Börsenblick

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Aktienanalyse:
Schock bei Netflix: Kundenzahlen rückläufig!

Netflix ist der weltweit führende Streaming-Anbieter.

Mit Ansage

Die Probleme von Netflix werden immer offensichtlicher, doch das könnte erst der Anfang sein.

Netflix ist nicht profitabel, denn man gibt weiterhin mehr Geld aus, als man einnimmt.
Der Umsatz lag unter den Erwartungen und dann folgte der Schock: Die Zahl der Kunden im Heimatmarkt USA waren im letzten Quartal rückläufig.

Das war absehbar und ich hatte frühzeitig auf all diese Probleme hingewiesen, gehen wir sie nacheinander durch.

Netflix ist nicht profitabel

Das Unternehmen gibt mehr Geld aus, als es einnimmt. An diesem Punkt endet jede Diskussion. Es ist einfach Fakt.

Im abgelaufenen Quartal lag das Minus bei 593 Mio. USD, nach 559 Mio. USD im Vorjahr.

Netflix nutzt schlichtweg einen Buchhaltungstrick, um einen Gewinn vorzuspiegeln. Ich hatte es bereits in mehreren Analysen erklärt, der Trick geht wie folgt:

Netflix argumentiert, dass die Einnahmen der Eigenproduktionen erst mit der Zeit und nicht sofort erfolgen und daher sollten auch die Kosten über die Jahre hinweg verbucht werden.

Das ist zwar zulässig, am Kassenstand ändert es aber nichts. Man betreibt diese Praktik bereits seit geraumer Zeit und der Turnaround ist bis heute nicht erfolgt. Jedes Quartal gibt man hunderte Millionen Dollar mehr aus, als man einnimmt.

Selbst der Vorstand erwartet inzwischen erst 2021 oder 2022 ein positives Ergebnis. Bis dahin wird man weiter auf Pump Milliarden verbrennen.

Das Wachstum lässt nicht nur nach: Netflix verliert Kunden!

Die Schulden explodieren also regelrecht, daher bleibt Netflix nur die Flucht nach vorne.

Man muss möglichst schnell wachsen, um der Lage Herr zu werden. Doch genau hier liegt das Problem. Im Jahresverlauf 2018 hat sich das Wachstum spürbar abgekühlt. Ein Großteil der Fortschritte wurde in der ersten Jahreshälfte erzielt, als die Zuwachsraten noch nahezu dreimal so hoch waren.

Das ist ein klares Warnzeichen.

Abozahlen können eben nicht unendlich steigen. Netflix hat in den USA 60 Mio. Abonnenten, das Land hat aber nur 126 Mio. Haushalte. Die Marktdurchdringung ist extrem hoch, vor allem weil Accounts unter Freunden teilbar sind.

Eine Expansion in andere Länder ist dagegen schwerer als man annehmen möchte. Europa dürfte am einfachsten sein. Der größte Markt China ist aber nicht zugänglich und in Ländern wie Indien, Korea oder Japan gehen westliche Blockbuster reihenweise einfach unter. Es muss sehr viel mehr als nur die Sprachbarriere überwunden werden.

Doch selbst ich hätte nicht erwartet, was jetzt kommt: Im letzten Quartal war die Zahl der Kunden im US-Heimatmarkt sogar rückläufig.

Was ich erst in einigen Jahren erwartet hätte, scheint jetzt schon einzutreffen. Der US-Streaming-Markt ist gesättigt.
Gleichzeitig verliert Netflix am laufenden Band Inhalte.

Front gegen Netflix

Einige der größten Content-Eigentümer haben eine breite Front gegen Netflix gebildet. Disney, Comcast und AT&T haben gemeinsam einen direkten Konkurrenten aufgebaut.
Der Umsatz von Hulu lag im Vorjahr bereits bei mehr als 2,0 Mrd. USD und die Zahl der Nutzer stieg um 40% auf 17 Millionen.

Disney war bisher der größte Contentpartner von Netflix und wird seine Inhalte zukünftig abziehen und nur noch selbst vertreiben.

Das sollte man nicht unterschätzen, denn Disney hat eine weitaus größere Bibliothek als Netflix und gibt auch mehr für Content aus. Netflix verliert einige der beliebtesten Serien und Filme.

Darüber hinaus hat man 21st Century Fox übernommen und die ebenfalls an Hulu beteiligte AT&T hat sich Time Warner gesichert. Immer mehr Content befindet sich im Feindeslager.

Dieser Bereich war für Netflix aber der einzig profitable und hat die Eigenproduktionen mitfinanziert, denn dieses Business ist einfach. Man erhält Material und hat keine Herstellungskosten. Die Angebote werden gestreamt und die Erlöse teilt man sich mit den Eigentümern.

Ausblick und Bewertung

Es handelt sich also nicht nur um ein schwaches Quartal, sondern um ganz grundlegende Probleme, die man ernst nehmen sollte.

Eine Bewertung von Netflix ist ebenfalls schwierig, denn das Unternehmen macht keinen Gewinn. Eine P/E kann man also nicht berechnen.

Bei Wachstumswerten wird dann gerne der operative Cashflow herangezogen, doch auch der ist negativ.

Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, auch bei all der Zukunftsphantasie nicht.

Am Ende bleibt wohl nur das Kurs-Umsatz-Verhältnis. Hier kommt Netflix derzeit auf einen Wert von ungefähr 9. Im S&P500 gibt es kein anderes Unternehmen, mit einer höheren KUV, welches nicht profitabel ist.

Doch vielleicht kann man Netflix nur an sich selbst messen. Versuchen wird es: In den letzten fünf Jahren lag das KUV im Durchschnitt bei 6,8 und am Jahresende nie über 8,1. Trotz der bereits erfolgten Korrektur, ist die Bewertung auch jetzt noch hoch.

Sackgasse?

Netflix hat sich inzwischen in eine schwierige Lage manövriert.

Im abgelaufenen Quartal sind die langfristigen Schulden von 11,07 auf 12,59 Mrd. USD gestiegen.
Das muss das Unternehmen nicht unmittelbar zurückzahlen, aber bereits jetzt fallen hunderte Millionen USD an Zinsen an.

Dieser Umstand, gepaart mit anhaltenden Verlusten und einem sich verlangsamenden Wachstum ist eine ganz üble Mischung.

Das Verhältnis zwischen neuen Schulden und Wachstum wurde über die Jahre hinweg auch immer schlechter. Im letzten Jahr waren 3,86 Mrd. USD an neuen Schulden notwendig, um den Umsatz um 4,10 Mrd. USD zu steigern.
Im letzten Quartal waren 1,52 Mrd. USD neue Schulden notwendig, um ein Umsatzplus von 400 Mio. USD zu erzielen.

Wie lange kann man das in dieser Art und Weise fortführen?

Charttechnik

Nach all der Kritik werden mir mache Leser vorwerfen, dass ich Netflix- Bashing betreibe. Doch Sie täuschen sich, ich war selbst über Jahre hinweg investiert. In das Bärenlager bin ich erst im vergangenen Jahr gewechselt, als sich immer mehr Probleme abzeichneten. Jetzt treten Sie klar zutage.

Auf die charttechnisch problematische Lage hatte ich kürzlich hingewiesen.

Mit Unterscheiten der Unterstützung bei 342 USD ist es jetzt zu einem Verkaufssignal gekommen. Unterhalb von 320 USD wäre jetzt Platz in Richtung 310 und 300 USD. Mittelfristig wären auch 275 und 250 USD denkbar.

Oberhalb von 330 USD könnte es kurzfristig zu einer Erholung bis 336 oder 342 USD kommen. An der übergeordnet bärischen Lage ändert das aber nichts.

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Chart vom 19.07.2019 Kurs: 325 Kürzel: NFLX - Tageskerzen | LYNX Online Broker

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