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Börse aktuell

Börse aktuell: Nachrichten, Analysen und Einordnungen zur aktuellen Börsenentwicklung in Deutschland, den USA und an den internationalen Finanzmärkten. Hier erfahren Sie, was aktuell an der Börse geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet das Marktgeschehen und fasst wichtige Börsendaten, Marktentwicklungen und Börsenberichte für Sie zusammen. Mit Börse aktuell erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Börsennachrichten und Einordnungen zu aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie regelmäßig über die Entwicklungen an den Finanzmärkten. Welche Themen bewegen derzeit die Börse? Welche Ereignisse könnten in der kommenden Woche für Aufmerksamkeit sorgen? Und wie präsentiert sich das aktuelle Marktumfeld – eher von Bullen oder Bären geprägt? In unserer Kolumne ordnen wir die wichtigsten Börsenthemen, Marktdaten und Ereignisse der Woche ein und geben einen Überblick über Entwicklungen, die Einfluss auf den weiteren Börsenverlauf haben könnten.

Börse aktuell vom 20.-26.07.2026

Hypes: Den Letzten beißen die Hunde

von

20.07.2026 | 07:00 Uhr
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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

In den letzten Jahren gaben sich sogenannte „Hypes“ an den Börsen die Klinke in die Hand. KI, Rüstungsaktien, Edelmetalle, Kryptowährungen, Halbleiteraktien: Vielfach schossen die Kurse in die Höhe … und kamen kaum weniger rasant wieder zurück. Sind Hypes also unberechenbare Risiken, von denen man sich besser fernhalten sollte?

Wenn man noch unerfahren ist und/oder nicht über das unabdingbare, gerne aber als höchst unnötig angesehene Grundwissen für die Börse verfügt, lautet die Antwort: Ja. Doch genau diese Klientel ist es, die nicht nur auf die bei Hypes schnell dahinrasenden Züge aufzuspringen pflegt, sondern auch mit ihnen in den Abgrund stürzt.

Erfahrene Trader hingegen können mit solchen Bewegungen umgehen. Wer weiß, wie man solche extremen Trends handelt, kann von ihnen profitieren. Wichtig zu verstehen ist vor allem eines: Den Letzten beißen die Hunde. Vor allem, wenn man nicht nur zu den Letzten gehört, die auf den Zug aufspringen, sondern auch noch zu den Letzten, die dann nach einer drastischen Abwärtskorrektur aussteigen.

Doch da kommt dann meist die (berechtigt klingende) Frage: Woher soll man denn bitte wissen, wo ein solcher Trend beginnt und wo dann „oben“ ist? Antwort:

Konsequenz geht vor Emotionen … das ist „alternativlos“!

Das weiß man nie. Nur … das muss man ja auch gar nicht. Natürlich weiß niemand vorher, wie lange und wie weit ein Trend führt. Genauso wenig kann man sicher sein, dass sich in Marsch setzende Kurse zu „Hypes“ werden oder dass aus einem Rücksetzer in einer Aufwärtsbewegung eine größere Korrektur und aus dieser dann womöglich sogar eine Abwärtswende wird. Aber warum muss ich das überhaupt wissen? Wir kommen doch in allen Lebenslagen mit der Tatsache zu Rande, dass wir die Zukunft nicht vorhersagen können. Das wäre (in manchen Dingen) höchst erfreulich, keine Frage. Aber es ist eben nicht so. An der Börse ist das genauso. Und dort wie im „echten“ Leben gilt:

Börse aktuell: Kursentwicklung Infineon Aktie November 2025 bis Juli 2026 - Verkaufssignal im Chart | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Kursentwicklung Infineon Aktie November 2025 bis Juli 2026 – Verkaufssignal im Chart | Quelle: marketmaker pp4

Man muss einfach in dem Moment, in dem eine Entscheidung ansteht, besonnen handeln. Nötige Entscheidungen aufzuschieben ist keine gute Idee, auch an der Börse nicht. Und handeln sollte man auf Basis nüchterner Überlegungen und greifbarer Fakten, nie auf Basis von Gier oder Angst oder einfach mal „aus dem Bauch heraus“, nach Gefühl.

Das ist nicht so einfach, wie man es hier hinschreiben kann, da spreche ich aus Erfahrung. Aber es ist nun einmal alternativlos, sonst kann das Trading hochdynamischer Trends schiefgehen.

Übersetzt in das Geschehen an der Börse hieße das: Wenn eine Aktie, ein Index, eine Commodity oder was auch immer man handeln möchte, ein bullisches Signal generiert, kann das ein Signal zum Einstieg sein. Dann gilt es, auf Basis vernünftigen Money-Managements zu prüfen, wo der Stoppkurs bzw. bei volatilen Titeln und/oder Einsatz von gehebelten Derivaten ein Stop-Loss hin soll. Den sollte man tunlichst sofort setzen und nicht erst, wenn der Baum brennt.

Dann folgt man dem Trend, solange dieser hält, und orientiert sich an den den Trend führenden Linien. Das können wie Treppen überwundene, vorherige Widerstandslinien sein, Aufwärtstrendlinien unterhalb markanter Zwischentiefs oder gleitende Durchschnitte. Und man zieht dabei den Stopp/Stop-Loss entsprechend dem Fortschritt des Trends konsequent nach.

Sobald sich zeigt, dass der Trend gebrochen ist, sei es durch den Bruch trendführender Supportlinien, sei es durch die Vollendung einer Trendwendeformation oder durch beides zugleich, heißt es: Alle Mann von Bord … ggf. dreht man dann sogar die Positionierung in die Gegenrichtung, sollte das Chartbild das hergeben.

Das macht einem schnell deutlich: Ein „Hype“ ist eigentlich ein Trend wie alle anderen … alles läuft gleich ab … nur schneller und weiter. Aber die Grundregeln sind die gleichen, so dass eigentlich niemand viel zu spät ein- und viel zu spät aussteigen sollte. Es sei denn, man glaubt, bildlich gesprochen, in Badelatschen die Zugspitze besteigen zu können.

Börse aktuell: Kursentwicklung Rheinmetall Aktie Januar 2025 bis Juli 2026 - Chartsignale | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Kursentwicklung Rheinmetall Aktie Januar 2025 bis Juli 2026 – Chartsignale | Quelle: marketmaker pp4

Disziplin? Klingt langweilig … es sei denn, man will an der Börse Erfolg haben

Das Problem ist natürlich, dass in dramatischem Tempo steigende Kurse die tückischen Emotionen wecken; dagegen ist kaum jemand gefeit. Die Kunst ist, zu bemerken, dass die Gier gerade das Steuer übernimmt. Gelingt es, weiter kontrolliert zu agieren, kann man es auch schaffen, sich von dieser uns alle unterschwellig begleitenden Angst, „die“ Rallye des Jahres zu verpassen, nicht einwickeln zu lassen.

Gelingt das aber nicht, hilft einem das eigentlich vorhandene Börsenwissen herzlich wenig, denn wenn die Emotionen erst einmal von der Leine sind, erleidet man als Trader in Sachen Vernunft und Fachwissen meist eine komplette Amnesie. Das zu vermeiden, erfordert eiserne Disziplin. Aber diese Disziplin kann man sich nicht einfach mit einem Fingerschnipp anlesen oder zulegen, das braucht Übung … und meiner Ansicht nach auch ein paar satte Bauchlandungen, mit denen man dann die Erfahrungen macht, die zu den nötigen Nerven wie Drahtseilen führen …

Börse aktuell: Kursentwicklung Rohöl Brent Dezember 2024 bis Juli 2026 - Chartsignale | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Kursentwicklung Rohöl Brent Dezember 2024 bis Juli 2026 – Chartsignale | Quelle: marketmaker pp4

… die man aber nicht dafür braucht, um sich zu spät zum Einstieg durchzuringen oder irgendwann, meilenweit unter einem ignorierten Ausstiegssignal, bittere Verluste zu realisieren. Sie sind nötig, um zu handeln, wenn es angezeigt ist, und die Finger wegzulassen, wenn man den richtigen Moment verpasst hat.

Kein dummer Spruch: Nur aus Fehlern lernt man!

„Aus Fehlern lernt man“ – dieser Spruch hat schon seine Berechtigung. Denn auch wenn man das immer wieder gepredigt bekommt, macht man es nicht.

Was macht man nicht? Sich auch dann zu hinterfragen, wenn etwas scheinbar perfekt gelaufen ist. Das schreibt man dann einfach seinen eigenen Fertigkeiten, seinem „Händchen“, seinem „Gefühl für den Markt“ zu. Man hat’s halt drauf … denkt man dann, obwohl man in Wahrheit alles Mögliche falsch gemacht hat und am Ende einfach nur Glück hatte. Hat man dann irgendwann kein Glück mehr … und das bleibt halt nicht aus …, steht man wie vom Donner gerührt da. Und nicht wenige schieben dann der Börse die Schuld zu, statt sie bei sich selbst zu suchen.

Erfahrungsgemäß ist es daher sogar vorteilhaft, wenn man anfangs kein Glück hat, sondern sehr früh merkt, dass es keinesfalls ausreicht, einfach mal zu kaufen, was gerade durch alle Medien geht, ohne zu wissen, was man da eigentlich tut. Ohne „Exit-Strategie“, ohne Absicherung. Das sind die eingangs erwähnten „Letzten“, die nahe am Ende einer Kaufwelle einsteigen, wie das Kaninchen auf die Schlange starren, wenn auf einmal dicke Verluste auflaufen, und irgendwann, wenn die Korrektur bereits in den letzten Zügen liegt, mit blanken Nerven unlimitiert aussteigen, nur um dann entsetzt zu sehen, dass das, was man gerade mit Verlust verkauft hat, wie von Geisterhand wieder steigt. Viele „alte Hasen“ sind durch solche Phasen gegangen und haben aus ihnen gelernt. Die, die daraus nichts gelernt haben, sind großenteils keine Anleger mehr … mangels Masse.

Börse aktuell: Kursentwicklung SanDisk Aktie Januar bis Juli 2026 - Chartsignale | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Kursentwicklung SanDisk Aktie Januar bis Juli 2026 – Chartsignale | Quelle: marketmaker pp4

Jeder Anleger ohne das nötige Grundwissen ist einer zu viel … weitersagen!

Ich vermute, dass nur wenige, die eher planlos vorgehen, diesen Beitrag lesen, im Gegenteil aber viele, die meine Erfahrungen und Meinungen teilen, ihn lesen. Aber ich vermute, dass auch Sie viele Anleger kennen, die ohne die nötige Grundausrüstung an den Börsen herumhantieren. Jeder Anleger, der schnell dazulernt, ist einer weniger, der nicht erkannten und damit nicht zu bändigenden Risiken unterliegt. Und jeder Anleger weniger, der sein Erspartes leichtfertig aufs Spiel setzt, ist für uns alle gut. Denken Sie an die negativen Auswirkungen der Baissen 2000–2003 und 2008/2009 auf die Wirtschaft.

„Hypes“ sind Trends wie alle anderen, nur sind das sozusagen Sportwagen und keine kleinen Zweitwagen. Gaspedal, Bremse, Kupplung, alles am gleichen Platz. Ignoriert man die prozentualen Veränderungen der hier gezeigten Beispielcharts, sieht alles aus wie normale Trends. Aber um diese „Sportwagen“ zu beherrschen, braucht man halt Übung und Disziplin, um nicht zu den leidigen „Letzten“ zu gehören. Übung und Disziplin kann man sich aber aneignen und sollte es auch: weitersagen!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Informationen zum / zu den auf dieser Seite genannten Produkt(en) finden Sie hier:

PRIIPs / KIDs CME Futures

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.07.2026 um 19:22 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie über wichtige Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten. Ein Schwerpunkt unserer Berichterstattung liegt auf den großen Aktienindizes wie dem DAX sowie den US-Börsen mit Dow Jones, Nasdaq und S&P 500. Diese Indizes zählen zu den wichtigsten Barometern für die Börsenentwicklung weltweit. Darüber hinaus werfen wir einen Blick auf Aktien, die aktuell im Fokus der Marktteilnehmer stehen, und ordnen relevante Ereignisse an den Börsen ein. So erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Themen der Börse aktuell.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung an der Börse wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören unter anderem Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten sowie Unternehmensmeldungen börsennotierter Gesellschaften. Solche Informationen können sich nicht nur auf Aktienkurse auswirken, sondern auch auf andere Anlageklassen wie ETFs, Optionen oder Futures. Darüber hinaus reagieren häufig auch die Märkte für Anleihen und Rohstoffe auf wichtige Börsennachrichten. Daher beobachten wir neben der Börsenentwicklung auch Zinsen, den Ölpreis sowie den Goldpreis und ordnen diese Entwicklungen im aktuellen Marktumfeld ein.

Börse: Aktuelle Einordnungen zum Marktgeschehen

Neben Börsennews erhalten Sie auch Einordnungen, die dabei helfen können, das aktuelle Marktgeschehen besser zu verstehen. Die Börse setzt sich aus zahlreichen Märkten zusammen. Unterschiedliche Länder, Branchen und Finanzprodukte werden von verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Faktoren beeinflusst. Dadurch kann es schwierig sein, Entwicklungen und Trends an den Finanzmärkten umfassend zu verfolgen und einzuordnen. Mit Börse aktuell fasst unser Börsenexperte die wichtigsten Börseninformationen zusammen und gibt einen Überblick über relevante Themen und Entwicklungen der kommenden Börsenwoche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

06.07.2026
07:00 Uhr

Warum Quartalswenden oft neue Trends entstehen lassen — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
adidas AG
Neutral
Advanced Micro Devices, Inc.
Neutral
Bayerische Motoren Werke AG
Neutral
Mercedes-Benz Group AG
Neutral
DAX - Deutscher Aktienindex
Neutral
Deutsche Telekom AG
Neutral
Infineon Technologies AG
Neutral
Intel Corporation
Neutral
Micron Technology Inc
Neutral
NASDAQ 100 Index
Neutral
Rheinmetall AG
Neutral
SanDisk Corp.
Neutral
Volkswagen AG Vz.
Neutral
Seagate Technology
Neutral
Daimler Truck Holding AG
Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 05.07.2026 um 19:39 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Wenn sich an den Börsen neue Trends entwickeln, passiert das oft zu Monatswenden und hier dann vor allem in der Phase von Quartalsübergängen. Das ist kein Zufall … und bietet Anlegern die Möglichkeit, recht zeitig neue Tendenzen zu erkennen, wenn sie sich in diesen Phasen besonders genau umschauen.

Wir Menschen denken in Etappen. Von einem Gehalt zum nächsten, von einem Kalender- und/oder Lebensjahr zum nächsten. Viele unterteilen den Tag in die Zeiten zwischen den Pausen, in kleine Abschnitte bei der Arbeit. Und wir neigen dazu, diese einzelnen, kleinen Bausteinchen unseres Lebens zu bewerten. Der gestrige Abend war richtig gut … in diesem Monat lief es mal besser als sonst … das war wirklich ein übles Jahr:

So etwas hört man oft … und die meisten von uns dürften es auch selbst so machen. Man versucht auf diese Weise, das Unüberschaubare überschaubar zu machen. Und zugleich sind solche Zeitpunkte dann auch diejenigen, in denen man öfter als sonst überlegt: So weit bis jetzt … wie will ich weitermachen? Warum sollte das an der Börse anders sein?

Quartale sind „Messpunkte“ und damit potenzielle Momente der Neuorientierung

Und das ist es auch nicht. Hier geht es immer darum, ob sich ein Investment rechnet oder nicht. Ob man sich selbst auf die Schulter klopfen kann und, wenn nicht, ob man etwas unternehmen sollte, sei es, Probleme umgehend zu ignorieren oder, die natürlich bessere Idee, nach Abhilfe und Alternativen Ausschau zu halten. Und natürlich können die „Messstrecken“, die man da hernimmt, nicht „vom Geburtstag meiner Frau bis da, wo wir die neue Waschmaschine gekauft haben“ lauten. Man braucht vergleichbare, konstante Zeitraster, um wirklich Vergleiche anstellen zu können. Und da bieten sich Monate und Quartale ebenso wie Halbjahre und ganze Jahre eben an. Die Folge:

Diejenigen, die Geld damit verdienen, dass wir als Anleger Geld verdienen wollen, d.h. sogenannte institutionelle Investoren wie Fonds, Hedgefonds, Pensionskassen oder ETFs, wissen, dass sie am Abschneiden zum Ende solcher zeitlichen Etappen gemessen werden. Was zum einen dazu führt, dass man sich zu solchen Messpunkten besonders bemüht, da, wo es machbar ist, eine besonders gute und damit werbewirksame Performance vorweisen zu können. Und zum anderen gerade zu solchen Zeitpunkten besonders intensiv darüber nachdenkt, ob ein zuletzt gewählter und erfolgreicher Schwerpunkt des Investments bis zum nächsten Monats- und/oder Quartalsende weiterlaufen kann oder ob man nicht gut daran täte, sich für das neue Quartal nach anderen Schwerpunkten, nach „frischen Pferden“, umzuschauen.

Börse aktuell: Kursentwicklung von Nasdaq 100 und ausgewählten Aktien im Zeitraum Januar bis Mai 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Kursentwicklung von Nasdaq 100 und ausgewählten Aktien im Zeitraum Januar bis Mai 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Ein Favoritenwechsel ist immer ein „Kann“, nie ein „Muss“

Die beiden ersten Beispielcharts zeigen, dass man vermuten darf, dass sich diese institutionellen Investoren in Bezug auf „das“ Zugpferd des zweiten Quartals in Form der Halbleiter-Aktien genau diese Gedanken gemacht haben. Wenn wir uns ansehen, wie weit diese Kaufwelle bei den hier in den Charts zum Nasdaq 100 abgebildeten Beispiel-Aktien seit dem 18. Mai, als ich die Halbleiter-Hausse an dieser Stelle thematisiert hatte, noch gelaufen ist und wie immens volatil die Kurse zuletzt auftraten, wäre es eher eine Überraschung, wenn viele große Investoren jetzt, da mit dem zweiten Halbjahr und dem dritten Quartal ein typischer Moment für eine Neuorientierung gekommen ist, stur an diesem Bereich als Schwerpunkt festhalten würden. Aber:

Börse aktuell: Kursentwicklung von Nasdaq 100 und ausgewählten Aktien im Zeitraum Januar bis Juli 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Kursentwicklung von Nasdaq 100 und ausgewählten Aktien im Zeitraum Januar bis Juli 2026 | Quelle: marketmaker pp4

„Es wäre überraschend“ ist nicht gleichbedeutend mit „Da kann man Haus und Hof darauf wetten“. Davon abgesehen, dass viele Trader auch an wankenden Trends festhalten, wenn sie im Vorfeld eine derartige Sogwirkung hatten wie der bei den Halbleitern, kann es durchaus sein, dass eine Quartalswende zwar eine Korrektur alter Favoriten einläutet, nicht aber eine endgültige Wende.

Nichtsdestotrotz sind solche Zeitpunkte oft die Geburtsstunden neuer Impulse in einzelnen Branchen. Da lohnt es sich, genauer hinzuschauen, weniger bei den Indizes an sich. Denn die unterliegen oft deutlich weniger dem „Quartalsphänomen“, weil es dabei ja weniger um nennenswerte Zu- oder Abflüsse von Kapital am Markt an sich geht, sondern um Umschichtungen innerhalb des Marktes. Und was tut sich da aktuell, jetzt, wo das neue Quartal drei Handelstage hinter sich hat?

Noch zeichnet sich kein klares Bild ab

Bislang ist noch kein klarer, neuer Favorit auszumachen, wenn man sich beispielsweise den DAX genauer ansieht. Es fällt zwar auf, dass viele der Verlierer des zweiten Quartals kräftig anziehen. Aber auch Aktien, die zuletzt gut gelaufen waren, jedoch nicht dem „Hype-Bereich“ angehörten wie z.B. Allianz, adidas oder Symrise, sahen Zugewinne. Und bei den anderen sehen wir noch kein einheitliches Bild. So zog Brenntag kräftig an, BASF aber nicht. Die Deutsche Bank zog an, die Commerzbank weniger. E.ON zog kräftig an, RWE blieb dagegen eher zurück.

Börse aktuell: Kursentwicklung von DAX und ausgewählten Aktien im Zeitraum April bis Juli 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Kursentwicklung von DAX und ausgewählten Aktien im Zeitraum April bis Juli 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Nur im Automobilsektor wirkte das Bild einheitlicher, da wurde quasi alles gekauft. Allerdings waren das auch die großen Verlierer bislang, so dass man da auch reine Rückkäufe leerverkaufter Aktien seitens der Bären unterstellen könnte. Und nur, weil die Leerverkäufer diesen Bereich als ausgereizt ansehen, sprich, man unterstellt, dass die Luft nach unten weg ist, muss sie nach oben nicht groß sein.

Es braucht immer etwas Zeit, bis sich etwas Neues wirklich etabliert

Es ist aber durchaus nicht unüblich, dass es seine Zeit dauert, bis sich abschätzen lässt, ob sich jetzt, zum Start ins neue Quartal, auch neue Gewinner-Branchen herausbilden oder nicht. Denn auch wenn sich das Überprüfen der Anlageschwerpunkte bei institutionellen Investoren zeitlich auf solche Termine konzentriert:

Börse aktuell: Kursentwicklung von DAX und Automobilwerten im Zeitraum April bis Juli 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Kursentwicklung von DAX und Automobilwerten im Zeitraum April bis Juli 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Die Ergebnisse ihrer Überlegungen sind ja nicht immer gleich. Die einen würden eher zur Chemie tendieren, andere Entscheider womöglich die Medizintechnik und Healthcare übergewichten, wieder andere vielleicht sogar die Automobilbranche als genug gedrückt einordnen, um ihnen die Chance auf ein wieder mal gutes Quartal einzuräumen. Da wird mal hier, mal da an den Fäden gezogen … bis sich eine Tendenz wirklich durchsetzt, kann es durchaus ein, zwei Wochen dauern.

Aber nur, wer um die Bedeutung der Quartalswenden weiß und deshalb frühzeitig beobachtet, ob sich da etwas entwickelt, wird von neuen Trends nicht überrascht, sondern ist dann womöglich schon mit im Boot. Jetzt die Fühler auszustrecken und die Einzelwerte der für einen selbst interessanten Indizes genauer zu beobachten, kann sich also auszahlen.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

29.06.2026
07:00 Uhr

Der Blick auf die „Internals“ des Aktienmarkts – Roundup Sommer 2026 — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
NYSE Composite Index
Neutral
Composite DAX (Performance)
Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.06.2026 um 18:04 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die reinen Kursveränderungen der großen Aktienindizes können zwar aufzeigen, in welche Richtung der Trend weist, aber sie gewähren keinen Blick hinter den Vorhang. Wie sieht die innere Struktur der Trends aus? Was tun die institutionellen Investoren, was die spekulativen Trader? Die folgenden Charts lüften den Vorhang zur Halbzeit dieses Börsenjahres ein wenig.

Man kann nie alles erfassen, was man gerne erfassen würde, wenn es um die Börsen geht. Wer genau wann was warum getan hat … selbst, wenn man das wüsste, wäre die Flut unterschiedlicher Motive und Handlungen zu groß, um daraus ein sicheres Gesamtbild zu generieren. Und selbst, wenn man sogar das könnte: Was morgen und übermorgen passiert, enthüllt das dann auch nicht. Denn an der Börse gilt: Unverhofft kommt oft. Seit wir wieder eine „Trump-Börse“ erleben, erst recht.

Aber man kann immerhin abschätzen, ob sich ein Trend auf eher solidem Boden bewegt oder auf Treibsand. Ob man eher moderate Risikobereitschaft sieht oder gefährlichen Leichtsinn. Und ob die Konjunktur als Rückgrat jedes Trends wirklich unterstützt, was der Aktienmarkt gerade treibt. Das ist kein klarer Blick in die Zukunft, sondern ein Erhaschen von einzelnen Eindrücken aus dem Hier und Jetzt. Aber das genügt, um für sich selbst beurteilen zu können, wie man es selbst mit Kapitaleinsatz und Risikobereitschaft halten will. Und darüber auf Basis von Daten statt aus dem Bauch heraus zu entscheiden, kann Gold wert sein.

Sehr wenige Pferde ziehen gerade einen sehr schweren Karren

Ob ein Trend auf einer breiten Basis steht oder nur auf einem Bein, kann man am Verlauf eines Index, der zahlreiche Aktien unter seinem Dach vereint, nicht erkennen. Hier sind „interne“ Indikationen hilfreich, wie der nachfolgend abgebildete Anteil an Aktien im derzeit um die 2.400 Aktien umfassenden New York Stock Exchange (NYSE) Composite Index, die über ihrer 200-Tage-Linie notieren. Wir sehen:

Börse aktuell: NYSE Composite und Anteil der Aktien über der 200-Tage-Linie im Zeitraum 2016–2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
NYSE Composite und Anteil der Aktien über der 200-Tage-Linie im Zeitraum 2016–2026 | Quelle: marketmaker pp4

Momentan liegt deren Anteil bei 62 Prozent. Und das ist für einen Index, der auf Rekordlevels notiert, überraschend wenig. Denn die 200-Tage-Linie ist ja letztlich nur eine Art mittelfristige Scheidemarke zwischen bullischer und bärischer Tendenz, keineswegs ein Ausweis starker Auf- oder Abwärtsdynamik. In einem soliden Aufwärtstrend sollte der Anteil dieser grundsätzlich im bullischen Terrain laufenden Aktien daher höher sein … so, wie es in den Vorjahren bei neuen Hochs auch der Fall war. Die rote Linie hebt hervor, dass dieser Anteil bullischer Aktien geringer wird, die Kurse aber trotzdem steigen. Ein Warnsignal, das wir bei dieser Indikation auch sehen, wenn wir sie auf den deutschen Aktienmarkt anwenden:

Börse aktuell: CDAX und Anteil der Aktien über der 200-Tage-Linie im Zeitraum 2016–2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
CDAX und Anteil der Aktien über der 200-Tage-Linie im Zeitraum 2016–2026 | Quelle: marketmaker pp4

Hier nehmen wir als Referenz den Composite DAX (CDAX), der um die 400 Aktien erfasst. Hier, am deutschen Markt, ist der Anteil mittelfristig bullischer Aktien sogar noch niedriger, aktuell kommen wir da gerade einmal auf 46 Prozent. Was indes nicht überrascht, wenn man den Blick vom DAX, der immerhin nahe seines Rekordhochs notiert, auf MDAX, SDAX oder TecDAX schweifen lässt, die im mittel- und langfristigen Bild weniger stark daherkommen.

Aber dieses Warnsignal in Bezug auf die 200-Tage-Linie ließe sich relativieren, wenn zum einen diejenigen Aktien, die die Indizes aktiv nach oben ziehen, von guten Argumenten begleitet werden. Was indes bei der derzeitigen Halbleiter-Hausse in ihrer jetzt erreichten Dimension langsam eine wacklige Sache wird. Zum anderen wäre es gut, wenn die über dem 200-Tage-Durchschnitt liegenden Aktien großenteils dynamisch laufen und nicht nur einige wenige extrem haussieren, während der Rest zwar steigt, aber keinen echten Schwung zeigt. Das Problem aktuell ist:

Was die New York Stock Exchange angeht, ist Ersteres der Fall, d.h. es laufen wenige Aktien extrem stark, einige gut, aber zu viele schlechter als die Indizes, um eine „gesunde Marktbreite“ zu erreichen. Die im Folgenden gezeigte Zahl von 381 neuen 52-Wochen-Hochs am Freitag ist für eine marktbreite Hausse zu gering, vergleichen Sie dazu nur die 653 neuen Hochs, die der NYSE Composite Index unmittelbar vor dem Angriff auf den Iran Ende Februar erzielt hatte. Aber wäre das bereits ein Grund, nervös zu werden?

Börse aktuell: NYSE Composite und Aktien mit neuen 52-Wochen-Hochs im Zeitraum 2016–2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
NYSE Composite und Aktien mit neuen 52-Wochen-Hochs im Zeitraum 2016–2026 | Quelle: marketmaker pp4

Nein, zumindest nicht zwingend. Denn hier würde ja auch eine Aktie als neues 52-Wochen-Hoch auftauchen, die zwar unter der 200-Tage-Linie läuft, aber von der so lange so weit entfernt war, dass ein neues 52-Wochen-Hoch erreicht werden kann, die Aktie aber trotzdem noch unter der 200-Tage-Linie notiert. Und auch in einer Hausse mit großer Marktbreite würde eine Woche mit allgemeinen Gewinnmitnahmen den Trend an sich noch nicht gefährden, aber die Zahl neuer Hochs auf einmal drastisch drücken.

Hinschauen sollte man da regelmäßig, eine Webseite, die diese Zahlen liefert, ist unten bei den Quellen verlinkt. Vor allem aktuell könnte es interessant werden, weil die Zahl neuer Hochs am Freitag recht deutlich angezogen hat. Das könnte, wenn sich das hält, ein Signal dafür sein, dass die fehlende Marktbreite nachgeholt wird, indem viele zuletzt im Schatten der Halbleiter-Hausse stehende Aktien jetzt ebenfalls „entdeckt“ und gekauft werden.

Die Institutionellen Investoren scheinen optimistisch zu sein, die Spekulanten hingegen übermütig

Eine andere Facette, die einem einen Eindruck vermitteln kann, wie robust oder im Gegenteil instabil ein Trend derzeit sein könnte, sind Daten, die auf das Verhalten von großen Investorengruppen außerhalb der privaten Anleger schließen lassen.

Neben den Informationen aus regelmäßig von der Bank of America durchgeführten Umfragen unter Fondsmanagern ist die Entwicklung der durchschnittlichen Barreserve der US-Fonds eine interessante Indikation. Denn natürlich müssen die Fonds das Geld, das ihnen die Anleger überweisen, investieren, ob es nun mal weniger oder mal mehr ist. Aber wie groß sie ihre Barreserve halten, deutet an, ob man hier eher vorsichtig wird, sprich dunkle Wolken am Markt heraufziehen sieht oder nicht.

Denn das ist die Reserve, mit der man bei günstigen Gelegenheiten noch ordentlich zukaufen könnte, die einen aber auch bei größeren Abwärtsbewegungen vor zu viel Performanceverlust schützt, weil Geld, das auf dem Konto liegt, nun einmal keinen Verlust generieren kann,

Börse aktuell: Barreserven der US-Fonds im Zeitraum 2008–2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Barreserven der US-Fonds im Zeitraum 2008–2026 | Quelle: marketmaker pp4

Die derzeitige Barreserve in Höhe von im Schnitt 4,1 Prozent ist niedrig genug, um einen grundsätzlichen Optimismus auszustrahlen, aber hoch genug, um nicht, wie es direkt vor dem Iran-Krieg mit nur 3,2 Prozent der Fall war, eine schon fast leichtsinnig wirkende, bullische Einstellung auszuweisen. Das ist schon mal gut … nur sieht das bei den sogenannten „Börsenkrediten“ anders aus, wie wir im folgenden Chart sehen.

Börse aktuell: NYSE Composite und Kreditvolumen für Derivate-Margins im Zeitraum 2007 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
NYSE Composite und Kreditvolumen für Derivate-Margins im Zeitraum 2007 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Diese Börsenkredite sind Kredite, die Spekulanten bei Banken für die Sicherheitsleistungen aufnehmen, die sie bei Brokern für Derivategeschäfte zu hinterlegen haben. Je höher diese auch Margin-Kredite genannten Kredite sind, desto höher ist in der Regel auch das Volumen an aktuell laufenden, hoch spekulativen Positionen. Die müssen nicht alle auf den Aktienmarkt bezogen sein und ebenso nicht alle die Long-Seite betreffen. Aber gemeinhin ist der Level dieser Kredite eine gute Indikation dahingehend, ob ein Trend langsam zu spekulativ wird oder nicht. Da, darf man behaupten, spricht die Entwicklung der vergangenen Monate für sich. Die Quelle für diese Daten finden Sie ebenfalls unten verlinkt.

Grundsätzlich ist ein großer Aufwärtstrend am Aktienmarkt dann mit einem tauglichen Fundament versehen, wenn die Wirtschaft solide wächst. Wenn die Unternehmen guter Dringe und die Verbraucher in Konsumlaune sind, so dass man davon ausgehen kann, dass die Unternehmensgewinne – als grundsätzliche Basis für den Trend der Aktien – steigen. Wie sieht es da derzeit aus?

Börse aktuell: NYSE Composite und US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Zeitraum 2000–2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
NYSE Composite und US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Zeitraum 2000–2026 | Quelle: marketmaker pp4

Drei Jahre lang lief der US-Aktienmarkt, wenngleich von scharfen Korrekturen durchzogen, gegen eine insgesamt eher pessimistische Stimmung bei den Einkaufsmanagern der US-Unternehmen, wie der vorstehende Chart zeigt. Werte unter 50 in diesem Indikator bedeuten, dass mehr Einkaufsmanager für die kommenden sechs Monate von einer Verschlechterung der Lage ausgehen als im Gegenzug Wachstum erwarten. Das ist riskant, erklärt sich aber auch durch die oben genannte, schwache Marktbreite:

Die Anleger kauften, das aber exzessiv, nur die Aktien von Unternehmen, bei denen es gut lief, die breite Masse an Unternehmen blieb am Aktienmarkt wenig beachtet. Aktuell aber ist dieser Einkaufsmanagerindex seit Monaten recht deutlich in den positiven Bereich über 50 gelaufen. Was immerhin die Chance böte, dass eine Besserung der Gesamtlage der Hausse nachträglich den nötigen Unterbau liefert.

Börse aktuell: CDAX und ifo-Geschäftsklimaindex im Zeitraum 2007–2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
CDAX und ifo-Geschäftsklimaindex im Zeitraum 2007–2026 | Quelle: marketmaker pp4

Diese Aufhellung der Stimmung in den Unternehmen sehen wir hierzulande aber nicht. Dafür ist der ifo-Geschäftsklimaindex, der monatlich um die 9.000 deutsche Unternehmen aller Branchen zu ihrer Meinung zu Lage und Ausblick befragt, ein guter Wegweiser. Dieser Index bewegt sich weiter im unteren Bereich der Spanne, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben. Die Stimmung ist nicht dramatisch schlecht, aber für eine stabile Hausse bei deutschen Aktien auf jeden Fall zu mager, um als Rückenwind dienen zu können.

Dass die deutschen Verbraucher derzeit ebenfalls nicht als Rückhalt kräftigen Wirtschaftswachstums dienen, weiß man. Bei den US-Konsumenten scheint das aber anders zu sein. Wobei man da bei der Antwort auf die Frage, ob das gut oder schlecht ist, differenzieren sollte:

Börse aktuell: Sparquote der US-Haushalte im Zeitraum 1999–2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Sparquote der US-Haushalte im Zeitraum 1999–2026 | Quelle: marketmaker pp4

Dass die Sparquote der US-Haushalte derzeit auf einem der niedrigsten Levels dieses Jahrhunderts liegt, hat zwei Gesichter. Einerseits bedeutet das, dass man fleißig weiter konsumiert, trotz gestiegener Preise. Andererseits deutet es an, dass die Barreserven der US-Bürger im Gegensatz zu denen der Fonds keine tauglichen Puffer im Fall von auftretenden, finanziellen Problemen aufweisen. Und das kann sich bei unerwarteten, negativen Entwicklungen nicht nur schnell und erheblich auf die US-Wirtschaft, sondern auch auf den Aktienmarkt auswirken. Indirekt durch dann tendenziell schwächere Unternehmensgewinne und direkt, wenn Anleger, die nicht genug Barreserve haben, Aktien verkaufen müssen, um unerwartete Ausgaben bezahlen zu können.

Fazit: Erhöhtes Risiko, aber noch keine „Alarmstufe Rot“

Versucht man aus dem Gesamtbild dieser Charts ein Fazit zu ziehen, fällt das natürlich immer sehr subjektiv aus, je nachdem, wie schwer man einzelne Daten und ihre Ausprägung gewichten möchte. Aus meiner Sicht würde dieses Fazit lauten: Man sollte diese Hausse besser nicht als in Stein gemeißelt sehen, erhöhte Vorsicht ist allemal angebracht. Aber von den hier gezeigten Daten ist bis auf diese „Margin-Kredite“ zumindest aktuell noch nichts dabei, das bereits mit einer rot blinkenden Alarmleuchte versehen wäre.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Quellenangaben:
Neue 52-Wochen-Hochs und 52-Wochen-Tiefs am US-Aktienmarkt: https://www.barchart.com/stocks/highs-lows
Kredite für Margins am US-Markt: https://www.finra.org/rules-guidance/key-topics/margin-accounts/margin-statistics

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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