In den letzten Jahren gaben sich sogenannte „Hypes“ an den Börsen die Klinke in die Hand. KI, Rüstungsaktien, Edelmetalle, Kryptowährungen, Halbleiteraktien: Vielfach schossen die Kurse in die Höhe … und kamen kaum weniger rasant wieder zurück. Sind Hypes also unberechenbare Risiken, von denen man sich besser fernhalten sollte?
Wenn man noch unerfahren ist und/oder nicht über das unabdingbare, gerne aber als höchst unnötig angesehene Grundwissen für die Börse verfügt, lautet die Antwort: Ja. Doch genau diese Klientel ist es, die nicht nur auf die bei Hypes schnell dahinrasenden Züge aufzuspringen pflegt, sondern auch mit ihnen in den Abgrund stürzt.
Erfahrene Trader hingegen können mit solchen Bewegungen umgehen. Wer weiß, wie man solche extremen Trends handelt, kann von ihnen profitieren. Wichtig zu verstehen ist vor allem eines: Den Letzten beißen die Hunde. Vor allem, wenn man nicht nur zu den Letzten gehört, die auf den Zug aufspringen, sondern auch noch zu den Letzten, die dann nach einer drastischen Abwärtskorrektur aussteigen.
Doch da kommt dann meist die (berechtigt klingende) Frage: Woher soll man denn bitte wissen, wo ein solcher Trend beginnt und wo dann „oben“ ist? Antwort:
Konsequenz geht vor Emotionen … das ist „alternativlos“!
Das weiß man nie. Nur … das muss man ja auch gar nicht. Natürlich weiß niemand vorher, wie lange und wie weit ein Trend führt. Genauso wenig kann man sicher sein, dass sich in Marsch setzende Kurse zu „Hypes“ werden oder dass aus einem Rücksetzer in einer Aufwärtsbewegung eine größere Korrektur und aus dieser dann womöglich sogar eine Abwärtswende wird. Aber warum muss ich das überhaupt wissen? Wir kommen doch in allen Lebenslagen mit der Tatsache zu Rande, dass wir die Zukunft nicht vorhersagen können. Das wäre (in manchen Dingen) höchst erfreulich, keine Frage. Aber es ist eben nicht so. An der Börse ist das genauso. Und dort wie im „echten“ Leben gilt:

Man muss einfach in dem Moment, in dem eine Entscheidung ansteht, besonnen handeln. Nötige Entscheidungen aufzuschieben ist keine gute Idee, auch an der Börse nicht. Und handeln sollte man auf Basis nüchterner Überlegungen und greifbarer Fakten, nie auf Basis von Gier oder Angst oder einfach mal „aus dem Bauch heraus“, nach Gefühl.
Das ist nicht so einfach, wie man es hier hinschreiben kann, da spreche ich aus Erfahrung. Aber es ist nun einmal alternativlos, sonst kann das Trading hochdynamischer Trends schiefgehen.
Für erfahrene Trader sind „Hypes“ Trends wie alle anderen
Übersetzt in das Geschehen an der Börse hieße das: Wenn eine Aktie, ein Index, eine Commodity oder was auch immer man handeln möchte, ein bullisches Signal generiert, kann das ein Signal zum Einstieg sein. Dann gilt es, auf Basis vernünftigen Money-Managements zu prüfen, wo der Stoppkurs bzw. bei volatilen Titeln und/oder Einsatz von gehebelten Derivaten ein Stop-Loss hin soll. Den sollte man tunlichst sofort setzen und nicht erst, wenn der Baum brennt.
Dann folgt man dem Trend, solange dieser hält, und orientiert sich an den den Trend führenden Linien. Das können wie Treppen überwundene, vorherige Widerstandslinien sein, Aufwärtstrendlinien unterhalb markanter Zwischentiefs oder gleitende Durchschnitte. Und man zieht dabei den Stopp/Stop-Loss entsprechend dem Fortschritt des Trends konsequent nach.
Sobald sich zeigt, dass der Trend gebrochen ist, sei es durch den Bruch trendführender Supportlinien, sei es durch die Vollendung einer Trendwendeformation oder durch beides zugleich, heißt es: Alle Mann von Bord … ggf. dreht man dann sogar die Positionierung in die Gegenrichtung, sollte das Chartbild das hergeben.
Das macht einem schnell deutlich: Ein „Hype“ ist eigentlich ein Trend wie alle anderen … alles läuft gleich ab … nur schneller und weiter. Aber die Grundregeln sind die gleichen, so dass eigentlich niemand viel zu spät ein- und viel zu spät aussteigen sollte. Es sei denn, man glaubt, bildlich gesprochen, in Badelatschen die Zugspitze besteigen zu können.

Disziplin? Klingt langweilig … es sei denn, man will an der Börse Erfolg haben
Das Problem ist natürlich, dass in dramatischem Tempo steigende Kurse die tückischen Emotionen wecken; dagegen ist kaum jemand gefeit. Die Kunst ist, zu bemerken, dass die Gier gerade das Steuer übernimmt. Gelingt es, weiter kontrolliert zu agieren, kann man es auch schaffen, sich von dieser uns alle unterschwellig begleitenden Angst, „die“ Rallye des Jahres zu verpassen, nicht einwickeln zu lassen.
Gelingt das aber nicht, hilft einem das eigentlich vorhandene Börsenwissen herzlich wenig, denn wenn die Emotionen erst einmal von der Leine sind, erleidet man als Trader in Sachen Vernunft und Fachwissen meist eine komplette Amnesie. Das zu vermeiden, erfordert eiserne Disziplin. Aber diese Disziplin kann man sich nicht einfach mit einem Fingerschnipp anlesen oder zulegen, das braucht Übung … und meiner Ansicht nach auch ein paar satte Bauchlandungen, mit denen man dann die Erfahrungen macht, die zu den nötigen Nerven wie Drahtseilen führen …

… die man aber nicht dafür braucht, um sich zu spät zum Einstieg durchzuringen oder irgendwann, meilenweit unter einem ignorierten Ausstiegssignal, bittere Verluste zu realisieren. Sie sind nötig, um zu handeln, wenn es angezeigt ist, und die Finger wegzulassen, wenn man den richtigen Moment verpasst hat.
Kein dummer Spruch: Nur aus Fehlern lernt man!
„Aus Fehlern lernt man“ – dieser Spruch hat schon seine Berechtigung. Denn auch wenn man das immer wieder gepredigt bekommt, macht man es nicht.
Was macht man nicht? Sich auch dann zu hinterfragen, wenn etwas scheinbar perfekt gelaufen ist. Das schreibt man dann einfach seinen eigenen Fertigkeiten, seinem „Händchen“, seinem „Gefühl für den Markt“ zu. Man hat’s halt drauf … denkt man dann, obwohl man in Wahrheit alles Mögliche falsch gemacht hat und am Ende einfach nur Glück hatte. Hat man dann irgendwann kein Glück mehr … und das bleibt halt nicht aus …, steht man wie vom Donner gerührt da. Und nicht wenige schieben dann der Börse die Schuld zu, statt sie bei sich selbst zu suchen.
Erfahrungsgemäß ist es daher sogar vorteilhaft, wenn man anfangs kein Glück hat, sondern sehr früh merkt, dass es keinesfalls ausreicht, einfach mal zu kaufen, was gerade durch alle Medien geht, ohne zu wissen, was man da eigentlich tut. Ohne „Exit-Strategie“, ohne Absicherung. Das sind die eingangs erwähnten „Letzten“, die nahe am Ende einer Kaufwelle einsteigen, wie das Kaninchen auf die Schlange starren, wenn auf einmal dicke Verluste auflaufen, und irgendwann, wenn die Korrektur bereits in den letzten Zügen liegt, mit blanken Nerven unlimitiert aussteigen, nur um dann entsetzt zu sehen, dass das, was man gerade mit Verlust verkauft hat, wie von Geisterhand wieder steigt. Viele „alte Hasen“ sind durch solche Phasen gegangen und haben aus ihnen gelernt. Die, die daraus nichts gelernt haben, sind großenteils keine Anleger mehr … mangels Masse.

Jeder Anleger ohne das nötige Grundwissen ist einer zu viel … weitersagen!
Ich vermute, dass nur wenige, die eher planlos vorgehen, diesen Beitrag lesen, im Gegenteil aber viele, die meine Erfahrungen und Meinungen teilen, ihn lesen. Aber ich vermute, dass auch Sie viele Anleger kennen, die ohne die nötige Grundausrüstung an den Börsen herumhantieren. Jeder Anleger, der schnell dazulernt, ist einer weniger, der nicht erkannten und damit nicht zu bändigenden Risiken unterliegt. Und jeder Anleger weniger, der sein Erspartes leichtfertig aufs Spiel setzt, ist für uns alle gut. Denken Sie an die negativen Auswirkungen der Baissen 2000–2003 und 2008/2009 auf die Wirtschaft.
„Hypes“ sind Trends wie alle anderen, nur sind das sozusagen Sportwagen und keine kleinen Zweitwagen. Gaspedal, Bremse, Kupplung, alles am gleichen Platz. Ignoriert man die prozentualen Veränderungen der hier gezeigten Beispielcharts, sieht alles aus wie normale Trends. Aber um diese „Sportwagen“ zu beherrschen, braucht man halt Übung und Disziplin, um nicht zu den leidigen „Letzten“ zu gehören. Übung und Disziplin kann man sich aber aneignen und sollte es auch: weitersagen!
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!
Ihr
Ronald Gehrt
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.07.2026 um 19:22 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Sie möchten ein Depot für Ihre GmbH, AG oder UG eröffnen und Betriebsvermögen in Wertpapieren anlegen? Informieren Sie sich jetzt über unser Wertpapierdepot für Geschäftskunden: Mehr zum Firmendepot über LYNX











