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NASDAQ 100 Prognose Nasdaq 100: Der Druck im Kessel steigt

News: Aktuelle Analyse des NASDAQ 100 Index

In diesem Artikel
NASDAQ 100
ISIN: US6311011026
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Ticker: NDX -,-- %
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Börse: --

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Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral
Zum NASDAQ 100

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Zwischen Ende März und Anfang Juni war der Nasdaq 100 eine wahre Kursrakete. Es folgte eine Korrektur, die knapp die Hälfte des Anstiegs zurücknahm. Danach traten die Bullen zwar wieder an … aber aktuell läuft er in einer engen Spanne seitwärts. Was hat das zu bedeuten?

Eine Seitwärtsbewegung nach einer hochvolatilen Phase, wie wir das beim Nasdaq 100 aktuell sehen, ist ein Zeichen dafür, dass die Angst steigt, sich die Finger zu verbrennen. Das endet oft mit einem fulminanten Ausbruch. Die Richtung des Ausbruchs ist derzeit zwar noch völlig offen. Aber das dürfte nicht lange so bleiben.

Dass der technologielastige Index seit drei Wochen in der engen, kaum mehr als zwei Prozent breiten Spanne zwischen der 20-Tage-, 50-Tage- und 100-Tage-Linie seitwärts läuft, dürfte dabei gleich mehrere Gründe haben, die die Notierungen einerseits von einem Ausbruch nach oben abhalten, zugleich aber auch verhindern, dass er nach unten wegrutscht.

Zum einen hoffen die Trader darauf, dass entweder der KI/Halbleiter-Sektor in eine neue Hausserunde startet oder alternativ die in der ersten Jahreshälfte massiv abverkauften Software-Titel den Staffelstab übernehmen und zum Zugpferd werden. Solange das möglich bleibt, tendieren viele Anleger erfahrungsgemäß dazu, solche Positionen zu halten und bei jedem Ansatz eines neuen Aufwärtsimpulses zuzukaufen. Das stützt den Index bislang effektiv.

Zum anderen naht der „dreifache Hexensabbat“, der große, Futures einschließende Abrechnungstag an der Terminbörse, der an diesem Freitag abgewickelt wird. Die großen Akteure am Terminmarkt versuchen üblicherweise bereits zum Ende der dem Abrechnungstag vorangehenden Woche, einen Level beim Index zu erreichen, auf dem sie mit ihren Positionen am besten fahren. Im Fall einer relativ lange anhaltenden Seitwärtsbewegung ist dabei üblicherweise der Verbleib innerhalb der Handelsspanne das von den meisten favorisierte Ziel. Das könnte den Nasdaq 100 zumindest in den kommenden Tagen in der Handelsspanne von grob 28.200 zu 30.760 Punkten halten.

Aber das muss nicht gelingen, weil es auch Faktoren gibt, die Druck ausüben. Und ob man die noch lange wird auffangen können, ist zumindest fraglich, denn sie wiegen schwer:

Den aktuellen Kurs und Chart des NASDAQ 100 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Die großen Trends im Technologiesektor benötigen eine immense Fremdfinanzierung. Und je teurer die wird, desto mehr sorgt man sich, ob all die gewaltigen Investitionen, vor allem, wenn es um den KI-Sektor geht, in der bereits eingepreisten Dimension überhaupt kommen … und wenn ja, ob sie sich am Ende rechnen würden, angesichts der sich erheblich verdichtenden Möglichkeit, dass die US-Notenbank den Leitzins doch noch anheben wird, womöglich bereits erstmals übermorgen.

Und selbst wenn die „Fed“ am Mittwoch erneut zögern sollte: Der Anleihemarkt hat höhere Zinsen längst eingepreist. Die Rendite für US-Staatsanleihen (T-Bonds) mit zehn Jahren Laufzeit hatte am Freitag bereits Tuchfühlung mit der Fünf-Prozent-Marke aufgenommen. Geliehenes Geld ist teuer geworden … das bremst Investitionen ebenso wie die Konsumneigung. Und beides ist für die großenteils dem Technologiesektor zugehörigen Unternehmen im Nasdaq 100 essenziell.

Und der haussierende Ölpreis, die Rekordpreise für Diesel in den USA und die wenig darunter liegenden Kosten für Benzin erinnern die Trader tagtäglich daran, dass dieser Belastungsfaktor Inflation/Zinsen so schnell vermutlich nicht verschwinden wird, zumal die US-Regierung derzeit nicht den Eindruck erweckt, gegen die Entwicklung im Nahen Osten effektiv vorgehen zu können.

Diese Gesamtsituation mag kurzfristig dazu führen, dass sich zu wenige trauen, voranzugehen, ob nun auf der Long- oder Short-Seite, um einen neuen, größeren Impuls im Nasdaq 100 loszutreten. Aber den meisten dürfte völlig klar sein, dass da eher über kurz als über lang etwas kommen wird, und sie sind entsprechend wachsam. Und damit wird das aktuelle Wassertreten zur Startrampe eines neuen, größeren Trends und ist keineswegs ein Signal dafür, dass hier jetzt zukünftig Langeweile dominieren könnte.

Achten Sie daher auf die Chartzonen, auf die es für neue Impulse ankommen würde. Sie könnten schneller angelaufen werden, als man denkt. Auf der Oberseite ist die Lage dabei einfacher: Das bullische Lager müsste klar über die aus den Juni-Hochs bestehende Widerstandszone 30.229 zu 30.762 Punkte hinaus. Damit würde man beim Nasdaq 100 aus charttechnischer Sicht den Grundstein für den nächsten Hausse-Impuls legen.

Nasdaq 100: Chart auf Tagesbasis vom 11.09.2026, Kurs 29.368,44 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Chart auf Tagesbasis vom 11.09.2026, Kurs 29.368,44 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Auf der Unterseite geht es, was die derzeitige Handelsspanne betrifft, um die Unterstützungszone 28.197/28.629 Punkte. Allerdings würde der nächste Support in Form der Kreuzunterstützung aus dem Juli-Tief bei 27.176 und der 200-Tage-Linie bei momentan 27.130 Punkten ebenfalls noch vor einem mittelfristigen, größeren Short-Signal stehen. Da sollte man jedoch tendenziell nach dem Motto „Wehret den Anfängen“ vorgehen und bereits die nächstliegende Auffangzone im Blick behalten. Denn sollten sich die Belastungsfaktoren weiter verschärfen und/oder noch Unruhe vor den Zwischenwahlen am 3. November hinzukommen, könnte der Index durchaus schnell durch die einzelnen Auffangzonen rutschen.

Nasdaq 100: Chart auf Monatsbasis vom 11.09.2026, Kurs 29.368,44 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Chart auf Monatsbasis vom 11.09.2026, Kurs 29.368,44 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 12.09.2026 um 10:30 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

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Vorherige Analysen der NASDAQ 100 Aktie

17.08.2026
08:26 Uhr

Nasdaq 100: Die Bullen hätten jetzt drei Optionen — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 14.08.2026 um 22:59 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Aufgewärmtes soll ja bisweilen besonders gut schmecken. Aber das wäre im Fall der Halbleiter-Hausse auch nötig, wenn das bullische Lager beim Nasdaq 100 den „Deckel“ sprengen will. Es sei denn, es gelingt der Staffelwechsel hin zum Software-Sektor.

Ein Blick auf das langfristige Bild des Nasdaq 100 auf Monatsbasis zeigt: Zur Halbzeit des Augusts ist das Minus des Vormonats schon nahezu aufgeholt … und das bisherige Hoch, erreicht am 3. Juni bei 30.762 Punkten, ist nicht mehr so weit entfernt, dass man diesen „Deckel“ nicht mit einer starken Handelswoche sprengen könnte. Zumal an diesem Freitag auch noch die Abrechnung an der Terminbörse ansteht, was die Kurse in einem grundsätzlich bullischen Umfeld oft höher zieht.

Nasdaq 100: Chart auf Monatsbasis vom 14.08.2026, Kurs 30.046,14 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Chart auf Monatsbasis vom 14.08.2026, Kurs 30.046,14 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Und bullisch ist das Umfeld ja durchaus, auch wieder im „Mikrokosmos“ auf Tagesbasis. Das sah zwar noch vor knapp drei Wochen völlig anders aus, als der Index aus seiner vorherigen Handelsspanne dynamisch nach unten ausgebrochen war. Aber mittlerweile ist er zurück in der Spur und hat bereits alle wichtigen gleitenden Durchschnittslinien zurückerobert. Was fehlt, ist der Widerstandsbereich zwischen 30.329 und 30.762 Punkten. Der liegt nahe, wirkt aber massiv … und würde der Nasdaq 100 direkt auf dem Freitags-Level nach unten abdrehen, hätte man das nächste niedrigere Hoch und damit eine Bestätigung der grundsätzlich abwärts weisenden Tendenz. Das gilt es seitens der Bullen also zu verhindern, nur:

Expertenmeinung: Womit will man da ansetzen? Welche Aktien sollen den Index über das bisherige Hoch ziehen? Drei Möglichkeiten stünden da zur Wahl.

„Big Tech“ mit Aktien wie Meta, Alphabet, Microsoft, Apple und Nvidia. Aber da gehen ja gerade die durchaus berechtigten Zweifel um, ob diese Unternehmen sich in Sachen KI mit ihren Investitionen nicht übernehmen.

Eine andere Option wäre es, die Halbleiter-Hausse „aufzuwärmen“. Einige der vorherigen Zugpferde wie SanDisk, Western Digital oder Marvell hatten seit Ende Juni in der Spitze um die 50 Prozent und mehr korrigiert und ziehen gerade wieder an. Ob man die Anleger, die da als Letzte eingestiegen waren und somit „von den Hunden gebissen“ wurden, motivieren kann, es einfach noch einmal zu versuchen? Möglich wäre es, aber die Erfolgschance ist offen.

Andererseits würde es völlig ausreichen, wenn der Chipsektor auf dem aktuell konsolidierten Niveau friedlich seitwärts liefe, sofern man imstande wäre, einen neuen Hype aus dem Hut zu zaubern, indem man jetzt diejenigen Aktien zu Zugpferden macht, die so manche große Adresse zeitgleich mit Long-Trades auf Halbleiter leer verkauft, sprich short getradet hat: die Software-Aktien.

Immerhin muss man eher nicht fürchten, dass allzu viele daherkommen und einwenden würden, dass es doch vor einem halben Jahr noch hieß, da sei jetzt alles vorbei, und die Frage in den Raum stellen, warum denn jetzt auf einmal das Gegenteil wahr sein soll. Der Markt vergisst und verzeiht schnell, wenn die Kurse nur dynamisch genug steigen. Und wenn man sich ansieht, dass Aktien wie Synopsys, Palantir oder Nebius in der Liste der größten Wochen-Gewinner des Index zu finden sind, die alle dem Software-Sektor zuzurechnen sind, könnte diese Variante, um den Index pünktlich vor oder zu der Abrechnung der Terminbörse am Freitag auf neue Hochs zu ziehen, durchaus funktionieren.

Nasdaq 100: Chart auf Tagesbasis vom 14.08.2026, Kurs 30.046,14 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Chart auf Tagesbasis vom 14.08.2026, Kurs 30.046,14 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Aber wenngleich die Short-Seite bei diesem Chartbild momentan keine Basis hätte: Auch Long-Trades sollte man mit einem gerüttelten Maß an Vorsicht angehen bzw. begleiten, denn über allen strategischen und taktischen Aktivitäten großer Adressen steht das Risiko des Unerwarteten in Bezug auf die Nachrichtenlage.

Hilfreich mag für den Nasdaq 100 sein, dass die Konjunkturdaten der letzten anderthalb Wochen die Hoffnung nähren, dass die US-Notenbank die Finger von der Zinsschraube lässt. Aber was aus dem Weißen Haus kommt, ist immer eine Art „Wundertüte“. Und dort wie hier weiß man erst, was man bekommt, wenn die Tüte auf einmal offen ist, daher: Den Nasdaq 100 ohne konsequente Stop-Loss-Absicherung zu traden, wäre aktuell mehr noch als sonst keine gute Idee.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

20.07.2026
08:17 Uhr

Nasdaq 100: Diamant-Formation nach unten verlassen – es wird eng — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 17.07.2026 um 22:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die vor einigen Wochen an dieser Stelle erwähnte Diamant-Formation im Nasdaq 100 wurde nach unten verlassen. Ein grundsätzlich bärisches Signal, das indes mit einem „Sprungtuch“ versehen ist, welches bislang hält. Allerdings darf jetzt wirklich nichts mehr schiefgehen.

Wenn man sich den Nasdaq 100 auf Monatsbasis ansieht, erkennt man schnell, dass die Bullen jetzt mit dem Rücken zur Wand stehen. Nachdem der April und der Mai, befeuert durch die wilde Hausse des Halbleiter-Sektors, massiv bullisch waren, drohte der Juni ein schwacher Monat zu werden. Es gelang zwar, die Verluste zum Ende des vergangenen Monats aufzuholen. Aber dadurch entstand ein sogenannter „Umbrella Doji“, der in einem fortgeschrittenen Aufwärtstrend nur dann positiv zu werten ist, wenn der Kurs danach umgehend weiter anzieht. Und genau das gelang beim Nasdaq 100 eben nicht.

Nasdaq 100: Chart auf Monatsbasis vom 17.07.2026, Kurs 28.592,66 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Chart auf Monatsbasis vom 17.07.2026, Kurs 28.592,66 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Unmittelbar mit dem Beginn des zweiten Halbjahres begann bzw. intensivierte sich die Korrektur der zuvor wie Raketen nach oben geschossenen Halbleiter-Aktien. Aber sie waren es eben, die den Nasdaq 100 auf seine neuen Rekorde katapultiert hatten. Deren durch ihre Kursanstiege hohe Gewichtung im Index führte dazu, dass der Abgabedruck sofort mit dem Start des Julis wieder einsetzte. Das Ergebnis:

Würde es bei diesem Kursniveau auch zum Monatsende bleiben, hätte sich beim Nasdaq 100 im Monatschart ein „Evening Star“ („Abendstern“) herausgebildet. Dabei handelt es sich um eine aus einer grünen Kerze, einem Doji und einer roten Kerze bestehende potenzielle Abwärtswende-Formation, die es hier zuletzt in weniger präzise ausgeprägter Form Ende 2021, vor dem Baisse-Jahr 2022, gab. Dass diese Formationen durchaus Gewicht haben, sieht man auch an der jüngsten, in die Gegenrichtung weisenden Variante, dem „Morning Star“: Eine solche Formation wurde zum Grundstein der Nasdaq-100-Hausse nach dem „Zoll-Schock“ im April 2025.

Zwar ist der Juli noch lang; das bullische Lager hätte also noch einiges an Zeit, um dieses kritische Chartbild vom Tisch zu bekommen. Aber eine ideale Ausgangslage hätte man dafür nicht, denn:

Da kommt jetzt diese im Chart auf Tagesbasis blau hervorgehobene Diamant-Formation ins Spiel: Dass die am Freitag sang- und klanglos nach unten verlassen wurde … und das an einem Abrechnungstag an der Terminbörse, der in den meisten Fällen dem bullischen Lager Vorteile bringt … ist ein kritisches Zeichen. Aber da wäre ja noch dieses eingangs erwähnte „Sprungtuch“:

Nasdaq 100 Index: Chart vom 17.07.2026, Kurs 28.592,66 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100 Index: Tages-Chart vom 17.07.2026, Kurs 28.592,66 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Der Nasdaq 100 steht zwar kurz davor, ein Doppeltopp zu vollenden, was in Kombination mit dem „Evening Star“ auf Monatsbasis zu einem massiven Tritt in die Kniekehlen der Bullen werden könnte. Aber noch ist die Formation eben nicht vollendet. Die Linie, auf die es da ankommt, geht auf das Tagestief des 9. Juni bei 28.197 Punkten zurück. Und eben diese Chartmarke wurde am Freitag bis auf kaum mehr als 0,1 Prozent angelaufen – und hielt. Der Haken dabei:

Sie hielt, aber nicht mehr. Ein Versuch, sich bald nach dem Handelsstart deutlicher von dieser Supportlinie abzusetzen, traf in der zweiten Tageshälfte auf Abgaben, sodass von einem glaubwürdigen Aufbäumen der Bullen keine Rede sein kann.

Das müsste sehr zeitnah nachgeholt werden, denn mit einem Bein über dem Abgrund lebt es sich auf Dauer nicht gut. Der Schlüssel dabei wird sein, was mit den derzeit unter immensen Schwankungen korrigierenden Halbleiter-Aktien, den bisherigen Hausse-Zugpferden, passieren wird. Fallen sie weiter, müssten Aktien aus anderen Branchen in die Bresche springen. Nur wenn die Bullen bei den Chipwerten zurückkommen und sich auch durchsetzen können, würde der Gesamtindex auch dann noch die Kurve kriegen können, wenn die zuletzt nicht mitgelaufenen Aktien weiter im Hintergrund bleiben sollten. Das wird das Thema dieser neuen Börsenwoche werden … achten Sie da mit Argusaugen auf diese Linie bei 28.197 Punkten!

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

01.07.2026
08:09 Uhr

Nasdaq 100: Das könnte eine Diamant-Formation werden — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.06.2026 um 23:00 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Für viele Aktienindizes war der Juni nicht gerade ein guter Monat. Doch beim Nasdaq 100 gelang es, ein zeitweise deutliches Minus zum Monatsende aufzuholen und das zweite Quartal damit mit perfekten Kursgewinnen zu beenden. Trotzdem könnte hier Ungemach drohen.

Die herausragend positive Bilanz des ersten Halbjahres basierte für den Nasdaq 100 allein auf dem zweiten Quartal. Das erste Vierteljahr tat sich wenig … bis auf einmal pünktlich zum neuen Quartal „entdeckt“ wurde, dass die Chiphersteller doch immens vom KI-Boom profitieren würden und man da eher gestern als morgen dringend zugreifen müsse. Immer, wenn so etwas passiert, sollte man den Level der eigenen Vorsicht umgehend eine Stufe höher ansiedeln.

Nasdaq 100: Monatschart vom 30.06.2026, Kurs 30.276,35 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Monatschart vom 30.06.2026, Kurs 30.276,35 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Vor allem dann, wenn es nicht um eine Hausse geht, die den Gesamtmarkt bzw. die Gesamtwirtschaft betrifft, sondern nur einen speziellen Bereich des Ganzen. Und wenn es so exzessiv zugeht, dass einem die Parallelen zur Endphase der Internetblase vor über 25 Jahren förmlich ins Gesicht springen. Und noch einmal mehr, wenn die Zugpferde der Hausse beginnen, erratisch zu schwanken, so, wie wir das jetzt sehen.

Dass der Juni drohte, zu einem auffallend schwachen Monat zu werden, basierte auf bislang zwei scharfen Verkaufswellen im Bereich eben dieser Halbleiter-Aktien sowie den Aktien der Zulieferer der Branche. Dass es gelang, den Juni in Bezug auf seine Performance zu retten und damit das zweite Quartal mit einer werbewirksam starken Performance zu beenden, lag vor allem daran, dass die Käufer in den Chipwerten nach jedem Rücksetzer nur umso entschlossener zurückkamen. Das kritische Element dabei ist:

Expertenmeinung: Derart starke Schwankungen und das auffällige Fehlen von Vorsicht trotz erster, massiver Rückschläge sind, wie auch damals vor dem Platzen der Internetblase im März 2000, ein starker Hinweis auf eine immer weiter zunehmende Risikobereitschaft bei zugleich immer dramatischer ansteigenden Bewertungen und Prognosen, deren tatsächliches Eintreten niemand seriös unterschreiben könnte. Diese Kombination bedeutet eine erhebliche Zunahme des Abwärtsrisikos, insbesondere von Rückschlägen der plötzlichen Art.

Doch noch zeigt das Chartbild ja keine Schwäche, könnte man meinen. Das Aufholen der Verluste des Junis wirkt bullisch. Und es gelang, den Nasdaq 100 zur Wochenwende noch oberhalb der entscheidenden Supportzone 28.197/28.628 Punkte nach oben zu drehen. Das bisherige Verlaufshoch bei 30.762 Zählern ist bereits in Reichweite, warum also „unnötig vorsichtig“ sein?

Weil das Gesamtbild, das der Nasdaq 100 seit Anfang Mai abliefert, die Struktur einer „Diamant-Formation“ hat. Diese Formationen treten eher selten auf, haben aber, ähnlich wie die „Trompeten-Formationen“, das Potenzial eines sehr starken Ausbruchs aus der Formationszone und sind nicht immer, aber doch meistens, Basis einer Trendwende.

Nasdaq 100: Tageschart vom 30.06.2026, Kurs 30.276,35 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Tageschart vom 30.06.2026, Kurs 30.276,35 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Diese „Diamanten“ zeichnen sich durch zunächst auseinanderlaufende Wendepunkte aus, die dann aber, in der Regel nach einer ersten, scharfen Korrektur, ihren Abstand zueinander verringern. Man interpretiert das als eine Zunahme hektischer, hoch spekulativer Trading-Operationen, die so intensiv werden, dass sie größere Impulse verhindern und sich der Kurs in einem immer engeren Bereich wiederfindet, in dem kurzfristige Käufe und Verkäufe den „Kesseldruck“ erhöhen. Nach einer Hausse wie dieser würde man eher annehmen, dass der eher über kurz als über lang fällige Ausbruch aus der Formation nach unten erfolgt. Aber ist das auch sicher?

Das ist es keineswegs. Sollte die Rallye zum Halbjahresende heute und in den kommenden Tagen einen Zustrom frischen Anleger-Kapitals auslösen, kann der Nasdaq 100 nach oben ausbrechen, das bisherige Hoch überwinden und die wilde Hatz der Spekulanten dadurch erst einmal verlängern.

Sich aber einfach darauf zu verlassen, dass sich die Sache nach oben auflöst, wäre im Angesicht eines solchen Chartbilds leichtsinnig. Zwar würde der Nasdaq 100 erst ein bärisches Signal generieren, wenn er über einen Ausbruch aus dem Diamanten nach unten auch die vorgenannte Unterstützungszone 28.197/28.628 Punkte durchbrechen würde. Aber diese jetzt nicht mehr aus den Augen zu lassen, wäre in einem derart heiß gelaufenen Markt dringend zu empfehlen!

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

25.06.2026
08:10 Uhr

Nasdaq: Tech-Werte unter Druck – kann Micron für Stabilisierung sorgen? — Achim Mautz

Chart-Betrachtungszeitraum: 6 Monate
Charttrend: Neutral
Gültigkeit der Analyse: 2 Wochen
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 25.06.2026 um 7:54 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Der anhaltende KI-Boom hat die Nasdaq in den letzten beiden Monaten deutlich nach oben geführt. Vor allem Chipaktien zählten zu den stärkeren Treibern der Bewegung.

Genau in diesem Bereich waren zuletzt jedoch verstärkte Gewinnmitnahmen zu beobachten. Dadurch zeigte auch der technologielastige Nasdaq 100 erstmals auf breiterer Basis Schwäche. Ein tieferes Hoch sowie ein tieferes Tief beendeten vorerst die bullische Trendphase. Noch kann sich der Index oberhalb der 50-Tage-Linie behaupten, doch die jüngsten Warnsignale sind sichtbar. Interessant bleibt nach den starken Zahlen von Micron Technology, ob die in dieser Woche entstandene Kurslücke zumindest wieder geschlossen werden kann.

Expertenmeinung: Die kommenden Handelstage dürften zeigen, ob es sich bei der jüngsten Schwäche nur um eine gesunde Verschnaufpause innerhalb des übergeordnet starken Umfelds handelt oder ob sich eine tiefere Korrektur anbahnen könnte. Entscheidend wäre nun, ob die 50-Tage-Linie weiter verteidigt werden kann und ob Käufer nach den Micron-Zahlen wieder verstärkt in den Chipsektor zurückkehren. Gelingt eine schnelle Stabilisierung, wäre eine technische Erholung in Richtung der jüngsten Kurslücke denkbar. Bleibt der Verkaufsdruck hingegen bestehen, könnte sich die neutrale Lage weiter eintrüben.

Aussicht: Neutral

Nasdaq 100 Index: Chart vom 24.06.2026, Kurs: 29.220,06, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100 Index: Chart vom 24.06.2026, Kurs: 29.220,06, Kürzel: NDX | Quelle: TWS
Über den Autor

Der renommierte Börsenjournalist Achim Mautz ist professioneller Day- und Swingtrader mit besonderem Fokus auf die US Märkte. Außerdem ist er Vorstand des Börsenclubs ratgebergeld.at und gerichtlich beeidigter Sachverständiger für den Bereich Wertpapierdienstleistungen in Österreich. Seit über 10 Jahren ist er für den Online-Broker LYNX als Börsenexperte tätig und wird unter anderem für seine täglichen Wertpapieranalysen in unserem Börsenblick geschätzt.

Analysemethode

Die Analysen von Achim Mautz basieren überwiegend auf der Technischen Analyse. Dabei nutzt der Autor, gestützt auf seine langjährige Handelserfahrung, bewährte Methoden der Chartanalyse. Er untersucht Wertpapiere unter anderem anhand von Chartmustern, Trendsignalen Unterstützungen, Widerständen und gleitenden Durchschnitten.

24.06.2026
08:22 Uhr

Nasdaq 100: Könnte es hier jetzt brenzlig werden? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 23.06.2026 um 23:54 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Aus charttechnischer Sicht ist das, was der Nasdaq 100 gerade zeigt, ebenso originell wie risikobehaftet. Sollte das bullische Lager sofort entschlossen eingreifen, würde nichts anbrennen. Bliebe das aber aus, könnte es hier in der Tat sehr schnell brenzlig werden.

Das Chartbild des Nasdaq 100 ist derzeit originell. Nachdem es Anfang Juni zu einem heftigen Rücksetzer kam, weil die massiv von den Bullen favorisierten Halbleiter-Aktien wegsackten, gelang Anfang letzter Woche eine große Aufwärts-Kurslücke als Reaktion auf die Einigung auf ein Verhandlungs-Rahmenprogramm mit dem Iran, Das war gut, weil dies den Index in Schlagdistanz zu seinem bisherigen, am 3. Juni bei 30.762 Punkten erzielten Verlaufsrekord brachte. Das zu überwinden, wäre ein klar bullisches Signal, das den vorherigen Rücksetzer auf den Level eines „Atemholens“ degradieren würde. Nicht gut war, dass das nicht gelang.

Nasdaq 100: Wochenchart vom 23.06.2026, Kurs 29.347,27 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Wochenchart vom 23.06.2026, Kurs 29.347,27 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Der Nasdaq 100 hing tagelang unterhalb des alten Hochs fest. Positiv war immerhin, dass es dabei Ende letzter Woche gelang, die vorherige Aufwärts-Kurslücke zu schließen (Gap Close), was nach Lesart vieler technisch ausgerichteter Trader eine ideale Basis für die Fortsetzung des Trends wäre. Doch dann kam dieser Dienstag.

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit kam es zu einer kalten Dusche für die den Index fast im Alleingang ziehenden Halbleiter-Aktien. Anfang Juni hatten einige Aktien aus diesem Bereich schon einmal an einem Tag über zehn Prozent verloren. Die Bullen schüttelten sich, standen wieder auf und kauften viele dieser Titel auf neue Rekordhochs. Aber jetzt wird womöglich das damalige Motiv zum Problem:

Expertenmeinung: Wer so vorging, war sich sicher, dass das Hoch noch nicht erreicht sei. Was zwar, bezogen auf die Frontrunner der Hausse wie SanDisk, Micron Technology, ARM Holdings und zahlreiche andere, auch soweit richtig war. Nur sackten diese Aktien jetzt eben relativ zeitig erneut so drastisch durch, wieder waren einige Tagesverluste prozentual zweistellig, wenngleich immer noch im niedrigen Zehner-Prozentbereich. Ein bisschen nagt so etwas schon am Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, das sehr hoch sein muss, wenn man nach derartigen Kaufwellen und nahe Rekordlevels immer wieder und/oder weiter kaufen will.

Und wenn man spürt, dass der Markt und man selbst nervös werden, fällt es immer leichter, große Gewinne mitzunehmen und damit die Chance auf noch größere Gewinne aufzugeben, als mit Verlust zu verkaufen aus Sorge, dass die noch größer werden können. Ein Plus zu realisieren fällt, auch wenn man dachte, es werde noch größer ausfallen, immer leichter, als mit dem Beenden eines Verlusttrades eine gefühlte Niederlage zu zementieren … das ist nicht rational, aber menschlich. Und deswegen könnte dieses gestrige Minus beim Nasdaq 100 durchaus zu einer kritischen Situation führen.

Denn die Halbleiter-Aktien haben den Nasdaq 100 entscheidend nach oben gezogen und können ihn, wenn sie weiter abrutschen würden, auch ebenso drastisch nach unten befördern. Und dort, bei diesen Zugpferden der Hausse, haben wir eben satte Gewinne, die man mitnehmen könnte. Und das durch diesen gestrigen Handelstag entstandene Chartbild liefert ein Szenario, das nervöse Trader gebären könnte.

Der Index startete mit einer Abwärts-Kurslücke, und die wiederum machte aus der vorherigen Kursspanne zwischen der Aufwärts-Kurslücke am 15. Juni und der gestrigen Abwärts-Kurslücke eine „Insel“, sprich: Jetzt haben wir hier ein grundsätzlich bärisches „Island Reversal“ … und das auch noch beim Versuch, das bisherige Rekordhoch zu überwinden. Das ist allemal ein Grund, unruhig zu werden.

Nasdaq 100: Tageschart vom 23.06.2026, Kurs 29.347,27 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Tageschart vom 23.06.2026, Kurs 29.347,27 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Ob die bullischen Akteure dadurch jetzt deutlich mehr beunruhigt werden als bei der ersten, kalten Dusche, muss man abwarten. Erfahrungsgemäß kann, muss aber ein zweiter Warnschuss in solchen Phasen noch nicht zum Gang in die Rettungsboote führen. Achten Sie aber auf das Verlaufstief des ersten Rücksetzers, das am 9. Juni bei 28.197 Punkten markiert wurde. Sollte das unterschritten werden, käme zum „Island Reversal“ noch ein Doppeltopp hinzu … und dann würde es in der Tat brenzlig.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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