Seit dem letzten Zwischenhoch am 11. September ist der Kurs von Brent Crude Oil auf dem Rückzug. Die Frage, die alle am Markt umtreiben dürfte, bezieht sich aber nicht auf das, was war, sondern auf das, was kommt, sprich: Kann man diesem Braten trauen?
Eigentlich hat sich bei den Rahmenbedingungen in den vergangenen Wochen nichts verändert: Rohöl aus dem arabischen Raum kommt zu wenig, die Nachfrage bleibt über dem Angebot. Nachrichten wie die, dass Saudi-Arabien europäischen Kunden mitgeteilt hat, dass vermutlich im Oktober kein Öl geliefert werden könne, deuten eher eine Verschärfung der Lage an, zumal jetzt die Heizsaison beginnt. Einzig die Aussage des US-Energieministers, dass die wichtige saudi-arabische Ost-West-Ölpipeline bereits in Kürze wieder in Betrieb genommen werden könne, ließe sich als Grund zum Aufatmen sehen … vorausgesetzt, man glaubt, was Minister Wright da am vergangenen Mittwoch verkündet hat.
Aber wenn die Fakten es noch nicht unterfüttern, wer würde dann von einer größeren Abwärtsbewegung ausgehen, die noch so viel Spielraum nach unten hätte, dass es auch nach dem kräftigen Minus des Montags noch lohnt, Long-Positionen zu schließen und ggf. sogar auf die Short-Seite zu wechseln?
Expertenmeinung: Rücksetzer tauchen in jedem Trend auf, egal, in welche Richtung dieser weist, egal, um welches Asset es dabei geht. Aber nur, wenn es im Vorfeld zu einer deutlich überzogenen Bewegung in Trendrichtung kam oder wenn neue Argumente auftauchen, die geeignet sind, aus einem Rücksetzer eine Korrektur und aus dieser dann sogar eine Trendwende zu machen, würde man jetzt richtig liegen, wollte man in dieser Gemengelage bei Brent Crude Oil von der Long- auf die Short-Seite wechseln. Und beides ist nicht (bzw., was die Argumente seitens der Nachrichtenlage angeht, noch nicht) der Fall.
Gut möglich, dass die Kursverluste vor allem auf kurzfristigem, spekulativem Trading beruhen. Immerhin hängt am Ölpreis die Inflationsperspektive und an dieser wiederum die Frage, ob und wie weit die US-Leitzinsen und die anderer großer Notenbanken noch angehoben werden. Und das ist ein Aspekt, der die vornehmlich kreditfinanzierte Investitionswelle im KI-Bereich ins Spiel bringt. Ein fallender Ölpreis und deswegen nicht weiter steigende Zinsen wären ein Segen für die großen Unternehmen in diesem Bereich, seien es Investoren, Entwickler oder Zulieferer im Halbleiterbereich. Dass ausgerechnet diese Aktien zeitgleich mit dem Abstieg des Ölpreises durchstarten, deutet auf einen hohen Grad an Spekulation hin … das macht die Sache aus Sicht bärischer Trader wacklig.
Und ein weiterer Aspekt, den wir in diesem Chart sehen, sollte ebenfalls vorsichtig stimmen. Wir sehen hier den Brent Crude Oil-Future mit Liefertermin Dezember. Im Gegensatz zu früheren Laufzeiten (zuletzt hatten wir am 9. September die November-Lieferung abgebildet) hatte dieser Dezember-Liefertermin die vorherigen Jahreshochs aus dem Mai klar überboten. Doch die lagen beim Dezember-Termin bei 100,42 US-Dollar, in der November-Lieferung bei 105,71 US-Dollar pro Barrel. Warum diese Differenz?

Weil man im Mai noch sicher war, dass die Lage bis zum Herbst wieder einigermaßen normal sein würde (nicht zuletzt mit Blick auf US-Zwischenwahl und Heizsaison) und deswegen für den Dezember-Termin kein so extremer Preisdruck entstand. Heute weiß man: Mit der Erwartung, der Spuk werde nicht allzu lange dauern, weil niemand ein vernünftiges Interesse daran haben kann, lag man falsch.
Eine Abwärtsbewegung ohne gute Argumente auf der Nachrichtenseite hätte daher tendenziell keine große Reichweite. Erst recht nicht, wenn auch das Chartbild noch keine bärischen Signale auswirft, so wie es aktuell noch der Fall ist.
Brent Crude Oil müsste zumindest die aus den Hochs vom Juli und August gebildete Supportzone 88,33 zu 88,97 US-Dollar und die zügig an diesen Bereich heranlaufende 50-Tage-Linie bei momentan 86,19 US-Dollar unterbieten, um ein erstes, abwärts gerichtetes Signal auszulösen. Solange das nicht gelingt und zugleich erkennbar würde, dass sich der Lieferengpass bei Rohöl mildert, hieße die Antwort auf die Frage, ob man diesem Braten trauen könnte, daher: nein.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.09.2026 um 20:48 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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