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EUR.USD Prognose Euro/US-Dollar: Die Schattenseiten der Euro-Stärke

Aktuelle Entwicklung des EUR.USD

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Vorherige Analysen von EUR.USD

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 04.11.2025 um 23:20 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Eigentlich spricht derzeit nicht viel dafür, beim US-Dollar mittelfristig bullisch zu sein. Doch es ist der Euro, der in dem Währungspaar Euro/US-Dollar derzeit schwächelt. Ist das nur ein vorübergehendes „Ausatmen“ … oder könnte der Greenback zu alter Stärke zurückfinden?

Politische Stabilität und wirtschaftliche Stärke als ideale Basis für Investoren, seien es internationale Anleger am Aktien- oder Anleihemarkt oder für ausländische Unternehmen, die in Produktion investieren: Das waren lange Zeit entscheidende Pluspunkte für die US-Währung. Und wenn Geld in die USA fließt, muss es in US-Dollars getauscht werden, bevor man es einsetzen kann.

Doch dieser Tage ist das mit der politischen Stabilität so eine Sache. Man mag die EU gerne als zu langsam reagierenden und uneinigen Papiertiger ansehen, aber in den USA weiß man derzeit nie sicher, was morgen sein wird – das ist für Investoren noch problematischer. Und wie stark die US-Wirtschaft derzeit wirklich ist und, wichtiger noch, wie sie sich in ein, zwei Jahren präsentieren wird, weiß man einfach nicht genau. Nicht zuletzt wegen der immer zahlreicheren Konjunkturdaten, die wegen des Shutdowns ausbleiben. Aber einen Pluspunkt hat der US-Dollar momentan angeblich: die Zinsperspektive gegenüber der Eurozone. Ist das so?

Expertenmeinung: Das könnte man so auslegen, aber dann erst einmal nur auf kurzfristiger Ebene. Die eher nicht auf eine umgehende, weitere Leitzinssenkung in den USA hindeutenden Aussagen des US-Notenbankchefs nach der jüngsten Sitzung in der vergangenen Woche wurden so interpretiert, dass der US-Leitzins und mit ihm auch die Renditen der US-Anleihen länger hoch bleiben werden als gedacht. Also, so die Schlussfolgerung derer, die daraufhin beim Greenback Long gingen, stärkt das den US-Dollar. Kurzfristig mag man das so stehen lassen. Aber mittelfristig?

Die EZB hat ihre Leitzinsen bereits auf einen neutralen Level gesenkt, die US-Notenbank muss mit recht hoher Wahrscheinlichkeit nachziehen. Das wird sich in dem insgesamt problematischen Umfeld, in dem sich die US-Wirtschaft bewegt, auch bei einem moderat zu hohen Inflationsniveau eher nicht vermeiden lassen. Und gehen die US-Zinssenkungen weiter, wäre auch dieses kurzfristig den Dollar stützende Argument dahin. Aber:

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 04.11.2025, Kurs 1,1478 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 04.11.2025, Kurs 1,1478 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Rein von der Charttechnik her wäre eine Korrektur des Euro zum US-Dollar allemal drin. Wir sehen, dass die Währungsrelation auf kurzfristiger Ebene knapp ein Topp vollendet hat, das nächste charttechnische Kursziel wäre jetzt das Tief vom 31. Juli bei 1,1404 US-Dollar pro Euro. Unterstützt würde der Korrektur-Gedanke auch dadurch, dass Euro/US-Dollar auf Monatsbasis mit den Kerzen der Monate August, September und Oktober einen „Evening Star“ hervorgebracht hat, der auch noch am oberen Ende des 2020er-Aufwärtstrendkanals liegt.

Doch erst, wenn die bis ins Jahr 2023 zurückreichende Unterstützungszone im Bereich 1,1200/1,1275 US-Dollar fallen sollte, hätte die Schwäche des Euro mittelfristige Relevanz. Und dazu müsste aus heutiger Sicht mehr passieren als einige „hawkishe“ Formulierungen des US-Notenbankchefs.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 04.11.2025, Kurs 1,1478 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 04.11.2025, Kurs 1,1478 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Es hätte nicht überrascht, wenn der US-Dollar jetzt, da in den USA ein Shutdown für Probleme sorgen wird und diese Situation an sich zeigt, wie zerrüttet die politische Landschaft ist, kräftig abgerutscht wäre. Aber das tat er nicht, denn andere Faktoren hielten dagegen.

Sollte es nicht doch noch zu einer überraschenden Einigung zwischen Republikanern und Demokraten kommen, wird das Scheitern der Haushaltsverhandlungen und die daraus resultierende Schließung von Behörden unter anderem dazu führen, dass die morgigen US-Arbeitsmarktdaten nicht kommen. Und, wenn die Sache sich zieht, auch keine Zahlen zur US-Inflation. Das ist hochproblematisch. Und dass man nicht einmal imstande ist, die kleinen Schritte aufeinander zuzugehen, um den geplanten Übergangshaushalt durchzubringen, der dann immerhin wieder Zeit bis zu dessen Auslaufen gebracht hätte, ist ein Aspekt, der gegen die USA als Ziel für Investitionen spricht. Und das ist ja nicht der einzige.

Was derzeit im Weißen Haus passiert bzw. losgetreten wird, dürfte dem Gros potenzieller Investoren quer im Magen liegen. Politische Verlässlichkeit und Stabilität, früher ein großer Pluspunkt des US-Dollar-Raums, ist derzeit nicht gegeben. Und der Shutdown unterstreicht das. Das hätte den Greenback zum Euro eigentlich drücken müssen. Und nicht nur das.

Denn während die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten vermutlich ausfallen, kamen am Mittwoch die privat von ADP ermittelten Zahlen zu den im Privatsektor neugeschaffenen Arbeitsplätzen sehr wohl. Und fielen fatal aus. Statt der im Vorfeld geschätzten 52.000 neuen Jobs im September, meldete ADP einen Stellenabbau um 32.000. Und nicht nur das, das August-Ergebnis wurde von +54.000 auf -2.000 revidiert. Was hieße: Die Zinssenkungen der US-Notenbank müssten weitergehen. Und das zügig. Was wiederum den Zinsvorteil der US-Anleihen gegenüber denen des Euroraums schmälern würde: auch ein Argument für einen schwächeren US-Dollar. Aber am Ende des Tages ging das Währungspaar zum Vortag kaum verändert aus dem Handel. Wieso?


Expertenmeinung: Ein Argument dürfte gewesen sein, dass die US-Wirtschaft trotz des wackligen Arbeitsmarkts und der politischen Unsicherheit deutlich stärker daherkommt als gedacht. Zumindest in Bezug auf die offiziellen Wachstumszahlen. Die letzte Berechnung des US-Bruttoinlandsprodukts des zweiten Quartals hatte vergangene Woche einen Anstieg von 3,8 Prozent in der annualisierten Rate ausgewiesen. Und der GDPNow-Tracker der regionalen US-Notenbank von Atlanta meldet derzeit für das jetzt beendete dritte Quartal, zu dem erste Berechnungen Ende Oktober anstehen, ein Wachstum von erneut 3,8 Prozent.

Wie verlässlich solche Zahlen sind, sei mal dahingestellt. Aber sie suggerieren, dass das Wachstum der USA brummt … und ließen den Schluss zu, dass es, würde es nicht diese Unsicherheitsfaktoren geben, erst recht stark wäre. Und das wiederum spricht für einen starken US-Dollar.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 01.10.2025, Kurs 1,1735 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 01.10.2025, Kurs 1,1735 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Es wäre denkbar, dass der US-Dollar zum Euro doch noch schwächer geht, wenn der Shutdown sich länger hinzieht und die Gräben in Repräsentantenhaus und Senat dadurch noch viel tiefer werden. Aber für den Moment hat diese ausgebliebene, negative Reaktion des Greenbacks den Deckel, der auf der Euro/US-Dollar-Relation liegt, noch schwerer gemacht.

Es ist ja durchaus eine massive Charthürde, an welcher das Währungspaar bislang hängen geblieben ist, dieser Kreuzwiderstand aus den Tiefs der Jahre 2010 und 2012 und der oberen Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals im Bereich 1,1876/1,2042 US-Dollar pro Euro. Im September schlug ein zweiter Ausbruchsversuch nach dem ersten vom Juni/Juli fehl, jetzt wurde die Chance, sich nach oben abzusetzen, erneut liegen gelassen. Noch gibt das Chartbild kein euro-bärisches Bild ab. Aber der nächste Schub der US-Dollar-Schwäche sollte jetzt besser einen klaren Beleg im Chartbild haben, bevor man auf ihn setzt. Und da wäre es durchaus angebracht, ein „großes“ Signal einzufordern, sprich einen signifikanten Ausbruch über diesen „Deckel“ bei 1,1876/1,2042 US-Dollar.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 01.10.2025, Kurs 1,1735 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 01.10.2025, Kurs 1,1735 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS
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Im Vorfeld der US-Notenbankentscheidung war der Euro zum US-Dollar mit in der Spitze 1,1919 US-Dollar auf den höchsten Stand seit Juni 2021 gestiegen. Doch der große Sprung über die belagerte, langfristige Widerstandszone gelang zunächst nicht. Kommt er noch?

Euro/US-Dollar: Tageschart vom 17.09.2025, Kurs 1,1815 USD, Kürzel: EUR.USD | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tageschart vom 17.09.2025, Kurs 1,1815 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Es könnte zumindest kurzfristig eng werden für die Euro-Bullen. Dass der Euro/US-Dollar-Kurs im Vorfeld über das bisherige Jahreshoch hinaus und damit in die auf die Jahre 2010/2012 zurückgehende Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar hineinlief, machte deutlich, dass viele Forex-Trader diesen Ausbruch, der zugleich einen Ausbruch über die obere Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals bedeuten würde, forciert haben. Aber das, was sie am Mittwochabend geliefert bekamen, war kein klares Signal für zeitnah erfolgende, weitere Leitzinssenkungen, die den US-Dollar unter Druck setzen könnten.

Der große Run in den Euro blieb daher am Mittwochabend erst einmal aus. Der Tag endete, nachdem man am Dienstag versucht hatte, mit dem Ausbruch über das bisherige Jahreshoch von 1,1830 US-Dollar schon einmal für bullische Fakten zu sorgen, mit einem Doji. Aber solange sich der Euro/US-Dollar-Kurs über der Ende Februar etablierten, mittelfristigen Aufwärtstrendlinie hält, wäre die Chance für weitere Kurssteigerungen auch dann noch vorhanden, wenn es jetzt erst einmal nicht reicht für einen Ausbruch über diese langfristige Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar, denn:

Expertenmeinung: Es müssen nicht zwingend schnell sinkende Leitzinsen sein, die den US-Dollar weiter unter Druck setzen. Das unter Druck geratene US-Wachstum, die für viele internationale Investoren irritierende US-Politik, die zügig wachsende Verschuldung – all das spricht nicht für ein nennenswertes Wiedererstarken des US-Dollars.

Und dass es in Bezug auf das weitere Vorgehen innerhalb der US-Notenbank deutlich divergierende Meinungen gab und man mit einem nur kleinen Zinsschritt von 0,25 Prozent kein klares Signal setzen konnte, was zu tun ist, um die US-Wirtschaft zu unterstützen, ist letztlich auch ein Zeichen der Schwäche und der Unsicherheit. Und eine Notenbank, die sich unsicher ist, wie es weitergeht, ist kein Argument, in ausgerechnet diesen Währungsraum zu investieren.

Euro/US-Dollar: Monatschart vom 17.09.2025, Kurs 1,1815 USD, Kürzel: EUR.USD | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monatschart vom 17.09.2025, Kurs 1,1815 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Denkbar wäre es also trotz dieses ausgebliebenen, klaren Signals der „Fed“, dass der Euro weiter an Boden gewinnt. Das Umfeld dafür ist da und wird vermutlich auch mittelfristig erhalten bleiben. Erst wenn der die Aufwärtsbewegung derzeit führende, doppelte Leitstrahl aus 20-Tage-Linie und Februar-Aufwärtstrend fiele – aktuell im Bereich 1,1700/1,1705 US-Dollar –, könnte man tatsächlich von einer Bullenfalle sprechen, die dann auch eine etwas umfassendere Korrektur einleiten könnte. Solange das nicht der Fall ist, bleibt die Tür für einen stärkeren Euro offen.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Es ist keine leichte Widerstandszone, die direkt über dem bisherigen Jahreshoch auf die Euro-bullischen Trader wartet. Die Tiefs der Jahre 2010 und 2012 zu überbieten, das wirkt wie ein Paradigmenwechsel und ist entsprechend knifflig. Aber auch harte Nüsse lassen sich knacken.

Zumal die Argumente für einen schwachen US-Dollar längst vorhanden sind und eher noch zunehmen. Die wankelmütig und nicht zu Ende gedacht wirkende Politik der US-Regierung sorgt für große Unsicherheiten in Bezug auf Investitionen aller Art in den USA. Das mindert die Nachfrage nach US-Dollars. Der Warenverkehr braucht ebenfalls US-Dollars, aber der nimmt wegen der teils massiv angehobenen Einfuhrzölle ab; gerade erst wurden die Exporte Deutschlands im Juli veröffentlicht, da lag das Exportvolumen in die USA über 14 Prozent niedriger als im Juli 2024. Die Einfuhren aus China, hier wurde bereits der August veröffentlicht, sanken sogar um ein Drittel. Die US-Exporte geben zwar bislang nur marginal nach. Aber man kann vermuten, dass das nicht so bleibt.

Die beiden Faktoren der physischen Nachfrage und des Vertrauens in wirtschaftliche und politische Stabilität als Argument für Dollar-Anlagen sprechen also gegen den Greenback. Und jetzt, nachdem die August-Arbeitsmarktdaten in den USA erneut schwach ausfielen, dafür aber der im Challenger-Report erfasste Stellenabbau Fahrt aufnimmt, geht man zu Recht davon aus, dass der US-Notenbank nichts anderes übrigbleibt, als den Leitzins zu senken, womöglich bereits in der kommenden Woche. Damit würde auch der Zinsvorteil, den die US-Anleihen gegenüber den meisten Euro-Bonds haben, schrumpfen.

Expertenmeinung: Grundsätzlich könnte der Euro zum US-Dollar also weiter zulegen. Aber wir stehen rein chart- und markttechnisch gesehen jetzt vor einer ziemlich hoch wirkenden Hürde. Denkbar wäre, dass die morgen in einer Woche anstehende Entscheidung der US-Notenbank den Ausschlag geben wird, ob die Bullen hier eine entscheidende Attacke wagen. Wobei diesem Termin vorgelagert noch die US-Erzeuger- und Verbraucherpreise für den August im Raum stehen, die am Mittwoch bzw. am Donnerstag erwartet werden … und die, wenn deren Anstieg unerwartet niedrig ausfallen sollte, ebenso bereits ein Signal für deutlicher sinkende US-Renditen sein könnten.

Schwindendes Vertrauen, eine nachlassende, physische Nachfrage und dann auch noch ein schrumpfender Zinsvorteil: Käme all das zusammen, müsste diese „Nuss“ in Form dieser nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig massiv wirkenden Widerstandszone zu knacken sein. Worum geht es konkret?

Euro/US-Dollar: Tageschart vom 08.09.2025, Kurs 1,1753 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tageschart vom 08.09.2025, Kurs 1,1753 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Es geht primär um das bisherige Jahres-Verlaufshoch bei 1,1830 US-Dollar pro Euro. Aber das ist nur der untere Bereich der eigentlichen, langfristig relevanten Widerstandszone. Die liegt zwischen 1,1876 und 1,2042 US-Dollar und setzt sich zum einen aus den oben bereits erwähnten Jahrestiefs 2010 und 2012, zum anderen aus der oberen Begrenzung des im Herbst 2022 etablierten Aufwärtstrendkanals zusammen.

Euro/US-Dollar: Monatschart vom 08.09.2025, Kurs 1,1753 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monatschart vom 08.09.2025, Kurs 1,1753 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Zwar würden darüber bereits bei 1,2350 das 2021er und bei 1,2556 US-Dollar das 2018er-Jahreshoch als potenzielle Bremsmarken warten. Aber die psychologisch wichtigere Widerstandszone steht den Euro-Bullen jetzt im Weg. In einem Umfeld wie diesem, das grundsätzlich Dollar-bärisch ist und dies politisch in den USA auch gar nicht so ungern gesehen wäre (weil ein schwacher US-Dollar den US-Exporteuren helfen würde), muss diese Hürde zwar nicht zwingend genommen werden, aber sie könnte es … und das jederzeit.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Menschen neigen ja dazu, zu hören, was sie hören wollen. Aber das entspricht bisweilen nicht dem, was wirklich gesagt wurde. Am Freitag stieg der Euro kräftig, weil man sicher war, dass Fed-Chef Powell eine Zinssenkung angekündigt habe. Gestern verkaufte, wer das anders sah.

Alle warteten darauf, dass US-Notenbankchef Powell in seiner Rede im Rahmen des jährlichen Notenbanker-Treffens in Jackson Hole Bedeutsames von sich geben würde. Würde er dem Dauerdruck aus dem Weißen Haus nachgeben und avisieren, dass die „Fed“ ab jetzt eine weniger restriktive Geldpolitik anstreben wird? Speziell am Aktienmarkt fieberte man Hinweisen nach Zinssenkungen entgegen, die immer noch von vielen als eine Art Allheilmittel angesehen werden.

Man bekam nicht wirklich, was man hören wollte. Aber man tat so, als habe man es gehört. Der US-Aktienmarkt stieg, der US-Dollar gab in Erwartung niedrigerer US-Zinsen gegenüber dem Euro nach, sprich die Euro/US-Dollar-Relation stieg. Zumindest am Freitag, dem Tag der Powell-Rede. Am Montag aber fiel Euro/US-Dollar zurück, fast der gesamte Kursgewinn des Freitags ging wieder verloren. Warum?

Expertenmeinung: Jerome Powell hatte keine Leitzinssenkung angekündigt. Was er sagte, war, dass sich die Risiken aktuell mehr in Richtung einer Abschwächung des US-Arbeitsmarkts verlagern, das Inflationsrisiko also nicht mehr so schwer wiegen könnte wie bisher. Zumal das wahrscheinlichste Szenario, das die Leute an den Glaskugeln der „Fed“ sehen, ein nur vorübergehender Anstieg der Inflation durch die Zölle sei. Das könnte dazu führen, dass Anpassungen der bisherigen Geldpolitik nötig werden, denn aktuell sei der Leitzinslevel noch restriktiv. Das hieß: Es könnte zu einer Zinssenkung in der kommenden Sitzung am 17. September kommen. Aber es muss nicht.

Immerhin stehen vor diesem Termin noch die August-Arbeitsmarktdaten, die Verbraucher- und Erzeugerpreise, das Verbrauchervertrauen und, und, und. Und selbst wenn die US-Notenbank dann den Leitzins um ein halbes Prozent senkt: Hoch bleibt er gegenüber dem der EZB auch dann noch. Und da man bezüglich der Erwartung, dass steigende Preise nur vorübergehend sein würden, schon 2022 daneben lag, ist Skepsis berechtigt, dass ein solcher Schritt im September eine Serie an weiteren Zinssenkungen einleiten würde.

Das motivierte am Montag diejenigen, den US-Dollar wieder zu kaufen und damit die Euro/US-Dollar-Relation wieder zu drücken, die nicht glauben, dass nach dem immensen Anstieg des Euro zum Greenback vom Jahrestief im Januar bei 1,0177 auf 1,1830 US-Dollar noch viel Luft für den Euro nach oben wäre, weil die Veränderung der Gemengelage damit bereits eingepreist ist. Das ist ein klares Warnsignal für Euro-Bullen, denn:

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 25.08.2025, Kurs 1,1607 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 25.08.2025, Kurs 1,1607 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Dieses Abdrehen vollzog sich, während das bullische Lager hoffte, der Euro könne im zweiten Anlauf den massiven Kreuzwiderstand bei 1,1877/1,2042 US-Dollar überwinden, an dem er im Juli nicht vorbeikam. So könnte dieser längere Zeit bullisch wirkende August auf den letzten Metern noch zu einer Pleite für die Bullen werden. Und wie überall an der Börse gilt auch am Devisenmarkt:

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 25.08.2025, Kurs 1,1607 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 25.08.2025, Kurs 1,1607 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Erst kommt der Kursimpuls, dann baut man sich die passende Begründung zusammen. Der Euro ist zwar an sich ordentlich unterstützt, so dass man erst einmal keine Grundlage hätte, um ins Dollar-bullische Lager überzulaufen. Aber sobald das Währungspaar das bisherige Monats-Verlaufstief bei 1,1391 US-Dollar unterbieten sollte, würde dadurch charttechnisch genug anbrennen, um bei Euro-Long-Positionen äußerst vorsichtig zu werden.

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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