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Die Erwartungen an Micron waren bereits außergewöhnlich hoch, wurden jedoch um Längen geschlagen. Komplette Neubewertung notwendig?
Warum Micron plötzlich in einer anderen Liga spielt
Wer die Entwicklung von Micron in den vergangenen Monaten aufmerksam verfolgt hat und ohnehin bullish für die Aktie war, den sollten starke Quartalszahlen eigentlich nicht überraschen.
Was das Unternehmen jedoch im letzten Quartal abgeliefert hat, dürfte selbst den größten Optimisten den Atem verschlagen.
Um zu verstehen, was hier passiert, muss man die Zahlen jedoch in den richtigen Kontext einordnen. Es geht nicht um einen kurzfristigen Gewinnsprung oder einen einmaligen Sondereffekt, vielmehr handelt es sich um eine tektonische Verschiebung.
Micron profitiert von einer außergewöhnlich starken Nachfrage nach Hochleistungsspeichern für Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Insbesondere High Bandwidth Memory (HBM), das in modernen KI-Beschleunigern zum Einsatz kommt, entwickelt sich zum entscheidenden Wachstumstreiber. Gleichzeitig bleibt auch das klassische DRAM- und NAND-Geschäft robust, sodass das Unternehmen auf mehreren Ebenen Rückenwind erhält.
Die Dynamik spiegelt sich eindrucksvoll in den Ergebnissen wider. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Gewinn je Aktie bereits von 1,30 auf 8,29 US-Dollar und damit auf mehr als das Sechsfache. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen Analysten inzwischen mit einem weiteren Sprung auf mehr als 73 US-Dollar je Aktie.
Das Ende der alten Speicherzyklen?
Doch zurück zum jüngsten Quartal. Der Gewinn lag mit 25,11 USD je Aktie meilenweit über den Erwartungen von 21,00 USD. Mit einem Umsatz von 41,5 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 36,5 Mrd. USD ebenfalls deutlich übertroffen.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die absolute Höhe der Zahlen, sondern auch die Ausgangslage. Bereits im Vorfeld hatten Analysten mit einem Umsatzwachstum von rund 300 Prozent und einem Gewinnanstieg von mehr als 1.000 Prozent gerechnet – und das, nachdem sich der Gewinn im Vorjahr bereits vervielfacht hatte.
Noch wichtiger ist jedoch der Blick nach vorn. Der Speichermarkt scheint sich komplett gewandelt zu haben – früher war er großen Schwankungen unterworfen, heute scheint die Nachfrage sehr viel konstanter und vehementer zu sein.
KI-Rechenzentren benötigen ein Vielfaches der bisherigen Speicherkapazitäten, und mit jeder neuen Generation leistungsfähiger Chips steigt auch der Bedarf an High-End-Speicher.
Das birgt die Möglichkeit für eine komplette Neubewertung des Unternehmens. Zyklische Halbleiterunternehmen werden häufig anhand ihrer Gewinne am Tiefpunkt eines Zyklus bewertet.
Wird aus einem Zyklus ein Megatrend?
Sollte sich die aktuelle Entwicklung fortsetzen, könnte Micron vor einer länger anhaltenden Phase stehen, die sich fundamental von früheren Auf- und Abschwüngen unterscheidet.
Darüber hinaus ist wenig Fantasie notwendig, um weitere Gewinnsteigerungen zu antizipieren. Für das vierte Quartal stellt Micron in etwa eine Verzehnfachung des Gewinns auf 30,00–32,00 USD je Aktie in Aussicht.
Unterstellt man, dass das Geschäft anschließend stabil bleibt, würde das Ergebnis im kommenden Geschäftsjahr, das bereits im September beginnt, auf mindestens 120 USD je Aktie steigen.
Das entspricht in etwa einer P/E von 10.
Den Konsensschätzungen zufolge wird jedoch ein Ergebnis von 154 USD je Aktie erwartet. Sollte das eintreffen, entspricht das einer P/E von 7,9.

Der Vorstand fasst die aktuelle Lage wie folgt zusammen: “Derzeit ist unklar, wann das Speicherangebot mit der rasant steigenden Nachfrage Schritt halten kann. Das Management geht davon aus, dass sich die Angebotslage erst ab 2028 schrittweise entspannen wird. Das unterstreicht die Einschätzung, dass Speicher zu einem strategischen Schlüsselfaktor für KI-Systeme geworden ist.”
(„Currently do not have line of sight as to when memory supply will be able to catch up with increasing demand, expect supply to improve gradually in 2028. […] underscoring management’s view that memory has become a strategic asset for AI system roadmaps.“)
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 26.06.2026 um 11:19 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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