Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).
Mitte 2024 hatte die Relation des US-Dollars zum Yen den höchsten Stand seit 1987 erreicht. Aktuell steuert das Währungspaar wieder auf dieses Hoch zu. Und das, obwohl die japanische Notenbank die Zinsen anhebt – wie kann das sein, warum ist der Yen derart schwach?
Normalerweise ist eine Währung dann stark, wenn die Perspektiven für das Wirtschaftswachstum gut sind und die Anleiherenditen attraktiv sind bzw. noch weiter steigen könnten. Und mit der neuen Premierministerin Takaichi steigt die Erwartung, dass diese durch gezielte fiskalische Stimuli das Wachstum ankurbeln wird. Zugleich ist die Inflation in Japan so hoch, dass die japanische Notenbank nach nahezu ewig wirkender Zeit tatsächlich die Leitzinsen angehoben hat … und noch weiter anheben könnte.
Zum einen, weil eine anziehende Wirtschaftsaktivität meist auch die Preise treibt. Zum anderen, weil die Bank of Japan den Verfall des Yen zu anderen wichtigen Währungen wie US-Dollar und Euro, für den man sich jahrelang als nicht zuständig sah, langsam laut Insidern doch mit hinreichender Sorge betrachtet, um ihn in die geldpolitischen Entscheidungen mit einzubeziehen.
All das zusammengenommen hätte der Yen zum US-Dollar in den letzten Wochen eigentlich stärker werden sollen. Aber man zahlt immer mehr Yen für einen US-Dollar. Sprich der Greenback wird teurer, nicht der Yen. Wie kann das angehen? Immerhin bedeutet ein für Japan immer stärker werdender US-Dollar ja auch, dass Importe teurer werden, die in US-Dollar fakturiert werden. Und das sind vor allem Rohstoffe, die Japan kaum selbst hat und deswegen großenteils einführen muss. Ein zusätzliches Inflationsrisiko also. Aber:
Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars USD.JPY und historische Wechselkurse finden Sie hier.
Expertenmeinung: Eine schwache Währung hat andererseits den Vorteil, dass die Exporteure eine höhere Gewinnmarge erzielen, weil die Währungen, in denen die Güter verkauft werden, im Wert steigen. Das ist für jede Regierung ein Faktor, den man immer mit einem Auge verfolgt, so dass man in Tokio vermutlich nicht gerade bedauert, dass der Yen trotz anziehender Leitzinsen schwach ist. Und noch ein weiterer Faktor führt dazu, dass die internationalen Trader den Yen bislang nicht „drehen“ mögen: die Carry-Trades.
Bei Carry-Trades nehmen Investoren einen Kredit in einer Währung auf, in der sie wenig Zinsen bezahlen müssen, tauschen das Geld in Währungen, in denen es höhere Zinsen zu holen gibt, und investieren es dort in Anleihen oder sogar in Aktien. Das funktioniert so lange hervorragend, wie die Kreditwährung, in diesem Fall also der Yen, schwach bleibt. Steigt er indes an, können Verluste entstehen, weil der Yen bei Rückzahlung des Kredites dann so viel teurer ist als bei Aufnahme der Verbindlichkeit, dass die dann entstehenden Währungsverluste höher ausfallen als die durch den Zinsvorteil erzielten Gewinne. Und an diesen Carry-Trades verdienen die japanischen Banken gut – auch da möchte man also keinen erstarkenden Yen.
Letzten Endes bewegt sich die japanische Währung damit aber in der Tat gegen steigende Leitzinsen und die Erwartung höheren Wachstums. Die Argumente, warum das so ist, klingen nachvollziehbar, aber als stabil genug für neue Carry-Trade-Spekulationen kann man diese Dauer-Schwäche nicht einordnen.
Es ist zwar durchaus denkbar, dass das Währungspaar zunächst das 2025er-Hoch bei 158,88 und danach das 2024er-Hoch bei 161,95 Yen pro US-Dollar überbietet und damit neue, knapp 40-Jahres-Hochs markiert. Aber es ist ein riskanter Weg, auf dem die Devisentrader da gerade unterwegs sind … riskant genug, um diesen grundsätzlich intakten Aufwärtstrend des US-Dollars zum Yen als äußerst spekulativ anzusehen!

--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen


