in dieser aktuellen Gemengelage äußerst gefährlich leben würde.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 02.09.2026 um 22:31 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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