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XAGUSD Prognose Silber: Das „Sudden Death“-Risiko steigt

News: Aktuelle Silber Analyse des London Silber Spot

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Vorherige Analysen des London Silber Spot

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 12.01.2026 um 22:09 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Am Montag markierte der Silberpreis schon wieder einen neuen Verlaufsrekord. Gegenüber dem Schlusskurs 2025 hat das Edelmetall in diesen wenigen Tagen des neuen Jahres in der Spitze schon wieder fast 20 Prozent zugelegt. Trotzdem ist das keine Blase … oder doch?

Eigentlich verbindet man mit einer „Blase“ eine Übertreibung, die beinhaltet, dass eine Aktie, ein Index, eine Währung oder auch ein Rohstoff weit teurer gehandelt wird, als der realistische Wert das erwarten ließe. Und da es für Gold und Silber keinen klar errechenbaren „fairen“ Wert geben kann, weil hier keine Messgrößen wie KGV, KUV oder KCV anwendbar sind, könnte man einfach sagen: Wir sehen hier keine Blase, weil Silber nie „zu teuer“ sein kann.

Aus dieser Warte heraus hätte man damit zwar recht. Aber „Blase“ kann sich durchaus auch auf das Kursverhalten an sich beziehen. Und ja, dann hätten wir hier eine Spekulationsblase, die, rein vom Chartbild, sehr an die Endphase der Internet-Blase im Jahr 2000 erinnert:

Silber: Chart vom 12.01.2026, Kurs 85,03 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Online Broker LYNX
Silber: Chart vom 12.01.2026, Kurs 85,03 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Schon nach dem Ausbruch über das bei 54,49 US-Dollar gelegene Oktober-Hoch Ende November waren die täglichen Handelsspannen des Silberpreises sukzessiv größer geworden. Aber seit Weihnachten sehen wir hier mehrheitlich Tages-Spannen von fünf bis zehn Prozent. Zugleich ist aus dem „straighten“ Anstieg bis Weihnachten ein immens hektisches Auf und Ab geworden, wobei auffällt, dass es seit Ende November nur ein einziges Mal den Fall gab, dass zwei Tage nacheinander auf Schlusskursbasis ein Minus aufwiesen.

Das deutet an, dass hier immer mehr kurzfristige Trader aktiv werden, die von der immensen Dynamik dieser Kursbewegung angelockt werden. Hier, so scheint es, kann man in kürzester Zeit immens viel verdienen, vor allem, wenn man nicht im Silber selbst tradet, sondern mit Derivaten. Und man darf befürchten, dass der Umkehrschluss, dass man in einem solchen Hexenkessel auch in kürzester Zeit immens viel verlieren könnte, nicht vollzogen wird. Zumindest war das in allen „Blasen-Phasen“ früherer Jahre und in egal welchem Asset so.

Und damit wird die Sache für „normale“ Anleger, die nicht zocken, sondern vernünftig einem lukrativen Trend folgen wollen, problematisch. Das Risiko plötzlicher, sehr weitreichender Kursimpulse in beide Richtungen, bei denen es sich unmöglich abschätzen lässt, wie lange sie dauern und wie weit sie reichen, ist in einem Umfeld wie diesem hoch. Dass die Rohstoff-Terminbörse COMEX Ende Dezember zweimal die Höhe der Sicherheitsleistungen für Silber-Derivate (Margin) nach oben genommen hat und die Volatilität seither keinen Deut geringer wurde, zeigt dabei: Hier geht es gerade extrem zu.

Wer hier mit dabei sein will, sollte daher nicht nur gute Nerven mitbringen, sondern auch die nötige Ruhe, die man nur durch Erfahrung gewinnt. Zudem müsste man absolut konsequent in Bezug auf Money-Management und Absicherungen sein. Aber heißt das, dass die Luft nach oben dünn ist und der große Knall unmittelbar bevorsteht?

Das kann so sein, muss es aber nie. Das ist eben die Crux bei Spekulationsblasen: Die Sichtweite beträgt, nüchtern betrachtet, glattweg null. Wir sehen im obigen Chart, dass sich der Silberpreis derzeit an der 10-Tage-Linie und damit an einem ungewöhnlich kurzfristigen gleitenden Durchschnitt nach oben hangelt. Den könnte man daher als „Leitstrahl“ sehen, die darunter verlaufende 20-Tage-Linie als „Sprungtuch“. Aber darauf verlassen kann man sich in einem solch hochkochenden Markt nicht, daher:

Silber ist, wenngleich sicherlich nicht auf alle Zeit, derzeit kein „sicherer Hafen“ für eher konservative Investoren, sondern eine Spielwiese kurzfristiger Trader, die, so muss man annehmen, nicht alle das nötige Rüstzeug eines guten Traders mitbringen. Hier ist Vorsicht geboten!

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.12.2025 um 22:30 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Am Freitag, als große Teile der Anleger noch den 2. Weihnachtsfeiertag feierten, stieg der Silberpreis um sagenhafte 8,8 Prozent auf ein neues Allzeithoch. Am Montag startete der Kurs erneut höher … aber dann begannen Verkäufe, die zu einer Lawine wurden. Was nun?

Silberpreis: Chart vom 29.12.2025, Kurs 72,55 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Silberpreis: Chart vom 29.12.2025, Kurs 72,55 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Quelle: TWS

Schon der Heiligabend endete bei eher ruhigem Handel mit einem neuen Rekord-Schlusskurs (72,21 US-Dollar). Am 2. Weihnachtsfeiertag schloss Silber dann bereits bei 79,63 US-Dollar. Und in diese Woche ging es dann mit einem neuen Verlaufsrekord von, je nach Marktplatz, 83,61 bis 84,10 US-Dollar pro Feinunze los. Was war da los … haben die Zocker einfach die Kontrolle über ihr Tun verloren, mussten die letzten Bären panisch eindecken … oder kam da etwas von außerhalb?

Es dürfte von allem etwas gewesen sein. Ein immer weiter steigendes Momentum der Hausse hat meist zur Folge, dass immer mehr Trader immer waghalsiger agieren. Solche Fälle hat die Börsengeschichte in rauen Mengen vorzuweisen … und in so ziemlich allen Assets. Und natürlich stehen den Bullen Verkäufer gegenüber, die keineswegs nur bestehende Long-Positionen an andere weiterreichen oder körperliches Silber direkt oder über Derivate losschlagen, sondern, z. B. im Future, auch Trader, die auf einen „sudden death“ der Hausse wetten. Der Haken dabei ist:

Man weiß bei solchen Rallyes nie, wann sie vorbei sind. Und wenn die Kurse immer schneller zulegen, müssen solche bärischen Trader einfach ihre Positionen schließen, um nicht alles zu verlieren. Was sie mit einem Gegengeschäft tun müssen, sprich: Sie müssen einen Long-Trade eingehen, um ihre bestehende Short-Position dadurch zu neutralisieren. Und das treibt einen Kurs nur noch schneller nach oben.

Denkbar ist auch, dass das Auslaufen der Silber-Optionen am 23. Dezember (mit Liefertermin Januar) für mehr Akteure als sonst damit einherging, dass Anleger für erworbene Long-Futures und/oder Call-Optionen eine tatsächliche Lieferung verlangten, die die Verkäuferseite aber so nicht umsetzen konnte und deshalb eilig Silber am Markt beschaffen musste.

Aber die Sache zum Überkochen dürfte die Meldung gebracht haben, dass China ab 1. Januar neue Exportregeln für Silber einführt. Da China ein äußerst großer Silber-Lieferant ist und man schon zuvor davon ausging, dass die Nachfrage 2026 größer sein dürfte als das Angebot, kann auch das panische und spekulative Käufe ausgelöst haben. Und dann, am Montagmorgen, ging etwas schief.

Expertenmeinung: Etwas, mit dem man eigentlich jederzeit rechnen muss, wenn ein Chartbild wie eine Parabel daherkommt: Irgendwann hat gekauft, wer kaufen wollte oder musste. Und das bei einem Kurs, der so hoch ist, dass selbst absolut überzeugte Bullen sich sagen: Es wird Zeit, Gewinne mitzunehmen, an die ich vor ein paar Wochen nicht einmal im Traum gedacht hätte. Kurz: Auf einmal kippt das Verhältnis der Käufer zu den Verkäufern. Und wenn das nicht blitzschnell aufgefangen wird, sehen das andere Trader und sagen sich: Lieber jetzt verkaufen, solange der Gewinn noch groß ist. Während sich das Käufer-Lager sagt: Wenn ich mir diesen Chart so ansehe, würde ich jetzt in ein fallendes Messer greifen, also: Lieber mal abwarten, was da passiert. Das Ergebnis für den Montag:

Ein dramatischer Kurseinbruch um 8,33 Prozent. Und ein „bearish engulfing pattern“ (eine lange, rote Kerze, die den grünen Kerzenkörper des Vortags komplett umhüllt) nach einer schwindelerregenden Rallye bei massiv überkauften markttechnischen Indikatoren. Was anders könnte das sein als das Ende der Fahnenstange?

Richtig ist: Es ist möglich, dass wir jetzt für längere Zeit das Hoch gesehen haben. Falsch wäre zu behaupten, dass das zwingend der Fall sein muss. Denn die die Hausse unterfütternde Problematik eines Nachfrage-Überhangs bleibt ja bestehen. So gesehen ist es durchaus denkbar, dass die Käufer diesen Absturz auffangen. Ob das dann zu neuen Hochs führt oder sich Silber „nur“ stabilisiert, ist nicht vorhersagbar. Aber zumindest eine Stabilisierung wäre machbar, so dass man hier mit der Short-Seite besser vorsichtig sein sollte. Aber wo genau sich diese Stabilisierung abspielen könnte, ist genauso wenig vorab bestimmbar, das Chartbild zeigt, weshalb:

Silber hätte zwar gleich eine ganze Handvoll an potenziellen Unterstützungen zu bieten, an denen der Kurs drehen oder zumindest die Verkaufslawine stoppen könnte. Aber Sie sehen: Die reichen von der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie bei derzeit 45 US-Dollar bis zum nächstgelegenen Support in Form der 20-Tage-Linie bei 65 US-Dollar. Bei einer solchen charttechnischen Vorlage kann man eigentlich nur eines raten: Besser kurzfristig noch raushalten, denn in Situationen, in denen nichts unmöglich ist, hat sich schon mancher die Finger ganz erheblich verbrannt!

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 22.12.2025 um 19:44 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Silber kocht. Die Volatilität ist immens … aber derzeit findet sie fast ausschließlich auf der Oberseite statt. Das führt dazu, dass sich viele Trader schnell an etwas gewöhnen, das höchst ungewöhnlich ist. Einen Schritt zurückzutreten, wäre nötig, um zu hohe Risiken zu vermeiden.

Es läuft für die Bullen, keine Frage. Der ersten „Super-Kaufwelle“, die Anfang September startete und bis Mitte Oktober lief, folgte Ende November eine zweite, die bis jetzt anhält. Dass das Tempo der Rallye zunimmt, ist denen, die hier immer intensiver und oft auch aggressiver long sind, natürlich nur recht. Und was die Bären denken, spielt keine Rolle, nicht in einer „Fahnenstange“, wie sie Silber jetzt ausgebildet hat, also in einer Aufwärtsbewegung, die „steil geht“, immer mehr an Dynamik zulegt.

Was soll schon passieren, dürften da manche denken … denn man wäre verleitet zu glauben, dass zwar auch jetzt eine Korrektur nicht zu umgehen ist, die aber so relativ sanft laufen wird wie im Oktober/November und danach sowieso neue Hochs anstehen, so dass man sich keine Gedanken um korrekte Stoppkurse oder kluges Timing machen muss.

Die Vermutung, dass relativ viele Akteure die Sache so sehen könnten, basiert darauf, dass es in der Börsengeschichte eine Menge vergleichbarer Situationen gab. Die Explosion des Ölpreises 2007/2008, die „Dot.Com“-Blase 1999/2000, die Entwicklungen verschiedener Einzelwerte wie einstmals bei der Volkswagen-Aktie oder so mancher „Meme-Aktie“ der letzten Jahre … und letzten Endes alle Phasen, in denen Preise den Kontakt mit der Realität verloren hatten, bis zurück zum Tulpen-Crash im 17. Jahrhundert. Und allen war zweierlei gemein:

Expertenmeinung: Zum einen, dass kaum jemand dachte, dass das schiefgehen könnte, und zum anderen, dass es am Ende eben doch schiefging.

Interessant ist, dass man im Fall dieser Silber-Hausse nicht einmal allzu viele Warnungen hört, denen man dann stereotyp entgegnen könnte, dass es diesmal doch etwas ganz anderes sei. Aber selbst, wenn man allerorten Warnungen hören würde: Es würde die Trader nicht abhalten, mit steigenden Gewinnen auch ihr Risiko durch noch aggressiveres Trading zu erhöhen, in dem Glauben, dass da schon nichts anbrennen wird.

Aber tritt man mal einen Schritt aus dem Wald heraus, um wieder den Überblick zu bekommen, würde man im Chart auf Monatsbasis feststellen: Wir sind jetzt bereits extrem weit über die alten Rekorde gelaufen, die 1980 und 2011 bei knapp unter 50 US-Dollar pro Feinunze erreicht wurden. Noch Anfang 2025 hätte einem wohl ein jeder einen Vogel gezeigt, wenn man behauptet hätte, der Silberpreis würde in diesem Jahr die 50 US-Dollar erreichen. Jetzt kratzt der Kurs an der 70-US-Dollar-Marke … und kaum jemand findet das seltsam. Der Gewöhnungseffekt ist an der Börse äußerst stark ausgeprägt. Vor allem, wenn man auf der richtigen Seite steht.

Silberpreis: Monatschart vom 22.12.2025, Kurs 68,59 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Silberpreis: Monatschart vom 22.12.2025, Kurs 68,59 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Quelle: TWS

Aber der Blick auf die langfristige Kursentwicklung zeigt auch, wie äußerst drastisch die Hausse des Jahres 2011 endete. Da gab es kein gemütliches Auslaufen, keine Toppbildung: Der Kurs sackte einfach plötzlich weg. 1980 war das nicht anders gewesen. Je extremer das Momentum, desto leichtsinniger werden viele Marktteilnehmer. Das erhöht die Gefahr eines „sudden death“ der Hausse, die meisten „Fahnenstangen“ enden so. Daher:

Niemand könnte absehen, ob Silber noch bis 80 oder sogar 100 und mehr US-Dollar läuft oder gleich morgen ansatzlos einbricht. Das ist in solchen Situationen nicht absehbar, aber gerade das muss dazu führen, dass man dieses Risiko ernst nimmt. Nur, wer sich des Risikos bewusst ist, kann es eingrenzen.

Und da Fahnenstangen dazu führen, dass sich der Kurs sogar von relativ kurzfristigen gleitenden Durchschnitten weit entfernt, die sonst den Trend führen würden (in diesem Fall liegt sogar die 20-Tage-Linie erst bei 61,20 US-Dollar), wäre es unbedingt zu überlegen, die Positionsgröße im Sinne eines konsequenten Money-Managements so herunterzufahren, dass man sich einen so relativ weit entfernten Stop-Loss knapp unter dieser 20-Tage-Linie auch „leisten“ kann.

Silberpreis: Tageschart vom 22.12.2025, Kurs 68,59 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Silberpreis: Tageschart vom 22.12.2025, Kurs 68,59 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 09.12.2025 um 19:42 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die früheren Rekorde bei Silber aus den Jahren 1980 und 2011 bei knapp 49 US-Dollar schienen lange Zeit unerreichbar, immerhin waren das damals extreme Übertreibungen. Doch gestern wurden erstmals 60 US-Dollar erreicht. Ist das diesmal keine Übertreibungsphase?

Silberpreis: Monatschart vom 09.12.2025, Kurs 60,35 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Online Broker LYNX
Silberpreis: Monatschart vom 09.12.2025, Kurs 60,35 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Quelle: TWS

Und ob das eine Übertreibungsphase ist … allerdings nur aus chart- und markttechnischer Perspektive. Der Kurs des Edelmetalls, der im April zeitweise unter 30 US-Dollar gerutscht war, hat sich seither mehr als verdoppelt. Das ist, ohne triftige Gründe seitens der Rahmenbedingungen, eine Übertreibung. Und die präsentiert sich im Chart auf Monatsbasis (siehe oben) als eine perfekte „Fahnenstange“, also als einen Kursanstieg, dessen Intensität sukzessiv zunimmt. Unterfüttert wird die Einstufung als Übertreibung durch den RSI-Indikator, der auf Monatsbasis ebenso wie auf Wochenbasis (nicht abgebildet) und auf Tagesbasis klar überkauft ist. Fazit, rein von der „Technik“ her:

Ja, es kann jederzeit zu einem heftigen Rücksetzer kommen. Und da extreme Trendbewegungen normalerweise dazu führen, dass immer mehr Marktteilnehmer in diesem Markt immer riskanter agieren, kann das zu einer Verkaufslawine führen, die dann auch die Dimension eines Crashs annehmen kann, hier wären das mehr als zehn Prozent an einem Tag.

So etwas hat man beim Bitcoin und anderen „Kryptos“ in den letzten Jahren immer mal wieder erlebt. Und dass Silber und Kryptowährungen von der Sache her zwei völlig unterschiedliche Assets sind, spielt da keine Rolle. Denn für Trader sind sie es nicht. Beides sind Instrumente, in denen man mit hohen Hebeln Long oder Short sein kann. Und aktuell sind die meisten hier unübersehbar Long. Aber!

Expertenmeinung: In Bezug auf den Wert des Silbers sehen wir hier keine Übertreibung, weil man diesen „realen“ Wert gar nicht beziffern kann. Gold, Silber und andere Edelmetalle sind genau das wert, was der letzte Trade am Markt gerade dafür aufgerufen hat. Es gibt hier kein „bis hierhin und nicht weiter“ auf fundamentaler Basis. Das hilft, Trends bis zum Exzess auszureizen. Die man oft bei Rohstoffen sieht. Und selbst da, wo man mit Angebot und Nachfrage im „körperlichen“ Bereich als entscheidendes Element argumentieren kann, wie z. B. bei Rohöl, kommt es bisweilen zu Exzessen. Dass das bei Edelmetallen passiert, ist daher nichts, das überraschen kann, es passiert nur relativ selten.

Daraus kann man ableiten: Es gibt hier keinen „Deckel“. Wie bei vielen Exzessen – auch am Aktienmarkt, denken wir z.B. an das Platzen der „Dot.Com-Blase“ im Jahr 2000 – könnte es ein eher zufällig auftretendes Ungleichgewicht zwischen Käufern und Verkäufern sein, das diese Fahnenstange bricht. Vorher kann der Kurs noch weiter zulegen. Wie weit, wie lange, ist in einem solchen exzessiven Umfeld nicht vorhersagbar. Also, was tun?

Wer hier mittel- oder langfristig dabei ist, sollte einfach die Füße stillhalten und unter mittelfristig relevante Levels einen Stopp setzen. Aber für Anleger, die hier darüber nachdenken, mal schnell durch einen Trade mit hohem Hebel richtig Gewinn einzufahren, ist diese Gemengelage purer Treibsand. Das kann gutgehen, aber das muss es nie. Und bei Fahnenstangen gilt die Regel: Wenn es schiefgeht, dann meist richtig, daher: Wer nicht viel Erfahrung und Disziplin mitbringt, sollte sich von dieser scheinbar so sicheren „Gewinnmaschine“ lieber fernhalten!

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.11.2025 um 20:57 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Rein aus charttechnischer Sicht war der Ausbruch des Silberpreises perfekt. Das, was im Vorfeld ablief, passt ebenso hervorragend wie die Dynamik. Aber ist der Kurs jetzt nicht längst überbewertet, nachdem man eine Feinunze Silber im April noch für die Hälfte bekam?

Das ist er deswegen nicht, weil man bei einem Edelmetall kein objektives „zu billig“ oder „zu teuer“ messen kann. Es gibt hier ja keine Bewertungskriterien wie bei Aktien. Silber ebenso wie Gold und, grundsätzlich, auch andere Rohstoffe bewegen sich vom Kurs her immer stur nach den Veränderungen von Angebot und Nachfrage. Wobei die Nachfrage nach „körperlichem“ Silber für den Börsenkurs eine Rolle spielt, diese aber mal größer, mal kleiner ausfällt, je nach Anteil der reinen Spekulation am aktuellen Marktgeschehen.

Und wenn wir uns die Charts ansehen, ist eines wohl unstrittig: Die Relation Angebot zu Nachfrage hat sich bei Silber zum Wochenschluss, zugleich Monatsultimo, erheblich Richtung Nachfrage verschoben. Wäre es zielführend, nach der Motivation der Käufer zu forschen?

Expertenmeinung: Das wäre es, könnte man sie sicher bestimmen. Aber damit käme man letzten Endes auf keinen grünen Zweig. Waren es rein technisch orientierte Trader oder war die geplatzte Hoffnung auf einen Durchbruch in Bezug auf die Ukraine maßgeblich beteiligt? Haben überrollte Short-Trader die Rallye durch das Eindecken ihrer Short-Positionen noch nennenswert intensiviert? Und haben sie dann die Seiten gewechselt oder sind sie nur ausgestiegen? Man weiß es nicht … und muss es eigentlich auch gar nicht wissen.

Denn konsequent dem Trend zu folgen hat hier in diesem Jahr hervorragend funktioniert. Warum der Trend so sauber läuft, wieso die Charttechnik so tadellos einsetzbar ist, ist dann ja zweitrangig, wichtig ist: Es funktioniert so. Sehen wir uns die Charts an:

Silberpreis: Tageschart vom 28.11.2025, Kurs 56,41 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Online Broker LYNX
Silberpreis: Tageschart vom 28.11.2025, Kurs 56,41 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Quelle: TWS
Silberpreis: Monatschart vom 28.11.2025, Kurs 56,41 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Online Broker LYNX
Silberpreis: Monatschart vom 28.11.2025, Kurs 56,41 US-Dollar, Kürzel: XAGUSD | Quelle: TWS

Im Chart auf Monatsbasis sehen wir, dass das bullische Lager jetzt ein sehr eindrucksvolles Zeichen gesetzt hat. Im Oktober waren die alten Rekorde des Silberpreises aus den Jahren 1980 und 2011 zeitweise sehr deutlich überboten, doch zum Monatsende sackte das Edelmetall in diesen Bereich zurück. Es roch gewaltig nach Bullenfalle. Aber die Bullen ließen gar nicht erst etwas anbrennen und traten sofort wieder an. Das nahm Verkaufswilligen umgehend die Motivation. Ergebnis: Zum Ende des Novembers gelang, was Ende Oktober noch schiefzugehen drohte: ein signifikanter Ausbruch über die alten Rekorde.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.