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Mitte Mai hatte die Rendite deutscher Bundesanleihen mit 3,19 Prozent den höchsten Stand seit 2011 erreicht; der Bund Future, das Kursbarometer dieser Anleihen, lag am Boden. Aber die Argumente für diesen Druck sind wacklig … könnten da Kaufgelegenheiten warten?
Bevor Ende Februar der Iran-Krieg begann, rechnete man am Anleihemarkt zwar nicht damit, dass die EZB auf absehbare Zeit noch einmal den Leitzins herunterschrauben würde, mit zwei Prozent sah man sich bei den Währungshütern jedoch auf einem angemessenen, neutralen Level. Aber mit dem im März drastisch anziehenden Ölpreis wurde klar: Das treibt die Inflationsrate nach oben … was könnte die EZB anderes tun, als daraufhin den Leitzins anzuheben?
Der Bund Future, der die Kursentwicklung von zehnjährigen Bundesanleihen abbildet, rauschte nach unten, die Renditen stiegen also … ein Vorgriff auf das, was unvermeidlich schien. Aber was, wenn eine Zinserhöhung so unvermeidlich gar nicht wäre?
Expertenmeinung: Denn das Stereotyp „Inflation zu hoch, Leitzinsen rauf“ muss keineswegs immer richtig sein. So auch in diesem Fall. Denn warum sollte man den Leitzins anheben wegen einer Entwicklung, für die die Verbraucher nichts können und die von höheren Zinsen gar nicht positiv beeinflusst werden kann?
Die Grundidee, die dahintersteht, dass man zu hohe Inflationsraten mit steigenden Leitzinsen bekämpfen kann und muss, ist: Die zu stark steigende Teuerungsrate basiert auf einer zu hohen Konsumnachfrage und besonders intensiven Investitionen der Unternehmen. So hoch, dass sie es den Herstellern ermöglicht, die Preise stark anzuheben. Oft wird eine solch starke Nachfrage durch eine ungewöhnlich hohe Kreditaufnahme unterfüttert, weil Verbraucher wegen günstig wirkender Kreditzinsen eine geringere Hemmschwelle haben, um „auf Pump“ zu konsumieren, und Unternehmen wegen des starken Konsums keine Sorge haben, dass sich fremdfinanzierte Investitionen schnell auszahlen. Aber das ist hier nicht gegeben.
Denn privaten Konsum und Investitionen gezielt durch wegen höherer Leitzinsen teurer werdende Kredite abzuwürgen, bringt nichts, wenn beides zuvor gar nicht zu hoch war. Im Gegenteil sehen wir in beiden Bereichen derzeit weniger, als es für ein robustes Wachstum wünschenswert wäre. Zugleich würden höhere Leitzinsen das Basisproblem in Form der Verunsicherung aufgrund der unberechenbaren US-Wirtschafts- und Geopolitik und der hohen Ölpreise nicht verändern. Warum also sollte die EZB mit teureren Krediten als Folge von Zinsanhebungen auch noch Öl ins Feuer gießen?
Dass diese anfangs als sicher eingeschätzten Zinserhöhungen ausbleiben könnten, spiegelt der Kursverlauf des Bund Future teilweise bereits wider. So wurden Ausbrüche unter die markante Supportlinie bei 124,65 Prozent im Juni-Kontrakt mehrfach gekauft, statt Anschlussverkäufe auszulösen. Aber noch wagt man es nicht, den Umkehrschluss herzustellen, indem man sich sagt:
In einem solchen Umfeld wäre es nicht einmal auszuschließen, dass die EZB den Leitzins auf Sicht sogar weiter senkt, um dazu beizutragen, die Probleme, die dieser Iran-Krieg zum Teil ausgelöst, zum Teil verschärft hat, zu lösen. Käme es so, wären hier Kursgewinne möglich, indem das Anleihebarometer wieder in Richtung der oberen Begrenzungszone der Handelsspanne zwischen 129,50 und 130,18 Prozent läuft … immerhin hatte der Bund Future das untere Ende dieser Zone gerade unmittelbar vor Beginn des Iran-Krieges definiert.
Allerdings ist der Kurs bislang nur als neutral einzuordnen. Erst, wenn die Widerstandszone 126,64/126,85 Prozent und die bei 127,10 knapp darüber verlaufende 200-Tage-Linie überboten würden, hätten wir hier ein bullisches Signal. Das nicht kommen muss … aber in der derzeitigen Konstellation Chancen genug hätte, um den Bund Future im Auge zu behalten.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.05.2026 um 23:44 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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