Ein deutlicher Abwärtsimpuls bei Brent Crude Oil lässt manche hoffen, dass der „Spuk“ haussierender Ölpreise ein Ende gefunden hat. Doch der Auslöser für den Sell-off wirft Fragen auf – zumal wir Ähnliches vor zwei Wochen erlebt haben und die Wende da ausgeblieben war.
Vor zwei Wochen hatte US-Präsident Trump verkündet, dass der Iran-Krieg sehr bald vorüber sein würde, weil man fast alle militärischen Ziele erreicht habe. Wir wissen: Das war nicht der Fall. Und diese Aussagen brachten den Ölpreis nur kurzzeitig nach unten, den Aktienmarkt nur flüchtig auf höhere Levels, weil man sah: Im Gegenteil, die USA schienen sich in Sachen Iran völlig zu verzetteln. Und von einem Einknicken des Gegners war nichts zu sehen. Bis heute nicht.
Am gestrigen Montag begann der Präsident seinen Tag mit der Aussage, dass man mit einer „Top-Person“ des Irans gesprochen habe, und erklärte, dass der Iran auf Atomwaffen verzichten werde, ernsthaft zu verhandeln bereit sei und man deswegen die Umsetzung der am Wochenende ausgesprochenen Drohung, die iranische Energieversorgung zu zerstören, für fünf Tage aussetzen werde. Da weder der Präsident noch seine Verhandler offenbar mit dem neuen Oberhaupt des Irans noch mit den Führern der momentan die Entscheidungen treffenden Revolutionsgarden gesprochen haben, werfen diese Aussagen mindestens ebenso viele Fragen auf wie die vor zwei Wochen, die sich letztlich als substanzlos entpuppt hatten. Trotzdem reagierte Brent Crude Oil rasch und fiel wie vom Blitz getroffen. Wieso?
Expertenmeinung: Zum einen, weil man solchen vermeintlich extrem positiven Aussagen am Markt großenteils nur gerne glauben möchte. Zum anderen, weil dieser immense Anstieg nach dem ersten Selloff vor zwei Wochen zwar stetig, aber zugleich hoch volatil und schnell ablief, was die prozentualen Steigerungen angeht. Damit haben wir hier einen „heißen“ Markt, der viele hochspekulative Trader anzieht. Die aber, weil es hier ja um einen hebelstarken Future geht, mit sehr engen Stop Loss arbeiten müssen. Was bedeutet:
Ein starker Kursimpuls kann sich rasend schnell intensivieren, indem eine Stop-Loss-Lawine ausgelöst wird: Stop-Loss-Orders lösen aus, drücken den Kurs, der rutscht damit in die Zone weiterer Stop Loss, dadurch entstehen erneut Verkäufe und so geht es weiter. Das ist ein typischer „Mechanismus“ bei hochspekulativen Märkten, der aber nicht bedeutet, dass Brent Crude auch dann auf den per Montagabend erreichten Level gefallen wäre, wenn der Auslöser nicht völlig überraschend aufgetaucht wäre und nicht derart viele Stop-Loss-Absicherungen unter dem Kurs gelegen hätten.
Es kann also durchaus sein, dass das hier nicht das Ende des Aufwärtstrends war. Zumal wir im Chart sehen, dass dadurch gerade einmal der „schnellste“ gleitende Durchschnitt der letzten zehn Handelstage leicht unterboten wurde, die 20-Tage-Linie als nächstfolgender Leitstrahl aber nicht. Nüchtern betrachtet wäre Brent Crude Oil tatsächlich erst dann nicht mehr bullisch, wenn der hier gezeigte, aktuellste Futures-Kontrakt mit Liefertermin Juni unter das Zwischenhoch vom Juni 2025 bei 72,60 US-Dollar fallen würde.

Für Trader, die auf deutlich höheren Levels Long-Positionen aufgebaut haben, wäre dieses Szenario zwar ein Albtraum und würde dazu führen, dass sie gnadenlos aus ihren Positionen geworfen würden. Aber erst unter dieser markanten Supportlinie bei 72,60 US-Dollar könnte man hier auch mal wieder über die Short-Seite nachdenken. Und bedenkt man, wie wenig Substanz der gestrige Auslöser für den Abverkauf bis jetzt zu bieten hat, sollte man das Thema Short erst recht erst einmal vergessen. Brent Crude Oil bleibt weiter ein hochvolatiler Markt, der sein Potenzial nach oben zumindest am gestrigen Montag noch nicht eingebüßt hat. Und spätestens, wenn Ende der Woche Mr. Trumps neue Fünf-Tage-Frist gegenüber dem Iran endet, könnte es hier wieder extrem spannend werden.
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