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Da es eigentlich auch in der aktuellen Situation noch Monate dauern könnte, bis sich die Rohöl-Versorgung normalisiert, mag es überraschen, dass so viele Trader bei Brent Crude Oil bereits ins Bären-Lager übergelaufen sind. Es kommen sogar erste, bärische Kursziele in Reichweite.
Bisweilen tut man am Markt etwas, das zumindest so aussieht, als würde man dem Anspruch genügen, dort die Zukunft vorwegzunehmen. Richtiger ist eigentlich, dass die Marktteilnehmer mehrheitlich Trends generieren, die eine Zukunft vorwegnehmen, so, wie sie sie gerne hätten. Denn schließlich weiß niemand, wie sich die Lage in einem, zwei oder drei Monaten wirklich präsentieren wird. Dazu gibt es zu viel Unvorhersehbares. Auch und gerade, wenn es um Rohöl geht.
Aber ein fallender Ölpreis ist eben etwas, das sich eine erdrückende Mehrheit erhofft. Ob als Unternehmen, ob als Privathaushalt und, mit Blick auf den Druck, den hohe Ölpreise auf den Aktienmarkt auslösen können, tendenziell auch als Trader. Also?
Expertenmeinung: Also ist die Zukunft, die man bei Brent Crude Oil gerade vorwegnimmt, eine, die eine umgehende Normalisierung der Angebots-/Nachfrage-Situation einpreist … mit der Hoffnung auf einen wegen der OPEC-Fördermengenausweitung sogar leichten Überhang beim Angebot. Dass es da allerhand Widrigkeiten und Stolpersteine gibt, ist richtig. Aber nicht, wenn die Spekulation einen Trend bis zum Exzess ausreizen will. Und möglich wäre das bei Brent Crude Oil mit Blick auf das Chartbild durchaus.

Wir sehen da, dass der Ölpreis jetzt auch das markante Zwischentief aus dem April (beim im jetzt aktuellsten Future mit Liefertermin September liegt diese Marke bei 78,08 US-Dollar) unterboten und damit eine Toppbildung vollendet hat. Dabei ist für die Einschätzung, wie dominant die Trader auf der Short-Seite momentan sind, auch relevant, wie das zustande kam.
Denn das passierte nicht nur zügig, sondern auch auffällig präzise an gleitenden Durchschnittslinien entlang, die üblicherweise als Leitstrahl für kurzfristige Trader herhalten. Schon Anfang des Monats fiel auf, dass Brent Crude mehrfach an der im Chart rot gehaltenen 20-Tage-Linie abgeprallt war. Das leitete in einen Abwärtsimpuls über, der die (im Chart lila gehaltene) 100-Tage-Linie auch noch durchbrach. Der Abwärtsimpuls intensivierte sich … und wir sehen jetzt, dass die 10-Tage-Linie (orange) die Funktion des Leitstrahls übernommen hat.
Das identifiziert einen sehr dynamischen, von Trading geprägten Trend, der aber auch leicht überziehen und zu Gegenbewegungen führen kann. Das Erreichen des ersten potenziellen Kursziels in Form der bei aktuell 70,41 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie könnte eine solche Gegenbewegung bereits auslösen. Im Extremfall könnte Brent Crude aber bis an das größere Ziel in Form des Juni-Hochs des Vorjahres bei 65,84 US-Dollar weiterlaufen.
Wie weit der Trendimpuls am Ende kommen wird, ist nicht vorhersagbar. Klar wird aber: Die Bären dominieren die Sache jetzt, sich gegen den Trend zu stellen, wäre mehr als verwegen. Um Brent Crude Oil wieder in einen bullischen Status zu heben, müsste der Kurs mindestens das April-Tief sowie die 10-Tage- und die 20-Tage-Linie zurückerobern. Dazu bräuchte es derzeit Schlusskurse über 86,50 US-Dollar … und, idealerweise, auch neue Argumente für die Trader, um zurück auf die Long-Seite zu wechseln. Das kann kommen, muss es aber nicht, daher sollte man besser den alten Trader-Rat beherzigen: „The trend is your friend“ … und der weist momentan eben nach unten.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 25.06.2026 um 7:43 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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