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Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 27.-03.05.2026

US-Indizes auf Rekordlevels – wie Emotionen die Fakten aushebeln

Von

27.04.2026 | 07:00 Uhr

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Neue Rekorde bei S&P 500 und Nasdaq 100, der Dow Jones immerhin nahe dran: In dem aktuellen Umfeld wirft das Fragen auf. Wer kauft da? Warum glauben die Käufer, dass sie auf neuen Hochs kaufen und trotzdem mit Gewinnen rechnen können? Ein paar Gedanken dazu, warum das dramatisch schiefgehen kann … aber keineswegs muss.

Die US-Indizes scheinen ein Ende des Iran-Konflikts nebst wieder auf vorherige Levels fallende Ölpreise zu feiern, bevor es tatsächlich passiert. Das ist nicht neu, das haben wir auch bei Corona und Inflation erlebt. Aber wenn in Kürze alles wieder würde, wie es vorher war … warum sollten dann die Aktienmärkte höher laufen, als sie vorher standen? Und wenn nicht, wer kauft dann auf diesem jetzigen Niveau noch … und warum?

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 und US-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes von 1999 bis 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung S&P 500 und US-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes von 1999 bis 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Angeblich soll der Aktienmarkt ja ein zuverlässiger Spiegel der wirtschaftlichen Lage und ihrer Perspektiven sein. Herrscht Wachstum bei niedriger Inflation und niedrigen Zinsen, liegt das sogenannte „Goldilocks“-Szenario vor, in dem alles für einen soliden Aufwärtstrend am Aktienmarkt passt. Den Aufwärtstrend sehen wir. Aber das Umfeld? Der vorstehende Chart zeigt, dass die Einkaufsmanager zwar derzeit in den USA leicht optimistisch sind. Aber erstens können sie schiefliegen. Zweitens bezieht sich das nicht zwingend auf die Gesamtwirtschaft. Drittens liegt der Einkaufsmanagerindex derzeit deutlich weniger weit über der 50-Punkte-Marke, die die Scheidemarke zwischen erwartetem Wachstum und Kontraktion darstellt, als in früheren Phasen.

Das kann doch nur schiefgehen … oder?

Trotzdem steigt der US-Aktienmarkt, in obigen Chart durch den marktbreiten S&P 500 repräsentiert. Und das tat er auch schon, als die Einkaufsmanager in den vergangenen drei Jahren mehrheitlich negativ gestimmt waren. Der frühere, auffallend zuverlässige und logisch unterfütterte Parallelflug des US-Aktienmarkts mit diesem wichtigen Indikator scheint dauerhaft ausgehebelt zu sein.

Und das ließe sich nicht damit begründen, dass die Einkaufsmanager nicht repräsentativ für die US-Gesamtwirtschaft wären: Die US-Konjunktur steht wirklich nicht gerade stabil da. Nach einem unerfreulich schwachen vierten Quartal 2025 rechnen die Experten kurz vor der Vorlage der ersten Schätzungen zum ersten Quartal 2026 mit einem erneut mageren Wachstum. Bezogen auf das Vorjahresquartal und damit in der Jahresrate schaffte es die US-Wirtschaft zum Jahresende 2025 nur auf +2,0 Prozent Wachstum. Wie der folgende Chart zeigt, ist das gerade mal durchschnittlich … während die US-Aktienindizes deutlich überdurchschnittlich stiegen. Eine Absurdität, die nur in eine dramatische Bauchlandung führen kann?

Börse aktuell: Entwicklung US-BIP Wachstum von 1985 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung US-BIP Wachstum von 1985 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Logisch ist die Börse selten … und damit ist nie etwas unmöglich

Würde man die Sache mit Logik angehen, kann das eigentlich nur schiefgehen. Und das alleine aus der Überlegung heraus, dass, wenn sich der Iran-Krieg in Luft auflösen würde (was derzeit überraschen würde) und zugleich die Ölversorgung sofort wieder normal wäre (was wegen der beträchtlichen Zahl beschädigter Produktionsanlagen, Raffinerien und Logistikeinrichtungen noch mehr überraschen würde) ja eigentlich nur genau der Level der Aktienmärkte angemessen wäre, der unmittelbar vor Beginn des Konflikts Ende Februar erreicht wurde. Aber höher … warum?

Und wieso begann man schon Ende März zu kaufen, auf Basis von Versprechungen und Weissagungen aus dem Weißen Haus, die sich jetzt, Ende April, durch die Bank als heiße Luft erwiesen haben? Wieso tut man angesichts der stur weiter steigenden Kurse so, als wäre alles in Butter, obwohl jeder sehen könnte, der es wollte: Das Gegenteil ist der Fall?

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 und Ölpreis von 2025 bis 2026 im Vergleich  | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung S&P 500 und Ölpreis von 2025 bis 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Weil die Prämisse dafür, dass die Kurse sich in rationalen Bahnen bewegen, nicht erfüllt ist. Die Marktteilnehmer treffen Entscheidungen selten auf Basis der Logik, sondern emotional. Und wenn die Zahl derer, die aus welchen rationalen oder irrationalen Argumenten auch immer heraus kaufen, groß genug ist, steigen die Kurse nun einmal.

Was bedeutet, dass, wer strikt aufgrund eines „das müsste eigentlich ganz anders laufen“ dagegenhält, weil er/sie Argumente wie eine gegenüber dem Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) des Jahres 2024 niedrigere Bewertung des Dow Jones als absurd und zum Scheitern verurteilt einstuft, einfach überrannt wird. Denn ja, das ist genauso irrational wie bei einer abgestürzten Aktie als Kaufargument zu werten, dass sie vor Kurzem noch viel höher notierte, aber:

Börse aktuell: Entwicklung KGV der Aktien im Dow Jones von von 2016 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung KGV der Aktien im Dow Jones von von 2016 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Was zählt, ist nicht, was ist. Was zählt ist, was die aktiven Trader glauben wollen

Es zählt eben nicht, was eigentlich sein müsste. Es zählt, was diejenigen motiviert, die genau in diesem Moment kaufen oder verkaufen. Und je unübersichtlicher die Lage und je unvorhersehbarer die Zukunft sind, desto weniger spielen Fakten eine Rolle, sondern der unmittelbare Augenblick.

Der Augenblick, in dem Anleger, die mehrheitlich kein allzu umfassendes (oder gar kein) Fachwissen und wenig Erfahrung mitbringen, das Gefühl haben, dass ihnen die Kurse davonlaufen und aus „FOMO“ (der Angst, etwas zu verpassen) dem Trend folgen und nicht auf Basis sachlicher Argumente.

Der Augenblick, in dem rein charttechnisch orientierte Trader zwar erkennen, dass die Leiter, auf der die Kurse nach oben klettern, morsche Sprossen hat, aber eben trotzdem konsequent einem intakten Aufwärtstrend folgen.

Der Augenblick, in dem erfahrene Fondsmanager und Verwalter von ETFs zwar die Haare zu Berge stehen mögen, weil die Kurse in absurd wirkende Höhen klettern … sie aber trotzdem kaufen müssen, weil diejenigen, die das nicht realisieren, ihnen Unmengen an frischem Geld vor die Tür karren, das nun einmal angelegt werden muss.

Alles kann … nichts muss

Sie sehen: Unter dem Strich hebeln Emotionen Fakten aus. Und die kennen kein rational basiertes „zu billig“ oder „zu teuer“. Emotionen wie Gier und Angst sind es, die die Aktienmärkte entscheidend prägen. Und die kennen keine Limits, daher sind diese neuen Hochs einiger US-Aktienindizes sicherlich mit höherem Risiko behaftet, als hätten wir ein dazu passendes Umfeld. Aber erst, wenn aus Gier durch unerwartet drastisch negative Entwicklungen wieder Angst würde, würde die Sache schiefgehen. Was immer passieren kann. Aber nie passieren muss.

Ein Grund mehr sich, sofern noch nicht geschehen, unbedingt zu überlegen, ob man nicht von einer stur beibehaltenen Marktmeinung und/oder einem „müsste aber“ zu konsequenter Trendfolge als Basis des eigenen Tradings übergehen sollte.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 25.04.2026 um 21:54 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.04.2026 um 21:17 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Wie zu erwarten war, erleben wir seit Anfang 2025 eine „Trump-Börse“. Je nachdem, was gerade unverhofft an Aussagen aus dem Weißen Haus kommt, zeigen die Aktienmärkte massive Reaktionen nach oben oder unten, oft … und gerade nach Wochenenden … mit Kurslücken. Das steigert das Risiko und die Zahl unerfreulicher Überraschungen. Was, wenn man diese Probleme mit einem konsequent charttechnischen Ansatz lindern könnte?

Schon im Vorfeld des Iran-Krieges musste man jederzeit damit rechnen, dass Mr. Trump wieder „einen raushaut“ und die Kurse plötzlich nach oben springen oder wegbrechen. Seit Anfang März ist das aber noch deutlich öfter der Fall. Und da man nicht wissen kann, ob da etwas Positives oder Negatives kommt, wann solche Nachrichten die Kurse in Wallung bringen und wie stark und wie nachhaltig solche Reaktionen dann sind, kommt einem der alte römische Spruch in den Sinn: „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ Und am Aktienmarkt ebenso. Die Entwicklungen sind nicht vorhersehbar … also muss man entweder wegbleiben oder auf sein Glück hoffen. So scheint es zumindest, aber:

Mit rationalem Denken kommt man derzeit nicht weit. Mit sturer Konsequenz schon eher.

Ein konsequent anhand charttechnischer Regeln ausgerichtetes Vorgehen kann zwar genauso wenig vorhersehen, was wann als nächstes einen Kurssprung oder gar eine Über-Nacht-Kurslücke auslösen wird. Hellsehen ist auch mit Trendlinien, gleitenden Durchschnitten und markttechnischen Indikatoren nicht drin. Aber dafür sind diese technischen Handelsansätze auch nicht gedacht. Sie sollen einem Marktteilnehmer die übergeordnete Richtung weisen und anzeigen, wo mögliche Punkte sein könnten, deren Überkreuzen Käufe und Verkäufe sinnvoll machen könnten.

Dabei kann man nicht darauf wetten, dass diese Chartmarken gegen das Unerwartete gefeit wären. Da muss nur eine Nachricht aus dem Nichts auftauchen und eine massiv wirkende Unterstützung wird durchschnitten wie Butter oder ein Widerstand, der schon in einem weniger schwierigen Umfeld eine brettharte Hürde wäre, wird überboten, als wäre er gar nicht da. In Phasen wie diesen die Ratio beiseite zu stellen und konsequent den Kursen und ihren Trends zu folgen, bringt keine derart grandiosen Trefferquoten, dass man den Ferrari schon mal vorbestellen könnte. Aber mit diesen Hilfestellungen funktioniert es besser als aus dem Bauch heraus oder nach einem an die Vernunft gebundenen „müsste eigentlich“.

Einfach, weil man weiß, wo die Punkte sind, auf die es ankommt. Und weil diese Ankerpunkte umso besser funktionieren, je mehr Anleger sich nach ihnen richten. Und immer dann, wenn’s neblig wird in Sachen Zukunft, nimmt die Zahl bzw. Relevanz der „Techniker“ am Markt zu. Auch und gerade, weil starke Schwankungen dazu führen, dass ganz kurzfristige Trader vermehrt aktiv sind. Und die arbeiten eben nicht mit fundamentalen Daten, Prognosen von Wirtschaftsforschern und Bilanzen, sondern einfach mit den Charts. Die folgenden Beispiele sollen darlegen, was ich meine:

Weg mit der Glaskugel, her mit Steigeisen und Sicherungsseilen

Sehen wir uns zunächst den DAX als Beispiel an. Wir haben auf der einen Seite eine unberechenbare Nachrichtenlage, in der sich positive wie negative Nachrichten die Klinke in die Hand geben und niemand absehen könnte, wie sich die Rahmenbedingungen morgen oder auch nur in ein paar Stunden darstellen. Und wir haben auf der anderen Seite einen DAX, der charttechnisch fast „vorbildlich“ daherkommt. Die Rückkehr in die vorherige Handelsspanne, die auffällige Relevanz der 200-Tage-Linie, an der die Aufwärtsbewegung zunächst hängenblieb und der Index dann durchging und jetzt diese per Sonntagabend offene Ausgangslage: Schafft er den Sprung hinaus aus der fast schon durchbrochenen Widerstandszone … oder dreht er ab?

Börse aktuell: Entwicklung DAX von Juni 2025 bis April 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX von Juni 2025 bis April 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Würde man nicht wissen, in welchem Umfeld wir uns gerade bewegen und sich nur diesen Kursverlauf ansehen, müsste man denken: Das läuft ja alles streng nach Regelwerk. Was es ja auch tut. Und das weniger trotz dieser Unwägbarkeiten im Umfeld, sondern eher wegen dieses Faktors. Denn wie vorstehend angedeutet: Je nebliger der Weg vor einem wird, desto mehr verlegen sich die Akteure darauf, einen Schritt vor den anderen zu machen, sich an direkt vor einem liegenden Wegmarken zu orientieren, wie es Chartmarken nun einmal sind und zugleich jede Hürde, die genommen wurde, konsequent zu nutzen, um ihre Stop Loss, sprich ihre Sicherungsseile, nachzuziehen. Dito beim marktbreiten US-Index S&P 500:

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 von August 2025 bis April 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung S&P 500 von August 2025 bis April 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Hier wurden zuletzt sogar neue Rekordhochs erreicht. Nüchtern betrachtet völlig absurd. Schließlich ist in Sachen Iran jederzeit eine erneute Eskalation möglich. Die Ölpreise sind noch hoch, die Versorgung durch die vielen Schäden an Produktionsanlagen vermutlich auf Monate hinaus unter dem Normalniveau. Und außerdem rollen jetzt erst die Bilanzen der großen Unternehmen an. Wer stur entlang der Charttechnik agiert, wäre indes spätestens nach dem Sprung zurück über die 200-Tage-Linie auf der Long-Seite gestanden. Kopfschüttelnd und mit ein wenig Sorge vermutlich. Aber man wäre eben mit dem Trend unterwegs statt gegen ihn und könnte dadurch auch die Stop Loss mit jedem gelungenen, weiteren Schritt nachziehen. Wer gegen den Trend agiert, hat diese Möglichkeit nicht.

Charttechnisch basierte Trades können in hochvolatilen Phasen mehr Orientierung bieten

Damit wird Trading nicht unbedingt einfacher. Absolute Konsequenz und eine strikte Trennung von auf Basis der Ratio eigentlich zu erwartenden Kursimpulsen und dem, was wirklich passiert, ist für die meisten von uns eine Herausforderung. Und Verlusttrades werden nicht ausbleiben, eben weil jederzeit ein einziges Posting aus dem Weißen Haus die Lage auf den Kopf stellen könnte. Der Knackpunkt ist, dass man mit dem rein charttechnischen Vorgehen immer imstande ist zu sehen, wo wichtige Punkte sind, die einen nächsten Schritt im Trendimpuls bedeuten oder sein Scheitern wahrscheinlich machen.

Sich an diesen Wegmarken zu orientieren hilft, die Verluste über Stop Loss einzugrenzen und Signale für den Einstieg, für Zukäufe oder Gewinnmitnahmen am Kursbild festmachen zu können. Natürlich muss man in volatilen Phasen wie diesen einen etwas größeren Puffer zu den als Orientierung für einen Stop Loss gewählten Chartmarken einbauen, muss bei Käufen und Zukäufen defensiver agieren. Aber man hat immerhin etwas, an dem man sich festhalten kann. Wer nach Gefühl tradet oder immer direkt auf eine eigentlich zu erwartende, weil logische Reaktion auf einlaufende Nachrichten setzt, hat diese Orientierung nicht.

Dabei würde ich persönlich noch den Gedanken in den Raum stellen, in Phasen wie diesen ein wenig mehr in Richtung des Index-Tradings zu gehen, denn Einzeltitel sind in der Regel volatiler, dieser Tage aufgrund der anstehenden Quartalsbilanzen ohnehin. Die großen Indizes bewegen sich tendenziell weniger sprunghaft, weil dieser Korb an Einzelwerten da in seiner geglätteten Gesamtheit daherkommt, zumal der wachsende Anteil des Kapitals, das über ETFs in Indizes investiert ist, dieses „Smoothing“ noch intensiviert.

Wunder sollte man auch mit diesem Vorgehen nicht erwarten, aber …

Schritt für Schritt, mit Steigeisen und Sicherungsseil statt mit einem „müsste eigentlich“: Die Beispielcharts deuten an, dass sich diese Vorgehensweise für all jene durchaus lohnen könnte, die bislang noch nicht so vorgehen. Wunder darf man auch da nicht erwarten … eine Trefferquote von 80 und mehr Prozent und ein Mehrfaches an prozentualem Effekt bei Gewinntrades gegenüber Verlusttrades wäre ein solches … aber man kommt einfach besser durch. Gut genug, um ein „ich bleibe weg, bis die Märkte wieder normal werden“ als die zweitbeste Lösung erscheinen zu lassen.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 02.04.2026 um 22:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Es ist die Zeit für den Frühjahrsputz und das große Unkrautjäten im Garten. Viele mögen es, alles mal wieder so richtig ordentlich zu haben. An den Anleger-Depots geht der Frühjahrsputz indes in der Regel vorbei. Und das, obwohl das so manchem Depot guttun würde. Denn je weniger Unkraut, desto besser die Ernte – diese Faustregel gilt auch für die Börse.

Ich habe schon so manches Anlegerdepot gesehen, in dem es ausschaut wie bei Hempels unterm Sofa. Da kommt zwar immer wieder etwas dazu, aber aufgeräumt wird nie. Abgänge? Keine. Das artet dann bisweilen in ein „Messi-Depot“ aus. Dabei gibt es keinen rationalen Grund, dauerhaft auf einem unstrukturierten Chaos nebst Depotleichen zu sitzen. Aber Ausreden, die gibt es dafür viele.

Depotleichen übersehen … je größer das Chaos, desto leichter fällt das

Auch, die stören doch nicht … das muss man jetzt auch nicht mehr verkaufen … die kommen ja vielleicht wieder: Mit solchen Statements wird gerechtfertigt, dass im Depot einige Positionen herumliegen, die nicht nur uralt, sondern auch dramatisch im Minus sind. Und ja, es stimmt ja, dass Positionen mit drastischem Minus vom Gesamtkapital sukzessiv weniger ausmachen, je tiefer sie fallen. Aber zum einen machen zu viele Positionen ein Depot fatal unübersichtlich. Zum anderen würde ein Unkrautjäten dazu führen, dass das erlöste Geld, und sei es noch so wenig, in andere Positionen angelegt werden könnte, die bessere Perspektiven haben, um eine taugliche Ernte zu bringen.

Börse aktuell: Entwicklung Delivery Hero, Redcare Pharmacy, HelloFresh und MDAX im Vergleich von 2017 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Delivery Hero, Redcare Pharmacy, HelloFresh und MDAX im Vergleich von 2017 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Aber je größer die Zahl der Depotpositionen ist, desto leichter fällt es, die „Leichen“ einfach zu vergessen. Schließlich geht es mit dem Depot insgesamt meist trotzdem vorwärts, das gibt einem das Gefühl, dass das doch so ganz allgemein alles passt. Warum also anfangen, einzelne Positionen „auszurupfen“ … vor allem wenn man nicht weiß, was wirklich raus sollte und was womöglich nur mal eine Schwächephase durchmacht?

Und schon landen wir wieder beim Gartenvergleich. Wenn man nicht konsequent ist, wird man irgendwann vom Löwenzahn, indischem Springkraut oder anderen, vermehrungsfreudigen Gesellen überrannt. Zugleich könnte längst eine schöne Pflanze dort blühen, wo man einem eigentlich längst toten oder todgeweihtem Busch noch seine aller-allerletzte Chance geben wollte. Was den Garten angeht, sind viele da deutlich konsequenter:

Sie reißen eher zu viel als zu wenig heraus und lesen einfach mal im Internet nach, was zu tun ist, wenn man es selbst nicht aus dem Stand einschätzen kann. Bei Depots kann ich diese Konsequenz eher nicht beobachten. Woran könnte das liegen?

„Wehret den Anfängen“ statt „kaufen und liegen lassen“

Auf Basis dessen, was ich auf die Frage, warum man da nicht mal richtig aufräumt, in den vergangenen Jahren so als Antwort bekam, ließe sich das wiederum mit dem Frühjahrsputz daheim vergleichen: Es ist wie das Putzen hinter einem schweren Kleiderschrank. Den will man nicht mühsam nach vorne wuchten und dazu erst noch alles ausräumen, damit sich das Riesenvieh überhaupt bewegen lässt, wenn doch sowieso keiner dahinter schauen kann. Kann man so machen, wenn man mit „geht doch so“ zufrieden ist. Blöd nur, wenn man dadurch den Schimmel an der Wand nicht bemerkt.

Börse aktuell: Entwicklung Hermes, Richemont, LVMH und Kering im Vergleich von 2020 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Hermes, Richemont, LVMH und Kering im Vergleich von 2020 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Es geht bei einem Durchputzen des Depotbestands ja nicht alleine um „Depotleichen“, bei denen rational betrachtet ohnehin nichts mehr zu retten ist und die, wenn verkauft, nur wenig Kapital freigeben würden. Es geht auch darum, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Ein regelmäßiger Kontrollgang durch das eigene Depot ist unbedingt ratsam, um sehr frühzeitig zu erkennen, ob da eine Position vom geplanten Kurs abweicht. Denn wie die diesen Beitrag begleitenden Charts sehr deutlich machen, hätte jeder große Absturz bei einer zeitgerechten Überprüfung rechtzeitig aus dem Depot entfernt werden können. Was zu der Erkenntnis führt:

Einmal im Jahr Frühjahrsputz zu machen, ist zwar besser als nie. Aber ein regelmäßiger Gang durchs Lager bzw. Depot hilft, um so zeitig zu erkennen, dass sich „Unkraut“ breitmacht, dass der Schaden erheblich begrenzt werden könnte. Wenn man denn den Wald vor lauter Bäumen noch zu erkennen vermag. Was wäre also für eine sinnvolle Depotpflege von Vorteil?

„Pflegetipps“ für das Anlegerdepot

Kaufen und liegen lassen klingt gemütlich, aber welche Chancen könnte man dann dabei verpassen! Nicht alles wird zu einer Apple oder einer Nvidia. Manches steigt perfekt, dreht dann aber ab, bricht den Trend, verliert jahrelange Gewinne und man steht Jahre später beim „Ausmisten“ verwundert vor einer Aktie im Minus, bei der man bei regelmäßigen Kontrollen eine hervorragende Ernte hätte einfahren können. Welche „Pflegetipps“ könnte man umsetzen, um Wildwuchs zu vermeiden? Letzten Endes ähnliche, wie sie für den heimischen Garten auch taugen würden:

Börse aktuell: Entwicklung CTS Eventim von 2021 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung CTS Eventim von 2021 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4
  1. Vermeiden Sie, dass Ihr Depot zu einem Sammelsurium an unterschiedlichsten Positionen wird, die keine in sich taugliche Struktur aufweisen und bei deren schierer Zahl man den Überblick verliert. Alles mit einem Blick erfassen und prüfen zu können, ist hilfreich. Oft werden da bis maximal zehn Positionen empfohlen, aber das ist natürlich individuell unterschiedlich. Wer breit streuen möchte, könnte sich da ggf. der Vorteile von ETFs bedienen, die ganze Länder oder Branchen breit abdecken, aber nur als eine Position im Depot liegen und so die Bestandspflege erleichtern.
  2. Machen Sie regelmäßige „Kontrollgänge“, wie Sie es in einem gepflegten Haus oder Garten auch tun würden. So sehen Sie zeitgerecht, ob irgendwo etwas aus dem Ruder läuft, sprich Trends wackeln oder gar brechen oder einzelne Positionen sukzessiv zu Unkraut werden und raus müssen.
  3. Nutzen Sie die Vorteile von Automatik-Sicherungen in Form von Stop Loss-Verkaufsorders, vor allem, wenn es um spekulative und/oder gehebelte Positionen in Form von hochvolatilen Aktien oder von Derivaten geht, die deutlich mehr Aufmerksamkeit benötigen. Man kann nicht nonstop alles im Auge behalten, wenn man nicht auf einmal beim Gegenteil von „kaufen und liegenlassen“ landen und täglich zehnmal ins Depot schauen will. Dieser „Überspannungsschutz“ will zwar ebenso regelmäßig überprüft und angepasst werden, aber wer nicht gerade kurzfristig tradet (und diese Klientel hat ihre Positionen ja eh immer im Blick), kann das problemlos im Rahmen der vorgenannten Kontrollgänge tun.

Fazit: Regelmäßiges Ausmisten kontra unübersichtliches Chaos

Ich kenne einige Leute, die eine recht drastische Nachlässigkeit in Haus und Garten mit „ich bin halt a bisserl chaotisch“ oder „auf solche Dinge lege ich keinen Wert“ erklären. Das kann man so machen … und solange sich der Besuch nicht mit der Machete zum Kaffeetisch durchkämpfen muss, ist das ja nicht problematisch. Aber wenn es ums Geld geht, kann so manches „Pflänzchen“, das unter anderen verborgen unentdeckt vor sich hin fault, unnötig Probleme bereiten, die man nicht hätte, wenn man sein Depot regelmäßig überprüft und übersichtlich hält. Warum also nicht diese Tage nutzen, um auch im Depot mal einen ordentlichen Frühjahrsputz zu veranstalten?

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.