Zwischen Ende März und Anfang Juni war der Nasdaq 100 eine wahre Kursrakete. Es folgte eine Korrektur, die knapp die Hälfte des Anstiegs zurücknahm. Danach traten die Bullen zwar wieder an … aber aktuell läuft er in einer engen Spanne seitwärts. Was hat das zu bedeuten?
Eine Seitwärtsbewegung nach einer hochvolatilen Phase, wie wir das beim Nasdaq 100 aktuell sehen, ist ein Zeichen dafür, dass die Angst steigt, sich die Finger zu verbrennen. Das endet oft mit einem fulminanten Ausbruch. Die Richtung des Ausbruchs ist derzeit zwar noch völlig offen. Aber das dürfte nicht lange so bleiben.
Dass der technologielastige Index seit drei Wochen in der engen, kaum mehr als zwei Prozent breiten Spanne zwischen der 20-Tage-, 50-Tage- und 100-Tage-Linie seitwärts läuft, dürfte dabei gleich mehrere Gründe haben, die die Notierungen einerseits von einem Ausbruch nach oben abhalten, zugleich aber auch verhindern, dass er nach unten wegrutscht.
Zum einen hoffen die Trader darauf, dass entweder der KI/Halbleiter-Sektor in eine neue Hausserunde startet oder alternativ die in der ersten Jahreshälfte massiv abverkauften Software-Titel den Staffelstab übernehmen und zum Zugpferd werden. Solange das möglich bleibt, tendieren viele Anleger erfahrungsgemäß dazu, solche Positionen zu halten und bei jedem Ansatz eines neuen Aufwärtsimpulses zuzukaufen. Das stützt den Index bislang effektiv.
Zum anderen naht der „dreifache Hexensabbat“, der große, Futures einschließende Abrechnungstag an der Terminbörse, der an diesem Freitag abgewickelt wird. Die großen Akteure am Terminmarkt versuchen üblicherweise bereits zum Ende der dem Abrechnungstag vorangehenden Woche, einen Level beim Index zu erreichen, auf dem sie mit ihren Positionen am besten fahren. Im Fall einer relativ lange anhaltenden Seitwärtsbewegung ist dabei üblicherweise der Verbleib innerhalb der Handelsspanne das von den meisten favorisierte Ziel. Das könnte den Nasdaq 100 zumindest in den kommenden Tagen in der Handelsspanne von grob 28.200 zu 30.760 Punkten halten.
Aber das muss nicht gelingen, weil es auch Faktoren gibt, die Druck ausüben. Und ob man die noch lange wird auffangen können, ist zumindest fraglich, denn sie wiegen schwer:
Expertenmeinung: Die großen Trends im Technologiesektor benötigen eine immense Fremdfinanzierung. Und je teurer die wird, desto mehr sorgt man sich, ob all die gewaltigen Investitionen, vor allem, wenn es um den KI-Sektor geht, in der bereits eingepreisten Dimension überhaupt kommen … und wenn ja, ob sie sich am Ende rechnen würden, angesichts der sich erheblich verdichtenden Möglichkeit, dass die US-Notenbank den Leitzins doch noch anheben wird, womöglich bereits erstmals übermorgen.
Und selbst wenn die „Fed“ am Mittwoch erneut zögern sollte: Der Anleihemarkt hat höhere Zinsen längst eingepreist. Die Rendite für US-Staatsanleihen (T-Bonds) mit zehn Jahren Laufzeit hatte am Freitag bereits Tuchfühlung mit der Fünf-Prozent-Marke aufgenommen. Geliehenes Geld ist teuer geworden … das bremst Investitionen ebenso wie die Konsumneigung. Und beides ist für die großenteils dem Technologiesektor zugehörigen Unternehmen im Nasdaq 100 essenziell.
Und der haussierende Ölpreis, die Rekordpreise für Diesel in den USA und die wenig darunter liegenden Kosten für Benzin erinnern die Trader tagtäglich daran, dass dieser Belastungsfaktor Inflation/Zinsen so schnell vermutlich nicht verschwinden wird, zumal die US-Regierung derzeit nicht den Eindruck erweckt, gegen die Entwicklung im Nahen Osten effektiv vorgehen zu können.
Diese Gesamtsituation mag kurzfristig dazu führen, dass sich zu wenige trauen, voranzugehen, ob nun auf der Long- oder Short-Seite, um einen neuen, größeren Impuls im Nasdaq 100 loszutreten. Aber den meisten dürfte völlig klar sein, dass da eher über kurz als über lang etwas kommen wird, und sie sind entsprechend wachsam. Und damit wird das aktuelle Wassertreten zur Startrampe eines neuen, größeren Trends und ist keineswegs ein Signal dafür, dass hier jetzt zukünftig Langeweile dominieren könnte.
Achten Sie daher auf die Chartzonen, auf die es für neue Impulse ankommen würde. Sie könnten schneller angelaufen werden, als man denkt. Auf der Oberseite ist die Lage dabei einfacher: Das bullische Lager müsste klar über die aus den Juni-Hochs bestehende Widerstandszone 30.229 zu 30.762 Punkte hinaus. Damit würde man beim Nasdaq 100 aus charttechnischer Sicht den Grundstein für den nächsten Hausse-Impuls legen.

Auf der Unterseite geht es, was die derzeitige Handelsspanne betrifft, um die Unterstützungszone 28.197/28.629 Punkte. Allerdings würde der nächste Support in Form der Kreuzunterstützung aus dem Juli-Tief bei 27.176 und der 200-Tage-Linie bei momentan 27.130 Punkten ebenfalls noch vor einem mittelfristigen, größeren Short-Signal stehen. Da sollte man jedoch tendenziell nach dem Motto „Wehret den Anfängen“ vorgehen und bereits die nächstliegende Auffangzone im Blick behalten. Denn sollten sich die Belastungsfaktoren weiter verschärfen und/oder noch Unruhe vor den Zwischenwahlen am 3. November hinzukommen, könnte der Index durchaus schnell durch die einzelnen Auffangzonen rutschen.

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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 12.09.2026 um 10:30 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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