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Im September war der Euro zum US-Dollar in eine massive, langfristige Widerstandszone gelaufen und hatte dort erst einmal abgedreht. Doch jetzt nimmt er einen neuen Anlauf. Ein Ausbruch nach oben hätte Signalwirkung – aber nicht nur positive Folgen für unsere Wirtschaft.
Bei 1,1919 US-Dollar für einen Euro wurde im vergangenen September das 2025er-Jahreshoch erreicht. Gestern war der Kurs mit einem Tageshoch bei 1,1907 US-Dollar fast an dieser Marke dran – und bleibt in Reichweite, die Widerstandszone 1,1789/1,1919 US-Dollar zu überwinden.
Zwar wäre die langfristig entscheidende Zone damit noch nicht bezwungen, die liegt im Bereich 1,1876/1,2042 US-Dollar und setzt sich aus den Tiefs der Jahre 2010 und 2012 zusammen. Hinzu kommt die obere Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals die, wie der Chart auf Monatsbasis zeigt, aus dieser Widerstandszone einen massiven Kreuzwiderstand macht. Aber dass der Euro ausgerechnet jetzt Stärke zeigt, lässt ahnen, warum das so ist, und deutet an, dass ein solcher Ausbruch nach oben keineswegs unrealistisch wäre:

Internationale Investoren werden gegenüber den USA und damit gegenüber der Solidität ihrer Währung und ihres Finanzsystems vorsichtiger und tendieren mehr zum Euro denn zum US-Dollar als zuvor. Doch dieser „Vertrauensbeweis“ könnte für die Eurozone-Wirtschaft äußerst problematisch werden.
Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.
Expertenmeinung: Grundsätzlich bedeutet eine starke Währung zwar eine höhere Nachfrage nach den dortigen Assets, seien es Aktien oder Anleihen. Es deutet an, dass internationale Investoren und Unternehmen ihr Geld da in guten Händen wähnen. Aber der daraus ableitbare Vorteil steigender Kurse an den Börsen und der Chance auf neue Arbeitsplätze ist ein „Könnte“. Die Schattenseite einer starken Währung ist hingegen ein Faktum:
Es bremst die Exporteure aus, zumindest wenn die Währung deutlicher zulegt. Dass immer mehr Unternehmen in der Eurozone damit anfangen, bei ihren Bilanzen „währungsbereinigte“ Gewinne auszuweisen, unterstreicht das. Damit will man den Investoren zeigen, dass man eigentlich deutlich mehr verdient hätte, wären die Währungen, mit denen die Waren und Dienstleistungen außerhalb der Eurozone bezahlt wurden, nicht zum Euro weniger wert geworden. Und die Alternative, den Preis im Ausland entsprechend des Abstiegs der Währung anzuheben, ist meist keine gute, weil Konkurrenten aus anderen Währungsräumen das nicht tun müssen und so das verkaufen, was Eurozone-Unternehmen dann zu höheren Preisen nicht loswerden. Es läuft also auf die Alternative sinkender Auslandsumsätze oder sinkender Gewinnspannen hinaus.
Zwar werden dadurch Importe von außerhalb der Eurozone im Gegenzug günstiger, vor allem bei Rohstoffen ist das derzeit von Vorteil, weil die alle in US-Dollar fakturiert werden. Aber normalerweise kann das den Nachteil beim Export im gesamtwirtschaftlichen Bild nicht ausgleichen, zumal so hinzukommt, dass US-Firmen hierzulande Gewinnmargen erzielen oder aber ihre Preise senken können … was den Eurozone-Herstellern zum Schaden gereichen würde.
So betrachtet zeigt die Stärke des Euros zwar, dass die USA in der internationalen Investorengunst an Boden verlieren, und wirkt wie ein „Kompliment“ für die Eurozone. Aber sollte Euro/US-Dollar diese Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar mit dann nächstem Kursziel 1,2349 US-Dollar pro Euro überbieten, wäre das für die Wachstumsperspektiven der Eurozone insgesamt und die Deutschlands mit seinem starken Exportanteil im Besonderen alles, nur nicht erfreulich.

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