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Der Immobilienkonzern Vonovia legte am Donnerstag Bilanz und Ausblick vor … und die Aktie rutschte auf den tiefsten Stand seit Herbst 2023. Obwohl die Analysten, die ihre Kursziele gestern aktualisierten, allesamt bullisch blieben: Die Anleger waren es nicht. Warum?
Das Zahlenwerk für 2025 war „gemischt“. Beim im Sonderfaktoren bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag das Immobilienunternehmen mit 2,8 Milliarden Euro etwas über der durchschnittlichen Analystenerwartungen von 2,7 Milliarden, beim Gewinn vor Steuern (EBT) mit 1,9 Milliarden aber darunter (Konsens-Erwartung 2,1 Mrd.). Zugleich wurde die Dividende für das abgelaufene Jahr leicht von 1,22 auf 1,25 Euro pro Aktie angehoben, auf dem derzeitigen Kursniveau eine weit über dem Marktschnitt liegende Rendite. Was den Blick zurück angeht, war der also irgendwo im Bereich von „unter dem Strich wie erwartet“ anzusiedeln.
Der Eindruck eines „einerseits, andererseits“ hielt sich auch beim Ausblick auf das laufende Jahr. Einerseits sieht Vonovia das EBITDA im Jahr 2026 bei 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro und damit höher als die im Schnitt von den Experten erwarteten 2,85 Milliarden. Andererseits plant Vonovia beim Vorsteuergewinn (EBT) nur mit 1,9 bis 2,0 Milliarden Euro, die Experten hatten im Durchschnitt mit einem deutlichen Anstieg auf 2,6 Milliarden gerechnet.
Was aber wohl ein entscheidender Punkt gewesen sein dürfte, war die Ankündigung, umgehend den Schuldenabbau zu forcieren: Der Verschuldungsgrad soll so schnell und so weit wie möglich zurückgefahren werden. Was vernünftig klingt, aber einen Haken hat: Das verringert den Gewinn. Aber davon abgesehen kann es gut sein, dass die Aktie weitaus weniger verloren hätte, wären da nicht andere Faktoren hinzugekommen:
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Expertenmeinung: Zum einen steigen gerade die Anleihezinsen. Man fürchtet eine deutlich anziehende Inflation und nimmt Zinserhöhungen am Anleihemarkt vorweg, wobei da auch einiges an „Cash-Raising“ dabei sein dürfte. Da Immobilienunternehmen stark fremdfinanziert sind, trifft die so etwas besonders. Was auch daran zu erkennen ist, dass nicht Vonovia alleine, sondern der gesamte Immobiliensektor gestern unter die Räder kam.

Dann wäre da noch die Charttechnik. Unser Vonovia-Chart auf Wochenbasis zeigt, dass die Aktie nach einem durch den Beginn des Irak-Krieges gescheiterten Ausbruchsversuch über den mittelfristigen Abwärtstrend mit den gestrigen, herben Verlusten eine bis ins Frühjahr 2024 zurückreichende Supportzone durchbrach. Die war seither mehrfach getestet worden und hatte gehalten, so dass man davon ausgehen kann, dass unterhalb dieser Linie sehr viele Stop Loss-Verkaufsorders gelegen haben, die allesamt schlagartig ausgelöst wurden, als der Kurs unter die Linie fiel – was das Minus noch vergrößerte.
Und zuletzt findet heute die Abrechnung von Optionen und Futures an der Terminbörse statt. Wer bei Vonovia mit nahe am Kurslevel des Vortages liegenden Basispreisen Long Call oder Short Put positioniert war, ist mit diesem Abwärtsruck in Schwierigkeiten geraten. Hier war, so kurz vor der Abrechnung erst recht, sofortiges Hedging von in Not geratenen Positionen nötig. Auch das dürfte das Minus intensiviert haben.
Dass die Analysten, die Vonovia gestern direkt nach Bilanz und Ausblick neu einordneten, allesamt mit „Kaufen“ werteten und die Kursziele mit 32 bis 38 Euro durchweg meilenweit über dem jetzigen Kurs der Aktie lagen, macht klar: Die Trader sehen das anders. Daher wäre es nach einem derart bärischen Chartsignal nahezu fahrlässig, hier einfach mal ins fallende Messer zu greifen. Aber wie gesagt:
Schulden abzubauen mag Anlegern weniger gefallen als z. B. ein Aktienrückkaufprogramm. Aber so schlecht, wie der Kursrutsch andeutet, sind Lage und Perspektive nicht. Daher wäre es für risikofreudige Akteure durchaus interessant, hier über einen Long-Trade nachzudenken, sobald die Vonovia-Aktie mit einer Rückeroberung der jetzt gefallenen Schlüsselzone 23,74/24,27 Euro zumindest von „mittelfristig bärisch“ auf „neutral“ umschalten würde.
Quellenangaben: Ergebnis des Geschäftsjahres 2025, Ausblick auf 2026, 19.03.2026: https://www.vonovia.com/presse/bilanz-2025
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/VNA.DE/analyst-insights/
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