Skip to main content
DAX
SX5E
SPX
NDX
EUR.USD
MDAX
TDX
INDU
Bitte wählen Sie:

Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 01.-07.06.2026

Blase? Welche Blase?

Von

01.06.2026 | 07:00 Uhr

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Wenn die Börsen mal wieder heiß laufen, wird oft und gerne von einer Blase gesprochen, die jederzeit platzen und die Anleger in den Abgrund reißen könnte. Aber wann genau liegt eine Blase eigentlich vor? Sind wir wirklich gerade in einer? Und wenn ja: Was tun?

Gerade hat wieder eine US-Investmentbank ihr Kursziel für den marktbreiten US-Index S&P 500 angehoben … auf 8.000 Punkte zum Jahresende. Wo sich bereits einige andere Geldverwalter mit ihren Zielen versammelt haben. Wenn diese Leute richtig liegen, ist noch Luft nach oben. Und wo solide Spielraum nach oben ist, kann es ja keine Blase geben … oder?

Wenn man den Aussagen von Investmentbanken glauben mag, findet sich nie irgendwo eine Blase. Was indes noch keine Baisse daran gehindert hat, trotzdem ihr hässliches Haupt zu erheben. Seltsam? Mitnichten. Dass jemand, der Geld damit verdient, dass Sie an der Börse Geld verdienen wollen, davor warnt, weiter zu kaufen, ist eher selten. Also muss man selber schauen, ob sich da irgendwo etwas zu einer Blase entwickelt hat und Gefahr im Verzug ist.

Was genau ist eine „Blase“?

Eine klare, allgemeingültige Definition, bei der man messen und vergleichen kann, gibt es für eine Blase nicht. Was daran liegt, dass man bei jeder Blase ein „kommt drauf an“ mit einflechten muss.

Extreme Kursbewegungen sind nicht automatisch eine Blase. Wenn sie solide von den Fakten unterfüttert sind, sind sie sicherlich ab einem gewissen Punkt des „Heißlaufens“ für auch stärkere Korrekturen reif, aber nicht für einen kompletten Absturz, wie das bei Blasen passieren kann, aber nicht muss.

Für eine Blase müsste man es am Markt massiv übertreiben, indem eine markante Schere zwischen realistischen Erwartungen und dem, was die Kurse da einpreisen, entsteht. Und das ist aus meiner Sicht der Fall … was die Halbleiter-Aktien angeht. Aber das heißt nicht automatisch, dass wir jetzt, wenn meine Einschätzung zutreffen sollte, zwingend auf einen Crash zutorkeln müssten. Aber zuerst zu diesen Halbleiter-Titeln:

Warnsignale bei den Chip-Aktien

Derzeit glaubt fast jeder, Halbleiter-Aktien haben zu müssen, weil die Branche von dem Ausbau der KI-Technologie und -Kapazitäten profitiert. Was ja stimmt, nur: Es fällt auf, dass „man“ erst Ende März auf diese Idee gekommen zu sein scheint, vorher ging es da nämlich nur moderat und bei so mancher Chip-Aktie gar nicht voran. Aber dazu später.

Aus meiner Sicht sehen wir mittlerweile eine Blase in diesem speziellen Bereich, weil die üblichen Bewertungen dieser Aktien weit überboten sind. So beispielsweise bei Infineon, die wir im folgenden Chart sehen.

Börse aktuell: Entwicklung KGV von Infineon von 1999 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung KGV von Infineon von 1999 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Und obwohl es einige Analysten gibt, bei denen der Eindruck entsteht, dass sie ihre Kursziele nicht auf Basis einer nüchternen Analyse setzen, sondern sie immer dann weiter anheben, wenn das bisherige Ziel erreicht ist, sind die durchschnittlichen Kursziele dieser Analysten bei den meisten Chip-Aktien längst überboten.

Halbleiter-Aktien sind sogenannte „Fahrstuhl-Aktien“, d.h. sie sind immens konjunktursensibel, der Gewinn pro Aktie kann rasant stiegen, aber genauso dramatisch schnell wegbrechen. Daher billigt man Aktien dieser Branche normalerweise nur Kurs-/Gewinn-Verhältnisse von 15 bis 25 zu. Da sind wir bei sehr vielen Aktien dieser Branche längst weit darüber. Und das mit dem Argument, dass Nachfrage und Gewinnmargen auf Jahre hinaus dramatisch steigen werden – wegen KI. Doch wie weit steigt die Nachfrage? Wie lange? Es ist ja noch nicht einmal sicher, dass sich die in der Tat unfassbar hohen Investitionen, die große Unternehmen momentan in Sachen KI tätigen, auszahlen werden und daher tatsächlich eine weitere Steigerung in Bezug auf den Bedarf an Halbleitern über den jetzt in den Auftragsbüchern stehenden Level hinaus kommen wird.

Ein Hinweis dafür, dass nicht nur ich die Stirn runzele ist nicht nur, dass eine ganze Reihe von Analysten konsequent bei ihren Analysen und Schlussfolgerungen bleiben und diverse Überflieger von „Kaufen“ auf „Halten“ oder, in ersten Fällen, sogar auf „Verkaufen“ gesetzt haben, sondern auch etwas anderes:

Börse aktuell: Entwicklung Elmos Semiconductor und Siltronic im Vergleich von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Elmos Semiconductor und Siltronic im Vergleich von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Wenn Altaktionäre auf einmal anfangen, Teile ihres Engagements auf den Markt zu werfen, ist das auffällig. Schließlich tut man so etwas nicht, wenn man davon ausgeht, dass die Aktie ziemlich billig ist und noch viel Spielraum nach oben hätte. Man will einen guten Preis und verkauft, wenn man zu dem Schluss kommt, dass man womöglich auf absehbare Zeit nicht mehr herausholen könnte als jetzt. Zuletzt passierte das bei Elmos Semiconductor und bei Siltronic, siehe der vorstehende Chart.

Das alleine deutet darauf hin, dass wir hier sehr gute Kurse sehen … wenn man ein Verkäufer ist. Aber dass diese Aktien nach diesen Meldungen einfach weiter gekauft wurden, deutet darüber hinaus an, dass da verblüffend viele unterwegs sind, die Warnsignale nicht einmal sehen, wenn man sie ihnen um die Ohren haut. Heißt das also: Das Schiff steht kurz vor dem Kentern, alle Mann von Bord?

Die Frage ist: entweicht die Luft langsam oder platzt sie?

Ich gebe hier keine Empfehlungen ab, wie man es machen muss, sondern nur meine Meinung preis, aber die lautet: Wenn ein Kahn kurz davor steht, zu kentern, kann es hilfreich sein, einen Teil der Ladung über Bord zu werfen, den Rest anständig zu verzurren … und dann könnte das schon wieder passen, will heißen:

Wer hier zu hart am Wind segelt, sollte sich überlegen, einen Teil solcher hoch spekulativen Positionen zu verkaufen und den Rest sauber mit Stop Loss-Orders abzusichern. Denn wenn es so weiterläuft, wie wir das in den vergangenen Jahren erlebt haben, wäre es für mich eher eine Überraschung, wenn diese Halbleiter-Blase platzt … es kann gut sein, dass hier einfach nur einigermaßen kontrolliert die Luft entweicht. Was hieße: Von ein paar drastischen Luftlöchern abgesehen, in denen es auch mal fünf, zehn oder mehr Prozent mit einzelnen Aktien am Tag abwärts gehen könnte, kann es sein, dass es zwar zu einer Korrektur kommt, die ein Drittel oder die Hälfte dieser Hausse zurücknimmt, aber nicht alles. Was hieße:

Wer sich von der Gier nicht hat mitreißen lassen und eher mittel- und längerfristig positioniert ist, könnte da eher Chancen bekommen, an wichtigen, derzeit meilenweit entfernten Unterstützungen wie z.B. den 200-Tage-Linien oder mittelfristigen Aufwärtstrendlinien mit längerfristigem Zeithorizont zuzukaufen, denn der Aufwärtstrend der Halbleiter-Aktien an sich ist ja durchaus begründbar und faktisch unterfüttert. Das Problem ist derzeit nur, dass die Zocker sich nicht mehr im Griff haben.

Warum ich mir vorstellen könnte, dass die Sache für vernünftige Anleger glimpflich ausgeht, nicht alles zu Staub zerfällt und der Gesamtmarkt nicht auf eine Kernschmelze zusteuert? Weil es zuletzt auch gelang, das zu vermeiden. Denn diese Halbleiter-Blase ist ja nicht die erste in letzter Zeit, wie die folgenden Charts zeigen.

Es geht von einem Exzess zum nächsten: KI, Rüstung, Edelmetalle, Software, Halbleiter

Nachdem im Mai 2023 der KI-Boom losgetreten wurde, führte das zu massiv haussierenden Kursen bei einer noch eher begrenzten Zahl von Aktien. Danach war es relativ ruhig … aber seit Anfang 2025 geht es Schlag auf Schlag:

Erst kam der „Rüstungs-Hype“, parallel dazu der „KI-Energie-Hype“, bei dem alles, was mit dem Bau von Rechenzentren für den KI-Sektor zu tun hatte, durch die Decke ging. Irgendwann erschöpften sich die Käufe, wie der folgende Chart mit einigen Rüstungs-Titeln zeigt. Aber es kam nicht zum Crash, sondern zu einer Korrektur, die für Trader, die nicht ohne Sinn und Verstand, sondern mit vernünftigem Money-Management agierten, problemlos in den Griff zu bekommen war.

Börse aktuell: Entwicklung Renk, Hensoldt und Rheinmetall im Vergleich von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Renk, Hensoldt und Rheinmetall im Vergleich von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Bemerkenswert, dass diese Blase gleich in die nächste überging: Kaum drehten die Rüstungs-Aktien nach unten, zogen die Edelmetalle an. Und auch deren Blase ließ nur Luft ab und platzte nicht, weil das spekulative Kapital nicht von einem Tag auf den anderen weitergezogen war. Und wo ging es hin?

Börse aktuell: Entwicklung Gold, Silber, Platin und Palladium im Vergleich von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Gold, Silber, Platin und Palladium im Vergleich von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Diesmal ging es auf die Short-Seite. Warum auch nicht? Spekulative Trader „können“ auch problemlos Short. Auf einmal fiel der ganzen Welt scheinbar zeitgleich ein, dass die KI ja die Software-Branche massiv bedrohen wird. Schon witzig, dass offenbar niemand ein Problem damit hatte, dass das allen auf einmal gleichzeitig aufgefallen sein soll, obgleich der KI-Hype an sich bereits seit Frühjahr 2023 lief. Auch, dass man immens viele, große Rechenzentren dafür braucht und daher diejenigen, die sie bauen und ihnen die Energie liefern, profitieren würden, hatte man ja scheinbar erst Anfang 2025 erkannt. Seltsam?

Börse aktuell: Entwicklung Microsoft, Adobe und SAP im Vergleich von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Microsoft, Adobe und SAP im Vergleich von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Nicht seltsamer als der Umstand, dass man ebenso mit gewaltiger Verspätung bemerkt haben soll, dass das alles ja Unmengen an Chips braucht, weshalb die aktuelle Blase der Halbleiter-Aktien erst Ende März zu entstehen begann … erst merkt’s keiner, dann alle … und Eile ist dann auch noch geboten? Bilden Sie sich selbst Ihre Meinung dazu.

Fazit: Teilblasen bedrohen den Gesamtmarkt nur bedingt

Ich für meinen Teil würde vorschlagen: Lassen Sie sich nicht vom Sog mitreißen. Das ist an der Börse noch nie eine gute Idee gewesen. Und wenn einem erst einmal auffällt, das hier quasi alle paar Wochen eine andere S.. durchs Dorf getrieben wird, wird schnell klar: Die, die da am Anfang der „Idee“ stehen, machen hier einen großen Reibach, aber die Letzten beißen wie üblich die Hunde. Wer konsequent charttechnisch orientiert, mit vertretbaren Hebeln und Positionsgrößen und disziplinierten Stopps mithält, riskiert hier nicht zu Kentern. Wer glaubt, hier liege das Geld auf der Straße und sich von der Gier leiten lässt, schon. Aber das zieht eher nicht den Gesamtmarkt in die Tiefe, denn:

Wir sehen, dass das spekulative Kapital von einer Station zur nächsten weiterzieht. Aber dadurch entstehen nur „Teil-Blasen“, bezogen auf den Gesamtmarkt. Zwar hat diese Halbleiter-Kaufwelle mittlerweile eine Dimension erreicht, die stark mit Aktien dieser Branche besetzte Indizes wie Nasdaq 100 oder TecDAX schon ziemlich in die Knie drücken könnte, wenn der erste Riss in der Blase entsteht. Denn da kommt in der Regel erst einmal ein bisschen mehr Luft heraus aus in der Phase danach.

Aber der Aktienmarkt an sich ist sehr breit aufgestellt, mehr als ein ordentliches Beben wäre nicht zu erwarten, es sei denn, dass die Blase in einem Moment angestochen wird, in dem noch andere negative Faktoren zugleich auftauchen. Aber wenn so etwas passiert, heißt es sowieso immer „bitte anschnallen und das Rauchen einstellen“.

Wer diese Karawane spekulativen Geldes erkannt hat und mitzieht, in dem er/sie so etwas wie „Blasen-Hopping“ betreibt, ist bislang recht gut gefahren, wenn rechtzeitig erkannt wird, wann der Topf langsam überkocht. Aber das ist definitiv nur etwas, was erfahrene Trader erwägen sollten, denn grundsätzlich gilt nun einmal zu Recht: Mit Geld spielt man nicht.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Informationen zum / zu den auf dieser Seite genannten Produkt(en) finden Sie hier: PRIIPs / KIDs CME Futures

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 31.05.2026 um 0:02 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Firmendepot für Kapitalgesellschaften

Sie möchten ein Depot für Ihre GmbH, AG oder UG eröffnen und Betriebsvermögen in Wertpapieren anlegen? Informieren Sie sich jetzt über unser Wertpapierdepot für Geschäftskunden: Mehr zum Firmendepot über LYNX



Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

26.05.2026

Wann man mit dem Strom schwimmen sollte … und ab wann nicht mehr — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 25.05.2026 um 16:10 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Dass der Spruch „the trend is your friend“ Sinn ergibt, steht außer Frage. Mit dem Strom zu schwimmen statt gegen ihn, bietet erhebliche Vorteile. Aber ab einem gewissen Punkt täte man gut daran, sich ans Ufer zu begeben. Und in einigen Bereichen ließe sich feststellen: Dieser Moment wäre längst gekommen.

Wir bewegen uns, intensiver noch als 2017 bis 2021, in einer „Trump-Börse“. Wenn der irgendetwas von sich gibt, egal, über welches Medium, zieht das Reaktionen nach sich. Wobei man nie weiß: Wann kommt da etwas, was kommt dann konkret und vor allem: Stimmt das überhaupt und wird morgen nicht auf einmal das Gegenteil verkündet? Bestes Beispiel: Die Aussagen des US-Präsidenten zum Iran-Deal. Da geht es im steten Wechsel von „quasi abgeschlossen“ zu „nur nichts überstürzen“.

Das zerrt an den Nerven jedes Börsianers. Ein paar Wochen kann man einen solchen Zirkus schon durchhalten, aber nicht jahrelang. Und es scheint, dass diese Nonstop-Verunsicherung vorerst kein Ende finden wird. Damit kommt derzeit alles zusammen, was man als Anleger wirklich nicht brauchen kann: Eine unklare Datenlage, die permanente Furcht, den entscheidenden Impuls zu verpassen (FOMO bzw. „Fear Of Missing Out“) und die daraus resultierende Überforderung in Bezug darauf, was man denn nun tun soll. Man kann weder nonstop wachsam sein noch hellsehen, weder binnen Millisekunden reagieren noch dabei fehlerlos bleiben.

Die Lage treibt die meisten in die Mitte des Stroms

In solchen Situationen reagieren die Marktteilnehmer grob über den Löffel barbiert auf drei Arten. Die einen fahren ihre Aktivitäten herunter und tun, solange man nicht weiß, wo oben und unten ist, erst einmal gar nichts mehr. Andere erkennen die Schere, die sich zwischen Realität und Kursen auftut, schließen daraus, dass das bestimmt schiefgehen wird und gehen auf die Gegenseite, bezogen auf den Aktienmarkt wären sie derzeit also im Lager der Bären. Und die dritte, vermutlich größte Gruppe sagt sich, durchaus zu Recht:

Letzten Endes ist es zweitrangig, ab Trends logisch unterfüttert sind: Wer mit dem Trend geht, agiert in die Richtung, in die das Geld geht. Ob das Geld dabei auf Basis kluger oder dummer Entscheidungen zu- oder abfließt, spielt keine Rolle, es gibt nun einmal die Richtung vor. Und mit dem Trend hat man immer durch in die gleiche Richtung laufende gleitende Durchschnitte und Trendlinien Anhaltspunkte für Stoppkurse, die mitlaufen und so sukzessiv nachziehbar sind.

Hinzu kommt eben der große Vorteil, dass man auf diese Weise nicht permanent hinterfragen muss, ob man da grundsätzlich klug handelt oder nicht. Man wird also als „Mitschwimmer“ diesen Druck der Ungewissheit und der permanenten Wachsamkeit los. Das ist so wohltuend, dass umso mehr Anleger einfach das tun, was die anderen tun, je problematischer und undurchsichtiger die Gesamtsituation ist.

Börse aktuell: Entwicklung Brent Crude Oil Future von März bis Mai - Kurslücken und Kurssprünge | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Entwicklung Brent Crude Oil Future von März bis Mai – Kurslücken und Kurssprünge | Quelle: TWS

Und wenn man sich anschaut, welche irrwitzigen Bocksprünge z.B. die Ölpreise (hier im Chart Brent Crude Oil seit Mitte Februar) vollziehen und der Aktienmarkt mal mitzieht, mal aber auch nicht, ist das völlig verständlich. Wenn ich nie weiß, ob morgen Früh auf einmal eine große Kurslücke auftaucht, ob nun nach oben oder unten, warum dann nicht einfach stur der groben Trendrichtung folgen?

Denn Trendfolge funktioniert grundsätzlich am besten. Andere Vorgehensweisen wie antizyklisches Trading bei extremen Levels der Markttechnik, stur fundamentale Beweggründe oder gar die „aus-dem-Bauch-heraus-Strategie“ können da nicht ansatzweise mithalten. Doch wenn weitaus mehr Akteure als üblich so vorgehen, angespornt dadurch, dass dieses Schwimmen im Strom in einem Umfeld, in dem eigentlich alles unsicher zu sein scheint, so grandios funktioniert und man daher glaubt, sich wie in einem „sicheren Hafen“ zu bewegen, wird die Sache brenzlig.

Börse aktuell: Entwicklung DAX und SAP und Infineon im Vergleich von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX und SAP und Infineon im Vergleich von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Dann werden Entwicklungen provoziert, in der so viele in so kurzer Zeit das gleiche tun, dass wir in alle Richtungen überzogene Kurslevels beobachten … dieser vorstehende Chart dient als Beispiel. Zwei DAX-Werte, die sich binnen weniger Monate auf einmal dramatisch auseinander bewegen und Kurse erreichen, die nur gerechtfertigt wären, wenn Infineon auf einmal durch die KI wirklich Gold im Keller hat und zugleich SAP durch eben diese KI kaum noch eine Zukunft hätte. Rational betrachtet würde man sich sagen: Das kann und wird nicht gutgehen, diese Extrem-Kurse werden wieder eingefangen.  Aber in einer Gemengelage wie dieser denken und handeln eben besonders wenige rational. Und so entsteht, wie so oft an der Börse, ein Kreislauf unter Ausschluss der Realität:

Vermeintliche Sicherheit macht leichtsinnig … der Strom wird zum Wildbach

Was funktioniert, wird nicht nur weiter durchgezogen, sondern intensiviert. Kapital, das anders investiert wurde, wird von diesem Strom angezogen, weil Trader sehen: Wer so vorgeht, verdient Geld, auf andere Weise funktioniert das derzeit einfach nicht. Dadurch werden die Trends noch extremer. Und je extremer es wird, desto größer blinkt die trügerische Leuchtreklame darüber auf: „Kommt hierher, hier liegt das Geld auf der Straße!“

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 und Brend Crude Oil im Vergleich im Jahr 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100 und Brend Crude Oil im Vergleich im Jahr 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Doch je schneller ein Strom fließt, desto riskanter wird er. Wer sich auskennt und wachsam bleibt, kommt auch klar, wenn aus dem zuerst zügig, aber kontrolliert werdenden Strom ein reißender Wildbach wird. Wer aber glaubt, dass es völlig ausreicht, wenn nur die Richtung stimmt, zerschellt früher oder später an irgendeiner Klippe. Wo und wann die auftaucht und was diese Klippe dann konkret sein wird: Das weiß niemand. Was die Sache für die Gruppe der Sorglosen indes nur riskanter macht. Denn wenn eine Gefahr nicht unmittelbar greifbar ist, wird sie normalerweise einfach ignoriert.

Aber auch, wenn man um die Risiken solcher exzessiven Trendimpulse weiß: Wie soll man das in den Griff bekommen, wenn man nicht weiß, wann genau dieser Krug, der ja, wie wir in den Charts sehen, schon verblüffend lange zum Brunnen geht, am Ende brechen wird?

Entscheidungen unter Ungewissheit? Für erfahrene Trader ist so etwas „Tagesgeschäft“

Für erfahrene Akteure ist das wie Rückwärtsfahren mit einem LKW mit Zweiachs-Anhänger: Nervig, knifflig … aber es gehört dazu. Und man gewöhnt sich dran. Empfehlenswert wäre es aber, die nötigen Fertigkeiten, die Geschicklichkeit und Routine zu erlernen, ohne dabei vorher mehrere Totalschäden zu verursachen (so wie ich einst, nur mal am Rande erwähnt). So lernt man es zwar auch, es kommt aber teurer. Vorschläge meinerseits wären:

Extremwerte im RSI-Indikator können grundsätzlich noch extremer werden. Aber wenn der Indikator, im folgenden Chart von AMD unten mit eingeblendet, mal Levels über 80 oder unten 20 erreicht, kann es nicht schaden, mit ersten Teilverkäufen von bestehenden Long-Positionen (>80) oder Short-Positionen (<20) zu beginnen.

Börse aktuell: Entwicklung AMD und RSI Idikator im Jahr 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung AMD und RSI Idikator im Jahr 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Schauen Sie sich im Chartbild an, welche gleitende Durchschnittslinie die Trader führt. Weil hier auch viele stur technisch agierende Akteure und computergesteuerte Handelsprogramme mitmischen, sind solche Linien ziemlich taugliche Leitstrahlen. In normalen, dynamischen Trends ist meistens die 20-Tage-Linie wichtig, aber im Beispiel AMD sehen wird, dass die Trenddynamik so extrem war, dass es die 10-Tage-Linie war, die als Leitstrahl diente. Bricht die kurzfristigste der relevanten Linien, wäre wieder eine Verkleinerung der Position zu überlegen, danach geht es meist direkt um das nächsthöhere Zeitraster als Support – in diesem Beispiel also um die 20-Tage-Linie.

Und drehen Sie nicht zu früh die Richtung. Solange es keine klaren Signale gibt, dass die Bullen hier aufgeben, können sie jederzeit zurückkommen und voreilig eingegangene Short-Trades überrennen.

Aber „können zurückkommen“ ist nur eine Feststellung, die die Vorsicht gebietet, man sollte „können“ nicht einfach mit „werden“ gleichsetzen. Wenn der Strom reißend wird, ist es zwar verlockend, umgehend zuzukaufen, wenn es mal ein paar Tage wieder nach oben geht. Aber je extremer Trendimpulse werden, desto kleiner müssen Positionen werden. Viele Handelsprogramme agieren da extrem „dumm“, indem sie Buchgewinne sofort in noch mehr Positionen umsetzen, d.h. je steiler die Bewegung, je extremer sind sie investiert. Es ist zwar schon eine ziemliche Zeit her, aber wenn die Nachrichten melden, dass irgendein Hedgefonds auf einmal hinüber ist, dann oft genau deshalb.

Wenn alle scheinbar durchdrehen, ist die entscheidende Regel, die es zu beachten gilt: Tun Sie das Gegenteil. Nicht, indem Sie Short gehen, während alle anderen Long gehen, sondern indem Sie umso vorsichtiger mit Ihrem Trading-Kapital umgehen, je unvorsichtiger die Masse wird! Dann ist der Umstand, dass man heute nicht wissen kann, was morgen ist, zwar trotzdem noch nervig, aber für Ihr Depot keine existenzielle Gefahr. Und nur darauf kommt es an.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

18.05.2026

Halbleiter-Hausse: Selbstläufer oder tickende Zeitbombe? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 17.05.2026 um 16:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Sie sind gerade in aller Munde: Aktien aus dem Halbleitersektor gehen durch die Decke. Was daran auffällt: Diese Hausse ist ungewöhnlich extrem. Und sie läuft völlig abgekoppelt von den Rahmenbedingungen und den ohne diese Zugpferde stagnierenden Gesamtmärkten. Sollte man bei den Chips dabei sein … oder sind Positionen in diesem Sektor im Gegenteil eine Gefahr für das Depot?

Die Antwort ist nicht einfach „ja“ oder „nein“, weder in Bezug auf die Frage, ob man hier mit im Boot sitzen sollte noch hinsichtlich der Risiken, die diese Halbleiter-Hausse für den Gesamtmarkt und damit auch für das eigene Depot bedeutet.

Das ist keine Blase. Aber das heißt nicht, dass wir hier keine Übertreibung sehen

Grundsätzlich ließe sich festhalten: Diese Kaufwelle ist keineswegs so von der Realität abgekoppelt wie die Internet-Blase 1999/2000, als Leute sogar Neuemissionen kauften, von denen man nicht mal genau wusste, was diese Firmen eigentlich tun, nur, dass es irgendwas mit Internet ist. Man kann diese Chip-Hausse nicht einmal wirklich als Blase einordnen, weil hinter diesen steigenden Kursen durchaus handfest steigende Unternehmensgewinne und lukrative Perspektiven stehen. Selbst dann, wenn man daran zweifelt, dass die gigantischen Investitionen, die große Unternehmen in KI tätigen, am Ende wirklich mehr einbringen, als die Sache gekostet hat. Weil?

Weil der uralte Spruch schon seine Berechtigung hat: Bei einem Goldrausch sind es nicht die Goldsucher, die reich werden, sondern diejenigen, die ihnen die Hacken und Schaufeln verkaufen. Oder, in diesem Fall, denen, die Hunderte Milliarden für neue Riesen-Rechenzentren auf den Kopf hauen, die nötigen Chips liefern. Aber auch, wenn diese erhöhte Nachfrage durch bestehende Aufträge für sehr viele Halbleiter-Hersteller volle Auftragsbücher bedeutet und viele Zulieferer, von Wafern bis zu Produktionsanlagen, mit profitieren:

Das ist nicht nur keine Sache für die Ewigkeit … was weniger ein Problem wäre, wenn man rechtzeitig vor dem Wachstums-Peak bei seinen Chip-Aktien Kasse macht. Es ist trotzdem möglich, ja in Fällen wie diesen sogar typisch, dass die Käufer die Sache derart übertreiben, dass selbst eine normale Korrektur diese Aktien zweistellige Prozentbeträge kosten kann und dies die großen Indizes mitreißen würde, weil diese derart teurer gewordenen Aktien dadurch auch immer mehr Gewicht in den Indizes haben.

Eine Hausse auf einem Bein ist nun einmal instabil

Am Beispiel des Nasdaq 100 lässt sich dieses Risiko gut in den Zahlen ablesen. Der Index selbst hat auf seiner Rekordfahrt seit dem letzten Kurs des Jahres 2025 in der Spitze 17,5 Prozent zugelegt. Was für sich genommen schon ganz flott ist, aber umso krasser ist, wenn man bedenkt, dass das erste Quartal mit einem Minus endete. Vom Jahrestief, das einen Tag vor dem Quartalsende bei 22.841 Zählern erreicht wurde, beträgt die Performance sagenhafte 30 Prozent – in anderthalb Monaten! Und wer das entscheidend befeuert hat, zeigt der folgende Chart:

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 und ausgewählte Chipaktien im Jahr 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100 und ausgewählte Chipaktien im Jahr 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Dass der Nasdaq 100 (ähnlich sieht es übrigens beim TecDAX aus, der ebenso vom Halbleiter-Sektor nach oben gezogen wurde) vor allem von wenigen Aktien aus nur einem Sektor gezogen wird, zeigt sich daran, dass von den 100 Aktien des Index per Freitag 49 seit Jahresanfang ein Minus ausweisen. Und 65 Aktien liefen schlechter als der Index, während die Top 10 allesamt dem Halbleiter-Bereich zuzuordnen sind. Wenn diese Top 10 mit ihren bisherigen Jahres-Performances zwischen 70 und 500 Prozent mal „ausatmen“, bleibt beim Index kein Auge trocken. Und warum sollte das ausbleiben?

Wenn man sich überlegt, dass zuvor die „KI-Investoren“ wie wild gekauft wurden – d.h. Aktien wie Meta, Microsoft, Amazon oder Alphabet – und die jetzt zwar ebenfalls seit Beginn des zweiten Quartals wieder anziehen, aber, wie der folgende Chart zeigt, in der Jahresperformance unter „ferner liefen“ unterwegs sind, stellt sich die Frage, ob diese grundsätzlich durchaus begründbare Hausse der Halbleiter nicht auch … eher über kurz als über lang … eine Korrektur sieht. Zumal es ja nicht das erste Mal wäre, dass das passiert.

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 und ausgewählte Aktien im Jahr 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100 und ausgewählte Aktien im Jahr 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Man muss nicht in die Geschichtsbücher schauen, um zu sehen, was passieren könnte

Dazu müssen wir nicht die ollen Kamellen von 2000 auswickeln, man muss gar nicht so weit zurückgehen, um ein Beispiel dafür zu finden, dass „alle rein und das zu jedem Preis“ gerne mal richtig schiefgeht. Die nächste Grafik zeigt, was gemeint ist:

Börse aktuell: Entwicklung DAX und ausgewählte Rüstungsaktien von 2025 bis 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX und ausgewählte Rüstungsaktien von 2025 bis 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Als klar wurde, dass die Ausgaben für Verteidigung in Europa deutlich anziehen, wollten alle zugleich ins selbe Boot hinein. Dabei wurden Bewertungen bei mit dem Bereich Rüstung verbundenen Aktien erreicht, die jenseits aller Vernunft lagen, weil man sich eigentlich hätte denken müssen, dass a) nicht alle Rüstungsunternehmen gleich viel profitieren werden, dass sich b) diese Entwicklung Jahre hinziehen würde und c) in keiner Weise absehbar war, was am Ende wo wirklich geordert würde und wie sich das explizit auf Umsatz, Marge und Gewinn auswirken würde. Nur: Im Sog einer Hausse regieren Emotionen … vor allem die Gier … und nicht die Vorsicht – zumindest bei den vielen nicht, die da zu jedem Preis immer mehr kauften. Das Ergebnis zeigt dieser vorstehende Chart.

Auch das nächste Beispiel zeigt, dass, was wie eine sichere Sache wirkt, auf einmal keine mehr sein kann: Ebenso plötzlich, wie es den Marktteilnehmern vor anderthalb Monaten plötzlich einfiel, dass die Halbleiter ja vom KI-Boom profitieren müssten, fiel es ihnen scheinbar im Januar auf einmal ein, dass zuvor jahrelang wie geschnitten Brot laufende Software-Unternehmen durch KI unter Druck kommen würden. Unser folgender Chart zeigt drei typische „Opfer“ dieser aus dem Hut gezauberten Erkenntnis am deutschen Aktienmarkt über fünf Jahre … und zeigt auch, wann der KI-Hype begann.

Börse aktuell: Entwicklung DAX und ausgewählte Softwareaktien von 2021 bis 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX und ausgewählte Softwareaktien von 2021 bis 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Gibt es stichhaltige Argumente dafür, dass man in Bezug auf die Halbleiter mit „ja, aber das hier ist doch etwas ganz anders“ ausnahmsweise mal richtig liegen würde?

Fazit: Die Richtung passt, das Tempo und die Dimension bergen jedoch Gefahr

Nein, aus meiner Sicht nicht. Wie geschrieben: Dass die Halbleiterbranche derzeit ein perfektes Umfeld vor sich hat, in dem viele dieser Unternehmen vom Investitionsboom in KI profitieren können, ist absolut zutreffend. Aber diese Kaufwelle ist, wie oft, maßlos und führt dazu, dass Gewinnmitnahmen nahezu provoziert werden.

Und da vielen durchaus klar ist, dass sie umso auf dünnerem Eis tanzen, je heißer diese Aktien laufen, kann es leicht passieren, dass zu viele auf einmal einfach nur ein bisschen Kasse machen wollen, während ausgerechnet dann nicht allzu viele auf der Käuferseite stehen. Da kann es dann auch mal richtig zackig nach unten gehen … und das würde dann auch diejenigen nervös machen, die bislang glauben, da sei nach unten kein Risiko und Stoppkurse überflüssiger Tinnef.

Ja, Halbleiter-Aktien sind spannend. Und mittelfristig müssten die Hochs noch nicht unbedingt erreicht sein. Aber scharfe, auch sehr scharfe Korrekturen sind in einem Umfeld wie diesem jederzeit möglich. Das heißt zwar nicht, dass man, wenn man hier stark investiert ist oder auf die von den Chip-Aktien gezogenen Indizes setzt, automatisch auf einer tickenden Zeitbombe sitzen würde. Aber eine Falltür könnte das allemal sein, daher: Kein Übergewicht in Halbleitern in Bezug auf das Gesamtkapital … in markttechnisch überhitzten Phasen immer mal wieder ein bisschen Kasse machen, damit man nach kräftigen Korrekturen etwas hat, um zuzukaufen … und Stop Loss-Absicherungen für den „Fall eines Falles“: Das wäre hier auf jeden Fall dringend geraten!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

11.05.2026

Die Jäger der runden Marken — Ronald Gehrt

04.05.2026

„sell in may and go away“ … klappt es diesmal endlich? — Ronald Gehrt

27.04.2026

US-Indizes auf Rekordlevels – wie Emotionen die Fakten aushebeln — Ronald Gehrt

20.04.2026

Einfach nach der Charttechnik traden … kann es so einfach sein? — Ronald Gehrt

06.04.2026

Zeit für den Frühjahrsputz – putzen Sie das Depot gleich mit durch! — Ronald Gehrt

30.03.2026

FOMO – Wenn es wie Mut aussieht, aber Angst dahintersteckt — Ronald Gehrt

23.03.2026

Das KGV kann ein hervorragender Wegweiser sein – wenn man es richtig nutzt — Ronald Gehrt

16.03.2026

Was tun, wenn die Kurse schneller sind als Sie? — Ronald Gehrt

09.03.2026

Warum sind die US-Börsen bislang so stabil? — Ronald Gehrt

02.03.2026

Börsensprüche … können die wirklich etwas taugen? — Ronald Gehrt

23.02.2026

KI als Sargnagel der Software … wirklich? — Ronald Gehrt

16.02.2026

Yen-Carry-Trades: Sind sie ein Damoklesschwert für die US-Börsen? — Ronald Gehrt

09.02.2026

Auffällige Umschichtungen am US-Aktienmarkt: Vom Glatteis in den Treibsand? — Ronald Gehrt

02.02.2026

Crash bei den Edelmetallen: Was lief da schief – und wie könnte es weitergehen? — Ronald Gehrt

08.12.2025

Das Hindenburg Omen: Crash-Orakel oder Mummenschanz? — Ronald Gehrt

01.12.2025

Zinssenkungs-Rallyes sind gefährlich … wenn man zu sehr an sie glaubt — Ronald Gehrt

24.11.2025

Nein, meine Fakten will ich nicht: Börsenzyklen aus psychologischer Sicht — Ronald Gehrt

17.11.2025

Kursziele gewinnen immer mehr an Einfluss. Ist das gut so? — Ronald Gehrt

10.11.2025

Börsen-Blasen und der Kopf-Faktor. — Ronald Gehrt

03.11.2025

Der ETF-Faktor: Wie ETFs die Struktur der Märkte verändert haben — Ronald Gehrt

27.10.2025

Ein Blick hinter die Kulissen der Märkte – Roundup Herbst 2025 — Ronald Gehrt

20.10.2025

Was ist die höchste Ebene, die ein Trader erreichen kann? — Ronald Gehrt

13.10.2025

Silber, Gold, Platin & Palladium: An der Börse ein Fall für sich — Ronald Gehrt

06.10.2025

Offene Situation beim Nasdaq 100: Raten oder warten? — Ronald Gehrt

29.09.2025

Warum erwischen Trendwenden so viele auf dem falschen Fuß? — Ronald Gehrt

22.09.2025

Warum Stoppkurse manche ärgern, man sie aber trotzdem setzen muss — Ronald Gehrt

15.09.2025

Die „Fed“ wird ein Signal senden, aber das wird kein „Game Changer“! — Ronald Gehrt

01.09.2025

Müsste man an den Börsen mit einer „Zollpanik 2.0“ rechnen? — Ronald Gehrt

25.08.2025

Was kann man jetzt überhaupt noch kaufen? — Ronald Gehrt

18.08.2025

Die großen Börsen-Irrtümer … und ihre Ursachen — Ronald Gehrt

11.08.2025

Folgen Sie dem Geld! — Ronald Gehrt

04.08.2025

US-Arbeitsmarkt, Notenbank und einer, der es besser weiß — Ronald Gehrt

28.07.2025

Man hat sich geeinigt … aber was gibt es da jetzt zu jubeln? — Ronald Gehrt

21.07.2025

Sechs Monate Donald Trump: Warum ist man am Aktienmarkt so bullisch? — Ronald Gehrt

07.07.2025

Ein Blick hinter die Kulissen der Märkte – Roundup Sommer 2025 — Ronald Gehrt

30.06.2025

KI und die Börse — Ronald Gehrt

23.06.2025

Rücksetzer, Korrektur oder Abwärtswende – wovon hängt ab, was passiert? — Ronald Gehrt

16.06.2025

Wenn die Hoffnung verhungert, ist eine Verkaufslawine manchmal nicht weit — Ronald Gehrt

10.06.2025

Grand Hand ohne vier: Die Bullen haben keine Trümpfe … aber einen Joker — Ronald Gehrt

02.06.2025

Diese Sache mit der „letzten Meile“ … wird die Luft für den US-Aktienmarkt jetzt dünn? — Ronald Gehrt