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Auf langfristiger Ebene lief der MDAX meist besser als der DAX, in letzter Zeit allerdings nicht. Doch die Chance besteht, dass der „Index der zweiten Reihe“ diese Nachzügler-Rolle loswird. Der jüngste Aufwärtsschub könnte bereits ein erstes Signal in diese Richtung sein.
Der MDAX ist kein Index, der einen kurzfristigen Trader glücklich machen könnte, dazu sind die Bewegungen zu wenig an der reinen Charttechnik orientiert. Was zum einen daran liegt, dass er mit 50 Aktien aus sehr unterschiedlichen Branchen selten stur in eine Richtung tendiert, und zum anderen daran, dass er international weniger beachtet wird und daher auch Index-Derivate nicht so umsatzstark gehandelt werden, dass man da im kurzfristigen Zeitfenster oder gar intraday mit einem umsetzbaren Kursverhalten rechnen dürfte. Aber warum muss man einen Index wie diesen auch kurzfristig traden?

Deutlich interessanter ist er auf der mittel- und langfristigen Ebene. Da „funktioniert“ die Charttechnik passabel. So auch aktuell: Wir sehen im Chart auf Monatsbasis, dass der Index seit 2009 in einem übergeordneten Aufwärtstrend läuft, zuletzt auf der im Monatschart blau gehaltenen 1.000-Tage-Linie nach oben gedreht hat und jetzt Anstalten macht, sich an das 2021er-Hoch bei 36.429 Punkten, sein bisheriges Rekordhoch, heranzutasten. Grundsätzlich ist die Ausrichtung also bullisch. Die Frage ist, ob da jetzt noch einiges nach oben drin wäre, sollte es gelingen, das bisherige Jahreshoch bei 33.547 Punkten, auf das der MDAX aktuell zügig zusteuert, zu überwinden.
Expertenmeinung: Die Chance dafür ist, wie eingangs geschrieben, da. Sich blind darauf verlassen sollte man aber besser nicht. Denn ja, der MDAX beheimatet Aktien aus seit Längerem gedrückten Branchen wie klassische Industrie, Immobilien oder Chemie. Sollte es wirklich zu einem Umschichten bei großen Adressen kommen, indem man bei den Zugpferden des zweiten Quartals aus dem Tech-Sektor Kasse macht und günstig bewertete Titel im Bereich der „Old Economy“ einsammelt, kann das dem Index definitiv Beine machen, aber:
Just im Juni hatte der MDAX ja vier Neuzugänge bekommen, von denen drei aus dem TecDAX kommen: Siltronic, Elmos Semiconductor und SUSS MicroTec. Und diese drei gehören eben zu den Gipfelstürmern der letzten Monate und starteten zu immens hohen Kursen im MDAX. Zusammen mit den bereits vorher hier notierten Aixtron und Jenoptik hätte eine größere Korrektur dieser vorherigen Kursraketen durchaus eine nennenswerte Bremswirkung.
Doch weder muss diese Korrektur zwingend groß ausfallen noch müsste das die anderen, großenteils zurückgebliebenen Aktien im MDAX zwingend daran hindern, zuzulegen. Daher ist diese Überlegung nur eine, die zu vorsichtigem Vorgehen führen sollte, nicht aber dazu, das Aufwärtspotenzial des MDAX gleich von vornherein gering zu schätzen oder gleich ganz abzuschreiben.
Da kurzfristiges Trading hier nicht gerade empfehlenswert ist, kurzfristige Signale aber allemal Anhaltspunkte für mittel- und langfristige Positionen bieten können, wäre eine Möglichkeit, sich des Index anzunehmen oder bestehende Long-Positionen auszubauen, ein genauer Blick auf die jetzt relevanten Charthürden. Geht der MDAX über das bisherige Jahreshoch, wäre das ein positives Signal, bei dem man grundsätzlich über Zukäufe nachdenken könnte, ein Ausbruch über das 2021er-Rekordhoch ebenso.
Wichtig wäre dabei aber, mit kleinen Schritten vorzugehen und die Positionsgröße immer so zu halten, dass man nicht genötigt ist, allzu enge Stoppkurse zu setzen. Dabei würde ein Seitenblick auf die Marktbreite nicht schaden: Je größer die Anzahl unter den 50 MDAX-Titeln ist, die sich in einem Aufwärtstrend bewegen oder gerade in einen solchen eingeschwenkt haben, desto größer ist die Chance, dass man da einen eher robusten Aufwärtsimpuls vor sich hat.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 03.07.2026 um 23:18 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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