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Euro-Bund Prognose Bund Future: Und was, wenn die Zinserhöhung gar nicht kommt?

News: Aktuelle Analyse des Euro-Bund Futures

In diesem Artikel
Euro-Bund
ISIN: DE0009652644
|
Ticker: GBL
|
Währung: EUR
|
Börse: --
Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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Mitte Mai hatte die Rendite deutscher Bundesanleihen mit 3,19 Prozent den höchsten Stand seit 2011 erreicht; der Bund Future, das Kursbarometer dieser Anleihen, lag am Boden. Aber die Argumente für diesen Druck sind wacklig … könnten da Kaufgelegenheiten warten?

Bevor Ende Februar der Iran-Krieg begann, rechnete man am Anleihemarkt zwar nicht damit, dass die EZB auf absehbare Zeit noch einmal den Leitzins herunterschrauben würde, mit zwei Prozent sah man sich bei den Währungshütern jedoch auf einem angemessenen, neutralen Level. Aber mit dem im März drastisch anziehenden Ölpreis wurde klar: Das treibt die Inflationsrate nach oben … was könnte die EZB anderes tun, als daraufhin den Leitzins anzuheben?

Der Bund Future, der die Kursentwicklung von zehnjährigen Bundesanleihen abbildet, rauschte nach unten, die Renditen stiegen also … ein Vorgriff auf das, was unvermeidlich schien. Aber was, wenn eine Zinserhöhung so unvermeidlich gar nicht wäre?

Expertenmeinung: Denn das Stereotyp „Inflation zu hoch, Leitzinsen rauf“ muss keineswegs immer richtig sein. So auch in diesem Fall. Denn warum sollte man den Leitzins anheben wegen einer Entwicklung, für die die Verbraucher nichts können und die von höheren Zinsen gar nicht positiv beeinflusst werden kann?

Die Grundidee, die dahintersteht, dass man zu hohe Inflationsraten mit steigenden Leitzinsen bekämpfen kann und muss, ist: Die zu stark steigende Teuerungsrate basiert auf einer zu hohen Konsumnachfrage und besonders intensiven Investitionen der Unternehmen. So hoch, dass sie es den Herstellern ermöglicht, die Preise stark anzuheben. Oft wird eine solch starke Nachfrage durch eine ungewöhnlich hohe Kreditaufnahme unterfüttert, weil Verbraucher wegen günstig wirkender Kreditzinsen eine geringere Hemmschwelle haben, um „auf Pump“ zu konsumieren, und Unternehmen wegen des starken Konsums keine Sorge haben, dass sich fremdfinanzierte Investitionen schnell auszahlen. Aber das ist hier nicht gegeben.

Denn privaten Konsum und Investitionen gezielt durch wegen höherer Leitzinsen teurer werdende Kredite abzuwürgen, bringt nichts, wenn beides zuvor gar nicht zu hoch war. Im Gegenteil sehen wir in beiden Bereichen derzeit weniger, als es für ein robustes Wachstum wünschenswert wäre. Zugleich würden höhere Leitzinsen das Basisproblem in Form der Verunsicherung aufgrund der unberechenbaren US-Wirtschafts- und Geopolitik und der hohen Ölpreise nicht verändern. Warum also sollte die EZB mit teureren Krediten als Folge von Zinsanhebungen auch noch Öl ins Feuer gießen?

Dass diese anfangs als sicher eingeschätzten Zinserhöhungen ausbleiben könnten, spiegelt der Kursverlauf des Bund Future teilweise bereits wider. So wurden Ausbrüche unter die markante Supportlinie bei 124,65 Prozent im Juni-Kontrakt mehrfach gekauft, statt Anschlussverkäufe auszulösen. Aber noch wagt man es nicht, den Umkehrschluss herzustellen, indem man sich sagt:

In einem solchen Umfeld wäre es nicht einmal auszuschließen, dass die EZB den Leitzins auf Sicht sogar weiter senkt, um dazu beizutragen, die Probleme, die dieser Iran-Krieg zum Teil ausgelöst, zum Teil verschärft hat, zu lösen. Käme es so, wären hier Kursgewinne möglich, indem das Anleihebarometer wieder in Richtung der oberen Begrenzungszone der Handelsspanne zwischen 129,50 und 130,18 Prozent läuft … immerhin hatte der Bund Future das untere Ende dieser Zone gerade unmittelbar vor Beginn des Iran-Krieges definiert.

Allerdings ist der Kurs bislang nur als neutral einzuordnen. Erst, wenn die Widerstandszone 126,64/126,85 Prozent und die bei 127,10 knapp darüber verlaufende 200-Tage-Linie überboten würden, hätten wir hier ein bullisches Signal. Das nicht kommen muss … aber in der derzeitigen Konstellation Chancen genug hätte, um den Bund Future im Auge zu behalten.

Bund Future: Chart vom 29.05.2026, Kurs 126,27 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Bund Future: Chart vom 29.05.2026, Kurs 126,27 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.05.2026 um 23:44 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

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Vorherige Analysen der Euro-Bund Aktie

28.04.2026

Bund Future: Befreit die EZB ihn aus der Dreiecksformation? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.04.2026 um 18:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Bund Future Juni 2026: Chart vom 27.04.2026, Kurs 125,37 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Übermorgen steht die Entscheidung der EZB zu den Leitzinsen an. Zwar rechnet man mehrheitlich nicht mit einem unmittelbaren Zinsschritt, aber zumindest mit Aussagen dazu, wie es weitergehen soll. Der Bund Future wartet derweil ausbruchsbereit in einer Dreiecksformation.

Der Bund Future repräsentiert die Kurse von Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit am Terminmarkt. Fallen Kurse und Future, bedeutet das, dass die Zinsrenditen dieser Anleihen steigen. Entsprechend erkennt man am Chartbild umgehend, dass der Abstieg des Bund Future seit Anfang März bzw. der entsprechende Anstieg der Anleihe-Renditen steigende Leitzinsen vorwegnimmt.

Bund Future Juni 2026: Chart vom 27.04.2026, Kurs 125,37 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Bund Future Juni 2026: Chart vom 27.04.2026, Kurs 125,37 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS

Denn alleine ein „Auspreisen“ erwarteter, weiterer Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank ist das nicht, weil man mit dem Erreichen der Zwei-Prozent-Marke jetzt einen „neutralen“ Zins erreicht hat, der nur dann verändert würde, wenn ein aktives Bremsen oder Stimulieren der Eurozone-Konjunktur erforderlich wäre. Hier spiegelt der Bund Future also wider, dass man damit rechnet, dass die EZB zukünftig bremsen muss (fallender Bund Future = steigende Anleiherenditen als Vorwegnahme höherer Leitzinsen).

Im ersten Moment wirkt das logisch, immerhin haben die drastisch gestiegenen Ölpreise die Teuerung stark angeschoben. Und eine zu kräftig steigende Inflationsrate hätte normalerweise bremsende Maßnahmen der EZB durch Zinserhöhungen zur Folge. Diesmal auch?

Expertenmeinung: Das ist zumindest fraglich. Denn eine Anhebung des Leitzinses würde ja nur dann eine bremsende Wirkung auf die Inflation haben, wenn eine zu hohe Konsumnachfrage, die zugleich zu einem nennenswerten Teil auf Krediten basiert, dadurch gemindert werden könnte. Und zwar, indem höhere Kreditkosten die Verbraucher davon abhalten sollen, durch die starke Nachfrage steigende Preise bei Waren zu provozieren. Aber das ist es eben nicht, was die Inflation momentan befeuert. Das Problem kommt quasi „von außen“.

Und gegen die steigenden Ölpreise kann die EZB nun einmal nichts unternehmen. Was hieße: Höhere Leitzinsen würden zwar das Wachstum bremsen, derzeit ohnehin, weil teurere Kredite den Verbrauchern jetzt gerade noch gefehlt hätten. Aber es würde nicht zugleich die Inflation so bremsen, dass das Problem – nämlich der sich außer Reichweite der Notenbanken bewegende Ölpreis – dadurch positiv beeinflusst würde. Daher ist diese „Wette“ von Marktteilnehmern auf steigende Zinsen, die sich hier im Bund Future durch den Abwärtsruck von Anfang März widerspiegelt, gewagt.

Weil das vielen offenbar schnell klar wurde, ging der Abverkauf nicht weiter, sondern mündete in eine sehr volatile Dreiecksformation, die eine charttechnische Entscheidung einfordert. Zwingend wäre ein Ausbruch aus dem Dreieck als Reaktion auf die anstehenden EZB-Statements aber nicht, denn vermutlich wird man sich dort hüten, angesichts der nicht vorhersagbaren Perspektiven der Rahmenbedingungen eine klare „Guidance“ abzuliefern. Aber auch, wenn dieses Dreieck daraufhin verlassen werden sollte:

Wenn, sollte man sich dann nur auf reiner Trading-Basis eine Positionierung in Ausbruchsrichtung mit einem eher engen Stop-Loss überlegen. Denn dass der Grund dieser Formation – die Unsicherheit über das, was kommt – nach diesem Donnerstag einer klaren Vorgabe weichen wird, ist zu bezweifeln!

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

25.03.2026

Bund Future: Sind die Trader hier wirklich auf dem richtigen Weg? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 24.03.2026 um 21:35 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Seit Beginn des Iran-Krieges fallen die Kurse nicht nur bei den Aktien, sondern auch am Anleihemarkt. Zu Wochenbeginn hatte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen den höchsten Stand seit 2011 erreicht, der Bund Future fällt. Ist man damit auf dem richtigen Dampfer?

Die Grundidee ist im Prinzip ja nachvollziehbar: Die Energiepreise sind massiv gestiegen. Das befeuert die Inflation. Also wird die EZB wohl die Leitzinsen anheben müssen. Die Renditen am Anleihemarkt werden mitziehen, also würden dort die Kurse fallen. Und weil das so logisch wirkt, nimmt man diese Entwicklung seit Anfang März gleich mal vorweg.

Die Rendite für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hat jetzt die Drei-Prozent-Marke knapp überschritten und liegt damit sogar höher als am Hoch der EZB-Leitzinsen im Jahr 2023. Der Bund Future, das Kursbarometer dieser „Zehnjährigen“ am Terminmarkt, ist entsprechend gefallen (steigende Renditen bedeuten fallende Kurse und umgekehrt). Und auch, wenn der Juni-Kontrakt als aktuellste Laufzeit noch knapp über dem markanten Tief vom Frühjahr 2025 liegt, als die Erwartung von Trumps Zöllen dazu führte, dass die Anleiherenditen anzogen: Er rutscht auf diese bei 124,65 Prozent liegende Marke zu. Ist das nicht völlig überzogen?

Bund Future Juni 2026: Chart vom 24.03.2026, Kurs 125,20 Prozent, Kürzel: GBL | Online Broker LYNX
Bund Future Juni 2026: Chart vom 24.03.2026, Kurs 125,20 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Das könnte es durchaus sein. Denn hier preist man bereits steigende Leitzinsen wegen kräftig anziehender Inflationsraten ein, die zumindest fraglich sind. Und das aus mehreren Gründen:

Zunächst einmal müssten die höheren Energiepreise noch mehrere Wochen hoch bleiben und darüber hinaus die berechtigte Erwartung bestehen, dass man vorerst nicht mehr auf die vorherigen Preise für Heizöl, Gas, Benzin und Diesel zurückkehren wird. Dass es dazu kommt, ist möglich, aber keineswegs so sicher, dass man es durch eine Vorwegnahme steigender Zinsen und Renditen durch Short-Trades im Bund Future vorwegnehmen müsste.

Hinzu kommt, dass ein solcher Inflationsschub zugleich massiv negativ auf Unternehmen und Verbraucher wirkt. Zinserhöhungen würden dieses Problem nicht lindern, sondern verschärfen. Davon abgesehen, dass eine solche Gemengelage durchaus dazu führen kann, dass – gerade, weil wir in Europa ja im Vorfeld schon ein schwaches Konsumklima hatten – Preiserhöhungen trotz steigender Kosten bei den Unternehmen nicht in der Breite durchsetzbar sind.

Richtig ist andererseits, dass die Lage in Nahost auch den allgemeinen Güterverkehr beeinträchtigt, die Frachtraten für alle Güter steigen und Lieferketten reißen könnten. Dann hätten wir in der Tat ein ähnliches Szenario wie 2022, aber:

Die EZB gerät jetzt in eine ähnliche Zwickmühle wie die, in der die US-Notenbank bereits festsitzt: Auf der einen Seite die Gefahr einer deutlich nachgebenden Konjunktur, auf der anderen das Risiko steigender Preise. Ersteres spräche für fallende, Letzteres für steigende Leitzinsen. Am Ende könnte das durchaus darauf hinauslaufen, dass die EZB in Sachen Leitzins erst einmal gar nichts tut und der Abverkauf bei deutschen Anleihen sowie im Bund Future damit voreilig war.

Aus dieser Überlegung heraus dagegenzuhalten, sprich in den laufenden Abwärtsimpuls hinein einen Long-Trade zu erwägen, wäre dennoch extrem riskant, denn aktuell weiß niemand, was morgen oder übermorgen sein wird. Aber denkt man sich die Gesamtsituation in Ruhe durch, erscheint diese Abwärtsbewegung deutlich gewagter für die Bären, als das Chartbild alleine vermuten ließe.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

09.12.2025

Bund Future: Zinserhöhungen … kann das wirklich passieren? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 08.12.2025 um 19:13 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Der nächste Zinsschritt der EZB wird eine Erhöhung sein, geistert es gerade durch die Medien. Und die Kurse deutscher Bundesanleihen, hier dargestellt am Bund Future, fallen, d. h. die Zinsrenditen der Anleihen steigen. Was ist dran an diesem scheinbar irrationalen Szenario?

Einiges. Es könnte durchaus so laufen. Es wäre zwar sicherlich kaum jemandem, der sich auf Kredit finanziert, recht, aber nachvollziehbar wäre es eben trotzdem. Nur ist das ein deutlich kleineres Problem, als man im ersten Moment beim Wort „Zinserhöhung“ denken könnte.

Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums, brachte dieses Thema auf, wies aber auch darauf hin: In naher Zukunft steht das voraussichtlich nicht an. Was es indes bedeutet – wobei sie mit dieser Einordnung in EZB-Kreisen keineswegs alleine steht –, ist: Die Phase der Leitzinssenkungen ist vorbei. Was allerdings niemanden überraschen sollte, denn seit Langem hatte man eine Rückkehr auf den neutralen Zins, den man allgemein für Europa bei zwei Prozent verortet, als sinnvoll angesehen. „Neutral“ heißt, dass ein solcher Leitzinssatz die Konjunktur weder stimuliert noch bremst.

Dass der deutsche Bund Future als Kurs-Barometer für deutsche Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von etwa zehn Jahren derzeit ein bärisches Signal generiert, dürfte daran liegen, dass auf die deutschen Anleihekurse auch noch andere Faktoren drücken.

Expertenmeinung: Da haben wir zum einen den Umstand, dass die EZB die konjunkturelle Situation der Eurozone derzeit als robust einordnet und hervorhebt, dass die Eurozone-Wirtschaft dem durch Trumps Einfuhrzölle ausgelösten, zusätzlichen Druck deutlich besser widerstanden hat, als das anfangs zu befürchten war. Für die gesamte Eurozone ist das auch so. Und für sie, nicht für Deutschland, werden die Leitzinsen „gemacht“. Dass Deutschland hinsichtlich des Wachstums ziemlich am Ende des Eurozone-Zuges dahin zuckelt und Zinserhöhungen daher für uns hierzulande problematischer wären als für Länder mit mehr Wachstum, ist in der Tat eine Belastung.

Bund Future: Chart vom 08.12.2025, Kurs 127,44 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Bund Future: Chart vom 08.12.2025, Kurs 127,44 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS

Zum anderen dürfte auch die Erwartung eines spürbar zunehmenden Angebots bei deutschen Bundesanleihen langsam vorweggenommen werden. Die Finanzierung der deutlich steigenden Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung muss großenteils über den Anleihemarkt laufen. Das steigert mittelfristig das Angebot, während die Schwäche der deutschen Wirtschaft die Nachfrage internationaler Investoren tendenziell bremst. Auch das hat seinen Anteil daran, dass der Bund Future jetzt aus seiner seit April geltenden, breiten Seitwärtsspanne nach unten ausgebrochen ist.

Da das Angebot erst noch real deutlich zunehmen müsste und man das aktuell nur vorwegnimmt … und da höhere Leitzinsen noch nicht aktuell sind … ist es fraglich, ob der Bund Future dadurch wirklich zügig auf das nächste Kursziel auf rein charttechnischer Ebene, das Jahres-Verlaufstief vom März bei 125,64 Prozent, zulaufen wird.

Ein Short-Trade im Bund Future, der damit vice versa auf deutlich steigende Anleihe-Renditen setzt, wäre aus aktueller Sicht bestenfalls ein Gedanke für die Trading-Ebene, für einen weitreichenden, mittelfristig relevanten Abstieg gäbe es momentan noch keine Basis auf der Nachrichtenseite.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.